Weimarschmieden (Unterfranken/Bayern)

Datei:Fladungen in NES.svg Die kleine Ortschaft Weimarschmieden ist heute ein Ortsteil von Fladungen, der nördlichsten Stadt Bayerns im Landkreis Rhön-Grabfeld -  ca. 35 Kilometer östlich von Fulda gelegen (Karte Hagar, 2009, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Die Wurzeln einer jüdischen Gemeinde in Weimarschmieden liegen im 18.Jahrhundert. Bei der Erstellung der Matrikellisten (1817) wurden für das Dorf 17 Familienvorstände eingeschrieben.

Der Synagogenraum war im Dachgeschoss eines Gebäude in der Gutsstraße untergebracht; der Betsaal soll eine gewölbte Holzdecke gehabt haben, auf der auf blauem Untergrund goldene Sterne angebracht waren. Zur Verrichtung religiös-ritueller Aufgaben der Gemeinde war vermutlich zeitweise (in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts) ein eigener Lehrer angestellt. Später wurden die jüdischen Kinder durch auswärtige Lehrer unterrichtet.

Kleinanzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 27.Okt. 1875 http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2092/Willmars%20Israelit%2027101875.jpg

Ein jüdischer Friedhof wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts (nach neueren Erkenntnissen schon im 18.Jahrhundert) am südlichen Ortsausgang in Richtung Willmars angelegt; dieses um 1850 noch erweiterte Beerdigungsgelände - in unmittelbarer Nähe zu thüringischem Gebiet - nutzten auch umliegende Gemeinden. Die letzte Beerdigung fand hier 1909 statt.

Die Gemeinde Weimarschmieden gehörte dem Bezirksrabbinat Bad Kissingen an.

Juden in Weimarschmieden:

    --- 1816 ......................... 85 Juden (ca. 35% d. Dorfbev.),

    --- 1867 ......................... 47   “   (ca. 20% d. Dorfbev.),

    --- 1880 ......................... 36   “   (ca. 16% d. Dorfbev.),

--- 1890 ......................... 20   “  ,

--- 1900 ......................... 25   "  ,

--- 1910 .........................  8   “  ,

--- 1920 .........................  keine.

Angaben aus: Angaben der Kommune Fladungen

Die jüdischen Familien sollen weitgehend in das dörfliche Sozialgefüge integriert gewesen sein. „Der Israelit“ berichtete in einem Artikel am 27.Okt. 1875:

Durch Aus- und Abwanderung reduzierte sich die Zahl der in Weimarschmieden lebenden jüdischen Einwohner in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges löste sich die jüdische Gemeinde dann völlig auf. Das Synagogengebäude wurde 1919 veräußert; es dient bis auf den heutigen Tag als Wohnhaus.

Heute erinnert noch der in einem Waldgelände gelegene jüdische Friedhof - er weist eine Fläche von knapp 1.000 m² auf - mit seinen 80, teilweise schon im Erdreich versunkenen und kaum noch lesbaren Grabsteinen daran, dass in Weimarschmieden einst Juden zuhause waren.

 Hinweistafel von 1957 (Aufn. J. Hahn, 2005)                          Friedhofsgelände (Aufn. S., 2013, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Auch der Flurname „Hinter den Judenhäusern“ bezeugt die einstige Ansässigkeit jüdischer Familien im Dorf.

 

Weitere Informationen:

Israel Schwierz, Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 134

Michael Trüger, Der jüdische Friedhof in Weimarschmieden, in: Der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, No. 69/1996, S. 18/19

Angaben des Ortsgemeinde (Dieter Horsch), 2000

Dirk Rosenstock (Bearb.), Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenskundliche und sozialgeschichtliche Quelle, in: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg, Band 13, Würzburg 2008, S. 120

Weimarschmieden, in: alemannia-judaica.de

Lothar Mayer, Jüdische Friedhöfe in Unterfranken, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2010, S. 192 - 195

Reinhold Albert, Jüdische Friedhöfe im Landkreis Rhön-Grabfeld, in: Schriftenreihe der Kulturagentur des Landkreises Rhön-Grabfeld, Heft 1/2015

N.N. (Red.), Weimarschmieden. Judenfriedhof: Einer der ältesten im Umkreis, in: "Main-Post" vom 8.1.2015

Gerhild Elisabeth Birmann-Dähne, Jüdische Friedhöfe in der Rhön, Michael Imhof Verlag, Petersberg 2018