Ockenheim (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für ockenheim karte postleitzahl Der Weinort Ockenheim mit seinen derzeit ca. 2.400 Einwohnern gehört heute zur Verbandsgemeinde Gau-Algesheim im Landkreis Mainz-Bingen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Die ersten jüdischen Familien in Ockenheim sind seit Mitte des 17.Jahrhunderts nachweisbar; etwa ein Jahrhundert später bildeten sie hier eine kleine Synagogengemeinde. Das bis heute erhaltene Synagogengebäude aus gelben Klinkern - mit maurischen Bauelementen versehen - wurde Anfang der 1880er Jahre gebaut; zuvor war schon ein Betraum in einem Wohnhaus vorhanden.

                              Ehem. Synagogengebäude (Aufn. um 1965/1970, aus: P. Arnsberg)

Zu den gemeindlichen Einrichtungen zählte neben einer Mikwe auch eine kleine Religionsschule, in der kurzzeitig auch Elementarunterricht für die wenigen jüdischen Kinder erteilt wurde.  

                   Stellenangebot aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 13.4.1870

Ihre Verstorbenen begrub die Gemeinde auf dem jüdischen Friedhof in Gau-Algesheim. Die Gemeinde Ockenheim unterstand dem Rabbinat in Bingen.

Juden in Ockenheim:

     --- um 1660 .......................  2 jüdische Familien,

     --- 1710 ..........................  4     „       „    ,

 --- um 1810 .......................  7     „       „    ,

     --- 1826 ..........................  44 Juden,

     --- 1861 ..........................  40   „  (ca. 4% d. Bevölk.),

     --- 1871 ..........................  53   „  ,

     --- 1880 ..........................  48   „  ,                     

     --- 1895 ..........................  57   „  ,

     --- 1910 ..........................  37   „  (ca. 3% d. Bevölk.),

 --- 1924 ..........................  32   „  ,

 --- 1933 ..........................  31   „  ,

 --- 1939 ..........................  keine.

Angaben aus: Ockenheim, aus: alemannia-judaica.de

In den 1920er Jahren lebten ca. zehn jüdische Familien am Ort; sie verdienten ihren Lebensunterhalt zumeist im Einzelhandel.

Bis Ende 1938 hatten alle jüdischen Familien ihren Heimatort verlassen.

Drei Geschäftsanzeigen jüdischer Familien:

  

Noch vor dem Novemberpogrom 1938 ging das Synagogengebäude in private Hände über; es wurde fortan als Wohnhaus genutzt und überstand so die NS-Zeit baulich unbeschadet. Ein beabsichtigter Abriss des ehemaligen Synagogengebäudes wurde verhindert, da dieses 1991 unter Denkmalschutz gestellt wurde.

 Vorderfront der ehem. Synagoge (Aufn. D. Lottmann-Kaeseler, 2008)

                  Zur Erinnerung an die jüdische Gemeinde Ockenheims wurde 1995 eine Gedenkplatte mit folgender Inschrift angebracht:

                               Haben wir nicht alle einen Vater ? Hat nicht ein Gott uns geschaffen ?  Maleachi 2,10

Wir gedenken unserer Mitbürger jüdischen Glaubens,

sowie allen Opfern des Nationalsozialismus in Ehrfurcht.

Drei Hinweistafeln zur jüdischen Geschichte von Gau-Algesheim und Ockenheim wurden Ende 2008 am jüdischen Friedhof Gau-Algesheim angebracht. Zahlreiche Grabsteine wurden in der NS-Zeit zerstört bzw. deren Inschriften unkenntlich gemacht. Weitere Friedhofsschändungen waren auch in den Jahrzehnten danach zu verzeichnen. Anfang der 1980er Jahre wurden alle noch vorhandenen Grabsteine von ihren ursprünglichen Standorten entfernt und an der Friedhofsmauer platziert.

[vgl. Gau-Algesheim (Rheinland-Pfalz)]

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 2, S. 159 f.

Stefan Fischbach, Jüdische Beträume und Synagogen in Rheinland-Pfalz - Dokumentation der Verluste und des Bestandes, in: Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz, Jahresberichte 52 - 56 (1997/2002)

Erich Hinkel, Ockenheim am Fuße des St.-Jakobs-Berges. Geschichte in Daten und Bildern, Horb 1998

Erich Hinkel, Wo sind sie geblieben? Spuren der Ockenheimer Juden, o.J. (Anm.: ausführliche Darstellung)

Ockenheim, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 300/301