Wallachisch-Meseritsch (Mähren)

  Die südlich von Mährisch-Ostrau gelegene Stadt Wallachisch-Meseritsch ist das heutige tschechische Valašské Meziříčí im Kreis Zlin mit derzeit ca. 22.000 Einwohnern (Ausschnitt aus hist. Karte, aus: wikipedia.org, PD-alt-100).

Grundriss der Altstadt Wall.-Meseritsch, 1834 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Erste Spuren jüdischer Ansässigkeit in Wallachisch-Meseritsch lassen sich für Ende des 17.Jahrhunderts nachweisen; allerdings handelte es sich nur um sehr wenige Familien, deren Ansiedlung auch nicht von Dauer war. Erst Mitte des 19.Jahrhunderts kann von einer nennenswerten Ansiedlung von Juden gesprochen werden; gegen Ende des Jahrhunderts bekannten sich immerhin 4% der Stadtbewohner zum jüdischen Glauben.

Die israelitische Gemeinde von Wallachisch-Meseritsch konstituierte sich erst Anfang der 1890er Jahre; zusammen mit den jüdischen Bewohnern Mährisch-Weißkirchens (tsch. Hranice) bildeten sie einen Rabbinatsbezirk. Als erster Rabbiner der fusionierten Gemeinde amtierte von 1892 bis 1894 Dr. Adolf Leindörfer, ihm folgte Dr. Jacob Rabbinowitz.

Anfang der 1920er Jahre zählte die hiesige jüdische Gemeinde mehr als 700 Angehörige; denn inzwischen zählten auch die jüdischen Familien aus benachbarten Ortschaften wie Groß-Karlowitz (Roznov pod Radhostem), Hallenkau (Halenkov) und Neu Traubendorf (Novy Hrozenkov) zur Kultusgemeinde.

Bereits gegen Ende der 1860er Jahre hatte die Judenschaft ein eigenes Beerdigungsgelände jenseits des Flusses in Krasna/Krásno nad Bečvou (heute OrtsteiValašské Meziříčí) erworben, das verstorbenen Juden beider Ortschaften als "Guter Ort" diente.

Auch eine Synagoge wurde errichtet; zuvor waren Gottesdienste in einem Privathause abgehalten worden.

                   Synagoge in Wallachisch-Meseritsch (hist. Aufn.)

1930 lebten etwa 150 jüdische Bewohner in der Kleinstadt. Mitte September 1942 wurden die jüdischen Stadtbewohner - via Ostrau - nach Theresienstadt abtransportiert, von hier aus die allermeisten nach Auschwitz-Birkenau und Treblinka deportiert, wo sie ermordet wurden. Nur sehr wenigen war es noch zuvor gelungen zu emigrieren.

 

Juden aus Valasske Mezirici, die die Kriegsjahre überlebt hatten, bildeten nach Kriegsende gemeinsam mit denen aus Vsetin eine eine neue Gemeinde, die allerdings nur wenige Jahre bestand; denn bis Anfang der 1950er Jahre waren die meisten emigriert.

Wenige Jahre nach Ende des Krieges wurde das Synagogengebäude zerstört und abgerissen. Unweit des einstigen Synagogenstandortes hat die Stadt - auf Anregung von Überlebenden der Shoa - 2004 ein Denkmal errichten lassen. Auf einer schwarzen Steinplatte sind die Namen von 150 Holocaust-Opfern ingraviert.

    Valašské Meziříčí, památník holocaustu (12).jpg

Holocaust-Mahnmal (Aufn. Michael Honey, 2004 und Radim Holiš, 2012, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)

In kommunistischer Zeit wurde der jüdische Begräbnisplatz weitgehend eingeebnet; die meisten Grabsteine sollen zweckentfremdet verwendet worden sein, nur wenige haben überdauert.

