Wangerin (Hinterpommern)

  Wangerin – seit 1460 mit Stadtrechten ausgestattet - war eine Kleinstadt im Süden des ehem. Kreises Regenwalde; es ist das polnische Wegorzyno mit derzeit ca. 3.000 Einwohnern.

Im Laufe des 18.Jahrhunderts durften nur sehr wenige jüdische Familien in Wangerin wohnen; in den ersten Jahrzehnten des Folgejahrhunderts bildete sich eine Gemeinde.

1850/1860 erreichte die Judenschaft im Ort ihren zahlenmäßigen Höchststand; der Anschluss an das Eisenbahnnetz hatte den Zuzug jüdischer Familien begünstigt. Mehrheitlich lag damals das Gewerbe in ihren Händen, obwohl sie nur ca. 5% der Bevölkerung stellten.

Als Gemeindeeinrichtungen verfügte die Wangeriner israelitische Kultusgemeinde über ein eigenes Friedhofsgelände am östlichen Ortsrand in der Unraustraße (um 1830 angelegt) und eine in abseitiger Lage am sog. „Judengang“ gelegene Synagoge.

Juden in Wangerin:

--- um 1765 .........................   5 jüdischen Familien,

--- 1782 ............................  24 Juden,

--- 1812 ............................  61   “  ,

--- 1831 ............................  72   “  ,

--- 1849 ............................  95   “  ,

--- 1861 ............................ 126   “  (ca. 5% d. Bevölk.),

--- 1871 ............................ 110   “  ,

--- um 1880 ......................... 124   “  ,

--- um 1895 .........................  74   “  ,

--- 1909 ............................  25   “  ,

--- um 1925 ..................... ca.  15   “  .

Angaben aus: M.Heitmann/J.H.Schoeps (Hrg.), “Halte fern dem ganzen Land jedes Verderben ...”, S. 70

Marktplatz in Wangerin um 1890 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Schon vor dem Ersten Weltkrieg war die israelitische Gemeinde in Auflösung begriffen. Anfang der 1930er Jahre lebten nur noch sehr wenige jüdische Familien in Wangerin. Diese schlossen sich mit den Juden aus Labes zur „Vereinigten Synagogengemeinde Labes und Wangerin” - mit Sitz in Labes - zusammen.

Das letzte jüdische Ehepaar verließ kurz nach der „Kristallnacht“ den Ort.

Das Synagogengebäude, das zunächst verschont geblieben war, wurde aber bald auf behördliche Weisung abgetragen.

Vom jüdischen Friedhof - von der Vegetation völlig überwuchert - sind heute keinerlei sichtbare steinernen Spuren mehr vorhanden.

 

Weitere Informationen:

Gustav Kratz, Chronik der Stadt Wangerin, Kreis Regenwalde, Berlin 1865

M.Heitmann/J.H.Schoeps (Hrg.), “Halte fern dem ganzen Land jedes Verderben ...”. Geschichte und Kultur der Juden in Pommern, Georg Olms Verlag, Hildesheim/Zürich 1995, S. 70/71

Wolfgang Wilhelmus, Geschichte der Juden in Pommern, Ingo Koch Verlag, Rostock 2004

Gerhard Salinger, Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns. Zur Erinnerung und zum Gedenken, New York 2006, Teilband 3, Teil III, S. 843 - 847

Wegorzyno, in: sztetl.org.pl