Höxter/Weser (Nordrhein-Westfalen)

Datei:Höxter in HX.svg  Lage der Ortsteile innerhalb des Stadtgebietes von Höxter Höxter ist eine Stadt mit derzeit ca. 31.000 Einwohnern im östlichen Teil von Nordrhein-Westfalen und Kreisstadt des gleichnamigen Kreises im Regierungsbezirk Detmold (beide Karten TUBS, 2008, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Bis ins ausgehende 14.Jahrhundert reichen Spuren jüdischen Lebens im ostwestfälischen Höxter zurück; anfänglich wurden vermutlich einzelnen Personen/Familien zeitlich befristete Schutzbriefe ausgestellt. Eine dauerhafte Ansässigkeit von Juden in Höxter lässt sich erst ab der zweiten Hälfte des 16.Jahrhunderts nachweisen - dabei handelte es sich wohl um nur wenige jüdische Familien, die wahrscheinlich um 1600/1620 eine kleine Gemeinde bildeten. Sowohl die Stadt Höxter als auch die Corveyer Fürstäbte erhoben regelmäßige Abgaben von den in Höxter lebenden Juden. Ihr Wohngebiet befand sich hinter der Kilianikirche in der „Judengasse“. Im Streit zwischen der Fürstabtei Corvey und der Stadt um den Anspruch auf das Judenregal setzte sich zunächst die Stadt Höxter durch. Darauf förderte die Fürstabtei nun vermehrt die Ansiedlung von Juden in der Region. Doch erst in der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts konnte die Landesherrschaft (die Fürstabatei) der Stadt Höxter deren Schutz- und Geleitrecht wieder entreißen. Unter dem Schutz der Fürstäbte lebten die Corveyer Juden von 1674 (Gnadenrezess) bis 1802 relativ sicher, wenn auch unter großen finanziellen Lasten. Die vergleiteten Juden besaßen gewisse wirtschaftliche Freiheiten, soweit sie nicht die Privilegien der hiesigen Zünfte beeinträchtigten. Neben Geld- und Pfandgeschäft waren der Handel mit Landesprodukten und „allen möglichen Waren“ Grundlage ihres Lebenserwerbs.

Eine im Jahre 1690 erlassene Corveyer Kirchenordnung regelte zudem ihr Zusammenleben mit der christlichen Bevölkerung.

Die in einem Fachwerkhaus eingerichtete Synagoge (1834) befand sich in der Faulebachstraße, der heutigen Nagelschmiedstraße; die Mittel für den Bau wurden durch einen eigens dafür gegründeten "Verein" bereitgestellt. In den Jahrzehnten zuvor hatte ein angemieteter Raum in der Rosenstraße als Betsaal gedient.

  Ehem. Synagoge/Lehrerhaus in Höxter (Modell, Schülerarbeit)

Im Gebäude befand sich im Obergeschoss ein Schulraum, im Parterre die Lehrerwohnung, sowie in einem Teil die Frauenempore. Auf dem Grundstück wurde Jahre später auch eine Mikwe eingerichtet.

Die erste, um die Mitte des 17.Jahrhunderts erworbene Begräbnisstätte für die Juden Höxters befand sich „Am Grefenhagen“; diese lag damit am Rand der Altstadt im Bereich der mittelalterlichen Befestigungsanlage (an der heutigen Straße "Hinter der Mauer"), die seit dem 16./17. Jahrhundert teilweise aufgegeben und der jüdischen Gemeinde zur Nutzung überlassen worden war. Um 1840 wurde ein neuer jüdischer Friedhof an der heutigen Gartenstraße angelegt, da die bis dahin genutzte Begräbnisstätte belegt war.

