Würselen (Nordrhein-Westfalen)

Jüdische Gemeinde - Eschweiler (Nordrhein-Westfalen)   Öffnungszeiten arbeitsamt aachen | Agentur für Arbeit Aachen ... Würselen ist eine Stadt mit derzeit ca. 38.000 Einwohnern in der nordrhein-westfälischen Städteregion Aachen – nur wenige Kilometer nordöstlich von Aachen gelegen (Ausschnitt aus hist. Karte, aus: wikipedia.org, gemeinfrei und Karte aus: ortsdienst.de/nordrhein-westfalen/aachen).

Seit Ende der 1830er Jahre lebten jüdische Einwohner in Würselen; vermutlich waren in den umliegenden Dörfern auch einige jüdische Familien ansässig.

Mehrfach scheiterten Versuche der Würseler Juden, zusammen mit anderen kleinen Ortschaften eine eigene Synagogengemeinde zu bilden. Die kleine jüdische Gemeinschaft von Würselen wurde stets nur als Teil einer Filialgemeinde innerhalb des Synagogenbezirks Aachen anerkannt. Würselen war Sitz der um 1855 gebildeten Filialgemeinde, zu der auch die Ortschaften Bardenberg, Eilendorf, Haaren, Kohlscheid, Richterich und Weiden gehörten. In diesen Ortschaften lebten damals insgesamt etwa 250 Juden. Seit den 1860er Jahren zählten zur Filialgemeinde Würselen-Bissen weitere kleine Ortschaften. Ein Betraum war angemietet, das Begräbnisgelände befand sich in Haaren.

Seit 1875 verfügten die Würseler Juden auch über ein neues Synagogengebäude am Lindenplatz; ob es sich dabei um einen Umbau eines bereits existierenden Gebäudes oder einen Neubau handelte, ist ungewiss. Letztmalig genutzt wurde das Gebäude im Jahre 1925, als hier das 50jährige Baujubiläum des Gotteshauses begangen wurde. Die jüdische Gemeinde in Hoengen betreute danach die wenigen Juden aus Würselen.

 Synagoge in Würselen zur 50-Jahrfeier der Synagoge (hist. Aufn., Archiv)

Hinter der Synagoge war in einem kleinen Gebäude die jüdische Elementarschule untergebracht.

Ihre Verstorbenen beerdigten die Würseler Juden seit ca. 1840 auf einem kleinen Areal in der Nähe von Gut Wambach/Broichweiden; auch die Juden aus Haaren beerdigten hier ihre Toten. Daneben gab es seit Ende der 1850er Jahre einen jüdischen Friedhof im Ortsteil Morsbach; hier fanden auch Verstorbene aus Bardenberg, Herzogenrath und Kohlscheid ihre letzte Ruhe.

Juden in Würselen:

    --- 1837 ............................   9 Juden,

    --- 1857 ............................  25   “  ,

    --- 1872 ............................  39   “  ,*     * andere Angabe: 60 Pers.

             ........................ ca. 280   “  ,**    ** Filialgemeinde Würselen-Bissen

    --- 1895 ............................  32   “  ,

    --- 1905 ............................  31   “  ,  

    --- 1933 ............................  25   “  .

Angaben aus: Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Reg.bez. Köln, S. 69

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten in Würselen nur noch etwa 25 jüdische Bewohner.

Monate vor dem Novemberpogrom von 1938 wurde das 1933 durch einen Brand stark beschädigte Synagogengebäude für 2.000,- RM an einen einheimischen Handwerker verkauft. Bis Mitte der 1920er Jahre war die Synagoge noch genutzt worden; so hatte man noch 1925 in einem Festakt das 50jährige Synagogenjubiläum gefeiert. Während ein Teil der Würseler Juden noch rechtzeitig emigrieren konnte – zumeist nach Übersee, fand der andere Teil den Tod in den „Lagern des Ostens“.

 

Das ehemalige Synagogengebäude diente im Laufe der Jahrzehnte verschiedensten gewerblichen Zwecken. Auf Initiative des Arbeitskreises „Kein Vergessen“ wurde 2008 auf dem Gehweg vor der ehemaligen Synagoge eine Gedenkplatte verlegt; nur Mauerreste der östlichen Giebelwand – integriert in den Neubau einer Seniorenwohnanlage - weisen heute noch auf das einstige jüdische Gotteshaus hin.


