Lauingen/Donau (Schwaben/Bayern)

 Datei:Lauingen (Donau) in DLG.svg Dillingen a.d.Donau KarteLauingen ist eine Kleinstadt mit derzeit ca. 11.000 Einwohnern im schwäbischen Landkreis Dillingen – ca. 35 Kilometer nordöstlich von Ulm gelegen (Kartenskizzen 'Landkreis Dillingen', Hagar 2010, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0  und  ortsdienst.de/bayern/dillingen-a-d-donau).

 

Die jüdische Gemeinde von Lauingen war die bedeutendste jüdische Ansiedlung des Spätmittelalters auf dem Gebiet des heutigen Landkreises Dillingen.

Die jüdischen Bewohner hatten sich in Lauingen direkt vor der Stadtmauer in unmittelbarer Nähe eines Donauübergangs angesiedelt und bildeten ab Mitte des 13.Jahrhunderts eine kleine Gemeinde. 1298 hatte vermutlich auch die Lauinger Judenschaft unter der sog. „Rindfleisch-Verfolgung“ zu leiden; zwischen 1348 und 1350 waren die Juden Lauingens den Pestverfolgungen ausgesetzt. Dabei wurden den jüdischen Bewohnern ihre Hofstätten und Häuser genommen; auf dem Gelände errichtete man danach das Spital, die heutige Spitalkirche St. Alban.

Knapp 20 Jahre nach dem Pestpogrom durften wieder einige Juden in Lauingen siedeln. Unter dem Schutz des Herzogs Friedrich von Teck ließen sie sich in einer Gasse im Weberviertel, der späteren Hirschstraße, nieder und lebten hier mit christlichen Bewohnern Haus an Haus. Aus dem Privileg des Herzogs Friedrich zu Teck für die Stadt Lauingen von 1367: " ... Wir Friedrich Herzog zu Teckh, Verbriefen vndt Bekhennen vor allen Meniglich, offentlich mit diesem Brieff, für Unnsz vndt vnseren Erben, ... daß sie Juden zue Burgern in die obgenandte Statt zue Laugingen empfahen, vndt einnehmen sollen vndt mügen ....“

In der von Juden bewohnten Gasse befand sich auch die „Judenschul“; das Gebäude in der Hirschstraße, in dem sich die spätmittelalterliche Synagoge befunden haben soll, ist heute noch erhalten. Zwischen den Lauinger Juden und der Stadt Augsburg bestanden enge Beziehungen, was alte Augsburger Steuerregister belegen. Gegen Mitte des 15.Jahrhunderts ließ der judenfeindliche Herzog Ludwig IX. von Bayern-Landshut alle auf seinem Territorium lebenden Juden vertreiben, darunter auch die aus Lauingen. Das Jahr 1450 bedeutete das Ende der spätmittelalterlichen Judengemeinde Lauingen. Nach der Ausweisung der Juden aus Lauingen im Jahre 1450 soll die frühere Synagoge in ein Pilgerhaus für christliche Wallfahrer umgestaltet worden sein.

Gegen Mitte des 16.Jahrhunderts gab es in Lauingen für wenige Jahre wieder eine kleine jüdische Gemeinschaft, die allerdings abermals durch die neue Herrschaft vertrieben wurde. Mitten im Dreißigjährigen Krieg hielten sich dann erneut Juden in Lauingen auf; unter ihnen waren auch „Landjuden“, die während der unsicheren Zeit den Schutz einer Stadtmauer dem unsicheren Dorfleben vorzogen; dabei hatte ihnen der damals regierende Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm eine auf sieben Jahre lautende Aufenthaltsgarantie zugesichert. Doch wenige Jahre nach dem Ende des Krieges mussten die jüdischen Familien auf Betreiben der christlichen Einwohnerschaft - unterstützt vom herrschenden Pfalzgrafen Philip Wilhelm - die Stadt verlassen; von der Ausweisung waren alle 14 jüdischen Familien betroffen, die damals in Lauingen lebten.

Lauingen an der Donau, Stich von 1665 in Topographia Bavariae (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

In den folgenden Jahrzehnten hielten sich nur noch kurzzeitig Juden aus Höchstadt und Gundelfingen in Lauingen auf, um die dortigen Märkte aufzusuchen.

Im 19./20. Jahrhundert ist von der Niederlassung jüdischer Familien in der Stadt kaum etwas bekannt.

