Lüneburg (Niedersachsen)

Datei:Bremen-Verden.JPG Datei:Lüneburg in LG.svg Lüneburg mit derzeit ca. 77.000 Einwohnern liegt im Nordosten von Niedersachsen – ca. 50 Kilometer südöstlich von Hamburg am Nordrand der Lüneburger Heide (Ausschnitt aus hist. Karte um 1675, aus: wikipedia.org, gemeinfrei  und  Landkreis Lüneburg, TUBS, 2008, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0).

Juden lebten bereits im 13.Jahrhundert in Lüneburg; Dokumente aus dem Jahre 1288 erwähnen erstmals eine „Yodenstrate”, die sich im unteren Bereich der Lüneburger Altstadt befand. Hier lag vermutlich auch der Betsaal der ersten Gemeinde. Das Schutzrecht über die Lüneburger Juden besaßen die welfischen Herzöge. Im Pest-Jahre 1350 sollen auch in Lüneburg - die Stadt verlor durch die Epidemie etwa ein Drittel seiner Einwohnerschaft - die hier lebenden Juden massakriert und vertrieben worden sein; damit erlosch die hiesige Gemeinde.

Aus einer Urkunde von 1351:

„ Wir, Herzog Erich der Jüngere zu Sachsen, zu Westfalen, zu Engern, tun öffentlich mit dieser Urkunde kund, daß wir die Ratsmannen von Lüneburg, sowie die Bürger und die Gemeinde der Stadt Lüneburg von der Schuld lösen, die sie bei uns und unserer Hausfrau Agnes wegen der Pfandbesitzung der Juden hatten, die uns genommen wurden, als man die Juden erschlug. ...”

(ins Hochdeutsche übersetzt)

In den Folgejahrhunderten hielten sich jüdische Händler nur während der Jahrmärkte in der Stadt auf; eine dauerhafte Ansiedlung, die von den Landesherren nicht ungern gesehen worden wäre, scheiterte am Widerstand der Gilden und Zünfte.

Stadtansicht von Lüneburg auf einem Altarbild, um 1445 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Datei:Lueneburg-1648.jpg hist. Karte um 1650 (Abb. aus: wiki-de.genealogy.net)    Gegen Mitte/Ende des 17.Jahrhunderts ließen sich die ersten jüdischen Familien wieder in Lüneburg nieder; sie hatten durch einen herzoglichen Schutzbrief Aufenthalts- und Wohnrechte erlangt. So erhielt der Sohn des hannoverschen Hofjuden Leffmann Behrens die Genehmigung, sich in Lüneburg niederzulassen und hier seinen Geschäften nachzugehen. Doch blieb über einen längeren Zeitraum hinweg der Zahl der „Schutzjuden“ auf nur wenige beschränkt.

Nach 1680 kam es zur Gründung einer neuen jüdischen Gemeinde. Zunächst wurden Gottesdienste in Betsälen in Privathäusern abgehalten. Im Jahre 1892 wurde der Grundstein für die Synagoge am Schifferwall/Kaufhausstraße gelegt; zwei Jahre später wurde der an exponierter Stelle errichtete Neubau vom Hannoverschen Landesrabbiner Gronemann seiner Bestimmung übergeben. Zur Einweihungsfeier waren Vertreter der Kommunalbehörden, der Lüneburger Kaufmann- und Handwerkerschaft sowie zahlreiches Publikum erschienen. Im Rahmen der Zeremonie erfolgte die Schlüsselübergabe durch den verantwortlichen Stadtbaumeister Kampf an den Gemeindevorsteher. Mit ca. 200 Plätzen war das im gotischen Stil errichtete Gebäude für die hiesige Gemeinde überdimensioniert; doch sollte damit das gewachsene Selbstbewusstsein der Gemeinde nach außen dokumentiert werden.

 http://www.friedenspfad-lueneburg.de/files/0001/52_Abb_Synagoge_mittel1024.jpg  

Lüneburger Synagoge (hist. Aufn., 1920/30er Jahre, Stadtarchiv Lüneburg)

