Janowitz (Posen)

 Der um 1300 entstandene Ort - nördlich von Gnesen gelegen - besaß seit Mitte des 15.Jahrhunderts Stadtrechte. Bei der 2.Teilung Polens (1793) kam die Kleinstadt an Preußen. Nach kurzzeitiger Zugehörigkeit zum Herzogtum Warschau lag Janowitz bis zum Ersten Weltkrieg abermals auf preußischen Gebiet (Janowitz am oberen Kartenrand).

Im Dorfe Janowitz (poln. Janowiec Wielkopolski) – nördlich von Gnesen gelegen – gab es eine relativ große jüdische Gemeinde, deren Anfänge in die zweite Hälfte des 18.Jahrhunderts zurückreichen. Gegen Mitte des 19.Jahrhunderts bestand diese aus mehr als 250 Personen und stellte damit knapp die Hälfte der Dorfbevölkerung. Erste Niederlassungen jüdischer Familien reichen bis in die zweite Hälfte des 18.Jahrhunderts zurück.

Als erste gemeindliche Einrichtung wurde um 1790 ein Friedhof angelegt, 50 Jahre später nach dessen Belegung ein neues Grundstück (an der Landstraße nach Znin) gefunden.

Eine um 1810 errichtete Synagoge konnte nach sechs Jahrzehnten durch eine neue ersetzt werden, nachdem eine Kollekte bei den jüdischen Gemeinden Posens erfolgreich gewesen war.

Juden in Janowitz:

--- 1800 .......................  44 Juden,

--- 1833 ....................... 121  “  (ca. 29% d. Bevölk.),

--- 1849 ....................... 253  “  (ca. 42% d. Bevölk.),

--- 1857 ....................... 263  “  ,

--- 1871 ....................... 189  “  (ca. 30% d. Bevölk.),

--- 1885 ....................... 218  “  (ca. 27% d. Bevölk.),

--- 1895 ....................... 203  “  ,

--- 1905 ....................... 139  “  ,

--- 1910 ....................... 131  “  (ca. 4% d. Bevölk.),

--- 1921 .......................  90  “  ,

--- 1931 .......................  47  “  ,

--- 1939 ................... ca.  60  "  .

Angaben aus: Janowiec Wielkopolski, in: sztetl.org.pl

Während der Revolutionswirren von 1848 waren Juden aus Janowitz von polnischen Aufständischen vertrieben worden; nach ihrer Rückkehr ins Dorf nahmen sie mehr eine deutsch-geprägte preußische Position ein, die ihnen gewissen Schutz garantierte. So war es nicht verwunderlich, dass nach 1850 das Deutschtum in der jüdischen Bevölkerung von Janowitz sich verfestigte.

Die Zeit um die Jahrhundertwende und danach war von Abwanderung in Großstädte Deutschlands gekennzeichnet. Eine weitere Zäsur für die schon kleiner gewordene Judenschaft brachte der Anschluss an Polen mit der Abwanderung weiterer Menschen. Doch zu einer völligen Auflösung der Gemeinde von Janowitz kam es zunächst nicht; doch wegen ihrer geringen Mitgliederzahl wurde sie im Jahre 1932 als Filialgemeinde der Gemeinde Gnesen unterstellt.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges lebten im Dorf ca. 65 Menschen mosaischen Glaubens. Über ihre weiteren Schicksale ist kaum etwas bekannt, doch dürften die meisten nach ihrer „Umsiedlung“ ins "Generalgouvernement" in Vernichtungslager abtransportiert worden sein.

Heute lassen sich kaum Spuren mehr finden, die auf die Ansässigkeit jüdischer Familien im Dorf hindeuten. Auf den Friedhof der einst relativ großen Gemeinde steht nur ein unscheinbares Denkmal; alle Grabsteine sind „verschwunden“.

 

Weitere Informationen:

A.Heppner/J.Herzberg, Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Koschmin - Bromberg 1909, S. 405 - 413

Janowiec Wielkopolski, in: sztetl.org.pl