Lendershausen (Unterfranken/Bayern)

Datei:Hofheim in Unterfranken in HAS.svg Die kleine Ortschaft Lendershausen mit derzeit ca. 500 Einwohnern ist seit 1978 ein Stadtteil von Hofheim – etwa 35 Kilometer nordöstlich von Schweinfurt gelegen (Karte Hagar, 2010, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Über die Anfänge der jüdischen Gemeinde in Lendershausen liegen keine urkundlichen Belege vor; ihren zahlenmäßigen Höchststand erreichte die hiesige Judenschaft um 1800; sie stellte damals im Dorf etwa ein Drittel der Einwohner. Bei der Erstellung der Matrikellisten (1817) sind für Lendershausen 26 jüdische Familienvorstände verzeichnet.

Seit 1836 verfügte die Gemeinde über eine Synagoge, die ca. acht Jahrzehnte Mittelpunkt des religiösen Gemeindelebens war. An weiteren Einrichtungen waren eine Religionsschule mit Lehrerwohnung und ein rituelles Bad vorhanden. Zur Besorgung der religiösen Aufgaben der Gesamtgemeinde war ein Religionslehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet fungierte. 

             http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20108/Lendershausen%20Israelit%2031071872.jpg  

aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 25.Nov. 1868, 31.Juli 1872 und 3.April 1878

In den 1860er-Jahren gab es am Ort für einige Jahre die „Jüdische Lehr- und Erziehungsanstalt - Rau'sches Knabeninstitut“.

               Anzeige vom April 1866 

Verstorbene Gemeindeangehörige wurden auf dem großen jüdischen Friedhof in Kleinsteinach beerdigt.

Die Lendershausener Gemeinde zählte zum Bezirksrabbinat Burgpreppach.

Juden in Lendershausen:

        --- um 1770 .....................  12 jüdische Familien,

    --- 1800 ........................  30 jüdische Haushaltungen,

    --- um 1810 ..................... 138 Juden (ca. 32% d. Bevölk.),

    --- 1830 ........................ 131   “  ,

    --- 1865 ........................ 115   “   (ca. 23% d. Bevölk.),

    --- 1875 ........................  65   “  ,

    --- 1880 ........................  71   “   (ca. 15% d. Bevölk.),

    --- 1890 ........................  52   “  ,

    --- 1900 ........................  41   “   (ca. 11% d. Bevölk.),

    --- 1910 ........................  13   “  ,

    --- 1925 ........................  10   “  ,

    --- 1938 ........................   5   “  ,

    --- 1942 (Mai) ..................   keine.

Angaben aus: Baruch Z.Ophir/F. Wiesemann (Hrg.), Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945, S. 347

und                Cordula Kappner, Aus der jüdischen Geschichte des heutigen Landkreises Hassberge

Um 1920 wurde die jüdische Gemeinde Lendershausen aufgelöst; die wenigen noch hier lebenden jüdischen Bewohner besuchten danach Gottesdienste in der neuen Synagoge in Hofheim. Die letzten beiden jüdischen Dorfbewohner wurde Ende April 1942 nach Izbica bei Lublin deportiert. 

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem und des „Gedenkbuches – Opfer der Verfolgung der Juden ...“ sind 19 gebürtige bzw. längere Zeit am Ort ansässig gewesene jüdische Bewohner von Lendershausen Opfer der „Endlösung“ geworden (namentliche Nennung der betroffenen Personen siehe: alemannia-judaica.de/lendershausen_synagoge.htm).

 

Seit 1988 erinnert der „Synagogenweg“ an den einstigen Standort des hiesigen jüdischen Gotteshauses. Ende 2011 wurde ein Gedenkstein mit -tafel vor der St. Laurentiuskirche enthüllt, der auf die jüdische Geschichte des Ortes und auf deren NS-Opfer hinweist.

 

Die Zahl der jüdischen Bewohner in Hofheim erreichte zu keiner Zeit mehr als 60 Personen; zur Bildung einer Gemeinde kam es hier erst um 1880, nachdem einige Familien aus Lendershausen und anderen Orten zugezogen waren. Vieh- und Einzelhandel bestimmten das Berufsbild der Familien. Betsaal, Schulraum und eine Mikwe befanden sich in einem Gebäude in der Ortsmitte; die rituellen Aufgaben besorgte ein Religionslehrer, der die Hofheimer und Lendershausener Juden gemeinsam betreute. Verstorbene wurden auf dem jüdischen Bezirksfriedhof in Kleinsteinach beerdigt.

Anfang der 1930er Jahre lebten in Hofheim noch ca. 45 jüdische Bewohner. Das insgesamt einvernehmliche Verhältnis zwischen den jüdischen und christlichen Einwohnern wurde im Zusammenhang des angeblichen Ritualmordes von Manau (1929) erheblich gestört; denn die Nationalsozialisten nutzten dies in der Folgezeit zu Propagandazwecken weidlich aus. Auf Grund zunehmender Repressalien verließen bis 1940 alle Familien den Ort; während einem Teil die Emigration gelang, verzog der andere in größere deutsche Städte. Zwölf ehemalige jüdische Bewohner Hofheims wurden Opfer der Shoa (namentliche Nennung der betroffenen Personen siehe: alemannia-judaica.de/hofheim_synagoge.htm).

An der Außenwand der Kirche erinnert heute eine Tafel an die ehemalige jüdische Gemeinde. 

vgl. Hofheim (Unterfranken/Bayern)

 

Weitere Informationen:

Baruch Z.Ophir/F. Wiesemann (Hrg.), Die jüdischen Gemeinden in Bayern 1918 - 1945. Geschichte und Zerstörung, Oldenbourg-Verlag, München/Wien 1979, S. 73 und S. 347/348

Israel Schwierz, Steinerne Zeugen jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 73 (Hofheim) und S. 93 (Lendershausen)

Cordula Kappner, Die jüdischen Bürger in Hofheim, in: Chronik der Stadt Hofheim und ihrer Stadtteile, hrg. vom Arbeitskreis Hofheimer Stadtgeschichte, 1993, S. 111 - 114 

Bernhard Purin, Der Synagogenleuchter von Lendershausen. Ein Objekt und seine Geschichte, hrg. vom Jüdisches Museum in Franken, Fürth 1997

Cordula Kappner, Aus der jüdischen Geschichte des heutigen Landkreises Hassberge, Hrg. Landratsamt Hassberge, Hassfurt 1998

Dirk Rosenstock (Bearb.), Die unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle, in: "Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg", Band 13, Würzburg 2008, S. 151/152

Lendershausen, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Textdokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Gudrun Klopf (Red.), Ehrendes Gedenken an die jüdische Gemeinde von Lendershausen, in: „Main-Post“ vom 6.12.2011