Walf (Elsass)

Jüdische Gemeinde - Kolbsheim (Elsass) Die kleine unterelsässische Ortschaft Walf (frz. Valff) mit derzeit ca. 1.300 Einwohnern liegt südlich von Straßburg - nur wenige Kilometer von Oberehnheim/Obernai entfernt (ohne Eintrag von Walf/Valff, Ausschnitt aus hist. Landkarte).

In Walf existierte eine kleinere jüdische Gemeinde, die sich in den 1920er Jahren in Auflösung befand. Bis in die 1860er Jahre war die Zahl der Gemeindeangehörigen mit knapp 120 Personen jahrzehntelang konstant geblieben.

Bereits um 1720 hatten die Juden Valffs einen Betsaal im Obergeschoss eines Privathauses eingerichtet; nach 1789 übernahm die jüdische Gemeinde das Haus, das allmählich verfiel. An gleicher Stelle errichtete man 1854 einen Synagogenneubau - zu einer Zeit, als die Zahl der Gemeindeangehörigen etwa 130 Personen ausmachte.

                  Ehem. Synagogengebäude (Aufn. M. Rothé, um 1985)

Ihre Verstorbenen begrub die Gemeinde auf dem großen jüdischen Friedhof in Rosenweiler (Rosenwiller).

Der jüdische Friedhof in Rosenweiler/Rosenwiller ist der größte jüdische Friedhof im Elsass und zugleich einer der größten jüdischen Verbandsfriedhöfe in Mitteleuropa. Folgende israelitische Gemeinden aus dem Unter-Elsass bestatteten hier ihre Toten (teilweise haben diese Gemeinden im 18. oder 19. Jahrhundert dann eigene Friedhöfe angelegt): Balbronn, Baldenheim, Barr, Bergheim, Biesheim, Bischheim, Bonhomme, Brumath, Buswiller, Dambach, Dangolsheim, Diebolsheim, Dinsheim, Duppigheim, Duttlenheim, Eckbolsheim, Epfig, Ettingen, Fegersheim, Gunstett, Kaysersberg, Kolbsheim, Krautgersheim, Kuttolsheim, Lingolsheim, Molsheim, Mutzig, Niederehnheim, Oberehnheim, Oberschaeffolsheim, Osthofen, Niederottrott, Rosheim, Scharrachbergheim, Schirmeck, Stotzheim,, Strasbourg, Tränheim und Zellweiler. Auf dem etwa 40.000 m² großen Begräbnisareal lassen sich nahezu 6.500 Grabstätten nachweisen.

     http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2045/Rosenwiller%20Cimetiere%20104.jpg Teilansicht des Friedhofs von Rosenwiller (Aufn. Sammlung J.Hahn)

Die jüdische Gemeinde in Walf (Valff) unterstand dem Bezirksrabbinat Niederehnheim (Niedernai).

Juden in Walf/Valff:

         --- 1689 ..........................  40 Juden,

    --- 1740 ........................... 44   "  ,

    --- 1784 ..........................  18 jüdische Familien (ca. 95 Pers.),

    --- 1808 .......................... 120 Juden,

    --- 1846 .......................... 110   “  ,

    --- 1851 .......................... 130   "  ,

    --- 1861 .......................... 111   “  ,

    --- 1870 .......................... 117   “  ,

    --- 1900 ..........................  63   “  ,

    --- 1910 ..........................  48   “  ,

    --- 1936 ..........................   4   “  .

Angaben aus: Alain Kahn, Valff - REPÈRES CHRONOLOGIQUES (in: judaisme.sdv.fr)

und                   Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S. 36

In den letzten beiden Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts begannen die Juden aus Valff verstärkt abzuwandern. Nach Ende des Ersten Weltkrieges setzte sich die jüdische Gemeinde nur noch aus wenigen Familien zusammen.

Der letzte Gottesdienst fand in der Valffer Synagoge 1936 statt; in einer Zeremonie wurden die Thorarollen und Ritualien der jüdischen Gemeinde Barr übergeben. Damit war das Ende der israelitischen Gemeinde Valff besiegelt.

 

Das ehemalige Synagogengebäude ist bis in die Gegenwart erhalten geblieben; es dient dem privaten Eigentümer als landwirtschaftlicher Lagerraum (Aufn. siehe oben).

 

Weitere Informationen:

Alain Kahn, Valff - REPÈRES CHRONOLOGIQUES (in: judaisme.sdv.fr)

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, Jerusalem 1992

Valff, in: alemannia-judaica.de

Martin Ruch, Aus der „Heimatgeschichte der Badischen Juden" – Isak Valfer schreibt aus Gengenbach an Berthold Rosenthal, in: „Gengenbacher Blätter 2014“, S. 10/11