Wawern (Rheinland-Pfalz)

Datei:Verbandsgemeinden in TR.svg Die kleine Ortschaft Wawern mit ihren derzeit ca. 600 Einwohnern ist heute eine Ortsteil der Verbandsgemeinde Konz im Landkreis Trier-Saarburg – ca. 20 Kilometer südwestlich von Trier gelegen  (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Die Anfänge jüdischen Lebens im Dörfchen Wawern liegen möglicherweise schon im beginnenden 18.Jahrhundert; auf Grund einer zeitlich begrenzten Aufenthaltserlaubnis durch den Trierer Kurfürsten Franz Georg von Schönborn war der kleine Ort nun Wohnsitz einiger jüdischer Familien. Im gesamten Kurstaat Trier durften sich 1723 insgesamt 165 jüdische Familien ansiedeln. Eine eigene Kultusgemeinde bildete sich in Wawern aber erst vermutlich um 1830/1840 heraus.

Der Neubau einer lange geplanten Synagoge an der Saarburger Straße ist aus dem Jahre 1844 überliefert; sie befand sich zentral zwischen den Wohngebieten des jüdischen und katholischen Bevölkerungsteils.

     

Synagogengebäude in Wawern vor und nach der Restaurierung (Aufn. um 1985 und wawern.online 2000)  

Die Zeitschrift „Der Israelit” berichtete (allerdings erst Monate nach der Einweihung) in ihrer Ausgabe vom 3.Nov.1844:

Von der Saar: /Corresp.) Während man in neuer und jüngster Zeit, leider ! so viel Betrübendes über grausame Judenverfolgungen, wie sie im Mittelalter kaum schlimmer waren, hören und lesen muß, herrscht gottlob in unserer Gegend die größte Toleranz, die sich bei jeder Gelegenheit kund gibt. Diese entspringt hauptsächlich aus dem bessern Geiste, der unsre christlichen Mitbürger beseelt; nicht wenig aber trägt hierzu bei unsre höchst humane Regierung zu Trier, ... Diese Toleranz bewährte sich neulich auf höchst schöne Weise bei einer Synagogeneinweihung in Wawern, Kreis Sonneburg, durch den Oberrabbinen Kahn. Dieser Feier wohnten die meisten Beamten und viele der ersten Bürger, besonders viele Damen aus Sonneburg und der Umgebung bei, und alle bewiesen ihre wahre Theilnahme an dieser Feier. Auch einige katholische Geistliche kamen 3 Stunden weit herbei und äußerten sich sehr günstig über die ganze Festlichkeit, besonders über den Choralgesang und die Predigt. ...

Anm.: Die „Triersche Zeitung“ hatte hingegen zeitnah am 15.8.1844 über die Synagogeneinweihung in Wawern mit einen Bericht die Öffentlichkeit informiert.

Zeitweise hatte die Gemeinde einen Religionslehrer angestellt, der neben der religiösen Unterweisung der Kinder auch als Vorbeter und Schächter tätig war. Über den Unterricht, den die Wawerner Judenkinder genossen, berichtete der Saarburger Landrat 1856: „ ... In Kirf, Freudenburg und Wawern wird der Religions-Unterricht der schulpflichtigen Judenkinder durch eigene Religionslehrer erteilt, welche die an dem Synagogenbezirke beteiligte Judenschaft besoldet. Diese Lehrer haben nicht die gesetzliche Qualifikation zur Ausübung eines Elementar-Schulamtes, zur Besoldung derartiger Personen sind die Interessenten ... außer Stande. Soweit bekannt, wird der Religions-Unterricht von Zeit zu Zeit controlliert, inwiefern hierdurch die nötige Fürsorge getroffen ist, weiß ich indessen nicht zu beurteilen. ... ”

                        Stellengesuch aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 15.10.1879

Über einen eigenen Friedhof verfügten die Wawerner Juden nicht; ihre Verstorbenen wurden in Saarburg-Niederleuken begraben. Der jüdische Friedhof in Saarburg-Niederleuken ist nach Freudenburg der größte von insgesamt 15 jüdischen Begräbnisstätten im gesamten Kreisgebiet Trier-Saarburg.

Juden in Wawern:

        --- um 1730 .........................  4 jüdische Familien,

    --- 1818 ............................ 37 Juden,

    --- 1848 ............................ 71   “  ,

    --- 1895 ............................ 73   “  ,

    --- 1900 ............................ 53   “  ,

    --- 1925 ............................ 46   “  ,

    --- 1933 ............................ 46   “  ,

    --- 1938 ............................ 29   “  ,

    --- 1940 (Dez.) ..................... keine.

