Welbhausen (Mittelfranken/Bayern)

Datei:Uffenheim in NEA.svg Welbhausen ist heute mit derzeit kaum 400 Bewohnern ein Ortsteil der Stadt Uffenheim im mittelfränkischen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim - zwischen Würzburg und Ansbach gelegen (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Früheste Hinweise auf Ansässigkeit von Juden in dem kleinen Dorf Welbhausen stammen aus der ersten Hälfte des 16.Jahrhunderts; um 1530 ließ der Markgraf Georg der Fromme (1527-1543) jüdische Familien sich hier ansiedeln. Auch während des Dreißigjährigen Krieges erhielten einige wenige Juden gegen Entrichtung eines jährlichen Schutzgeldes Aufnahme in der Stadt, allerdings unter dem Vorbehalt, Welbhausen nach Ende des Krieges dann wieder zu verlassen. Nicht erlaubt war den jüdischen Familien während ihres Aufenthaltes das Abhalten öffentlicher "exercitien und ceremonien" (d.h. Begehen von Festen u.ä.).

Anfang des 18.Jahrhunderts war in Welbhausen eine relativ große jüdische Gemeinde beheimatet, die mit 125 Personen einen beträchtlichen Anteil der Dorfbevölkerung ausmachte; damit war die israelitische Gemeinde Welbhausen eine der größten in der Region. Dieser Trend verstärkte sich noch bis in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Die meisten Juden von Welbhausens lebten vom Viehhandel.

Ein Betsaal muss in Welbhausen bereits um 1705 existiert haben; dieser befand sich in einem Raum eines Wohnhauses, dessen Nutzung aber erst nach Entrichtung einer Gebühr an die Herrschaft möglich wurde. In den 1760er Jahren richtete die Gemeinde eine zweite Synagoge ein; sie war in einem schlichten Gebäude untergebracht, das sich nur durch den außen angebrachten Chuppastein von den übrigen Wohnhäusern unterschied.

               Synagoge rechts hinten (Ausschnitt aus hist. Postkarte)

                Chuppastein am Synagogengebäude (Aufn. Chr. Eberstadt, aus: alemannia-judaica.de) 

Der Hochzeitsstein trägt die Beschriftung: "Stimme des Jubels, Stimme der Freude, Stimme des Bräutigams, Stimme der Braut" (aus: Jeremia 7,34 und 33,11); im Feld mittig die Abkürzung für „Masel tov“ und die Jahresangabe 5524 (=1763) 

In der Nähe der Synagoge befand sich in einem Häuschen die Mikwe. Des Weiteren sollen sich auch in jüdischen Privathäusern Tauchbäder befunden haben, die allerdings später zugeschüttet wurden. Eine israelitische Elementarschule soll es bis ca. 1875 gegeben haben.

Ihre Verstorbenen begruben die Welbhausener Juden auf dem jüdischen Friedhof in Creglingen und auf dem Bezirksfriedhof in Ermetzhofen.

Im Jahre 1838 erließ die Regierung die Verfügung zur Bildung eines eigenständigen Rabbinats Welbhausen; darüber berichtete die „Allgemeine Zeitung des Judentums" wie folgt:

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2091/Welbhausen%20AZJ%2006091838.jpg aus: "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 6.Sept. 1838

Zwischen 1838 bis etwa 1875 war Welbhausen dann Sitz eines selbstständigen Distriktrabbinats; dessen Einrichtung war der Tatsache geschuldet, dass der Rabbinatbezirk Ansbach eine übergroße Zahl von Gemeinden zu betreuen hatte. Der neugebildete Rabbinatsbezirk umfasste 13 Kultusgemeinden, so die von Welbhausen, Bullenheim, Burgbernheim, Dorbheim, Ermetzhofen, Gnodstadt, Hüttenheim, Ickelheim, Kaubenheim/Dottenheim, Lenkersheim, Nenzenheim, Sugenheim und Weigenheim. 

                       Ausschreibung der Rabbinatsstelle 1862

Nach Auflösung des Rabbinatsbezirks übernahm für wenige Jahre Uffenheim, danach das Rabbinat Ansbach dessen Aufgabe.

Juden in Welbhausen:

        --- 1608 ......................... eine jüdische Familie,

    --- 1705 ......................... 125 Juden,

    --- 1808 ......................... 181   “  (in 36 Familien),

    --- 1840 ......................... 160   “  ,

    --- 1856 ......................... 131   “  ,

    --- 1862 .........................  24 jüdische Familien,

    --- 1880 .........................  24 Juden,

    --- 1890 .........................   9   “  ,

    --- 1900 .........................   2   “  .

Angaben aus: Karl Ernst Stimpfig, Die Landjuden im Raum Uffenheim, S. 137

Mit der Liberalisierung der Niederlassungsmöglichkeiten in Bayern nach 1860 setzte eine starke Abwanderung aus Welbhausen ein, die innerhalb nur weniger Jahrzehnte zur völligen Auflösung der Kultusgemeinde führte. 1875 verließ der letzte jüdische Lehrer Welbhausen, nachdem die jüdische Schule nach Uffenheim verlegt worden war; dort hatte sich inzwischen der größte Teil der jüdischen Familien niedergelassen. Die letzte jüdische Einwohnerin Welbhausens war Lena Weinstock; sie verstarb kurz nach 1900.

Um die Jahrhundertwende kam das inzwischen baufällige Synagogengebäude als Schenkung in den Besitz der politischen Gemeinde; diese ließ das Gebäude umbauen und brachte darin das Armenhaus der Gemeinde unter. Die Ritualien der Kultusgemeinde verbrachte man auf Initiative des jüdischen Lehrers Abraham Strauß (Uffenheim) in eine von ihm angelegte "jüdische Abteilung" des städtischen Museums in Uffenheim.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20361/Welbhausen%20Synagoge%20264.jpg einstiges Synagogengebäude (Aufn. Christof Eberstadt, aus: alemannia-judaica.de)

 

[vgl. Uffenheim (Bayern)]

 

Weitere Informationen:

Baruch Z. Ophir/Falk Wiesemann, Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945. Geschichte und Zerstörung, Oldenbourg-Verlag, München 1997, S. 236/237 (unter Uffenheim)

Israel Schwierz, Steinerne Zeugen jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 198/199

Karl Ernst Stimpfig, Die Landjuden im Raum Uffenheim . Dokumentation jüdischen Lebens in den Kultusgemeinden Ermetzhofen, Gnodstadt, Welbhausen und Uffenheim mit der Geschichte des Rabbinats Welbhausen - Eine Dokumentation, Hrg. Stadt Uffenheim, Uffenheim 2002, S. 136 ff.

Georg Schöck, Vom Schicksal der Juden im Uffenheimer Gau, o.O. o. J.

Welbhausen, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Angaben zur jüdischen Ortsgeschichte)