Aus dem Bericht eines Zeitzeugen: "Am Schifferwall war der Eingang, ein gepflasterter Weg, ungefähr 10 bis 15 Meter, dann führten ein paar Stufen hinauf zu zwei Türen. […] Durch einen Riesenvorhang kam man dann in die Synagoge hinein. Unten waren die Plätze für die Männer. Auf einer Erhöhung befand sich der Thoraschrein, und von dort aus hat der Vorbeter gebetet. Die Erhöhung hatte zwei Ebenen, zunächst drei Stufen, da hat der Vorbeter gebetet, und da war auch das Vorsingen, dann ging es noch mal drei Stufen hinauf zum Thoraschrein. Oben gab es eine Galerie für Frauen, die ging ringsherum. Links führten Treppen zu der Frauensynagoge und noch weiter nach oben in einen kleinen Betraum. Im Winter, wenn die große Halle nicht geheizt wurde, hat man da oben gebetet. […] Ein Aufgang rechts führte in eine Bücherei, da gab es ziemlich alte Gebetbücher und andere Bücher.“

Neben der Synagoge besaß die Jüdische Gemeinde eine eigene Schule - zunächst in der Heiligengeiststraße 15, danach Vor dem Bardowicker Tore 35 und später An der Münze 7.

Ab 1827 durfte die jüdische Gemeinde ihre Toten auf einem eigenen Friedhof in Lüneburg bestatten; bis zu diesem Zeitpunkt mussten sie auf Friedhöfe der Umgebung - so z.B. ins ca. 40 (!) Kilometer entfernte Harburg - ausweichen. Der neu angelegte jüdische Friedhof (mit einer Fläche von ca. 2.000 m²) befand sich bei der ehemaligen Tatterschanze, der heutigen Straße "Am Neuen Felde".

Juden in Lüneburg:

        --- um 1715 .........................    2 jüdische Familien,

    --- um 1775 .........................    5     “       “    ,

    --- 1796 ............................    4     “       “    ,

    --- um 1850 .........................   13     “       “    ,

    --- 1871 ............................  127 Juden,

    --- um 1885 .........................  149   “  (in ca. 60 Fam.),

    --- um 1900 .........................  130   “  ,

    --- 1905 ............................  175   “  ,

    --- 1910 ............................  145   “  ,

    --- 1930 ............................  148   “  ,

    --- 1933 ............................  114   “  ,

    --- 1937 ............................   39   “  ,

    --- 1939 ............................   16   “  ,

    --- 1943 (Dez.) .....................   keine,

    --- 1945/46 ..................... ca.  200   “  .

Angaben aus: H. E. Zabel (Hrg.), “Juden unter uns in Lüneburg” - eine Dokumenten- und Quellensammlung

und                Rainer Sabellek (Bearb.), Lüneburg, in: H. Obenaus (Hrg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen .., Bd. 2, S. 1006

Mitte des 19.Jahrhunderts waren 13 jüdische Familien in Lüneburg ansässig; 50 Jahre später bestand die jüdische Gemeinde Lüneburgs aus etwa 130 Mitgliedern; meist waren es assimilierte Juden. In den 1920er Jahren kamen auch mittellose jüdische Familien aus Osteuropa nach Lüneburg, die vor Pogromen aus Russland und Polen geflüchtet waren; es waren in der Mehrzahl orthodoxe Juden, die streng nach den Glaubensregeln lebten.

Bereits vor der NS-Machtübernahme 1933 kam es in Lüneburg zu antisemitischen Ausschreitungen; im „Niedersachsen Stürmer” hetzte der spätere Gauleiter Otto Telschow offen gegen den jüdischen Bevölkerungsteil Lüneburgs. Anfang August 1929 wurde ein Bombenattentat auf das Haus des ortsansässigen jüdischen Anwaltes Dr. Strauß verübt.

