Aplerbeck (Nordrhein-Westfalen)

Datei:Dortmund Bezirke und Nachbargemeinden.png Datei:Dortmund Bezirk Aplerbeck simple.svgAplerbeck ist seit Ende der 1920er Jahre ein Stadtteil von Dortmund, liegt südöstlich der Innenstadt und besitzt derzeit ca. 22.000 Einwohner (Kartenskizzen der Stadtbezirke und Nachbargemeinden Dortmunds, aus: wikiwand.com/de/Dortmund und 'Bezirke Dortmunds', Sommer 2011, aus: wikipedia-org, CC BY-SA 3.0).

 

Die erste jüdische Familie ließ sich nach 1810/15 in Aplerbeck nieder; zusammen mit den wenigen jüdischen Bewohnern der Dörfer Barop, Berghofen, Brackel, Kirchhörde und Sölde gehörten sie während des 19.Jahrhunderts zum Synagogenbezirk Hörde.

                     Bildergebnis für Aplerbeck historisch landkartehistorische Landkarte (Abb. aus: geschichtswerkstatt-holzwickede.de)

Um den jüdischen Kindern Religionsunterricht zu erteilen und gleichzeitig den älteren den weiten Schulweg nach Hörde zu ersparen, hatte man den israelitischen Lehrer in Hörde gewinnen können, zweimal wöchentlich Religionsunterricht in Aplerbeck zu geben.

Bestrebungen, eine eigene Gemeinde zu konstituieren, waren erst wenige Jahre vor Beginn des Ersten Weltkrieges erfolgreich, als sich die in Aplerbeck, Berghofen, Schüren und Sölde lebenden Juden zusammenschließen konnten und nun eine „Filialgemeinde“ von Hörde bildete. So hatte im Jahre 1911 der Regierungspräsident in Arnsberg die Gründung der Synagogengemeinde Aplerbeck verfügt: „Nach Anhörung der Beteiligten ordne ich hiermit auf Grund des § 36 des Gesetzes über die Verhältnisse der Juden vom 23. Juli 1847 an, daß die jüdischen Eingesessenen der Gemeinden Aplerbeck, Schüren, Berghofen und Sölde aus der SynagogengemeindeHörde ausscheiden und fortan eine selbständige Synagogengemeinde „Aplerbeck“ mit dem Sitze in Aplerbeck bilden. Als Zeitpunkt, von dem ab diese neue Synagogengemeinde ins Leben treten, insbesondere also auch die Beitragspflicht der jüdischen Eingesessenen der Gemeinden Aplerbeck, Schüren, Berghofen und Sölde zur Synagogengemeinde Hörde aufhören soll, bestimme ich den 1. April 1911.“

 http://www.aplerbeck-damals.de/wordpress/wp-content/uploads/2013/08/Stempel-1928_540x355.jpg  Stempel der Kultusgemeinde Aplerbeck (Abb. aus: aplerbeck-damals.de) 

Anm.: Ein erster Versuch einer Gemeindegründung war bereits in den 1870er Jahren erfolgt, doch wegen der geringen Zahl der jüdischen Familien nicht zustande gekommen.

Der kleinen jüdischen Gemeinschaft stand ein angemieteter Betsaal zur Verfügung, zuletzt in einem Anbau des „Gasthof zum deutschen Kaiser“ in der Chausseestraße.

Seit Mitte des 19.Jahrhunderts gab es für verstorbene Juden weitab vom Dorfzentrum ein kleines Beerdigungsgelände an der Schweizer Allee (erstmalige Erwähnung aber erst in den 1880er Jahren).  Bei der Neuanlage des kommunalen Friedhofs an der Köln-Berliner-Straße (um 1895) wurde der jüdischen Gemeinde hier ein eigenes Begräbnisfeld zugewiesen. Der alte Friedhof an der Schweizer Allee bestand aber weiter fort; er wurde 1926 geschlossen.

Juden in Aplerbeck:

--- 1818 ...........................  eine Familie (mit 6 Pers.),

--- um 1845 ........................   4 jüdische Familien

--- 1858 ...........................  31 Juden,

--- 1871 ...........................  79   “  ,

--- 1895 ...........................  93   “  ,

--- 1906 ........................... 108   “  ,

--- 1925 ...........................  95   “  ,

--- 1933 ....................... ca. 120   “  .

Angaben aus: Elfi Pracht-Jörns, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen - Reg.bez. Arnsberg, S. 101

und                 G. Högl/Th. Schilp (Bearb.), Dortmund-Aplerbeck, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe, S. 288

Ak Aplerbeck Dortmund, Blick über die Gleise zum Ort, PanoramaBlick auf Aplerbeck, um 1915 (aus: akpool.de)

 

Die jüdischen Familien des Ortes bestritten ihren Lebenserwerb vornehmlich als Kleinkaufleute, daneben waren sie im Viehhandel und im Handwerk (als Fleischer, Schneider und Schuster) tätig.