An dem einst als Synagoge genutzten Gebäude erinnert heute eine Bronzetafel an die Geschichte des Hauses.

                        http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20122/Lauingen%20Synagoge%20202.jpg

Gebäude der ehem. "Judenschule" in der Hirschstr. (Aufn. GFreihalter, 2010, aus: wikimedia.org, CC BY-SA 3.0) u. Informationstafel

 

 

 

In Höchstädt - donauabwärts von Lauingen gelegen - gab es seit dem ausgehenden 13.Jahrhundert jüdische Ansässigkeit, die allerdings nicht dauerhaft war. Die hier verstorbenen Juden wurden damals auf dem Friedhof in Augsburg begraben. Nach Mitte des 15.Jahrhunderts wurden alle Juden im Rahmen der allgemeinen Vertreibung aus dem Herzogtum Bayern-Landshut von hier ausgewiesen. Während des Dreißigjährigen Krieges durften jüdische Familien mit Billigung des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm in Höchstädt Schutz suchen. Damals gab es im Ort einen Betsaal und einen eigenen jüdischen Begräbnisplatz. Die handesltreibenden jüdischen Familien waren wiederholt Diskriminierungen ausgesetzt; so duften sie z.B. nur an zwei Tagen nach Lauingen, um dort Handelsgeschäfte abzuwickeln. Zudem mussten sie sich größere Geschäfte vom Stadtmagistrat genehmingen lassen. 1676 mussten die Familien auf Anweisung des Landesfürsten Philipp Wilhelm ihre Wohnsitze verlassen. Etwa zwei Jahrzehnte später wurde ihnen wieder erlaubt, sich in der Stadt niederzulassen – gegen Zahlung eines jährlichen Schutzgeldes von 30 Reichstalern. Nach Klagen der ortsansässigen christlichen Kaufleute und Handwerker, die sich wegen der Geschäfte der Juden benachteiligt sahen, wurde 1740 durch den Landesherrn ein Dekret erlassen, das die Juden – nach einer Schutzfrist von mehreren Jahren - zum Verlassen des Ortes nötigte. So veräußerten die betroffenen Familien ihre Immobilien und verließen endgültig die Stadt und verzogen nach Binswagen oder Lauingen.

Im 19./20.Jahrhundert kam es zeitweilig zur Niederlassung einzelner Juden.

Nur die Straße „Judenberg“ erinnert heute an einstmalige jüdische Ansässigkeit.

 

 

 

Weitere Informationen:

Louis Lamm, Zur Geschichte der Juden in Lauingen, in: "Blätter für jüdische Geschichte und Literatur", No. 3/1902

Louis Lamm, Zur Geschichte der Juden in Lauingen und in anderen pfalz-neuburgischen Orten, in: Zur Geschichte der Juden im bayrischen Schwaben, Band II, 2. Aufl., Berlin 1915

Reinhard H. Seitz, Jüdische Gemeinden im Landkreis, in: "Der Landkreis Dillingen ehedem und heute (Kreisheimatbuch)", Dillingen 1982, S. 139 ff.

Germania Judaica, Band II/1, Tübingen 1968, S. 473 und Band III/1, Tübingen 1987, S. 722 – 724

Israel Schwierz, Steinerne Zeugen jüdischen Lebens in Bayern - Eine Dokumentation, Hrg. Bayrische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1992, S. 267

Reinhard H. Seitz, Zur Topographie der älteren Judengemeinden in Augsburg und Lauingen (Donau), in: Peter Fassl (Hrg.), Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben, in: "Irseer Schriften", Band 2, S. 30 ff., Verlag Thorbecke, Sigmaringen 1994

Jüdisch Historischer Verein Augsburg (Hrg.), Die Juden von Lauingen an der Donau (längerer Aufsatz mit Fotos), online abrufbar unter: jhva.wordpress.com/2010/08/05/die-juden-von-lauingen-an-der-donau/

Lauingen, in: alemannia-judaica.de (mit diversem Bildmaterial)

Höchstädt an der Donau, in: alemannia-judaica.de

Monika Müller, Judenschutz vor Ort. Jüdische Gemeinden im Fürstentum Pfalz-Neuburg, in: "Veröffentlichtungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft", 2016

Michael und Leo Thomas (Red.), Dort, wo einst die „Judenschul“ in Höchstädt war, in: „Augsburger Allgemeine“ vom 14.1.2020