Juden in Höxter:

    --- um 1618 .........................  48 Juden,

    --- um 1650 .........................   3 jüdische Familien,

    --- 1802 ............................   4     "        "   ,

    --- 1808 ............................  42 Juden,

    --- 1834 ............................  96   “  ,

    --- 1843 ............................ 106   “  ,

    --- 1857 ............................ 110   “  ,

    --- 1875 ............................ 183   “  ,

    --- 1885 ............................ 209   “   (3,5% d. Bevölk.),

    --- 1895 ............................ 206   “  ,

    --- um 1914 ..................... ca. 120   “  ,

    --- 1925 ............................  80   “  ,

    --- 1932 ............................  65   “  ,

    --- 1933 ............................ 106   "  ,*  * Angabe erscheint unwahrscheinlich

    --- 1940 ........................ ca.  40   “  .

Angaben aus: Rudolf Muhs, Die Geschichte der jüdischen Gemeinden und Synagogen ..., S. 226

und                 Ernst Würzburger, Höxter: Verdrängte Geschichte - Zur Geschichte des Nationalsozialismus ...                                              

Höxter um 1820 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Zu Beginn der preußischen Herrschaft wiesen die Landkreise Höxter und Warburg die bei weitem höchsten jüdischen Bevölkerungsanteile in Westfalen auf; dies lag in der aktiven Ansiedlungspolitik der Fürstbischöfe von Paderborn und Fürstäbte von Corvey. Die Anzahl der Juden in Höxter verdoppelte sich vor allem durch Zuzug aus den umliegenden Dörfern von ca. 1850 bis 1885 von etwa 100 auf mehr als 200 Personen; diese Tatsache dokumentierte sich vor allem in der Zunahme jüdischer Geschäfte in der Kleinstadt in diesen Jahrzehnten. Die Juden in Höxter galten bereits in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts als weitgehend assimiliert und übten vor allem Handels-, zum geringen Teil auch Handwerkerberufe aus. Die erste Bank in Höxter ging auf die Gründung eines Juden zurück. Um 1920 verdienten die jüdischen Einwohner ihren Lebensunterhalt fast ausschließlich im Handel; sie gehörten damals unbestritten dem gehobenen Mittelstande an und waren - mit Ausnahme der wenigen religiös-orthodoxen Juden - fast vollkommen in die Kleinstadtgesellschaft integriert.

 Geschäftsanzeigen (1920er Jahre)

http://www.jacob-pins.de/files/schubazar_benjamin_und_moebelgeschaeft_hochfeld.jpg http://www.jacob-pins.de/files/rose__emil_geschaeft_vor_1910b.jpg

„Schuhbazar Benjamin“ und Modehaus Emil Rose, Am Gänsemarkt/Westerbachstraße (hist. Aufn./Karte, Forum Jacob Pins)

Erste antisemitische Strömungen zeigten sich in Höxter zu Beginn der 1920er Jahre, die mit der 1924/1925 gegründeten NSDAP-Ortsgruppe Höxter ab 1929/1930 sich weiter verstärkten. Gegen antisemitische Hetze wandte sich die „Höxtersche Zeitung” in einem Artikel, der sich auf ein NS-Wahlplakat bezog:

„ ... Ihre Wahlplakate (gemeint ist die NSDAP) zeigen einen jungen Menschen, der mit einem Vorhammer auf einige Leute einhaut. Dazu in fetten Lettern die Aufforderung: Haut sie zusammen ! ... Die Hitlerjünger entschuldigen sich damit, daß es ja nur “Juden” seien, die zusammengehauen werden sollen. Wir möchten darauf erwidern, daß kein gläubiger Christ Tätlichkeiten gegen Juden gutheißen kann. Im übrigen gilt es hier: Heute die Juden und morgen die Katholiken. “

