Thedinghausen (Niedersachsen)

Datei:Thedinghausen in VER.svg Die kommunale Verwaltungsgemeinschaft Thedinghausen, zu der auch die Orte Blender, Emtinghausen und Riede gehören, zählt derzeit etwa 8.000 Einwohner – gelegen in der Wesermarsch im Landkreis Verden ca. 20 Kilometer südöstlich von Bremen (Kartenskizze 'Landkreis Verden', Hagar 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

 

Als erster am Ort ansässiger Schutzjude ist Abraham Benedix urkundlich belegt; er hielt sich mit seiner Familie zwischen 1745 und 1770 hier auf. Im 19.Jahrhundert ließen sich nur wenige, oft kinderreiche Familien im Amt Thedinghausen nieder und bildeten hier eine kleine, kaum mehr als 40 Köpfe zählende jüdische Gemeinschaft. Ein Betraum in einem Wohnhause diente als religiöser Mittelpunkt.

Seit 1854 existierte in Thedinghausen ein jüdischer Begräbnisplatz im Bereich "Niedere Quarnstedt" (heutige Blankenburger Straße); zuvor waren Verstorbene auf dem Friedhof in Hoyerhagen/bei Hoya begraben worden. 

Die winzige Synagogengemeinde Thedinghausen gehörte zum Landrabbinat Braunschweig.

Juden im Amt Thedinghausen:

    --- 1793 ......................... 18 Juden,*     * Amt Thedinghausen

    --- 1843 ......................... 30   “  ,*

    --- 1871 ......................... 26   “  ,*

    --- 1895 ......................... 12   “  ,*

    --- 1907 ......................... 12   “  ,

    --- 1933 .........................  7   “  ,

    --- 1939 .........................  keine.

Angaben aus: Anke Quast (Bearb.), Thedinghausen, in:  H. Obenaus (Hrg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen ..., Bd. 2, S. 1470

Anfang der 1930er Jahre lebte nur noch die achtköpfige jüdische Familie Baumgarten in Thedinghausen. Vermutlich verließen die letzten drei jüdischen Bewohner 1936 ihren Heimatort.

 

In Thedinghausen sind heute keine Spuren der ehemaligen jüdischen Bewohner mehr zu finden: Der Friedhof wurde 1942 völlig zerstört; deshalb sind heute keine Gräber bzw. -relikte mehr vorhanden; das Gelände ist teilweise überbaut worden.

Seit Anfang der 1990er erinnert eine Gedenktafel am Taubenturm vor dem Rathaus an die ehemalige jüdische Gemeinde mit den Worten:

Das Geheimnis der Erlösung liegt in der Erinnerung.

Unseren ehemaligen jüdischen Mitbürgern gewidmet.

                   Diese Tafel wurde später ergänzt; seitdem trägt sie die Namen der Thedinghäuser Juden.

 

 

 

Weitere Informationen:

Theodor Müller, Das Amt Thedinghausen, seine Geschichte und seine Entwicklung, Thedinghausen 1928

Kurt Asendorf, Die vergessenen Juden aus dem alten Amte Thedinghausen - ein betrübliches Kapitel unserer Heimatgeschichte, Selbstverlag 1989 bzw. , Bremen/Thedinghausen 1991

Kurt Asendorf, Die Liquidation des jüdischen Friedhofes in Thedinghausen - Dokumentation aus den Jahren 1940–1943  (als Ergänzung der 1991 veröffentlichten Publikation), Beppen o. J. (1992)

Monika Bahner/Andreas Frenzel, Jüdische Spuren in Thedinghausen. Die Geschichte einer fast vergessenen Gemeinde, Bremen 1995 (Maschinenmanuskript im Kreisarchiv Verden)

Anke Quast (Bearb.), Thedinghausen, in: Herbert Obenaus (Hrg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, Wallstein-Verlag, Göttingen 2005, Band 2, S. 1470 – 1474

Monika Bahner/Andreas Frenzel, Jüdische Spuren in Thedinghausen. Die Geschichte einer fast vergessenen Gemeinde, Teil 2, in: "Heimatkalender für den Landkreis Verden", Jg. 53 (2010), S. 121 - 147