Münder (Niedersachsen)

Datei:Bad Münder in HM.svg Bad Münder (Deister) – zwischen Hannover und Hameln gelegen - ist eine Kleinstadt mit derzeit ca. 8.000 Einwohnern im Landkreis Hameln-Pyrmont; insgesamt zählt die aus 16 Ortsteilen bestehende Kommune knapp 18.000 Einwohner (Karte Hagar, 2009, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).


                                                                              Blick auf Münder - Stich M. Merian um 1655 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Nachweislich lebten bereits Mitte des 16.Jahrhunderts mindestens drei jüdische Familien in Münder; ab 1700 sollen jüdische Familien, die mit Schutzbriefen des Amtes Springe ausgestattet waren, eine Gemeinde gebildet haben.

In den ersten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts bestand die kleine Gemeinde aus acht Familien mit insgesamt etwa 50 Personen, die ihren Lebensunterhalt zumeist im Vieh-, Getreide- und Lederwarenhandel verdienten.

Als das seit ca. 1785 gottesdienstlich genutzte Gebäude baufällig geworden war, erwarb die Gemeinde 1835 ein Haus in der Deisterallee und richtete hier ihre Synagoge ein; zudem befand sich hier die Schule, die aber den Anforderungen der Schulbehörde nicht genügte, sodass die jüdischen Kinder ab 1844 die lokale Volksschule besuchten; nur Religionsunterricht wurde noch hier erteilt.

Die kleine Gemeinde verfügte auch über einen eigenen Friedhof am westlichen Ortsrand in der Deisterallee. 

Der Synagogengemeinde Münder, die dem Landrabbinat Hannover unterstand, schlossen sich ab 1853 die Juden aus Flegessen an; gegen diesen Anschluss opponierte die Gemeinde Münder, da sie finanzielle Belastungen durch die Aufnahme der vorwiegend ärmeren jüdischen Familien aus Flegessen befürchtete.

Juden in (Bad) Münder:

         --- 1824 .......................... 55 Juden (in 8 Familien),

    --- 1861 .......................... 46   “  ,

    --- 1871 .......................... 53   “  ,

    --- 1885 .......................... 36   “  ,

    --- 1905 .......................... 28   “  ,

    --- 1930 .......................... 19   “   (in 4 Familien),

    --- 1939 .......................... 11   “  .

Angaben aus: Anke Quast (Bearb.), Münder, in: H. Obenaus (Hrg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen .., Bd. 2, S. 1083

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten noch vier jüdische Familien in Münder.

Während des Pogroms vom November 1938 wurde die Inneneinrichtung des Synagogenraums von einem SA-Trupp (ortsansässige Männer mit einem SA-Führer aus Springe) demoliert; eine Brandlegung verhinderte ein nichtjüdisches Ehepaar, das im Nachbargebäude wohnte. Anfang der 1940er Jahre wurde der jüdische Friedhof an der Deisterallee geschlossen; die Grabsteine wurden umgestürzt und die Fläche später eingeebnet und zeitweilig als Kartoffelacker genutzt. Begründet wurde die Schließung damit, dass sich Kurgäste vom Anblick des Judenfriedhofs gestört fühlen könnten. Im Laufe des Jahres 1942 wurden die letzten jüdischen Bewohner Münders - via Gartenbauschule Ahlem - "in den Osten" deportiert. Insgesamt waren 18 gebürtige bzw. am Ort lebende jüdische Personen von Deportation betroffen. Keiner kehrte lebend nach Bad Münder zurück. Zwei „Mischlinge ersten Grades“ überlebten die NS-Zeit.

 

1988 brachte die Kommune am Gebäude der ehemaligen Synagoge eine Informationstafel mit folgendem Wortlaut an.

An dieser Stelle befand sich die Synagoge der israelischen Gemeinde in Bad Münder.

In Erinnerung und zum Gedenken an die jüdischen Mitbürger unserer Stadt.

Rat und Verwaltung der Stadt Bad Münder am Deister.

Seit 2015 findet man an vier Standorten in Bad Münder mehrere sog. „Stolpersteine“, die an Opfer der NS-Gewaltherrschaft erinnern.

Bildergebnis für Stolpersteine bad Münder  Bildergebnis für Stolpersteine bad Münder Stolpersteine für das Ehepaar Herze und Familie Friedheim sowie für Frieda u. Henny Hammerschlag (Aufn. A. Hindemith, 2016, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Mit Hilfe der erhaltengebliebenen Grabsteine wurde das gepflegt wirkende jüdische Friedhofsgelände an der Deisterallee zu einer kleinen Gedenkstätte umgestaltet.

 

Jüdischer Friedhof Bad Münder (Aufn. A., 2016, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Am jüdischen Friedhof und an der ehemaligen Synagoge informiert seit 2014 jeweils eine Tafel interessierte Besucher über die hier einst bestehende kleine jüdische Gemeinde.

 

In der Feldmark von Eimbeckhausen - E. ist heute ein Ortsteil der Stadt Bad Münder – gab es einen kleinen jüdischen Friedhof, der bis in die 1860er Jahre in Nutzung war; danach wurden Verstorbene auf dem jüdischen Friedhof in Lauenau begraben. Grabsteine bzw. -relikte findet man heute in der Feldmark nicht mehr.

 

Weitere Informationen:

Karl Piepho, Geschichte der Stadt Bad Münder am Deister, Bad Münder 1960

Siegfried Krinke, Die jüdische Bevölkerung in der Stadt Bad Münder, in: "Der Söltjer", 1977, S. 35 - 40

Dieter Klocke, In Bad Münder sind von Juden kaum noch Spuren zu finden, in: "Hannoversche Allgemeine Zeitung" vom 14./15.6.1986

Anke Quast (Bearb.), Münder (heute Bad Münder), in: Herbert Obenaus (Hrg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, Wallstein-Verlag, Göttingen 2005, Band 2, S. 1083 – 1086

Bernhard Gelderblom, Die Synagoge Bad Münder, in: Ehemalige Synagogen in Hameln-Pyrmont (Internetpräsentation)

Jens Rathmann (Red.), Acht Stolpersteine zum Gedenken, in: „DEWEZET“ vom 1.7.2015

Auflistung der in Bad Münder verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Bad_Münder_am_Deister

Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e.V. (Hrg.), Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft; Jüdische Bürger aus Bad Münder, online abrufbar unter: geschichte-hameln.de

Bernhard Gelderblom (Bearb.), BAD MÜNDER – Novemberpogrome 1938 in Niedersachsen, Hrg. Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, online abrufbar unter: pogrome1938-niedersachsen.de/bad-muender/