In der Ausgabe vom 7.Juni 1929 ist der folgende Schmähartikel zu finden:

Juda in Lüneburg     ... Juda feiert in Lüneburg geradezu Triumphe. Das Spießerstädtchen mit seiner großen bürgerlichen Vergangenheit im Mittelalter steht heute unter dem Einfluß des Marxismus, der Juden und Freimaurer. ... Daher scheint es auch nicht sehr verwunderlich, wenn die kleine jüdische Gemeinde in Lüneburg ... sich sehr gewichtig zu machen weiß.   Wir berichteten bereits, daß der Regierungspräsident von allen Rechtsanwälten Lüneburgs nur den Juden und Genossen Dr.Strauß für würdig befand, die Prozesse der Regierung zu führen. Man sicherte dadurch dem “Genossen und Juden” einen nicht unerheblichen sicheren Verdienst zu. ...   Heute geht uns die Nachricht zu, daß von den vielen Aerzten in Lüneburg Stadt und Land ausgerechnet eine Jüdin Heinemann für würdig befunden wurde, als Kreisschulärztin die Gesundheit unserer Bauernbuben und -mädel im Landkreis Lüneburg zu überwachen ! Wie talentvoll sind doch unsre Lait ! ... Sie nehmen eine Jüdin als Aerztin ihrer Kinder ohne Widerspruch hin ! Schlaft nur weiter ! Euer Erwachen wird einst um so grauenvoller sein !

Die ersten Boykottmaßnahmen gegenüber jüdischen Geschäften setzten in Lüneburg bereits am 29.März 1933 ein. Bis 1938 war der größte Teil der Juden Lüneburgs entweder in die Großstädte, meist nach Hamburg, abgewandert oder ins Ausland emigriert. Die immer kleiner werdende Gemeinde Lüneburgs hatte sich daher entschlossen, das Synagogengrundstück mitsamt Gebäude zu verkaufen; der Synagogenvorstand fand in der Industrie- und Handelskammer einen Käufer. Der Abbruch der Synagoge am Schifferwall war für Ende Oktober 1938 geplant; wenige Tage vorher fand der letzte jüdische Gottesdienst in der Synagoge statt. Das „Israelitische Familienblatt“ berichtete über die letzte Gottesdienstfeier in der Lüneburger Synagoge wenige Tage vor der „Reichskristallnacht“ im November 1938:

Abschiedsgottesdienst

in der Synagoge der Gemeinde Lüneburg

Am vergangenen Sonntag (Anm.: 23.Oktober ) versammelten sich die Mitglieder und viele jetzt in anderen Orten wohnende ehemalige Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Lüneburg in deren Synagoge zu einem Abschiedsgottesdienst. Die Gemeinde Lüneburg, die vor 50 Jahren noch 60 Familien zählte mit über 200 Seelen, vor fünf Jahren immer noch 20 Familien stark war, ist heute auf fünf Familien zusammengeschmolzen, von denen in allernächster Zeit noch zwei auswandern, so daß nicht nur auf absehbare Zeit kein Gottesdienst mehr möglich ist, sondern auch die mit dem Bau zusammenhängenden Lasten nicht mehr getragen werden können. Schweren Herzens hat man sich entschlossen, die erst 44 Jahre alte Synagoge ... zum Abbruch zu verkaufen. ... wurden sämtliche Torarollen ausgehoben und einige Male im Umzug durch die Synagoge getragen, wobei Vorbeter und Chor die traditionellen Melodien vortrugen. Vor dem Wiedereinheben nahm Prediger Gordon Abschied von den Torarollen und dem heiligen Schrein. ... Ein langgezogener Ton aus dem Schofar ... endete die unvergeßliche Abschiedsstunde.

In der Pogromnacht wollten SA-Angehörige das Synagogengebäude in Lüneburg in Brand setzen. Erst als ihnen mitgeteilt wurde, dass das Gebäude bereits in „arischem“ Besitze war, ließen sie von ihrem Vorhaben ab. Die zwei noch bestehenden jüdischen Geschäfte - das Kaufhaus GUBI und ein Schuhgeschäft - wurden demoliert; die wenigen jüdischen Männer wurden tags darauf verhaftet und ins KZ Sachsenhausen verschleppt. Einige von ihnen emigrierten von dort direkt, andere wurden Wochen später aus KZ-Haft entlassen.