Das lokale Parteiorgan „NS-Volksblatt” setzte nach der NS-Machtübernahme die antisemitische Hetze in Höxter - nun noch verstärkt - fort. Einen ersten Höhepunkt erreichte die NS-Diffamierungskampagne beim reichsweit angeordneten Boykott jüdischer Geschäfte, der in Höxter bereits einige Tage vor dem offiziell festgelegten Termin begann. Um die Kaufwilligen abzuhalten, wurden SA-Posten mit antisemitischen Plakaten vor jüdischen Geschäften postiert; Bürger, die trotzdem dort einkauften, wurden beschimpft. Der Boykott wurde mit einer Kundgebung des „Aktionskomitees der NSDAP Höxter“ auf dem Marktplatz der Kleinstadt beendet. Diese Maßnahmen schienen allerdings wenig Eindruck bei der Bevölkerung in Höxter gemacht zu haben, denn auch in der Folgezeit wurden weiterhin jüdische Geschäfte aufgesucht; vor allem mit Käufern aus dem ländlichen Umland wurde ein verstärkter Geschäftsverkehr verzeichnet. Daraufhin prangerte die NS-Presse in Höxter die Menschen an, die weiterhin mit Juden geschäftliche Beziehungen pflegten. Sie würden damit beweisen, dass sie „unwürdig und abseits der wahren nationalsozialistischen Volksgemeinschaft stehen” würden. 1935 intensivierte die NS-Presse ihre antijüdischen Kampagnen: Im „NS-Volksblatt” von Höxter wurden zahlreiche Berichte veröffentlicht; auch wurden „Volksgenossen“ beim Betreten jüdischer Geschäfte fotografiert.

Zwischen 1936 und 1938 verließen mehr als 30 Juden Höxter; ein Teil emigrierte, der andere Teil zog in größere deutsche Städte. Die „Arisierung“ jüdischer Geschäfte setzte in Höxter 1937 ein und erreichte ihren Abschluss Ende des Jahres 1938.

               Anzeige von Anfang 1939 

Im November 1938 rief der NSDAP-Kreisamts- u. Ortsgruppenleiter Albert Stute - nach einem telefonischen Befehl zur „Judenaktion“ - hiesige SA-Angehörige zusammen und gab Anweisungen, bestimmte Juden zu inhaftieren und Geschäfte und Wohnungen zu durchsuchen. SA-Trupps zogen dann in den frühen Morgenstunden des 10.November durch Höxter und die umliegenden Dörfer und demolierten Geschäfte und Wohnungen; sie misshandelten z.T. auch deren Bewohner und nahmen diese anschließend in Haft; danach überstellte man einige jüdische Männer zunächst nach Bielefeld, von wo sie ins KZ Buchenwald verschleppt wurden. Auch in die Synagoge in der Nagelschmiedstraße drangen SA-Angehörige gewaltsam ein, zerstörten die gesamte Einrichtung und warfen die Kultgegenstände auf die Straße; eine Brandlegung wurde durch Nachbarn verhindert, die auf die enge Wohnbebauung und damit auf eine Gefährdung ihrer Häuser hinwiesen. Der jüdische Friedhof in Höxter blieb damals unangetastet.

In seinem „Vollzugsbericht“ schrieb der Landrat von Höxter am 18.11.1938:

„ ... Die Festnahme der männlichen Juden ist im Augenblick der Erregung über den Pariser Vorfall zunächst gebillligt worden. Als jedoch die verschiedensten Gerüchte über erfolgte Mißhandlungen ... bekannt wurden und als der öffentliche Abtransport der mehr oder weniger kläglich aussehenden Gestalten erfolgte, war zu beobachten, daß die Sympathie der Bevölkerung nicht bei dieser Aktion war. Die Bevölkerung war ernst und gedrückt. Hier und da waren Anzeichen von Mitleid festzustellen. Völlig verurteilt ist die Zerstörung von Sachwerten ... Sehr bedenklich ist die Beschädigung der Synagogen aufgenommen worden, da gerade die katholische Bevölkerung in ihrer bekannten Achtung vor sakralen Einrichtungen in diesen Synagogen vielmehr religiöse Stätten, wie Bollwerke des Judentums sah. ... Ganz allgemein hat die Aktion gezeigt, daß der größte Teil der ländlichen Bevölkerung eine solche Aktion als mit dem deutschen Ansehen und der deutschen Würde nicht für vereinbar hält, ...”

