Lingolsheim (Elsass)

Datei:Umgebung von Strassburg 1883.jpg  Lingolsheim – ca. sechs Kilometer südwestlich von Straßburg gelegen - gehört heute zur Metropolregion Straßburg und zählt gegenwärtig ca. 18.000 Einwohner (hist. Karte von 1883, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0).

Die Judenschaft des im Oberelsass gelegenen Ortes Lingolsheim umfasste bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges ca. 150 Personen. Die Wurzeln der jüdischen Gemeinde reichen bis in das beginnende 18.Jahrhundert zurück. In den 1860er Jahren errichtete die hiesige Judenschaft einen Synagogenneubau, der einen älteren aus den 1760er Jahren ablöste.

         Synagoge in Lingolsheim - hist. Aufn.(aus: commons.wikimedia.org, gemeinfrei)

Das Synagogengebäude wurde während des Zweiten Weltkrieges teilzerstört.

Zur Besorgung gemeindlicher Aufgaben – religiöse Unterweisung der Kinder und Tätigkeit als Vorbeter/Schochet - war ein Lehrer angestellt.

Ihre Verstorbenen begrub die hiesige Judenschaft auf dem großen jüdischen Verbandsfriedhof in Rosenweiler (Rosenwiller).

Der jüdische Friedhof in Rosenweiler/Rosenwiller ist der größte jüdische Friedhof im Elsass und zugleich einer der größten jüdischen Verbandsfriedhöfe in Mitteleuropa. Folgende israelitische Gemeinden aus dem Unter-Elsass bestatteten hier ihre Toten (teilweise haben diese Gemeinden im 18. oder 19. Jahrhundert dann eigene Friedhöfe angelegt): Balbronn, Baldenheim, Barr, Bergheim, Biesheim, Bischheim, Bonhomme, Brumath, Buswiller, Dambach, Dangolsheim, Diebolsheim, Dinsheim, Duppigheim, Duttlenheim, Eckbolsheim, Epfig, Ettingen, Fegersheim, Gunstett, Kaysersberg, Kolbsheim, Krautgersheim, Kuttolsheim, Molsheim, Mutzig, Niedernai, Obernai, Oberschaeffolsheim, Osthoffen, Ottrott-le-Bas, Rosheim, Scharrachbergheim, Schirmeck, Soultz, Stotzheim, Strasbourg, Traenheim, Valff und Zellwiller. Auf dem etwa 40.000 m² großen Begräbnisareal lassen sich nahezu 6.500 Grabstätten nachweisen. Die meisten Grabsteine stammen aus der Zeit des 18. und beginnenden 19.Jahrhunderts

Die israelitische Gemeinde Lingolsheim gehörte zum Rabbinat Straßburg.

Juden in Lingolsheim:

        --- 1766 .........................  15 jüdische Familien,

--- 1784 .........................  18     “       “    ,

    --- 1807 .........................  90 Juden,

    --- 1849 ......................... 140   “  ,

    --- 1861 ......................... 158   “  ,

    --- 1870 ......................... 159   “  ,

    --- 1910 ......................... 127   “  ,

    --- 1936 .........................  66   “  ,

    --- 1953 .........................  25   “  .

Angaben aus: Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S. 39

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg war Lingolsheim als "Hauptstadt des Leders" bekannt, da sich dort mit Adler & Oppenheimer eines der größten Lederwerke der damaligen Zeit befand; für die wirtschaftliche Entwicklung der Kleinstadt war der Großbetrieb von erheblicher Bedeutung.

Briefkopf der ADLER & OPPENHEIMER LEDERFABRIK AG

 http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20221/Lingoldsheim%20Als%20FrfIsrFambl%2019011906.jpg aus: "Frankfurter Israelitisches Familienblatt" vom 19.1.1906

Anm.: Die Familien Adler und Oppenheimer gehörten zu den führenden Industriellen-Familien Elsass-Lothringens. Die Bedeutung der Familien manifestierte sich z.B. in der Wahl des Unternehmensgründers Isaak Adler im Jahre 1885 als erstem "Deutsch-Juden" in den Straßburger Stadtrat.

Die noch zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in Lingolsheim lebenden jüdischen Einwohner wurden 1940 nach Südfrankreich deportiert.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem und des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden ..." sind 34 aus Lingolsheim stammende bzw. längere Zeit hier wohnhaft gewesene jüdische Bürger Opfer der Shoa geworden (namentliche Nennung der betroffenen Personen siehe: alemannia-judaica.de/lingolsheim_synagoge.htm).

 

Das Synagogengebäude war in den Kriegsjahren zerstört worden. In den 1960er Jahren wurde in Lingolsheim ein kleines Synagogengebäude neu erstellt.

                                                     neue Synagoge (Aufn. M. Rothé, um 1980)

 

Weitere Informationen:

Eugène Haegel, Geschichte von Lingolsheim eine ortsgeschichtliche Studie, Sélestat 1935

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, Jerusalem 1992, S. 92

Jean Daltroff, Les Adler et Oppenheimer et leur entreprise de tannerie à Strasbourg et à Lingolsheim 1871 – 1920, in: Zeitschrift "REVUE D'ALSACE" , No. 136/2010

Lingolsheim, in: alemannia-judaica.de