Valašské Meziříčí, židovský hřbitov (01).jpgValašské Meziříčí, židovský hřbitov (04).jpg

Grabmäler auf dem jüdischen Friedhof (Aufn. Radim Holiš, 2011, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0)

 

Die wenigen jüdischen Familien aus dem benachbarten Rosenau (tsch. Roznov pod Radhostem, derzeit ca. 16.500 Einw.) bildeten keine eigene Gemeinde; zwar verfügten sie kurzzeitig über einen eigenen Betraum und einen Friedhof, doch ansonsten nutzten sie die gemeindlichen Einrichtungen von Wallachisch-Meseritsch.

 

In Wesetin (tsch. Vsetín, derzeit ca. 26.000 Einw.) – ca. 15 Kilometer südlich von Wallachisch-Meseritsch – wurden einige wenige jüdische Familien vermutlich in den Jahren nach dem Dreißigjährigen Kriege ansässig; erste urkundliche Belege stammen aber erst aus dem 18.Jahrhundert. Im Jahre 1823 wurden die Juden – bis auf eine einzige Familie – ausgewiesen; nach 1848 erfolgte erneut eine Zuwanderung, und eine Gemeinde bildete sich.Im Jahre 1899 soll es im Ort zu gewalttätigen antijüdischen Ausschreitungen gekommen sein.

Im Jahre 1849 gründete der jüdische Unternehmer Jacob Kohn (geb. 1791) zusammen mit seinem Sohn Josef (1814–1884) in Wesetin eine Fabrik zur Herstellung hölzerner Bauteile, die europaweit einige Töchterunternehmen besaß.

Um 1900 erreichte die Zahl ihrer Angehörigen ca. 165 Personen, um 1930 waren es noch ca. 100.

Ende der 1880er Jahre erfolgte die Anlage eines jüdischen Friedhofs; ihre Synagoge ließ die Gemeinde 1897 erbauen; vier Jahrzehnte später wurde sie unmittelbar nach der deutschen Okkupation niedergebrannt.

 

Synagoge in Wesetin (hist. Aufn., aus: valassky.denik.cz   -   Denkmal am einstigen Synagogenstandort (Aufn. 2009, aus: mapy.cz)

Im September 1942 wurden die verbliebenen jüdischen Bewohner via Ostrau nach Theresienstadt deportiert; fast alle wurden von hier aus nach Maly Trostinec verschleppt und dort ermordet. Eine Gedenktafel am kleinen jüdischen Friedhof erinnert heute an die Holocaust-Opfer von Wesetin.

 

Weitere Informationen:

J. Rabbinowicz (Bearb.), Geschichte der Juden in Wallachisch-Meseritsch, in: Hugo Gold (Hrg.), Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit u. Gegenwart, Jüdischer Buch- u. Kunstverlag, Brünn 1929, S. 571/572

Hugo Gold (Hrg.), Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden Mährens, Olamenu-Verlag, Tel Aviv 1974, S. 117

Jan Herman, Jewish Cemeteries of Bohemia and Moravia, o.O. 1980

Jiri Fiedler, Jewish sights of Bohemia and Moravia, Prag 1991, S. 202 (Wesetin)

Encyclopedia of Jewih Life before and during the Holocaust, New York, 2001, Vol. 3, S. 1372

Ladislav Baletka, Synagoga ve Valašském Mezirící-Krásne [Die Synagoge in Wallachisch Meseritsch-Krasna an der Betschwa], in: Židé a Morava, Bd. 10, Kromeríž 2004, S. 171 - 181

Ladislav Baletka, The Valasské Mezirící Yizkor Book, 2004

The Jewish Community of Valasske Mezirici, Hrg. Beit Hatfutsot - The Museum of the Jewish People, online abrufbar unter: dbs.bh.org.il/place/valasske-mezirici

Michael Honey (Bearb.), We remember Jewish Novy Jicin & Jewish Valašské Meziříčí (Czechoslovakia), online abrufbar unter: zchor.org/valasske.htm (enthält u.a. detaillierte Personendaten)