Kördorf (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für kördorf karte postleitzahl Die Ortschaft Kördorf mit derzeit ca. 550 Einwohnern gehört heute zur Verbandsgemeinde Katzenelnbogen im Lahn-Dill-Kreis - knapp 30 Kilometer südwestlich von Limburg/Lahn gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Im Dorfe Kördorf, das von den Grafen von Nassau und den Grafen von Katzenelnbogen gemeinschaftlich beherrscht wurde, lassen sich jüdische Bewohner seit 1700 nachweisen. Die allermeisten jüdischen Familien waren recht arme Leute und bestritten ihren kargen Lebensunterhalt als ‚Handelsleute’ im Viehgeschäft.

Anfang der 1840er Jahre wurden die Juden aus Seelbach und Attenhausen mit Kördorf zu einem Gemeindeverband zusammengeschlossen. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war zeitweise - in Verbindung mit anderen Gemeinden der Umgebung - ein jüdischer Lehrer angestellt.

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An Stelle einer recht maroden Synagoge wollte die kleine Gemeinde 1844/1845 ein neues Synagogengebäude errichten; dies erregte aber das Missfallen der katholischen Ortsgeistlichkeit, weil der Bau zu nahe an der Kirche stehen würde. So blieb der jüdischen Gemeinde nichts anderes übrig, als die vorhandene Synagoge um- bzw. auszubauen.

Zur Kultusgemeinde Kördorf gehörten zu diesem Zeitpunkt die Orte Attenhausen, Herold, Kalkofen und Seelbach.

In der Gemarkung Kördorf und in der von Seelbach gab es je einen jüdischen Friedhof.

Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Ems (später Bad Ems-Weilburg).

Juden in Kördorf:

         --- 1843 ......................... 39 Juden,

             ..................... ca. 75 Juden,*      * gesamte Gemeinde

    --- 1895 ......................... 33   “  ,

    --- 1905 ......................... 22   “  ,

             ..................... ca. 45   “  ,*

    --- 1925 ......................... 28   “  ,

    --- um 1930/32 ................... 19   “  ,

    --- 1933 (Dez.) ..................  6   “  ,

    --- 1942 ......................... ein  “ ().  

Angaben aus: P. Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S. 459

und                 S. Fischbach/I. Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels”, S. 219

Anfang der 1930er Jahre war die Kördorfer Gemeinde auf wenige Angehörige zusammengeschrumpft. Da das Synagogengebäude bereits vor 1938 profanisiert worden war, blieb es vor Schäden während des Novemberpogroms verschont. Bis zu seinem Abriss in den 1960er Jahren diente das ehemalige Kördorfer Bethaus als Lagerraum.

                                           Ehem. Synagogengebäude (Aufn. kurz vor dem Abriss)  

Südwestlich der Ortschaft liegt in einem Waldgelände der relativ großflächige jüdische Friedhof von Kördorf, der aber nur wenige Grabsteine aufweist.

Jüdischer Friedhof von Kördorf (Aufn. J. Hahn, 2006) http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2079/Koerdorf%20Friedhof%20104.jpg

Auf dem gegen Ende des 19.Jahrhunderts angelegten jüdischen Friedhof in Seelbach – am Ortsausgang Richtung Obernhof gelegen – findet man vier Grabstellen.

Aufn. Peter Kaminsky, 2016, in: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 1, S. 459/460

Franz Gölzenleuchter, Sie verbrennen alle Gotteshäuser im Lande (Psalm 74,8). Jüdische Spuren im Rhein-Lahn-Kreis - Jahrzehnte danach, Limburg 1998, S. 91/92

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels”. Synagogen. Rheinland-Pfalz und Saarland, Mainz 2005, S. 219/220

Kördorf mit Herold und Attenhausen, in: alemannia-judaica.de (mit einzelnen Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Seelbach, in: alemannia-judaica.de