Cosel (Oberschlesien)

Die am linken Oderufer liegende Stadt Cosel ist das heutige poln. Kozle.

Die ersten Juden siedelten sich nachweislich 1373 in Cosel an. Etwa 200 Jahre später wurden alle Juden aus der Stadt und der Region ausgewiesen.

Cosel (Kosel) in der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Erst ab der Mitte des 18.Jahrhunderts war es jüdischen Familien wieder erlaubt, hier dauerhaft zu leben. Ihren Lebensunterhalt verdienten diese zumeist im Handel mit Vieh und Landesprodukten.

Mitte der 1820er Jahren richtete die jüdische Gemeinschaft in einem angekauften zweistöckigen Gebäude ihre Synagoge ein, die mehr als ein halbes Jahrhundert gottesdienstlich genutzt wurde. Nach Erwerb eines Grundstückes am Ratiborer Platz (nahe des Marktplatzes) ließ die Gemeinde hier einen Synagogenneubau errichten, der im Sept. 1886 feierlich eingeweiht wurde; neben den Honoratioren der Stadt war auch der Beuthener Rabbiner Ferdinand Rosenthal anwesend.

Zu den weiteren gemeindlichen Einrichtungen zählten ein 1814 angelegter Friedhof (in einem nahegelegenen Dorf) und eine in den 1820er Jahren eingerichtete Schule.

http://fotopolska.eu/foto/566/566448.jpg 

Synagoge von Cosel (hist. Aufn., aus: wikipedia.org, gemeinfrei und kolorierte Zeichnung, A. Grymuza)

Juden in Cosel:

        --- um 1750 ......................   2 jüdische Familien,

    --- 1782 ......................... 112 Juden,

    --- 1845 ..................... ca. 180   “  ,

    --- 1861 ......................... 181   “  (ca. 6% d. Bevölk.),

    --- 1880 ......................... 236   “  ,

    --- 1910 ......................... 119   “  ,

    --- 1930 .........................  84   “  ,

    --- 1938 (Okt.) .............. ca.  80   "  ,

    --- 1939 .........................  24   “  ,

    --- 1942 (Nov.) ..................   8   “  .

Angaben aus: The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 1), S. 273

Am Ende des 19.Jahrhunderts wanderten viele Coseler Juden in die größeren Städte ab; gegen Ende der Weimarer Republik wohnten nur noch knapp 100 Juden in Cosel.

Mit der Einführung der „Nürnberger Gesetze” in Oberschlesien (1937) setzte auch in Cosel die gesellschaftliche und wirtschaftliche Ausgrenzung der jüdischen Minderheit ein; so mussten u.a. die jüdischen Kinder die hiesige Schule verlassen und in die jüdische Schule in Ratibor wechseln. Auch in Cosel bleiben die jüdischen Einwohner vor Exzessen nicht verschont; die Synagoge wurde während des Novemberpogroms durch Brandstiftung zerstört, unter Beifall der Neugierigen der Davidstern von der Kuppel gestürzt; nur wenig später wurde die Ruine abgebrochen.

Auch der jüdische Friedhof wurde in den Jahren nach 1938 teilzerstört.

Im Sommer 1942 begann die Deportation der wenigen noch verbliebenen Juden aus Cosel; die acht verbliebenen mussten 1944 den Weg nach Auschwitz antreten.

Während der Jahre 1942–1944 wurde in der Nähe von Cosel ein Zwangsarbeitslager für Juden eingerichtet, in dem zeitweise bis zu 4.000 Menschen untergebracht waren. Ab April 1944 wurde es organisatorisch als Außenlager von Auschwitz – unter der Bezeichnung Blechhammer - geführt. Die zumeist männlichen Häftlinge mussten für die I.G.Farben Zwangsarbeit leisten. Bevor die Rote Armee das Lager erreichte, wurden die Häftlinge auf den „Todesmarsch“ geschickt; mehr als 800 starben. 

Außer einigen zerbrochenen Grabsteinen, die von Vegetation überwuchert sind, gibt es keine weiteren sichtbaren Hinweise auf Einrichtungen der einstigen jüdischen Gemeinde.

Le cimetière juif de Koźle  en voïvodie Opolskie. The jewish cemetery of Koźle in voivodeship of Opole.<br> <font color="#FFFF00"><small>© www.shabbat-goy.com</small></font> Le cimetière juif de Koźle  en voïvodie Opolskie. The jewish cemetery of Koźle in voivodeship of Opole.<br> <font color="#FFFF00"><small>© www.shabbat-goy.com</small></font> Grabsteinrelikte (Aufn. aus: shabbat-goy.com)

Weitere Informationen:

Vom Friedhofe Cosel in Breslau”, in: Juedisches Volksblatt (Breslau) 17 (1911), S. 305

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 1), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 273/274

Kozle, aus: sztetl.org.pl

Małgorzata Frąckowiak (Red.), Kędzierzyn-Koźle, in: kirkuty.xip.pl

Présentation du cimetière juif de Koźle, online abrufbar unter: shabbat-goy.com