Mitte Juli 1935 wurden an von jüdischen Familien bewohnten Häusern Fenster und Türen mit antisemitischen Parolen beschmiert. Im gleichen Jahre kam es in Aplerbeck auch zu Angriffen auf jüdisches Eigentum: Schaufensterscheiben zweier Geschäfte wurden eingeworfen. Zeitgleich kursierte ein Flugblatt, in dem die jüdischen Geschäfte einzeln aufgelistet waren und die „Volksgenossen“ aufrief, diese zu meiden.

In der Pogromnacht kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen, die sich gegen die Metzgerei Löwenstein und den jüdischen Viehhändler Rosenthal richteten. Auch der jüdische Friedhof an der Schweizer Allee wurde geschändet bzw. teilzerstört. 1941 wurden die letzten noch im Ort verbliebenen Juden im Haus Kirchweg 27, Ecke Gabelstraße, zusammengepfercht und dann von hier abtransportiert.

Von den zu Anfang der 1930er Jahre ca. 120 Gemeindemitgliedern kamen ca. 40 in den Ghettos und Vernichtungslagern ums Leben und ca. 30 konnten emigrieren; das Schicksal der übrigen ist ungeklärt.

[vgl. Dortmund (Nordrhein-Westfalen)]

 

Zur Erinnerung an die Aplerbecker Juden, die dem NS-Regime zum Opfer gefallen sind, ist – auf Initiative des Aplerbecker Geschichtsvereins - vor der Stadtsparkasse ein Felsblock mit Inschriftentafel aufgestellt; die Inschrift lautet „Zur Erinnerung an die Leiden der jüdischen Mitbürger des Stadtbezirks Aplerbeck, welche durch die Nazi-Diktatur entrechtet und ermordet wurden. Aplerbecker Geschichtsverein im Jahre 1995.

Auf dem kleinflächigen Friedhofsgelände an der Schweizer Allee befinden sich heute noch ca. 25 Grabsteine; der älteste datierbare Stein stammt aus der Zeit um 1855.

Alter jüdischer Friedhof (Aufn. R. Knäpper, 2011, aus: wikipedia.org, FAL)

Ein ca. 200 m² großer Teil des Kommunalfriedhofs Aplerbeck-Mitte weist jüdische Grabstätten auf – insgesamt findet man hier 18 Grabsteine.

 einzelne Gräber (Aufn. sm., 2011, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Inzwischen erinnern ca. 40 sog. „Stolpersteine“ an ehemalige jüdische Bewohner Aplerbecks (Stand 2020).

verlegt in der Köln-Berliner-Straße und im Sölder Kirchweg (Aufn. S., 2012 und O., 2015, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

 Datei:Stolpersteine Dortmund KölnBerlinerStr13.jpg Datei:Stolpersteine Dortmund Schüruferstr221.jpg

Stolpersteine in der Köln-Berliner Str. und Schüruferstraße (Aufn. E. Borchert, 2007, aus: genealogy.net/Datei:Stolpersteine_Dortmund)

 

 

Weitere Informationen:

Wolfgang Noczynski, Die jüdische Gemeinde im Amt Aplerbeck 1815 - 1945, hrg. vom Aplerbecker Geschichtsverein, Dortmund 1995

Hans Georg Kirchhoff, Die jüdische Gemeinde Aplerbeck, in: H.G.Kirchhoff/S.Liesenberg (Hrg.), 1100 Jahre Aplerbeck 899 - 1999, Essen 1998

Elfi Pracht-Jörns, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen - Regierungsbezirk Arnsberg, J.P.Bachem Verlag, Köln 2005, S. 101 - 103

Von der jüdischen Bevölkerung (1818 – 1914), online abrufbar unter: aplerbeck-damals.de

Der Weg zur Synagogengemeinde Aplerbeck, online abrufbar unter: aplerbeck-damals.de

Aplerbecker Geschichtsverein (Hrg.), Stolpersteine im Stadtbezirk Aplerbeck – Erinnerung, Respekt, Mahnung“ (2012)

Der jüdische Friedhof in Dortmund-Aplerbeck, in: "epidat – epigraphische Datenbank", Steinheim-Institut (2015)

Auflistung der Stolpersteine in Dortmund (mit Aplerbeck), online abrufbar unter: genealogy.net/Datei:Stolpersteine_Dortmund  und unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Dortmund

Günther Högl/Thomas Schilp (Bearb.), Dortmund-Aplerbeck, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe – Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Arnsberg, Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Ardey-Verlag Münster 2016, S. 287 – 290

Denkmal des Monats November 2021: Erinnerung und Mahnmal – die jüdischen Friedhöfe in Dortmund-Aplerbeck, in: „Wir in Dortmund - Magazin" vom 2.11.2021

Klaus Winter (Red.), Steinerne Zeugnisse erinnern an das reiche und vielfältige jüdische Leben in Dortmund, in: „NordstadtBlogger – Nachrichten aus Dortmund“ vom 5.6.2022