Seibersbach (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für landkreis bad Kreuznach ortsdienst karte Seibersbach ist heute ein Ortsteil der Verbandsgemeinde Stromberg im Landkreis Bad Kreuznach - ca. 20 Kilometer nördlich der Kreisstadt gelegen (ohne Karteneintrag von Seibersbach/Stromberg, Karte aus: ortsdienst.de/rheinland-pfalz/bad-kreuznach).

Die kleine jüdische Gemeinde im Dorfe Seibersbach entstand vermutlich in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts. Gegen Ende des 19.Jahrhunderts erreichte die Kultusgemeinde ihren zahlenmäßigen Höchststand mit ca. 70 Personen. Eine Synagoge gab es im Dorfe seit den 1850er Jahren; zuvor hatten die Seibersbacher Juden das jüdische Gotteshaus im nahen Schweppenhausen aufgesucht. Nach einem Brand 1913, der die Synagoge völlig zerstörte, wurde auf den alten Fundamenten ein neues Gebäude errichtet.

  Anzeige aus der Zeitschrift "Der Israelit" vom 5.Mai 1892

Ab Mitte der 1920er Jahre suchten auch die Juden aus Dörrebach und Schweppenhausen die hiesige Synagoge auf.

[vgl. Dörrebach und Schweppenhausen (Rheinland-Pfalz)]     

Ein eigenes Begräbnisgelände nördlich des Dorfes „Am Eichenhang“ stand seit dem 18.Jahrhundert zur Verfügung. Der bis ca. 1940 genutzte Friedhof besitzt auf einer Fläche von etwa 1.000 m² heute noch fast 50 Grabstellen.

jüdischer Friedhof in Seibersbach (Aufn. S., 2012, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Juden in Seibersbach:

         --- 1808 ......................... ca. 30 Juden,

    --- 1843 ............................. 55   “  ,

    --- 1858 ............................. 65   “  ,

    --- 1895 ............................. 69   “  (ca. 8% d. Dorfbev.),

    --- 1925 ............................. 35   “  ,

    --- 1939 .............................  7   “  ,

    --- 1942 .............................  keine.

Angaben aus: Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff, Synagogen. Rheinland-Pfalz und Saarland, S. 341

Seit der Jahrhundertwende war die Zahl der Gemeindeangehörigen rückläufig; trotzdem wurde die Synagoge bis in die Novembertage 1938 genutzt, ehe sie von SA-Angehörigen zerstört wurde. Nachdem die Inneneinrichtung demoliert und der Fußboden herausgerissen worden war, verbrannten die Täter religiöse Schriften auf dem Vorplatz. Das Synagogengebäude ging wenige Tage später zwangsweise in Privathand über. Die wenigen noch in Seibersbach lebenden jüdischen Bewohner wurden im Juli 1942 deportiert.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem und des „Gedenkbuches – Opfer der Verfolgung der Juden ...“ sind insgesamt 21 aus Seibersbach stammende bzw. längere Zeit am Ort ansässig gewesene jüdische Bürger Opfer der "Endlösung" geworden (namentliche Nennung der betreffenden Personen siehe: alemannia-judaica.de/seibersbach_synagoge.htm).

 

Nach 1945 wurde das leerstehende Synagogengebäude zunächst als Turnhalle genutzt, später von einer Gastwirtsfamilie übernommen und zu einem Tanzsaal umgebaut. Umfangreiche bauliche Erweiterungen führten dann zu erheblichen Veränderungen im Aussehen. Eine weitere Gebäudenutzung erfolgte danach durch einen Bäckereibetrieb. Heute wird das Haus wieder privat genutzt.

 Ehem. als Synagoge genutztes Gebäude (Aufn. aus: seibersbach.net, um 2010)

Seit 2019 erinnern fünf sog. „Stolpersteine“ in der Staatsstraße in Stromberg an Angehörige der jüdischen Familie Jungblut, die Ende 1938 zunächst nach Holland flüchten konnte, dann aber später von dort deportiert und ermordet wurde; nur die Tochter Lydia überlebte die NS-Zeit. Initiiert wurde die Verlegung der fünf Steine von Schüler/innen der IGS Stromberg.

                                  Stolpersteine 2019 Aufn. aus: igs-stromberg.de

 

In Schöneberg – wenige Kilometer südöstlich von Seibersbach – bestand im 19.Jahrhundert eine winzige jüdische Gemeinde. Erstmals sind hier jüdische Bewohner bereits gegen Mitte des 16.Jahrhunderts nachgewiesen. Zu den gemeindlichen Einrichtungen zählten ein Betraum in einem Privathaus und ein Friedhof, der auf dem Gerstenberg lag und vermutlich auch von umliegenden Orten mitbenutzt wurde. Um 1890/1900 löste sich die Gemeinde, zu der auch die jüdischen Bewohner aus Hergenfeld und Spabrücken gehörten, auf.

Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem/Jerusalem und des „Gedenkbuches – Opfer der Verfolgung der Juden ...“ sind fünf aus Spabrücken stammende jüdische Bewohner Opfer der Shoa geworden (namentliche Nennung der betroffneen Personen siehe: alemannia-judaica.de/schoeneberg_synagoge.htm).

In der NS-Zeit wurde der Friedhof weitgehend abgeräumt; heute sind auf dem ca. 1.350 m² großen Gelände nur noch vier Grabsteine vorhanden.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2061/Schoeneberg%20Friedhof%20105.jpgFriedhofsgelände in Schöneberg (Aufn. J. Hahn, 2005)

 Hinweis:  Auch in Schöneberg (Westerwald) - heute zur Verbandsgemeinde Altenkirchen gehörig - lebten bis ins beginnende 20. Jahrhundert einzelne jüdische Familien.

 

Weitere Informationen:

Kreisverwaltung Bad Kreuznach (Hrg.), Die jüdischen Synagogen im Landkreis Bad Kreuznach, Bad Kreuznach 1988, S. 39

Bodo Lipps, Entdeckungsreisen im Landkreis Bad Kreuznach: Historisch Sehenswertes, Bad Kreuznach 1991, S. 214 f.

Dokumentation: Jüdische Grabstätten im Kreis Bad Kreuznach. Geschichte und Gestaltung, in: "Heimatkundliche Schriftenreihe des Landkreises Bad Kreuznach", Band 28, Bad Kreuznach 1995, S. 399 - 409

Seibersbach, in: alemannia-judaica.de

Schöneberg im Hunsrück mit Hergenfeld und Spabrücken, in: alemannia-judaica.de

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 341/342

Norbert Krupp (Red.), Auch in Stromberg sollen „Stolpersteine“ verlegt werden, in: "Allgemeine Zeitung“, Dez. 2017

Hans-Gerd Öfinger (Red.), Stolpersteine nun auch in Michels Heimat – Schüler schoben Projekt in Stromberg (Hunsrück) an, in: „Neues Deutschland“ vom 14.2.2018

Norbert Krupp (Red.), Fünf Stolpersteine in Stromberg verlegt, in: „Allgemeine Zeitung“ vom 29.6.2019

IGS Stromberg (Hrg.), Verlegung der Stolpersteiune, online abrufbar unter: igs-stromberg.de/node/419