Aldenhoven (Nordrhein-Westfalen)

Datei:Aldenhoven in DN.svg Aldenhoven mit derzeit ca. 14.000 Einwohnern ist eine Kommune im Kreis Düren (bis 1972 zum Kreis Jülich) – ca. 20 Kilometer nordwestlich von Düren gelegen (Karte TUBS, 2008, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Für die jüdischen Familien aus Aldenhoven und dem nahen Umland (Bettendorf, Dürboslar, Hoengen, Laurenzberg, Nieder- und Obermerz u.a.) war das Dorf Langweiler Zentrum jüdischen Lebens.

Ob sich bereits gegen Ende des 13.Jahrhunderts jüdische Familien im Bereich der heutigen Kommune Aldenhoven aufgehalten haben, ist nicht vollständig gesichert, Sekundärquellen wie das „Deutzer Memorbuch“ deuten jedoch darauf hin: So etwa finden sich Hinweise auf die Ermordung jüdischer Bewohner nach Pogromen in den Jahren 1287 und 1349. Zuverlässige schriftliche Quellen liegen aber erst ab der zweiten Hälfte des 17.Jahrhunderts vor; so wurde z.B. 1658 einem Juden in einem Schutzbrief des Jülicher Herzogs Aldenhoven als Aufenthaltsort zugewiesen. Doch es waren stets nur wenige Familien, die hier gelebt haben.

Nach dem Bau der Synagoge in Langweiler, die nun zum Zentrum jüdischen Lebens in der Bürgermeisterei Aldenhoven wurde, gab man den Betraum in Aldenhoven - dieser befand sich in der Alten Turmstraße - auf.

Eine Notiz von 1722 ist der früheste Beleg für das Vorhandensein eines jüdischen Friedhofs in Aldenhoven; er lag vermutlich auf dem „Schofskamp“; nach dessen Aufgabe um 1820 gab es im Laufe der Zeit im Ort noch zwei andere Begräbnisstätten; einer war der um 1870 angelegte Friedhof „An der Wardener Gracht“.

Juden in Aldenhoven:

       --- 1736 .........................  3 jüdische Familien,

    --- 1764 .........................  6     “       “   ,

    --- 1787 .........................  6     “       “   ,

    --- 1812 ......................... 41 Juden,

    --- 1834 ......................... 37   "  ,

    --- 1852 ......................... 21   “  ,

    --- 1930 .........................  2 jüdische Familien.

Angaben aus: Willi Dovern, Die jüdische Bevölkerung in der Bürgermeisterei Aldenhoven 1799 - 1935, S. 14

Ein bekanntes Unternehmen in jüdischem Besitz waren die „Vereinigten Chemische Fabriken Aldenhoven m.b.H.“ in Aldenhoven, die jedoch infolge der Weltwirtschaftskrise aufgegeben wurden. Zu Beginn der 1930er Jahre lebten nur noch zwei Familien jüdischen Glaubens am Ort.

Dem Rassenwahn der Nationalsozialisten fielen ca. 40 Personen aus Aldenhoven und den zum Kernort gehörenden Ortschaften zum Opfer. Seit 1941 war jegliches jüdisches Leben in Aldenhoven erloschen.

Der durch Bombardements zerstörte kleinflächige jüdische Friedhof (Gerberstraße) wurde nach dem Krieg wieder hergerichtet. 2008 brachte man hier eine Informationstafel an, die den kleinen, versteckt liegenden Friedhof mit seinen fünf Grabsteinen wieder in den Blick der Öffentlichkeit lenkt.

Judenfriedhof Aldenhoven.jpg Aufn. Käthe u. Bernd Limburg, 2007, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0

Im Römerpark wurde im Mai 2009 ein Gedenkmonument eingeweiht: Als sichtbares Zeichen der Erinnerung trägt es die Namen von 40 Opfern; Trauerbänder mit den Namen der ermordeten Aldenhovener Juden formieren sich zu einem Davidstern. Als Standort für die Gedenkstätte wurde ein Schnittpunkt vergangenen jüdischen Lebens ausgewählt: So steht das Mahnmal in Sichtweite der ehemaligen Fabrik von Moritz Salomon, dem jüdischen Bethaus an der Alten Turmstrasse und dem israelitischen Friedhof an der Gerberstraße; finanziert wurde das Mahnmal ausschließlich durch Spenden.

Weitere Informationen:

Norbert Thiel, Grabsteine erinnern und mahnen. Zur Geschichte der jüdischen Friedhöfe im Kreise Jülich, in: Heimatkalender des Kreises Jülich 1972, S. 72 ff.

Willi Prell, Als alle Synagogen brannten, in: ‘Jülicher Volkszeitung’, November 1978 (mehrere Folgen)

Willi Prell, Die Vernichtung der jüdischen Gemeinden im Kreis Jülich 1938, in: Mitteilungen des Jülicher Geschichtsvereins (Hrg.), Beiträge zur Jülicher Geschichte 47/1980, S. 89 f.

Willi Dovern, Die jüdische Bevölkerung in der Bürgermeisterei Aldenhoven 1799 - 1935, in: Veröffentlichungen des Jülicher Geschichtsverein, Heft 9/1990, 2. Aufl. 1999

Werner Pankoke, Hinterlassenschaften von Landjuden - Alltagsleben im Spiegel von Nachlaßinventaren aus Aldenhoven (Krs. Jülich) 1820 - 1867, Siegburg 1991

Heinz und Gabriele Spelthahn, Entrechtet - entwurzelt - ermordet. Buch der Erinnerung an die Juden des Jülicher Landes, in: Veröffentlichung des Jülicher Geschichtsvereins 1923 e.V., Band 19, S. 120 ff.

Günter Bers, Juden in Aldenhoven von 1658 – 1794, in: G. Bers (Hrg.), Alte Ansichten – neue Einblicke. Schritte zur Erforschung der Ortsgeschichte, Teil 1, Forum Jülicher Geschichte Band 27, Köln 1999, S. 167 ff.

Willi Dovern, Die Juden im Bereich im heutigen Bereich der Gemeinde Aldenhoven, in: Jahrbuch des Kreises Düren 2007, S. 39 ff.

Heinz Bielefeldt, Der jüdische Friedhof in Aldenhoven, in: Spurensuche - Internet-Geschichtswerkstatt Aldenhoven, 2008

Zantis (Red.), Mahnmal im Römerpark voller jüdischer Symbole, in: „Aachener Zeitung“ vom 27.5.2009