Nach dem Novemberpogrom blieben nun die wenigen noch in Höxter bestehenden jüdischen Geschäfte geschlossen. Die jüdischen Bewohner wurden in der Folgezeit auf wenige Häuser konzentriert, alle ihre Grundstücke und Häuser waren nach und nach „arisiert“ worden; auch das Synagogengebäude wurde verkauft. Im April 1945 zerstörte eine Fliegerbombe den größten Teil des ehemaligen Synagogengebäudes in der Nagelschmiedstraße.

Im Dezember 1941 wurde ein Teil der noch in der Kleinstadt verbliebenen jüdischen Einwohner - zusammen mit vielen anderen - über das „Sammellager“ Bielefeld ins Ghetto Riga deportiert; nur einer der ca. 20 nach Riga deportierten Juden aus Höxter hat überlebt. Im Folgejahr wurden die wenigen noch in Höxter lebenden Juden Ende März 1942 bzw. Anfang August 1942 nach Theresienstadt bzw. in die „Lager im Osten umgesiedelt“.

Auf Befehl des Höxteraner Garnisonskommandanten wurde der jüdische Friedhof an der Gartenstraße in der zweiten Jahreshälfte 1944 vollkommen zerstört, fast alle Grabsteine zerschlagen. Unmittelbar nach Kriegsende wurde die Stadt Höxter verpflichtet, den jüdischen Friedhof an der Gartenstraße wiederherzurichten; die noch vorhandenen Grabsteine wurden wieder aufgestellt. Ein Teil der unbeschrifteten Steine bzw. Grabsteinfragmente diente dann als Material für ein 1948 errichtetes Mahnmal; zwei beschriftete Tafeln führen namentlich die jüdischen NS-Opfer von Höxter auf.

                Mahnmal (Aufn. Fritz Ostkämper, 2008, aus: jacob.pins.de)

Auf dem bis Mitte des 19.Jahrhundert genutzten Begräbnisplatz "Am Grefenhagen" (heute: Hinter der Mauer) erinnert eine Bronzetafel mit folgenden Worten:

Jüdischer Friedhof
Bis 1848 Begräbnisplatz für eine in Höxter lebende Bevölkerungsgruppe, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur jüdischen Religion unter den überwiegend ev./kath. Stadtbewohnern eine Minderheit mit eigenen religös und kulturell begründeten Bräuchen u.a. im Rahmen der Totenbestattung bildete.
Typisch ist die Lage des Friedhofes am Rande der Altstadt im Bereich der mittelalterlichen Befestigungsanlage, die seit dem 16./17. Jahrhundert teilweise aufgegeben und der jüdischen Gemeinde zur Nutzung überlassen wurde.

1988 wurde an einer Mauer in der Nagelschmiedstraße eine Gedenktafel angebracht, deren Beschriftung lautet:

NAGELSCHMIEDSTRASSE 8

EHEMALIGE SYNAGOGE

Das Fachwerkhaus aus dem 19.Jahrhundert war Sitz der jüdischen Gemeinde. Im linken noch erhaltenen Gebäudeteil befand sich im Erdgeschoß die Wohnung des Lehrers und im Obergeschoß die jüdische Schule. Die Synagoge wurde am 9.November 1938 von den Nationalsozialisten geplündert. Wegen Baufälligkeit auf Grund von Kriegseinwirkungen ist sie 1947 teilweise abgebrochen worden.

                  Auf private Initiative hin wurden 2005 die ersten sog. „Stolpersteine“ in Höxter verlegt.