                  Aus „Lüneburgsche Anzeigen” vom 10.11.1938:

S c h e r b e n g e r i c h t   !

Die Trauerkunde vom Ableben des deutschen Botschaftsrates .... hat auch in Lüneburg berechtigte und begreifliche Empörung ausgelöst. Unsere sonst so ruhigen Niedersachsen haben dieser Empörung Ausdruck verliehen durch restliche Zerstörung der Schaufenster der beiden jüdischen Geschäfte Gubi und Schickler. Die Synagoge entging nur dem gleichen Schicksal, weil sie vor acht Tagen auf Abbruch verkauft worden ist, also in kurzer Zeit von der Bildfläche verschwindet. Der Inhaber der Gubi, der Jude Jacobson, wurde von der Polizei in Schutzhaft genommen, um ihn vor der Wut der empörten Menge zu retten. ... Es sei ausdrücklich festgestellt, daß die Bevölkerung bei dieser Demonstration die größte Disziplin gewahrt hat. Es ist ganz selbstverständlich, daß aus beiden Geschäften nicht ein Hosenknopf oder Schnürsenkel entwendet worden ist. - In unserer Nachbarstadt Celle ist es zu ähnlichen Kundgebungen gekommen.

Auch der jüdische Friedhof wurde von der SA nahezu völlig zerstört. Nachdem die Stadt Lüneburg das Friedhofsgelände für 1.000 RM erworben hatte, wurden die alten Grabsteine als Fundament für ein 1944 errichtetes Behelfsheim verwendet.

Etwa zwei Dutzend Grundstücke waren in Lüneburg von den Zwangsverkäufen („Arisierung“) betroffen, darunter das heutige Schuhhaus Schnabel (Vor dem Bardowicker Tore), das heutige Kaufhaus Tom Taylor am Marktplatz (früher „Gubi“ = Gut und Billig der Fam. Jacobson) und das ehemalige Wäschegeschäft Less (Große Bäckerstraße).

1943 wurden die letzten noch in Lüneburg in erbärmlichen Verhältnissen lebenden Juden „aus der Stadt entfernt“ und per Bahn nach Hamburg gebracht; von hier aus wurden sie nach Minsk und andere „unbekannte“ Orte deportiert. Nachweislich wurden 41 Juden aus Lüneburg Opfer der Shoa. Der einzige Lüneburger Jude, der die Deportation überlebt hat, war Daniel Dublon.

1947 hatte die Staatsanwaltschaft Lüneburg Ermittlungsverfahren gegen Beteiligte am Novemberpogrom angestrengt. Ob diese Spruchkammerverfahren zu Urteilen führten, ist auf Grund fehlender (!) Unterlagen des Nds. Landesarchivs nicht belegbar. Zu den Hauptangeklagten hatten der frühere Oberbürgermeister Wilhelm Wetzel, Wilhelm Marquardt (Gaupropagandaleiter und Chefredakteur der „Lüneburger Zeitung“) und Adolf Heincke (NSDAP-Kreisleiter in Lüneburg) gezählt.

 

Unmittelbar nach Kriegsende bildete sich aus mehreren hundert Juden, die aus den Konzentrationslagern befreit worden und heimatlos waren, eine jüdische DP-Gemeinde in Lüneburg. Das Café Rauno mit koscherer Küche in der Großen Bäckerstraße bildete einen zentralen Treffpunkt dieser Gemeinschaft. 1947 zählte die jüdische DP-Gemeinde in Lüneburg etwa 300 Angehörige. Anfang der 1950er Jahre Zeit löste sich diese schließlich auf, nachdem deren Angehörige die nötigen Unterlagen für ihre Ausreise erhalten hatten und Lüneburg verließen.

File:Gedenkstein Lüneburg Am Schifferwall Platz der ehemaligen Synagoge.jpgGedenkstele am Schifferwall (Aufn. Gmbo 2015, aus: commons.wikimedia.org, CCO)

An der Ecke Schifferwall/Reichenbachstraße erinnert seit 1950 eine Stele an die ehemalige Synagoge Lüneburgs; sie trägt den folgenden (historisch falschen) Text in deutscher und hebräischer Sprache:

An dieser Stelle stand der Tempel der Jüdischen Gemeinde Lüneburgs,

welcher im Jahre 1938 durch Nazi-Terror zerstört wurde.

