Schwihau (Böhmen)

Jüdische Gemeinde - Klattau (Böhmen) Das böhmische Schwihau ist die kleine tschechische Ortschaft Švihov mit derzeit ca. 1.700 Einwohnern (einschl. aller Ortsteile) - etwa zehn Kilometer nördlich von Klattau/Klatovy bzw. südlich von Pilsen/Plzen gelegen (Ausschnitt aus hist. Landkarte).

Die Existenz einer jüdischen Familie in Schwihau wird erstmals 1570 urkundlich erwähnt; dauerhafte Ansässigkeit erfolgte aber erst in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Weitere schriftliche Hinweise liegen seit Ende des 17.Jahrhunderts vor; dabei handelt es sich zumeist um Unterlagen, die der Grundherrschaft bestimmte Zahlungen der hiesigen Juden garantierten. Gesuche des Schwihauer Rates, Juden der Stadt zu verweisen und sie ghettoartig vor den Toren anzusiedeln, scheiterten am Einspruch der Grundherrschaft.

Seit Mitte des 18.Jahrhunderts hatten die jüdischen Familien, die zumeist von der Metzgerei lebten, ihre Behausungen in einer eigenen Gasse, der „Judengasse“. Damit ein derart geschlossenes jüdisches Wohngebiet zustande kam, mussten Juden und Christen Grundstücke untereinander tauschen. Von dem Stadtbrand von 1773 waren auch das jüdische Wohngebiet mitsamt Tempel und Schule betroffen. Zehn Jahre später wurde den Juden die Erlaubnis erteilt, eine neue Synagoge zu bauen.

                                           Synagoge in Schwihau (Aufn. um 1920, aus: zanikleobce.cz)

Ab Mitte des 18.Jahrhunderts wurde Schwihau zum Mittelpunkt jüdischen Lebens eines weiten Umkreises; so zählten zur Schwihauer Kultusgemeinde u.a. Juden aus Chudenitz, Dolan, Grillendorf, Nezditz, Pollin, Puschberg und Ruppau.

Eine seit den 1660er Jahren existierende Schule wurde von jüdischen Kindern Schwichaus und des Umlandes besucht; 1891/1893 unterhielt die Gemeinde auch eine Privatschule mit deutscher Unterrichtssprache.

Eine eigene Begräbnisstätte wurde vermutlich um 1640/1650 angelegt; auf ihr fanden auch verstorbene Glaubensgenossen aus umliegenden Dörfern ihre letzte Ruhe. Ganz in der Nähe wurde um 1875 ein neuer Friedhof angelegt, der allerdings kaum belegt ist.

http://www.jewishgen.org/austriaczech/TOWNS/Vlci4j.jpg alter jüdischer Friedhof in Schwihau (hist. Aufn., um 1900 ?)

Juden in Schwihau:

         --- um 1720 .......................... 15 jüdische Familien,

--- 1747 ............................. 11     “       “    ,

    --- 1782 ............................. 16     “       “    ,

    --- 1846 ............................. 17     “       “    ,

    --- 1890 ............................. 79 Juden,

--- 1900 ............................. 46   “  ,

--- 1930 ............................. 20   “  .

Angaben aus: Frantisek Teplý, Geschichte der Juden in Schwihau

Die gegen Ende des 19.Jahrhunderts einsetzende Abwanderung führte zu einer starken Dezimierung der ohnehin schon kleinen Gemeinde; um 1930 lebten nur noch sehr wenige jüdische Familien im Ort.

Nachweislich mindestens 16 gebürtige bzw. länger am Ort lebende jüdische Bewohner wurden Opfer der Shoa.

 

Das 1783 errichtete Synagogengebäude wurde 1960 abgerissen. Letzte Erinnerung an die ehemalige jüdische Gemeinde in Schwihau sind nur die beiden Friedhöfe, die gegenwärtig einen recht verwahrlosten Eindruck machen.

Auf dem älteren Begräbnisareal haben etwa 140 Steine die Zeiten überdauert, darunter befinden sich einige mit sehr seltenen Motivdarstellungen.

Jewish Cemetery Švihov 17.JPG Alter jüdischer Friedhof (Aufn. Fet'our, 2012, aus: commons.wikimedia.org, CCO)

    Schöne Grabsteinmotive (Aufn. aus: jewish-route.eu)

Teilansicht des neuen Friedhofs (Aufn. Fet'our, 2012) New Jewish cemetery in Švihov 18.JPG

Eine vormals im Eigentum der jüdischen Gemeinde von Schwihau/Švihov befindlicheThora-Rolle ist heute im Besitz einer Gemeinde im US-Bundesstaat Neu Mexiko.

 

Das Dörfchen Wölfling (auch Wolfling, tsch. Vlčí, derzeit kaum mehr als 50 Einw.), etwa zehn Kilometer südlich von Prestitz (Přeštice), war ehemals auch Sitz einer kleinen jüdischen Gemeinde; Belege für deren Existenz in Wölfling stammen aus der Mitte des 18.Jahrhunderts; doch dürften sich Juden im Dorf schon wesentlich früher angesiedelt haben. Die sehr wenigen hiesigen jüdischen Familien lebten vom Kleinhandel und auch von landwirtschaftlicher Tätigkeit. Anfang des 19.Jahrhunderts wurde das noch erhaltene, schlichte Synagogengebäude an der Hauptstraße errichtet.

  Ehem. Synagogengebäude (Aufn. Sam Glaser)

Für Begräbnisse wurde zumeist der jüdische Friedhof im wenige Kilometer entfernten Schwihau (Švihov) genutzt; einige Gräber findet man auch in Wölfling. Ende des 19.Jahrhunderts wanderten die jüdischen Dorfbewohner in die Städte ab.

Das ehemalige Synagogengebäude diente bis in die jüngste Vergangenheit als Lager/Scheune.

 

Weitere Informationen:

Frantisek Teplý (Bearb.), Die Juden in Schwihau, in: "Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakischen Republik", 2/1930, S. 120 - 184

Frantisek Teplý (Bearb.), Geschichte der Juden in Schwihau, in: Hugo Gold (Hrg.), Die Juden und Judengemeinden Böhmens in Vergangenheit und Gegenwart, Brünn/Prag 1934, S. 342 – 347 und S. 342 f. (Wölfling)

Jiri Fiedler, Jewish Sights of Bohemia and Moravia, Prag 1991, S. 174

Jewish Families from Švihov (Schwihau), Bohemia, Czech Republic, online abrufbar unter: geni.com/projects/Jewish-families-from-%25C5%25A0vihov-Schwihau-Bohemia-Czech-Republic/15204