Stolperstein für Anna Frankenberg geb. Wichelhausen Stolperstein für Dr. Richard Frankenberg Stolperstein für Berta Rotenberg geb. Frankenberg Stolperstein für Kati Rotenberg geb. Leopold Stolperstein für Pauline Leopold geb. Ganzmann

verlegt in der Corveyer Allee (Aufn. Gmbo, 2013, aus: wikipedia.org, CCO)

in der Westerbachstraße (Aufn. M., 2017, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0) Verlegestelle Westerbachstraße 5 

Bereits 1973 wurde in Höxter eine Straße nach dem Arzt Dr. Richard Frankenberg benannt.

vgl. dazu: Fritz Ostkämper (Bearb.), Dr. Richard Frankenberg – ein jüdischer Bürger Höxters

  In Höxter 1917 geboren wurde Jacob Pins, Sohn einer angesehenen jüdischen Kaufmannsfamilie. Im Alter von 19 Jahren verließ er Deutschland und emigrierte nach Palästina, wo er sich später als Maler und Graphiker einen Namen machte. Seine Eltern waren in Deutschland zurückgeblieben, wurden 1942 ins Ghetto Riga deportiert und dort ermordet. - 2003 wurde dem inzwischen 86jährigen Künstler die Ehrenbürgerschaft von Höxter verliehen. Der neue Ehrenbürger übereignete der Stadt seinen künstlerischen Nachlass, der etwa 300 Gemälde/Holzschnitte umfasste. Zwei Jahre später verstarb Jacob Pins in Jerusalem. - Die in Höxter ins Leben gerufene „Jacob-Pins-Gesellschaft“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, das künstlerische Werk zu dokumentieren und durch wechselnde Ausstellungen der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Aus Höxter stammte der Gelehrte und Rabbiner Samson Hochfeld (geb. 1871), der seine Ausbildung von 1888 bis 1897 an der "Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" erhielt und orientalische Sprachen studierte. Nach seiner Promotion wirkte er ab 1897 für sechs Jahre als Rabbiner in Frankfurt/Oder, danach vier Jahre in Düsseldorf. Im Jahre 1903 kam er als Rabbiner an die Synagoge Fasanenstraße; hier wirkte er – Repräsentatnt des Reformjudentums - bis zu seinem Tode 1921; sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee.

 

Um die Mitte des 17.Jahrhunderts ist die erste Ansiedlung von Juden in Bruchhausen urkundlich belegt. Eine kleine Gemeinde, zu der auch die Familien aus Ottbergen gehörten, bestand hier ca. zwei Jahrhunderte. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden in Bruchhausen sechs jüdische Familien gezählt. Oberhalb des Dorfes bestand seit dem ausgehenden 17.Jahrhundert ein eigener Friedhof. Über ein Bethaus verfügte man seit ca. 1760; angeschlossen soll „eine kleine Frauensynagoge“ gewesen sein, die „mittels eines kleinen Fensters mit der großen Männersynagoge kommunizierte“. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts sank der Anteil der Juden rapide, und nach 1850 wurde Bruchhausen mit Ottbergen und Amelunxen zu einer Gemeinde vereinigt. Bereits 1863 wurde das Gebäude der Synagoge an einen christlichen Einwohner Bruchhausens verkauft, der sich noch verpflichten musste, weiterhin die Abhaltung des jüdischen Gottesdienstes zu gewährleisten.

Nach 1860 lebten nur noch einzelne jüdische Bewohner im Dorf; der letzte verstarb 1878.

Das kleine Begräbnisgelände ist erhalten geblieben.

                   Jüdischer Friedhof in Bruchhausen (Aufn. Fritz Ostkämper, 2006) 

  Salomon Ludwig Steinheim (1789 - 1866), Sohn einer alteingesessenen jüdischen Familie in Bruchhausen, arbeitete nach dem Medizinstudium als Arzt in Steinheim und später in Altona. Durch sein emanzipatorisches Engagement kam er mit zahlreichen Männern in Kontakt, die die Geistesgeschichte des 19.Jahrhunderts mitprägten. Ab den 1830er Jahren betrieb Steinheim philosophische und theologische Studien; sein theologisches Hauptwerk ist „Die Offenbarung nach dem Lehrbegriff der Synagoge“. Bei einem seiner Auslandsaufenthalte verstarb Salomon Ludwig Steinheim in Zürich (1866), und seine Freunde sorgten dafür, dass er auf dem jüdischen Friedhof in Altona begraben wurde.