Angaben aus: Günter Heidt/Dirk S.Lennartz, Fast vergessene Zeugen - Juden in Freudenburg und im Saar-Mosel-Raum 1321 – 1943

Vieh- und Pferdehandel waren die bestimmenden Erwerbszweige der Juden Wawerns. Zu Beginn der 1930er Jahre lebten im Dorf knapp 50 Juden.

Wie in anderen Orten der Region kam es auch hier im August 1935 zu judenfeindlichen Ausschreitungen; neben Übergriffen auf zwei Familien wurde auch die Synagoge beschädigt. Während der „Kristallnacht“ von 1938 waren auch in Wawern jüdische Bürger gedemütigt und geschlagen, ihr Hab und Gut zerstört worden. Wochen nach dem Novemberpogrom von 1938 wurde die Wawerner Synagoge demoliert und anschließend zweckentfremdet; lange Jahre stand das Gebäude als Ruine im Ort. Gegen Ende des Jahres 1940 gab es in Wawern keine Juden mehr. Namentlich sind 17 in Wawern gebürtige bzw. hier länger lebende Juden bekannt, die Opfer der „Endlösung“ geworden sind.

Neben den jüdischen Friedhöfen in Könen und Oberemmel ist das einstige Synagogengebäude in Wawern eines der letzten Denkmäler jüdischer Kultur in der heutigen Verbandsgemeinde Konz. Nachdem das im unteren Dorfteil liegende marode Gebäude 1981 unter Denkmalschutz gestellt worden war, wurde es zu Beginn der 1990er Jahre grundlegend restauriert; seitdem dient das Gebäude als Kulturhaus. 2009 gründete sich der „Förderverein ehemalige Synagoge“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Veranstaltungsraum der ehemaligen Synagoge sowohl für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen als auch denkmalpflegerisch zu begleiten.

http://photos.geni.com/p13/c5/c9/6e/40/5344483cb4e074dd/wew26niw_large.jpg  Joseph Kahn (geb.1809 in Wawern) fungierte von 1841 bis zu seinem Tode als Oberrabbiner von Trier. Nach Besuch der Talmudschulen in Metz und Mannheim absolvierte er ein Studium in Heidelberg und Bonn. Er galt als ein bedeutender Streiter für die rechtliche Gleichstellung der jüdischen Religion in Deutschland. Kahn verfasste zahlreiche theologische Artikel, die in jüdischen Zeitschriften publiziert wurden. Joseph Kahn weihte in seiner Amtszeit von 1841 bis 1875 ca. 35 Synagogen in der Region Trier ein; die Synagogen in Schweich und Wawern zeugen heute noch von Joseph Kahns Tätigkeit als Trierer Oberrabbiner. 1875 verstarb Joseph Kahn in Amsterdam.

 

Weitere Informationen:

Richard Laufner, Die Geschichte der jüdischen Bevölkerung im Gebiet des heutigen Kreises Trier-Saarburg, in: Kreisjahrbuch Trier-Saarburg 1979, S. 166 f.

Hans Greis, Geschichte der jüdischen Mitbürger Wawerns, Manuskript (Gemeindearchiv Wawern)

Wolf-Manfred Müller, Ehemalige Synagoge in Wawern wiederhergestellt, in: Jahrbuch Kreis Trier-Saarburg 1994, S. 132 f.

Günter Heidt/Dirk S.Lennartz, Fast vergessene Zeugen - Juden in Freudenburg und im Saar-Mosel-Raum 1321 – 1943, Saarburg 2000, S. 178 , S. 222/223 und S. 391 f.

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels“, Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 381 – 383

Willi Körtels, Joseph Kahn (1809 – 1975). Eine Biographie, hrg. vom Förderverein Synagoge Könen e.V., Konz 2009

Willi Körtels, Die jüdische Schule in der Region Trier, hrg. vom Förderverein Synagoge Könen e.V., 2011, S. 79 – 86

Günter Heidt, Religiosität und Gelehrsamkeit: Rabbiner, Lehrer und Kantoren aus dem Saar-Mosel-Raum seit Beginn des 17. Jahrhunderts, in: Kreisjahrbuch Trier-Saarburg 2012

Wawern, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten aus der jüdischen Ortshistorie)

Willi Körtels, Materialien zur Geschichte der jüdischen gemeinde Wawern, Konz 2013 (PDF-Datei unter: mahnmal-trier.de/Geschichte_Juden_in_Wawern.pdf