Messel (Hessen)

 

Messel – Wikipedia  In Messel - derzeit ca. 4.200 Einw., etwa zehn Kilometer nordöstlich von Darmstadt gelegen (Kartenskizze 'Landkreis Darmstadt' mit Messel rot markiert, Abb. Hagar 2009, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0) - finden sich die Anfänge einer jüdischen Gemeinde zu Beginn des 18.Jahrhunderts. Zu Anfang des 19.Jahrhunderts setzte sich die Kultusgemeinde aus immerhin ca. 90 Personen zusammen, die dann allerdings nach 1850/1860 zumeist abwanderten; um 1900 waren es nur noch 30 Personen. Die Gemeinde gehörte zum orthodoxen Rabbinatsbezirk Darmstadt II. 

 https://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20128/Messel%20Israelit%2015091921.jpg Anzeige von Sept. 1921

Um 1740 erwarben die Messeler Juden ein Stück Gartenland zur Errichtung einer Synagoge und einen Platz für ein Frauenbad. Eine Synagoge bestand nachweislich seit ca. 1830 in der Holzhäusergasse; wie lange diese gottesdienstlich genutzt wurde, ist nicht bekannt. Das Gebäude überstand die NS-Zeit vermutlich nur deshalb, weil es wenige Monate vor dem Pogrom von 1938 in private Hände übergegangen und fortan als Scheune genutzt worden war.

Eine Tafel informiert wie folgt: Im Hinterhof dieses Hauses stand die SYNAGOGE. 1739/40 wurde im Messeler Gerichtsbuch protokolliert, dass die ‚Gemeind-Judenschaft zu Messel zur Erbauung einer Synagog’ ein Stück Garten, fünf Messeler Ruthen und 7,5 Schug groß (ca. 177 qm) und einen Platz für ein Frauenbad (Mkwe) erworben hat. Die dort anschließend erbaute ‚Judenschule’ wurde 1972 wegen Baufälligkeit abgerissen. Sie war eine der ältesten Dorfsynagogen im Großherzogtum Hessen. Messel hatte im 18.Jh. eine der größten Judengemeinden im südhessischen Bereich.“

Auf dem alten jüdischen Friedhof in Dieburg wurden verstorbene Messeler Juden beerdigt.

Juden in Messel:

--- 1812 ...................  19 jüdische Familien,

--- 1829 ...................  84 Juden,

--- 1850 ...................  80   "  ,

--- 1894 ...................  50   "  ,

--- 1907 ...................  35   "  ,

--- 1919 ...................  42   "  ,

--- 1933 ...................  23   "  ,

--- 1939 (Mai) .............   7   "  ,

--- 1940 (April) ........... ein Ehepaar.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die Jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 2, S. 73/74

und                 Rahel Blum/Cornelia Berger-Dittscheid/Wolfgang Treue (Bearb.), Messel, in: Zerbrechliche Nachbarschaften , 2025, S. 324/325

 

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges lebten nur noch sieben Juden in Messel; die letzten beiden wurden im März 1942 von Messel aus „in den Osten“ deportiert. Fünf Messeler Juden wurden Opfer der Shoa.

 

2015 wurden an drei Standorten in Messel die ersten zwölf sog. „Stolpersteine“ verlegt, zwei Jahre später folgten weitere 14 Steine, die an Angehörige von zwei jüdischen Familien und an ein „Euthanasie“-Opfer erinnern.

 in der Holzhäusergasse (Aufn. G., 2022, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

  in der Germannstraße (Aufn. G., 2022, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Anm.: Zudem wird eine „Stolperschwelle“ an der Fabrik Grube Messel an ca. 300 ausländische Zwangsarbeiter erinnern

An alle Opfer des NS-Regimes erinnert in Messel ein gewaltiger Findling mit dort angebrachter Gedenktafel.

 Aufn. Stefan Oemisch, 2022, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0

 

   

Weitere Informationen:

Walter Bezzenberger, Geschichte des Dorfes Messel, o.O., 1958

Paul Arnsberg, Die Jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag Frankfurt/M. 1971, Band 2, S. 73/74

Eva Reinhold-Postina, Verbrannt, verwüstet, vergessen und verdrängt. Auf der Suche nach alten Synagogen im Landkreis Darmstadt-Dieburg, in: Thomas Lange (Hrg.), ‘L’chajim’ - Die Geschichte der Juden im Landkreis Darmstadt-Dieburg, Hrg. Landkreis Darmstadt-Dieburg, Reinheim 1997, 3

Hartmut Heinemann, Die jüdischen Friedhöfe im Landkreis Darmstadt-Dieburg, in: Thomas Lange (Hrg.), ‘L’chajim’ - Die Geschichte der Juden im Landkreis Darmstadt-Dieburg, Hrg. Landkreis Darmstadt-Dieburg, Reinheim 1997, S. 112 - 121

Karl Wenchel, Die Geschichte der Messeler Juden, in: 1200 Jahre Messel, hrg. vom Gemeindevorstand Messel, Messel 2000, S. 183 - 200

Jüdische Gemeinde Messel (Kreis Darmstadt-Dieburg), in: alemannia-judaica.de

Janka Holitzka (Red.), Stolpersteine für zwei emigrierte jüdische Familien aus Messel, in: „Echo“ vom 7.2.2017

Auflistung der in Messel verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Messel

Rahel Blum/Cornelia Berger-Dittscheid (Bearb.), Messel, in: Chr.Wiese/Stefan Vogt u.a. (Hrg.), Zerbrechliche Nachbarschaft – Gedenkbuch der Synagogen und jüdischen Gemeinden in Hessen, Verlag D.de Gruyter Oldenbourg, 2025, S. 317 - 327