Das nach ihm benannte Duisburger Institut zur Erforschung der deutsch-jüdischen Geschichte macht deutlich, dass Salomon Ludwig Steinheim ein zu Unrecht vergessener Philosoph des 19. Jahrhunderts ist.

 

In den 1650er Jahren ist in Albaxen erstmals die Anwesenheit von Juden belegt. Zu Beginn des 19.Jahrhunderts lebten hier ca. zehn Familien. Zusammen mit den Juden aus Lüchtringen und Stahle bildeten sie um die Mitte des 19.Jahrhunderts eine Synagogengemeinde; Gottesdienste wurden in einem Betraum abgehalten, ein eigenes Synagogengebäude gab es nicht. Auch ein eigener Friedhof war in Albaxen nicht vorhanden; Verstorbene wurden in Fürstenau begraben. Abwanderung nach 1860 ließ die winzige jüdische Gemeinschaft bis auf wenige Personen zusammenschrumpfen; nur noch einige Angehörige der Familie Schlesinger blieben im Dorf; die letzten beiden wurden Opfer der NS-Herrschaft.

 

Der früheste urkundliche Nachweis dafür, dass Juden in Lüchtringen gelebt haben, stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges; damit war es das erste der Corveyer Stiftsdörfer mit jüdischer Ansiedlung. In den folgenden Jahrhunderten hielten sich stets nur wenige jüdische Familien im nahe von Höxter gelegenen Dorf auf. Bis 1822 gehörten sie der jüdischen Gemeinde Höxter an, unterhielten danach zeitweilig einen eigenen Betraum, ehe sie dann der Synagogengemeinde Albaxen angeschlossen wurden. Gegen Ende des 19.Jahrhunderts lebten noch zwei Familien mit dem Namen „Judenberg“ in Lüchtringen. - Heute erinnert noch das ehemalige, um 1850 angelegte Friedhofsgelände am Callenberge an verstorbene Juden Lüchtringens; zuvor wurde der alte jüdische Friedhof in Höxter benutzt.

 

Im Dorfe Ottbergen finden sich erste Hinweise auf jüdische Händler seit Beginn des 18.Jahrhunderts. Um 1810 werden sechs jüdische Familien genannt; deren Zahl reduzierte sich aber in den Folgejahrzehnten. Zu Gottesdiensten suchte die kleine jüdische Gemeinschaft die Synagoge in Bruchhausen auf. Trotz des Nichtvorhandenseins einer eigenen Gemeinde gab es in Ottbergen einen jüdischen Friedhof, der wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts angelegt wurde. Anfang der 1930er Jahre lebte hier nur noch eine jüdische Familie, die eine Gastwirtschaft mit Kolonialwarenhandel betrieb. - Seit 2005 erinnert eine Gedenktafel auf einem nicht mehr als Grabstein erkennbaren Sandsteinblock an den alten jüdischen Friedhof. 2009 wurden in Ottbergen fünf sog. „Stolpersteine“ verlegt.