Wehe mir, daß ich zerstörte mein Haus und verbrannte mein Heiligtum,

zerstreute meine Kinder unter die Völker.

Steininschrift: Hier ruht ein Herz, das für Recht, Gerechtigkeit und Menschenliebe strebteTaharahaus auf dem jüdischen Friedhof (Aufn.U.Becker-Schöttke, 2020, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Auf dem 1938 zerstörten jüdischen Friedhof "Am Neuen Felde" findet man - neben den 14 Grabsteinen - einen Gedenkstein mit der folgenden Inschrift:

Zum Gedächtnis der Seelen unserer Brüder und Schwestern,

die auf dem Friedhof ihre Ruhestätte gefunden haben.

Stadt Lüneburg

Wäre nicht der Ewige uns beigestanden, gingen über unsere Seelen die Schwellen des Wassers hin.

Psalm 124, 2 und 5

Eine weitere Gedenktafel auf dem jüdischen Friedhof wurde im Jahre 1989 angebracht:

Es ist nicht bekannt, wo im Mittelalter die Lüneburger Juden - die im Jahre 1350 ausgerottet wurden - ihre Toten begruben.

In der Neuzeit mußten Lüneburgs Juden von 1755 - 1823 warten, ehe sie innerhalb der Stadt ihre Leichen beerdigen konnten.

1827 fand hier die erste, 1939 die letzte Beerdigung statt.

Später wurden die Grabsteine umgeworfen und die Friedhofsanlagen verwüstet.

1943 mußte das Friedhofsgelände an die Stadt Lüneburg zwangsverkauft werden.

1965 wurden Grabsteine wieder aufgestellt und hier ein Gedenkstein eingeweiht.

Bürger und Stadt Lüneburg 1989

Im gleichen Jahre ließ die Stadt Lüneburg einen Gedenkstein am Altenbrücker Ziegelhof nahe dem Güterbahnhof aufstellen, der an die Deportationen erinnern soll:

Zur Erinnerung an die Menschen, die in den Jahren der nationalsozialistischen Willkürherrschaft, aufgrund der ‘Nürnberger Gesetze’ - als Opfer des Rassenwahns -, nahe von hier aus deportiert, ins Ausland, in Zwangstod oder Vernichtung getrieben worden sind.

Die Ghettos, Konzentrations- oder Vernichtungslager, in denen mehr als vierzig Lüneburger Juden umgekommen oder verschollen sind, klagen an und mahnen auch Dich:

Lodz / Minsk / Riga / Theresienstadt / Neuengamme / Stutthof / Bergen-Belsen / Auschwitz Bürger und Stadt Lüneburg 1989

Im Jahre 1990 wurde das von Norbert Schittek geschaffene Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft eingeweiht. Es nimmt Bezug auf den Ort des Bergen-Belsen Prozesses, der 1945/1946 in der Lüneburger MTV-Turnhalle stattfand (diese war 1976 abgerissen worden).

Im März 2005 wurden auf Initiative der Christlich-Jüdischen Gesellschaft die ersten sog. „Stolpersteine“ in Lüneburg verlegt; mittlerweile sind es ca. 65, die zumeist in der Innenstadt zu finden sind und an Opfer der NS-Herrschaft erinnern (Stand 2020), so auch an die Kinder, die im Rahmen der sog. "Euthanasie" ihr Leben lassen mussten. - Im Sommer 2009 hatten Unbekannte die Gedenksteine vor dem Haus in der Bardowicker Straße 12 gestohlen.

