Scherweiler (Elsass)

Kreis Schlettstadt – Wikipedia Das im Unterelsass gelegene Scherweiler - Zentrum des Rieslinganbaues in der Elsässer Weinbauregion - ist das frz. Scherwiller mit derzeit ca. 3.000 Einwohnern unweit vom südlich davon gelegenen Schlettstadt/Seléstat (ohne Eintrag von Schwerweiller auf der hist. Landkarte).

Die Anfänge einer jüdischen Gemeinde reichen bis in die Zeit des 18.Jahrhunderts zurück. Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts erreichte die Zahl der Gemeindeangehörigen mit mehr als 300 Personen ihren Höchststand. Zu den gemeindlichen Institutionen gehörten eine Synagoge, eine eigene Schule und ein rituelles Bad. Um 1760 wurde ein erster Betraum eingerichtet; drei Jahrzehnte später wurde dieser erweitert bzw. neu erbaut. Nachdem sich die Gemeinde stark vergrößert hatte und zudem der alte Betsaal baufällig geworden war, entschloss man sich zum Bau einer neuen Synagoge, die Anfang der 1860er Jahre erstellt und im Jahre 1863 eingeweiht wurde.

  Synagoge Scherwiller

Ehem. Synagogengebäude in Scherweiler und Portalinschrift (Aufn. Rothè)

Die Portalinschrift lautet: "Dies ist das Tor zum Herrn - Gerechte gehen durch es hinein..."; eingeweiht am Freitag, 24. Elul 5622" (= 19. Sept. 1862)
Ein eigenes Begräbnisgelände war in Scherweiler nicht vorhanden; verstorbene jüdische Dorfbewohner wurden auf dem jüdischen Friedhof in Schlettstadt (Sèlestat) begraben.

Die Gemeinde gehörte zum Rabbinat Dambach.

Juden in Scherweiler:

        --- 1689 ..........................  35 Juden,

    --- 1716 ........................... 25   "  ,

    --- 1780 .......................... 164   "  (in 31 Familien),

    --- 1807 .......................... 240   "  ,

    --- 1849 .......................... 290   “  ,

    --- 1861 .......................... 317   “  ,

    --- 1870 .......................... 308   “  ,

    --- 1882 .......................... 191   "  ,

    --- 1900 .......................... 127   “  ,

    --- 1910 ..........................  84   “  ,

--- 1936 ...................... ca.  40   “  .

Angaben aus:  Alain Kahn, Scherwiller, in: judaism.sdv.fr

und                 Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S. 37

Bis in die 1930er-Jahre war die Synagoge Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens am Ort; allerdings war die Zahl der Gemeindemitglieder infolge Abwanderung in die größeren Städte seit der Jahrhundertwende deutlich gesunken. Um 1930 lebten noch knapp 50 Juden im Dorf. Diejenigen, die nach Beginn des Krieges hier verblieben waren, wurden nach Südfrankreich deportiert.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem wurden 13 aus Scherwiller stammende jüdische Bürger Opfer der „Endlösung(namentliche Nennung der betroffenen Personen siehe: alemannia-judaica.de/scherwiller_synagoge.htm).

 

Während der Zeit der deutschen Besatzung war das Synagogengebäude als Unterkunft für polnische Zwangsarbeiter verwendet worden. Seit Beginn der 1960er Jahre befindet sich das Gebäude in kommunalem Besitz; zeitweilig diente es als Feuerwehrgerätehaus.

Aufn. Ralph Hammann, 2014, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0

 

Weitere Informationen:

Alain Kahn, Scherwiller, in: judaism.sdv.fr

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, o.O. 1992

Scherwiller, in: alemannia-judaica.de

Eliane Roos-Schuhl, Scherwiller, son Gaon, ses escaliers sculptés, ses œufs brodés, aus: "Généalo-J, Revue Française de Généalogie Juive", n° 115, 2013