 Giebelwand der ehem. Synagoge (links: Aufn. Georg Pinzek  -  rechts: Aufn. Vladimir Shwemmer, 2012, aus: woeschele.de)

Auf Initiative des Arbeitskreises „Kein Vergessen“ wurden im Stadtgebiet bislang ca. 30 sog. „Stolpersteine“ verlegt (Stand 2020). Allein am Lindenplatz wurden neun Steine in den Boden eingelassen; um diese Stelle besonders kenntlich zu machen, wurde rings um die „Stolpersteine“ in der Pflasterung ein "verletzter" Davidstern nachgebildet.

neun Stolpersteine (Aufn. aus: denkmalplatz.de)

     Stolpersteine Würselen (Bardenberg) Dorfstraße 46 Alexander Kamps, Irmgard Kamps, Juliane Kamps.jpgStolpersteine Würselen Bahnhofstraße 135 Henriette Weil, Else Weil.jpg

     verlegt in der Dorfstraße und Bahnhofstraße (Aufn. Q., 2019, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 4.0)

Der jüdische Friedhof in der Waldstraße von Würselen-Morsbach, der bis 1939 in Nutzung und unmittelbar danach von Nationalsozialisten schwer beschädigt worden war, wurde gegen Ende der 1940er Jahre - so gut es eben ging - wiederhergerichtet. Seit 1985 ist das Gelände in die Denkmalsliste der Stadt Würselen eingetragen. Auf dem schon wieder mehrfach geschändeten Begräbnisgelände sind heute noch 22 Grabsteine vorhanden; der älteste noch lesbare Grabstein stammt aus dem Jahre 1875.

                    

Friedhof Würselen-Morsbach (Aufn. P., 2013, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Seit 2015 erinnert eine Gedenktafel (mit Belegungsplan) an die hier bestatteten Juden.

 

Auf der jüdischen Begräbnisstätte in Broichweiden, die auch Gräber ehemaliger sowjetischer Zwangsarbeiter aufweist, erinnert ein Gedenkstein sowohl an die jüdischen als auch an die sowjetischen Toten. Originale Grabsteine von aus Würselen und Haaren stammender hier beerdigter Juden findet man hier allerdings nicht mehr.

 

In Baesweiler – wenige Kilometer nördlich von Würselen – wurden 2014 die ersten sog. „Stolpersteine“ verlegt, die an ehemalige jüdische Bewohner/innen erinnern. Um 1930 sollen im Ort etwa 45 Juden gelebt haben; mindestens 25 von ihnen wurden Opfer der Shoa.

                    verlegt für Angehörige der Fam. Elkan (Aufn. Realschule Baesweiler)

 

In Alsdorf wurden erst in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts einige jüdische Familien ansässig; in den 1920er Jahren lebten im Ort etwa 40 Personen mosaischen Glaubens. Lebenserwerb der Familien sicherte Viehhandel/Metzgerei und zumeist Textilhandel. Während des Novemberpogroms wurden jüdische Geschäfte auf der Bahnhofsstraße,Grenzweg und Hauptstraße demoliert/geplündert. Wer nicht emigrieren konnte, wurde später deportiert und ermordet.

Seit 2010 erinnert eine schwarze granitene Stele an die ca. 50 ehemaligen jüdischen Bewohner, die im Ort gelebt haben und während der NS-Zeit von dort vertrieben wurden.

      gedenkstein-an-jüdische-mitbürger-in-alsdorf Aufn. aus: denkmalplatz.de/alsdorf

An verschiedenen Standorten sind im Stadtgebiet zahlreiche sog. "Stolpersteine" verlegt worden, die an die ermordeten und in die Emigration getriebenen Alsdorfer Juden erinnern.

