Weisendorf (Mittelfranken/Bayern)

Datei:Weisendorf in ERH.svg Der heute aus 16 Ortsteilen bestehende Markt Weisendorf hat derzeit ca. 6.000 Bewohner und liegt im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt – knapp 30 Kilometer nordwestlich von Nürnberg (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Erste Hinweise auf Aufenthalt bzw. Ansässigkeit von Juden in Weisendorf stammen aus der Zeit unmittelbar nach Ende des Dreißigjährigen Krieges. Als Untertanen des adligen Gutsherrn mussten sie diesem einen Eid leisten. Zur Belebung des Handels förderte Freiherr von Lauter um 1690/1710 die Ansiedlung weiterer jüdischer Familien; schließlich bildete sich Jahrzehnte später eine kleine Gemeinde heraus, die um 1785 auch ein Bethaus besaß. Zu den gemeindlichen Kultuseinrichtungen zählten auch ein Schulraum und eine Mikwe; beide waren im Synagogengebäude in der Hauptstraße untergebracht. Ihren Elementarunterricht erhielten die jüdischen Kinder in der evangelischen Ortsschule.

Verstorbene wurden auf dem jüdischen Friedhof in Zeckern begraben. Dieser war vermutlich bereits im 14.Jahrhundert angelegt worden; flächenmäßig ist er einer der größten und ältesten Begräbnisstätten auf bayrischem Gebiet. Insgesamt sollen hier etwa 6.000 Juden ihre letzte Ruhe gefunden haben; etwa 1.500 Grabsteine sind noch erhalten geblieben.

Die jüdische Gemeinde Weisendorf gehörte zunächst zum Rabbinat Adelsdorf, nach 1838 zum Rabbinat Uehlfeld.

Juden in Weisendorf:

    --- 1811 ........................ 89 Juden (ca. 15% d. Bevölk.),

    --- 1849 ........................ 11 jüdische Familien,

    --- 1855 ........................ 10     "        "   ,

    --- 1860 ........................ 66 Juden,

    --- 1890 ........................ 19   “  ,

    --- 1933 ........................  2   “  .

Angaben aus: Lothar Lehmann, Zur jüdischen Geschichte Weisendorfs

und                 Weisendorf, in: alemannia-judaica.de

1813 wurden für Weisendorf 20 Matrikel festgelegt, d.h. am Ort durften bis zu 20 jüdische Familien ansässig sein; zugleich mussten sie neue Familiennamen annehmen. Ihren kargen Lebensunterhalt verdienten sie als Schnittwaren- und Viehhändler. In den Märztagen von 1848 mussten im Zusammenhang mit revolutionären Bauern-Unruhen gegen die Gutsherrschaft auch die hier lebenden Juden um ihre Sicherheit besorgt sein; tumultartige Krawalle vor dem Schloss und vor zwei von Juden bewohnten Häusern richteten aber kaum Schaden an. Seit Mitte des 19.Jahrhunderts ging die Zahl der jüdischen Bewohner Weisendorf kontinuierlich zurück; um die Jahrhundertwende lebte hier nur noch eine einzige Familie. Mit der Auflösung der Weisendorfer Gemeinde ging auch der Verkauf des Synagogengebäudes einher; es wurde 1904 an die benachbarte Gemeinde Adelsdorf veräußert, die es ihrerseits an einen Privatmann weiterverkaufte. Ein Jahr später wurde das einstige Synagogengebäude bis auf die Grundmauern abgebrochen; auf diesen errichtete der neue Besitzer ein Wohnhaus.

Die Inneneinrichtung der Weisendorfer Synagoge wurde teilweise von der Adelsdorfer Gemeinde übernommen, der andere Teil zum Verkauf angeboten.

                            Verkaufsanzeige in: „Der Israelit” vom 5.Sept. 1904

Anfang der 1930er Jahren lebten nur noch zwei Personen mosaischen Glaubens in Weisendorf.

 Auf dem israelitischen Friedhof in Zeckern wurde 1998 ein Mahnmal aufgestellt, das der Erinnerung und dem Gedenken an die Adelsdorfer und Weisendorfer Shoa-Opfer gewidmet ist (Aufn. J. Hahn, 2009).

 

Weitere Informationen:

Walter Siegismund, Weisendorfer Chronik, Weisendorf 1988, S. 111 - 124

Israel Schwierz, Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsrabeit, München 1992, S. 198

Lothar Lehmann, Zur jüdischen Geschichte Weisendorfs, in: Weisendorfer Bote 1997

Christiane Kolbet, Memorbuch - Zum Gedenken an die von den Nazis ermordeten Juden von Adelsdorf u. Weisendorf, o.O. 1998

Lothar Lehmann, Juden während der Revolution von 1848 am Beispiel Weisendorf, in: J. Fleischmann, Mesusa 1 - Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach u. Seebach, Hrg. Arbeitskreis “Jüdische Landgemeinden an Aisch, Aurach, Ebrach u. Seebach”, Selbstverlag, Mühlhausen 1998, S. 126 - 138

Lothar Lehmann, Zur jüdischen Geschichte Weisendorfs, in: J. Fleischmann, Mesusa 2 - Spuren jüdischer Vergangenheit an Aisch, Aurach, Ebrach u. Seebach, Hrg. Arbeitskreis “Jüdische Landgemeinden an Aisch, Aurach, Ebrach u. Seebach”, Selbstverlag, Mühlhausen 2000, S. 117 - 127

Weisendorf, in: alemannia-judaica.de