Weisenheim a. Berg (Rheinland-Pfalz)

Datei:Karte Landkreis Bad Dürkheim.gif Weisenheim am Berg ist eine derzeit ca. 1.600 Bewohner zählende Ortsgemeinde im Landkreis Bad Dürkheim; sie gehört der Verbandskommune Freinsheim an (Karte Lencer, 2007, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Vermutlich soll Anfang des 16.Jahrhunderts eine jüdische Familie in Weisenheim, das zur Grafschaft Leiningen gehörte, gelebt haben. Bis ins 17.Jahrhundert hinein sind Hinweise auf jüdisches Leben in Weisenberg eher selten; ab Anfang des 18.Jahrhunderts sind Weisenheimer Juden auch namentlich bekannt. Schutzbriefe der Leininger Grafen garantierten diesen ein Bleiberecht. Die Schutzgelder variierten in ihrer Höhe je nach Vermögen der jeweiligen Familien; zusätzlich wurden die hiesigen Juden zu Abgaben an die Dorfgemeinde herangezogen. Die Weisenheimer Juden lebten vom Viehhandel und Fleischverkauf; daneben ernährte auch Ackerbau einige Familien. Im Laufe des 19.Jahrhunderts spielte der Einzelhandel in verschiedenen Branchen und die Tätigkeit als Makler die vorrangige Rolle.

Aus dem Jahre 1788 ist eine ‚Judenschule’ belegt, die in einem Privathause untergebracht war. Ihr Synagogengebäude errichtete die Judenschaft 1832/1833; der schmucklose Bau war ein aus Bruchsteinen bestehendes, verputztes Haus mit Rundbogenfenstern; eine Empore, die durch einen Vorhang vom Gebetsraum abgetrennt war, stand den Frauen zur Verfügung.

 

Synagoge Weisenheim am Berg, links: Zeichnung Förderkreis ehem. Synagoge e.V. - rechts: Aquarell Helmut Hoch, 1988

Um überhaupt einen Minjan zustande zu bringen, mussten zeitweilig auswärtige Juden am Gottesdienst teilnehmen. Zur kleinen Gemeinde gehörten auch die jüdischen Familien aus Bobenheim und Leistadt. Bestrebungen, die Gemeindemitglieder Weisenheims an die Kultusgemeinde Kallstadt bzw. Kirchheim anzugliedern, konnten zunächst erfolgreich abgewehrt werden. Die jüdischen Kinder besuchten die protestantische Schule am Ort; nur für sehr kurze Zeit gab in Weisenheim einen jüdischen Lehrer, ansonsten gingen die Kinder zum Religionsunterricht nach Kallstadt.

Verstorbene Weisenheimer Juden fanden ihre letzte Ruhe zunächst auf dem seit etwa 1725 angelegten Friedhof in Hettenleidelheim, später dann auf dem neuen Friedhof am gleichen Ort.

Juden in Weisenheim a.Berg:

        --- um 1520/25 ...................... eine jüdische Familie,

    --- 1702/03 ..........................  2      “       “  n,

    --- um 1730 ..........................  4      “       “   ,

    --- um 1750 ........................ 6 - 8     “       “   ,

    --- 1804 ............................. 36 Juden,

    --- 1836 ............................. 34   “  ,

    --- um 1850 .......................... 11 jüdische Familien,

    --- 1880 ............................. 11     “        “   ,*    * incl Bobenheim u. Leistadt

    --- 1910 ............................. 12 Juden,

    --- 1935 .............................  7   “  ,

    --- 1940 (Dez.) ...................... keine.

Angaben aus: Gudrun Müller (Hrg.), Die Juden in Weisenheim am Berg und ihre Synagoge

Um die Jahrhundertwende schienen die Juden Weisenheims in die dörfliche Gesellschaft integriert gewesen sein; dies bewiesen ihre Tätigkeiten innerhalb der kommunalen Verwaltung.

Auf Grund ihrer geringen Mitgliederzahl wurde 1909 die Gemeinde Weisenheim am Berg aufgelöst; die wenigen Israeliten schlossen sich der Gemeinde Kirchheim an. Das gemeindliche Eigentum und der Erlös des Verkaufs des Synagogengebäudes fiel an die Kultusgemeinde Kirchheim.

Das an eine Tischlerei verkaufte Synagogengebäude wurde fortan als Lagerraum benutzt; deshalb blieb es in der NS-Zeit unbehelligt. Die letzten beiden jüdischen Einwohnerinnen von Weisenheim am Berg wurden am 22.Oktober 1940 nach Gurs deportiert.

Nachdem das einsturzgefährdete ehemalige Synagogengebäude Anfang der 1980er Jahre unter Denkmalschutz gestellt worden war, konstituierte sich 1988 der „Förderkreis zur Erhaltung und Restaurierung der ehemaligen Synagoge Weisenheim am Berg e.V.”, um das Gebäude zu erhalten und zukünftig einer kulturellen Nutzung zuzuführen. Zwei Jahre später wurde die ehemalige Synagoge als Kulturzentrum eingeweiht.


Saniertes Synagogengebäude (links: Förderkreis ehem. Synagoge e.V., um 2000, rechts: M., 2011, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

In der Kirchgasse wurden 2006 zwei sog. „Stolpersteine“ für die beiden Schwestern Ina und Juliana Hecht verlegt, die beide nach Gurs deportiert und Opfer der Shoa wurden.

die beiden Stolpersteine (Aufn. Stobs, 2016, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

 

Weitere Informationen:

Ein Amerikaner auf den Spuren seiner Ahnen. David Mayer aus New York findet in Weisenheim das Haus seines Urgroßvaters, in: ‘Die Rheinpfalz’ (Ausgabe Bad Dürkheim) vom April 1986

Bernhard Kukatzki, Die Synagoge Weisenheim am Berg, in: ‘Die Rheinpfalz’ (Ausgabe Bad Dürkheim) vom 17.4.1986

Alfred Hans Kuby (Hrg.), Juden in der Provinz. Beiträge zur Geschichte der Juden in der Pfalz zwischen Emanzipation und Vernichtung, Verlag Pfälzische Post, Neustadt a.d.Weinstraße 1989, S. 223

Gudrun Müller (Hrg.), Die Juden in Weisenheim am Berg und ihre Synagoge, Förderkreis zur Erhaltung und Restaurierung der ehemaligen Synagoge von Weisenheim am Berg e.V., 1990

Karl-Georg Ruppersberger, Eingekuschelt zwischen Höfen: Die Weisenheimer Synagoge unter Denkmalschutz, in: ‘Die Rheinpfalz’, Bad Dürkheim 49/1993, No. 117 vom 22.5.1993

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 383 - 385

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, Hrg. Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit Pfalz (Landau), Dahn 2005, S. 158

Weisenheim am Berg, in: alemannia-judaica.de

Auflistung der in Weisenheim verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Weisenheim_am_Berg