Alsdorf Stolperstein Kirchstr92 Selig Keller.jpgAlsdorf Stolperstein Kirchstr92 Helene Keller.jpg Alsdorf Stolperstein Schillerstr33 Michael Lucas.jpgAlsdorf Stolperstein Schillerstr33 Sophie Lucas.jpgAlsdorf Stolperstein Schillerstr33 Elfriede Lucas.jpgAlsdorf Stolperstein Schillerstr33 Max Lucas.jpg

verlegt in der Kirchstraße und in der Schillerstraße  (Aufn. GregP., 2020, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 4.0)

Auf dem jüdischen Friedhof am Übacher Weg (in Alsdorf), der von 1909 bis 1938 belegt wurde, sind keine Grabsteine mehr vorhanden. Ein Gedenkstein trägt die Inschrift: „Zum Gedenken an 27 jüdische Alsdorfer Bürger, die hier begraben sind."

 

Weitere Informationen:

August Liebenwein, Aus der Geschichte Würselens vom Ende des Alten Reiches (1794) bis zum Jahre 1900, in: M.Wensky/F.Kerff, Würselen - Beiträge zur Stadtgeschichte I, Hrg. Stadt Würselen, Köln 1989

Willi Benzel, Das Unrecht geschah unter uns - Über das Schicksal der jüdischen Familie Hirsch in Würselen, in: "Die Menorah. Zeitschrift der jüdischen Gemeinde Aachen" vom 19.4.1989

Verschüttete Spuren. Jüdische Mitbürger in Würselen 1933-1942, Untersuchungen von Schülern der Klasse 0 III b des Städtischen Gymnasiums Würselen. erstellt 1989 (Maschinenmanuskript)

Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Regierungsbezirk Köln, J.P.Bachem Verlag, Köln 1997, S. 68 – 72

Alsdorf in der NS-Zeit, in: „Jahresblätter des Alsdorfer Geschichtsvereins", 2002/2010  - auch online abrufbar unter: alsdorf-online.de/geschichte/ (Anm. detaillierte Darstellung)

Heike Eisenmenger, Junge Franzosen bringen Ordnung ins Chaos. Bericht über den Zustand des jüdischen Friedhofs in Morsbach; in: "Aachener Zeitung" vom 12. 8. 2005

N.N. (Red.), „Stolpersteine“ erinnern an Juden, in: „Aachener Nachrichten“ vom 13.5.2007

ehg (Red.), An jüdisches Leben erinnern, in: "Aachener Nachrichten" vom 27.11.2007

Hanna Sturm (Red.), Stolpersteine halten die Erinnerung wach, in: „Aachener Zeitung“ vom 10.5.2009

Elisa Zander (Red.), Alsdorf. Denkmal erinnert an Alsdorfer Juden, in: „Aachener Zeitung“ vom 10.11.2010

Georg Pinzek, Würselen (Red.), Die Reste der Synagoge bleiben Blickfänge, in: „Aachener Zeitung“ vom 10.2.2012

N.N. (Red.), Ein Kleinod in Morsbach, Artikel in: "SUPER-Mittwoch" vom 27.2.2014

Arbeitskreis „Kein Vergessen“ (Hrg.), Würselen unterm Hakenkreuz – Dokumentation über die nationalsozialistische Herrschaft in Würselen, über Formen des Widerstandes und über das Schicksal jüdischer Bürgerinnen und Bürger, Kulturarchiv Würselen, Neuauflage 2014

Stolpersteine in Baesweiler, online abrufbar unter: baesweiler.de/stolpersteine.html

Stolpersteine in Baesweiler – Allgemeine Informationen, online abrufbar unter: geschichtsverein-baesweiler.de/stadtgeschichte/1933-bis-1945/stolpersteine-baesweiler/

Auflistung der Stolpersteine in Alsdorf, online abrufbar unter: .wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Alsdorf

psw (Red.), Auf den Spuren jüdischen Lebens, in: „Aachener Nachrichten“ vom 14.10.2015

nt (Red.), Auch in Baesweiler mahnen Stolpersteine, in: „Aachener Nachrichten“ vom 20.12.2016

Stadtportal Würselen (Hrg.), Stolpersteine, online abrufbar unter: wuerselen.de/stadtinfo/stolpersteine (mit Angabe der Verlegestandorte)

Christiane Jansen (Red.), Gegen das Vergessen: Wir putzen Stolpersteine, online abrufbar unter: realschule-baesweiler.de (vom 16.11.2019)

Dagmar Meyer-Roeger (Red.), Weitere Stolpersteine verlegt. In Erinnerung an Familie Marx, in: „Aachener Zeitung“ vom 5.7.2020 (betr. Alsdorf)