 

In Ovenhausen - einige Kilometer westlich von Höxter gelegen - lässt sich jüdisches Leben bis zu Beginn des 18.Jahrhunderts zurückführen. Nach 1800 besaß das Dörfchen eine relativ große jüdische Gemeinde; um 1811 lebten hier immerhin elf Familien. Der jüdischen Gemeinschaft stand ein eigener Betsaal zur Verfügung, der zuletzt in der alten Dorfschule untergebracht war; auch ein kleines Begräbnisgelände war vorhanden. In den 1920er Jahren waren noch drei jüdische Familien hier ansässig. 1941/1942 wurden die letzten zwölf hier wohnenden Juden deportiert.  [vgl. Ovenhausen (Nordrhein-Westfalen)]

 

Auch in Stahle lassen sich jüdische Bewohner seit der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts nachweisen; da nur sehr wenige Familien hier ansässig waren, bildete sich keine eigene Synagogengemeinde. In einem Privathaus war ein kleiner Betraum vorhanden. Verstorbene wurden zunächst auf dem jüdischen Friedhof in Fürstenau begraben, ehe dann ein kleines Gelände im Ohrtale am Ortsausgang genutzt werden konnte. Heute finden sich hier noch fünf Grabsteine.

Fünf Grabstätten (Aufn. Ts., 2018, aus: wikipedia.org, CCO)

Ab ca. 1850 gehörten die fünf jüdischen Familien aus Stahle der Synagogengemeinde Albaxen an. Nach der Jahrhundertwende lebten dann keine Juden mehr im Dorf.

 

Auch in Fürstenau - heute ebenfalls ein Ortsteil der Stadt Höxter - gab es ehemals auch eine israelitische Gemeinde.  [vgl. Fürstenau (Nordrhein-Westfalen)]

Weitere Informationen:

Annegret Köring, Das Schicksal der jüdischen Gemeinde Höxter in der Zeit des Dritten Reiches, Staatsexamensarbeit, Gesamthochschule Paderborn 1976 (unveröffentlicht)

Johannes Heiduschka, Die Juden in Höxter bis zu ihrer Gleichstellung 1808, in: Jahrbuch des Kreises Höxter 1984, S. 233 – 244

Germania Judaica, Band III/1, Tübingen 1987, S. 567

Ernst Würzburger, Höxter unterm Hakenkreuz - Ein alternativer Stadtrundgang. Auf den Spuren des Nationalsozialismus und jüdischen Lebens in Höxter, Höxter 1988

Ernst Würzburger, Die jüdischen Friedhöfe in Stahle und Lüchtringen, in: Oberweser-Wochenzeitung No. 35 vom 31.8.1988

Rudolf Muhs, Die Synagogen im Kreis Höxter und ihre Zerstörung am 10.November 1938, in: Jahrbuch 1988 Kreis Höxter, S. 229 ff.

Rudolf Muhs, Zur Geschichte der jüdischen Gemeinden und Synagogen im Raum Höxter-Warburg vor 1933, in: Jahrbuch 1989 Kreis Höxter, S. 211 – 228

A. Shear-Yashuv, Salomon Ludwig Steinheim, ein deutsch-jüdischer Polyhistor im 19. Jahrhundert, in: Menora. Jahrbuch für deutsch-jüdische Geschichte, 1990

Ernst Würzburger, Höxter: Verdrängte Geschichte - Zur Geschichte des Nationalsozialismus einer ostwestfälischen Kleinstadt, Verlag “Villa Huxori e.V.”, Höxter 1990, S. 156 – 162

Ernst Würzburger, Die ehemalige Synagogengemeinde Albaxen, in: Höxter-Corvey 11/1990, S. 5 - 15

Ernst Würzburger, Juden in Höxter - Von der Gleichstellung im Königreich Westphalen bis zum Holocaust, in: Heimatkundliche Schriftenreihe für Stadtgeschichte der Stadt Höxter, Verlag “Villa Huxori” e.V., Heft 4, 4. Jg., Höxter 1993

Holger Raabe, Juden in Höxter im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges, in: Höxter-Corvey 41/1993, S. 17 - 19

Jörg Deventer, Das Abseits als sicherer Ort ? Jüdische Minderheit und christliche Gesellschaft im Alten Reich am Beispiel der Fürstabtei Corvey (1550 - 1807), in: Forschungen zur Regionalgeschichte 21/1996, Paderborn 1997

