Nideggen/Rur (Nordrhein-Westfalen)

Jüdische Gemeinde - Hellenthal - Blumenthal/Eifel (Nordrhein-Westfalen)Datei:Nideggen in DN.svg Nideggen ist eine in der Eifel gelegene Kommune mit derzeit ca. 10.000 Einwohnern (in neun Ortsteilen) im Kreises Düren - etwa 15 Kilometer südlich von Düren oberhalb des Rurtals gelegen (Ausschnitt aus hist. Karte, aus: wikipedia.org PD-alt-100 und Kartenskizze TUBS, 2008, aus: commons.wikimedia.org CC BY-SA 3.0).

In der Bürgermeisterei Nideggen lebten stets nur wenige Juden; sie zählten zur Filialgemeinde von Drove, die ihrerseits zur Kultusgemeinde Düren gehörte.

Die ersten jüdischen Familien, die in die Region um Nideggen siedelten, waren vermutlich im Spätmittelalter aus Städten vertrieben worden; in Nideggen soll bereits um 1300 eine jüdische Familie gelebt haben. Für die folgenden Jahrhunderte gibt es keine bzw. nur unsichere Belege für den Aufenthalt von Juden in Nideggen. Im 17.Jahrhundert lassen sich dann Bewohner mosaischen Glaubens in Nideggen nachweisen, die zeitweilig hier lebten.

Die Nideggener Juden bestritten damals ihren bescheidenen Lebensunterhalt als Metzger, Viehhändler und als Kleinhändler. Neben der Besteuerung durch den Magistrat unterlagen die hiesigen Juden zudem einer hohen Besteuerung durch den Jülicher herzoglichen Landesherrn.

Ansiedlungen bzw. die Erlaubnis einer Gewerbeausübung scheiterten noch zu Beginn des 19.Jahrhunderts am Widerstand der Lokalbehörden; so schrieb der Bürgermeister des Fleckens Nideggen im September 1812: „Die Juden genießen kein Ansehen in der Öffentlichkeit. Sie leben recht schlecht vom Kleinhandel und besitzen kein Kapital, um einen profitablen Handel zu betreiben. Sie müssen berufstätig sein, um ihr Leben zu fristen.”

In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts soll es am Ort eine Synagoge gegeben haben. Ihre Verstorbenen begrub die Judenschaft Nideggens auf dem jüdischen Friedhof in Drove.

Juden in Nideggen:

        --- um 1780 ....................... eine jüdische Familie,

    --- um 1795 .......................  5     “        “  n,

    --- 1812 .......................... 18 Juden,

    --- 1837 ..........................  6   “  ,

    --- 1860 .......................... 28   “  ,

    --- 1894 .......................... 22   “  ,

    --- 1910 .......................... 18   “  ,

    --- 1930 .......................... 26   “  ,

    --- 1933 .......................... 13   “  ,

    --- 1939 (Dez.) ...................  6   “  .

Angaben aus: Klaus H.S. Schulte, Dokumentation zur Geschichte der Juden am linken Niederrhein seit dem 17. Jahrhundert

Alte Ansichtskarte: AK Nideggen, Marktplatz mit Rathaus Zentrum von Nideggen, hist. Postkarte (Abb. aus: ansichtskartenversand.com)

Im 19./beginnenden 20.Jahrhundert arbeiteten die jüdischen Bewohner vorwiegend als Viehhändler und Metzger, als Einzelhändler und auch als Handwerker. Insgesamt sollen 19 gebürtige Nideggener Juden in die „Lager des Ostens“ deportiert worden und dort umgekommen sein.

 

Seit 2002 erinnert eine bronzene Gedenktafel am Eingang zum Rathaus an die jüdischen NS-Opfer von Nideggen mit den folgenden Worten:

Wir gedenken unserer jüdischen Bürger,

die in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ab 1933

entrechtet, vertrieben und grausam ermordet wurden.

Mit der Verlegung von zunächst 18 sog. „Stolpersteinen“ in Nideggen und seinen Ortsteilen (Berg, Embken, Schmidt, Wollersheim) wurde 2015 begonnen. In der Altstadt sind an drei Standorten jeweils mehrere Steine ins Gehwegpflaster eingefügt, so in der Zülpicher Straße, im Altwerk und in der Bahnhofstraße. Im Jahre 2021 kamen weitere Gedenktäfelchen hinzu.

 

 

Auch im heutigen Nideggener Ortsteil Embken gab es einen relativ hohen jüdischen Bevölkerungsanteil; um 1900 waren es ca. 50 Personen; im Altkreis Düren war Embken der Ort, an dem sich Juden bevorzugt niederließen.

[vgl. Embken, Drove und Düren (Nordrhein-Westfalen)]

 

 

Weitere Informationen:

Klaus H.S. Schulte, Dokumentation zur Geschichte der Juden am linken Niederrhein seit dem 17.Jahrhundert, Düsseldorf 1972

Regina Müller, Um Heimat und Leben gebracht. Zur Geschichte der Juden im alten Landkreis Düren 1830 - 1945, Verlag Hahne & Schloemer, Düren 1989

Franz-Josef Brandenburg, Die Juden von Nideggen, Hrg. Heimat- und Geschichtsverein e.V., 1989 (Anm. wenig strukturierte Arbeit mit zahlreichen Personenangaben)

Margot Klinke (Bearbg.), Geschichte der Nideggener Juden, Heimat- u. Geschichtsverein Nideggen e.V., online abrufbar unter: heimat-geschichtsverein-nideggen.de

Gudrun Klinkhammer (Red.), Stolpersteine verlegt: Das Gedenken an einen jüdischen Viehhändler, in: „Aachener Nachrichten“ vom 9.10.2015

Gudrun Klinkhammer (Red.), Nideggen gedenkt: Stolpersteine erinnern an die Schicksale, in: „Aachener Nachrichten“ vom 21.6.2016

N.N. (Red.), Neue Erkenntnisse zum Schicksal Nidegger Juden, in: eifelon.de/nideggen/ vom 3.10.2020

Stadt Nideggen (Hrg.), Weitere Stolpersteine wider das Vergessen in Embken verlegt, in: Informationen der Stadtverwaltung, Dez. 2021