 

Stolpersteine“  in der Oberen Schrangenstraße und bei der Johanniskirche (Aufn. aus: hansestadtlueneburg.de)

Stolperstein für Sally BadenStolperstein für Lucie Behr-Baden  Stolperstein für Hulda SchicklerStolperstein für Adolf Schickler  Stolperstein für Berta Lengel geb. LirtStolperstein für Hirsch Lengel

verlegt in der Bardowicker Straße, Große Bäckerstraße und Salzbrückerstraße (Aufn. Gmbo, 2013, aus: wikipedia.org, CCO)

Im November 2018 wurde am Standort der ehemaligen Synagoge am Schifferwall/Reichenbachstraße ein neugestalteter Gedenkort als "Raum der Erinnerungen" eingeweiht. Der Entwurf der neuen Gedenkstätte vom Architekten Carl-Peter v. Mansberg lag bereits seit 2012 bzw. 2016 vor, doch war die Realisierung bislang an der Finanzierung der Baukosten von mehr als 200.000 € gescheitert.

Architektenentwurf der neuen Synagogen-Gedenkstätte (Abb. aus: lueneburg.deutscher-koordinierungsrat.de)

 

 

 

 

 

 

 

Vier Bronzetafeln erinnern an die Opfer des Holocaust und an die etwa 100 jüdischen Familien, die seit der Einweihung der Synagoge (1894) in Lüneburg gelebt hatten.

 

Weitere Informationen:

Germania Judaica, Band II/1, Tübingen 1968, S. 498 - 501

Erika Mentschel, Notizen über die jüdischen Bürger in Lüneburg, in: "Jahrbuch des baltischen Deutschtums", No. 23/1976, S. 145 - 158

Zvi Asaria, Die Juden in Niedersachsen - Von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Verlag Gerhard Rautenberg, Leer/Ostfriesland 1979, S. 126 ff.

Manfred Göske, Auf jüdischen Spuren durch Lüneburg, in: "Landeszeitung" vom 28.10.1981

Manfred Göske, Mittelpunkte und Vermittler. Die Ostjuden in Lüneburg, in: "Landeszeitung" vom 19.8.1983

P.Asmussen/W.Hummel, Lüneburg vor 50 Jahren. Widerstand und Verfolgung, Lüneburg 1983

Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933 - 1945, Niedersachsen I (Reg.bez. Braunschweig und Lüneburg), Pahl-Rugenstein Verlag GmbH, Köln 1985, S. 84 f.

Manfred Göske, Die Synagogen von Lüneburg. Nur ein Gedenkstein erinnert an den Tempel, in: "Landeszeitung" vom 25.1.1984

Geschichtswerkstatt Lüneburg e.V. (Hrg.), Die faschistische Verfolgung der Juden in Lüneburg - Eine Skizze, Lüneburg 1988

Manfred Göseke, Juden in Uniform. Zur Geschichte der jüdisch-deutschen Soldaten Lüneburgs, Lüneburg 1985

Geschichtswerkstatt Lüneburg e.V. (Hrg.), Lüneburg unter dem Hakenkreuz. Ein antifaschistischer Stadtrundgang, o.J.

H. E. Zabel (Hrg.), “Juden unter uns in Lüneburg” - eine Dokumenten- und Quellensammlung (zusammengetragen von Schülern des Gymnasium Oedeme in Lüneburg), Lüneburg 1993

Sibylle Bollgöhn, Jüdische Familien in Lüneburg - Erinnerungen, Hrg. Geschichtswerkstatt Lüneburg e.V., Lüneburg 1995

Albert Marx, Geschichte der Juden in Niedersachsen, Sonderausgabe für die Nds. Landeszentrale für politische Bildung, Fackelträger Verlag GmbH, Hannover 1995

Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus - Eine Dokumentation, Hrg. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, S. 434 f.

