Lausanne (Schweiz)

Map-of-Switzerland-Lausanne.png Lausanne ist eine Großstadt mit derzeit ca. 145.000 Einwohnern am Genfer See und der Hauptort des Schweizer Kanton Waadt (Kartenskizze aus: commons.wikimedia.org, gemeinfrei).

Erstmalige Hinweise auf einen Aufenthalt von Juden in Lausanne stammen aus dem hohen Mittelalter; im Jahre 1234 ist eine „Judengasse“ erwähnt.

Während der Pestjahre (1348/1349) wurden auch in Lausanne und im Umland Juden verfolgt. Erst 1408 sind erneut mehrere jüdische Familien nachweisbar, die ihre Ansässigkeit und die Erlaubnis, hier Handel zu treiben, damit erkauften, dass sie besondere Steuern entrichteten. Ihren Schutz garantierte ihnen zeitweilig der hiesige Bischof. Gegen Ende des 15.Jahrhunderts sollen die jüdischen Familien aber die Stadt verlassen haben. Als um 1800 die bis dato bestehende restriktive Juden-Politik gelockert wurde, ließen sich wieder einige wenige Familien in Lausanne nieder – allerdings nur für kurze Zeit, da nun erneut antijüdische Gesetze auflebten. Bis gegen Mitte des 19.Jahrhunderts schienen dann in der Stadt keine Juden dauerhaft gelebt zu haben. Erst danach setzte eine nennenswerte Zuwanderung jüdischer Familien ein, die fast ausnahmslos zum einen aus Endingen u. Legnau und zum anderen aus Orten des Elsass stammten. Wenige Jahrzehnte später zählte Lausanne dann bis zu 1.000 Bewohner mosaischen Glaubens.

                      http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20280/Lausanne%20Israelit%2010091908.jpg Anzeige in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 10.9.1908

Die Lausanner Gemeinde, deren offizielle Gründung auf das Jahr 1860 zurückgeht, besaß zunächst keinen eigenen Rabbiner; religiöse Aufgaben nahm ein seitens der Gemeinde angestellter Religionslehrer wahr, der auch als Kantor und Schochet tätig war. Ansonsten wurde die Gemeinde durch das Genfer Rabbinat betreut. Erst 1927 wurde ein eigener Rabbiner in Anstellung gebracht; der erste amtierende war der aus Weißenburg/Wissembourg (Elsass) stammende Jules Ptaschek; ihm folgte ab 1936 Aron Schulmann.

In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens versammelte sich die Gemeinde zur Abhaltung von Gottesdiensten in angemieteten Räumlichkeiten. Erst mit der finanziellen Zuwendung eines in Paris lebenden jüdischen Millionärs konnte der schon lange gehegter Wunsch, nämlich der Baues einer Synagoge, realisiert werden. Nur ein Jahr nach der Grundsteinlegung (Okt. 1909) konnte die Gemeinde ihre neue Synagoge - einen Bau im romanisch-byzantinischen Stil - einweihen.

                            Lausannesynagogue.jpg

Synagoge in Lausanne (Aufn. P., 2008, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0  und  A., 2008, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Zur Finanzierung des Synagogenbaues hatte ein Jude aus Bordeaux beigetragen, der der Stadt Lausanne testamentarisch einen Teil seines Vermögens hinterlassen hatte, davon 50.000 Franken für die neue Synagoge.

Neben der Hauptgemeinde existierte seit den 1920er Jahren auch eine kleine sefardische Gemeinschaft.

Der jüdische Friedhof - unmittelbar neben dem christlichen gelegen - wurde 1892 eröffnet.

    Juden in Lausanne:

      --- 1865 ........................    15 jüdische Familien,

   --- 1888 ........................   134 Juden,

   --- 1900 .................... ca.   470   “  ,

   --- 1910 .................... ca. 1.000   “  ,

   --- 1922 .................... ca.   800   “  ,

   --- 1930 .................... ca.   800   “  ,

   --- 1950 .................... ca. 1.000   “  ,

   --- 1970 .................... ca. 1.400   “  ,

   --- 1990 .................... ca.   900   “  ,

   --- 2000 .................... ca.   850   “  .

     Angaben aus:  Historische Statistiken eidgenössischer Volkszählungen

     und                  Lausanne, in: alemannia-judaica.de

    verschiedene Kleinanzeigen jüdischer „Einrichtungen“ in Lausanne:

 http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20280/Lausanne%20Israelit%2008021900.jpg (1900)  http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20296/Lausanne%20JuedJbSchw%201916%20221.jpg (1916)

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20296/Lausanne%20JuedJbSchw%201916%20238.jpg (1916)

Während des Zweiten Weltkrieges engagierte sich die Lausanner Gemeinde mit Hilfsmaßnahmen für geflüchtete Glaubensgenossen, die aus NS-Deutschland bzw. Österreich kamen.

Der großflächige jüdische Friedhof besitzt derzeit ca. 1.800 Grabstätten.

                                          http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20174/Prilly%20Cimetiere%20205.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20174/Prilly%20Cimetiere%20170.jpg

Grabstätten und Friedhofshalle (beide Aufn. J. Hahn, 2008)

Die Synagoge ist bis zur Gegenwart Mittelpunkt des jüdischen Gemeindelebens in Lausanne bzw. seit dem Zusammenschluss mit der Gemeinde Vevey-Montreux des Kantons Vaud.

Zu den gemeindlichen Einrichtungen gehören heute auch eine Talmud-Thora-Schule, ein koscheres Restaurant u.a.

 

 

Weitere Informationen:

Anne Weill-Levy, Communauté Israelite de Lausanne. 1848 – 1948, Lausanne 1998

Claude Kupfer/Ralph Weingarten, Zwischen Ausgrenzung und Integration. Geschichte und Gegenwart der Jüdinnen und Juden in der Schweiz, Zürich 1999

David Ripoll/Dave Lüthi (Bearb.), D'un Orient a l'autre: les synagogues de Geneve et Lausanne, in: "Kunst und Architektur in der Schweiz", 56/2005, No.2, S. 34 - 40   

Anne Weill-Levy, Regards sur la vie d'une communauté juive, 1947-2007, Lausanne 2007 

Ron Epstein-Mil, Die Synagogen der Schweiz – Bauten zwischen Emanzipation, Assimilation und Akkulturation, in: "Beiträge zur Geschichte und Kultur der Juden in der Schweiz", Band 13, Chronos-Verlag, Zürich 2008, S. 222 ff.

Beiträge zur Geschichte und Kultur der Juden in der Schweiz, in: "Schriftenreihe des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds", Band 13/2008. S. 213 - 220 

The Jewish Community of Lausanne, Hrg. Beit Hatfutsot – The Museum of the Jewish People, online abrufbar unter: dbs.bh.org.il/place/lausanne

Mark Elikan (Bearb.), Israelitische Gemeinde Lausanne, aus: „SIG. Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund - Factsheet“, 2009

Anne Weill-Levy, Communauté Israélite de Lausanne et du Canton de Vaud, online abrufbar unter: cilv.ch (2010)

Lausanne, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Historie)