Michael Zimmermann (Hrg.), Geschichte der Juden im Rheinland und in Westfalen, in: Schriften zur politischen Landeskunde Band 11, Hrg. Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen, Kohlhammer Verlag GmbH, Köln/Stuttgart/Berlin 1998

Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil III: Regierungsbezirk Detmold, J.P.Bachem Verlag, Köln 1998, S. 188 - 202

Holger Raabe, Die jüdische Bevölkerung Höxters (1550 - 1650), in: ders., O’ tempora, o’ mores - Eine Stadt in Krieg und Frieden. Höxter am Vorabend und während des Dreißigjährigen Krieges, Holzminden 1998, S. 83 - 89

G. Birkmann/H. Stratmann, Bedenke vor wem du stehst - 300 Synagogen und ihre Geschichte in Westfalen und Lippe, Klartext Verlag, Essen 1998, S. 153 - 158

Michael Brocke (Hrg.), Feuer an dein Heiligtum gelegt - Zerstörte Synagogen 1938 Nordrhein-Westfalen, Ludwig Steinheim-Institut, Kamp Verlag, Bochum 1999, S. 251/252

Fritz Ostkämper (Bearb.), Die jüdische Gemeinde in Höxter (verfasst 2005), hrg.vom Forum Jacob Pins, online abrufbar unter: jacob-pins.de

Diethard Aschoff, „ ... eine wahre Landplage“. Juden im Kreis Höxter im Spiegel landrätlicher Gutachten des Jahre 1817 und 1824, in: Stefan Baumeier/Heinrich Stiewe (Hrg.), Die vergessenen Nachbarn. Juden auf dem Lande im östlichen Westfalen, in: Schriften des Westfälischen Freilichtmuseums Detmold, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2006, S. 135 – 148

Fritz Ostkämper (Bearb.), Dr. Richard Frankenberg – ein jüdischer Bürger Höxters, hrg. vom Forum Jacob Pins im Adelshof, 1988/2010

Bernd-Wilhelm Linnemeier (Bearb.), Die Juden in der Fürstabtei und im Fürtsbistum Corvey, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Ardey-Verlag, Münster 2013, S. 15 - 29

Volker Beckamnn (Bearb.), Höxter, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Ardey-Verlag, Münster 2013, S. 418 – 426

Benjamin Dahlke (Bearb.), Höxter-Albaxen, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Ardey-Verlag, Münster 2013, S. 426 – 430

Stephan Massolle (Bearb.), Höxter-Bruchhausen, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Ardey-Verlag, Münster 2013, S. 430 – 435

Ursula Olschewski (Bearb.), Höxter-Lüchtringen, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Ardey-Verlag, Münster 2013, S. 441 – 443

Stephan Massolle (Bearb.), Höxter-Ottbergen, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Ardey-Verlag, Münster 2013, S. 443 – 445

Andreas Klare (Bearb.), Höxter-Ovenhausen, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Ardey-Verlag, Münster 2013, S. 445 – 450

Benjamin Dahlke (Bearb.), Höxter-Stahle, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe. Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Detmold, Ardey-Verlag, Münster 2013, S. 450 - 452

Fritz Ostkämper (Red.), Die Viehhändler Dillenberg – Ovenhausen, Höxter und Fürstenau (längerer Aufsatz 2015), online abrufbar unter: jacob-pins.de

Fritz Ostkämper (Red.), Jüdische Friedhöfe in Höxter (Aufsatz 2016), online abrufbar unter: jacob-pins.de

Auflistung der Stolpersteine in Höxter, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Höxter

N.N. (Red.), "Haus der Ewigkeit" in Ehren halten. Geschichte der jüdischen Friedhöfe in Höxter aufgearbeitet, in: "Westfalen-Blatt" vom 11.6.2018

Michael Robrecht (Red.), 80 Jahre Pogromnacht: Gedenken im Kreis Höxter, in: “Westfalen-Blatt” vom 7.11.2018