Hildegard Harck (Bearb.), Unzer Sztyme. Jüdische Quellen zur Geschichte der jüdischen Gemeinden in der Britischen Zone 1945 - 1947, Hrg. Landeszentrale für politische Bildung Schleswig-Holstein, Kiel 2004, S. 43/44

Uta Reinhardt, Der jüdische Friedhof in Lüneburg und die Leichenhalle des Architekten Franz Krüger, in: "Lüneburger Blätter", No. 31/2004

Rainer Sabellek (Bearb.), Lüneburg, in: Herbert Obenaus (Hrg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, Wallstein-Verlag, Göttingen 2005, Band 2, S. 1006 – 1024

Julia Menzel, Die jüdische Gemeinde Lüneburg, in: Hanno Baltz (Hrg.), Verdrängung und Profit. Die Geschichte der „Arisierung“ jüdischen Eigentums in Lüneburg, Lüneburg 2011, S. 46 – 55

Hanno Balz/u.a., Verdrängung und Profit „Arisierung“ jüdischer Geschäfte und Häuser in Lüneburg 1933-1943, Lüneburg 2011

Lüneburg – Jüdische DP-Gemeinde/Jewish DP Community, online abrufbar unter: after-the-shoah.org/lueneburg-juedische-dp-gemeinde-jewish-dp-community/

Geschichtswerkstatt Lüneburg e.V. (Hrg.), Stolpersteine in Lüneburg (online abrufbar)

Christine Weiser (Red.), Stadt plant neue Gedenkstätte für Synagoge, in: „Hamburger Abendblatt“ vom 24.7.2012

vvn/bda (Hrg.), Lüneburger „Gedenkkultur“ - ein Beitrag zur Diskussion über die Gedenkanlage an der früheren Synagoge, als PDF-Datei unter: vvn-bda-lg.de/brosch/synagoge.pdf

Ulf Stüwe (Red.), Architekt stellt Pläne für die Umgestaltung der Synagogen-Gedenkstätte vor, in: LZ-online.de vom 14.11.2016

Jürgen Mandt (Red.), Stadtgespräch: Neue Gedenkstätte für ehemalige Synagoge vorgestellt, in: focus.de vom 13.2.2017

N.N. (Red.), IHK gibt 25.000 Euro für Gedenkstätte, in:„ Lüneburger Zeitung“ vom 21.6.2017

Geschichtswerkstatt Lüneburg e.V. (Hrg.), Stolpersteine in Lüneburg und Adendorf, online abrufbar unter: lg.geschichtswerkstatt-lueneburg.de/aktuelle-projekte/stolpersteine-2

Auflistung der im Stadtgebiet von Lüneburg verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Lüneburg

Ulf Stüwe (Red.), Abschied und Neubeginn: Synagogen-Gedenkstätte wird entwidmet, in: landeszeitung.de vom 10.11.2017

Gesellschaft CJZ Lüneburg e.V. (Hrg.), Neugestaltung der Synagogen-Gedenkstätte und Spendenaktion, online abrufbar unter: lueneburg.deutscher-koordinierungsrat.de/gcjz-lueneburg-Gedenkstaette-Spendenaktion (2017/2018)

Maximilian Köster/Rouven Seebo (Red.), Juden in Lüneburg – eine historische Spurensuche, online abrufbar unter: http://www2.leuphana.de/lueneplaner/2018/07/27/juden-in-lueneburg/

Anneke de Rudder (Bearb.), LÜNEBURG – Novemberpogrome 1938 in Niedersachsen, Hrg. Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten, online abrufbar unter: pogrome1938-niedersachsen.de/lueneburg/

Hansestadt Lüneburg (Hrg.), Pressemitteilung: Feierliche Wiedereröffnung der Synagogen-Gedenkstätte am 9. November, in: hansestadtlueneburg.de vom 26.10.2018

Ulf Stüwe (Red.), Würdiges Erinnern mit Beton, in: „Landeszeitung“ vom 6.11.2018

Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Lüneburg (Hrg.), Gedenkstätte in Lüneburg neu eröffnet am 9.November 2018, online abrufbar unter: kirchen-lueneburg.de

Carlo Eggeling (Red.), Worüber Lüneburger stolpern sollten, in: „Landeszeitung“ vom 22.11.2019

jgt (Red.), „Wir waren frei und brauchten keine Angst mehr zu haben“ - ein jüdisches Kinderheim in Lüneburg 1945-48, in: haGalilcom vom 22.11.2021

N.N. (Red.), Jüdischer Friedhof soll dem Vergessen entrissen werden, in: „Landeszeitung“ vom 19.12.2021