Coppenbrügge (Niedersachsen)

Coppenbrügge ist ein Flecken mit derzeit ca. 7.200 Bewohnern im niedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont – ca. 15 Kilometer östlich von Hameln gelegen.


Coppenbrügge - colorierter Kupferstich, 17.Jahrh. (Abb. aus: burgenwelt.org)

In Coppenbrügge – es gehörte bis 1819 zur Grafschaft Spiegelberg – lebten nachweislich seit ca. 1700 wenige jüdische Bewohner. Ihren Lebensunterhalt bestritten die Familien im Kleinhandel und Schlachtgewerbe. Während der 1740er Jahre galten die hiesigen Juden als "wohlhabend", einige von ihnen konnten bereits zu dieser Zeit Hausbesitz erwerben.

Seit Mitte des 18.Jahrhunderts soll es hier einen Betraum gegeben haben; eine im Jahre 1814 neu errichtete Synagoge führte zu einer starken Verschuldung der hiesigen Judenschaft. - Erst 1842 wurde die Synagogengemeinde Coppenbrügge offiziell gegründet; der kleinen Gemeinde waren auch die beiden Ortschaften Brünninghausen und Hohnsen angeschlossen. Sie unterstand dem Landesrabbinat Hannover. Vor allem über religiöse Fragen wie Abhaltung des Gottesdienstes, Sitzordnung, u.ä. kam es hier jahrzehntelang zu Spannungen; diese gingen z.T. so weit, dass die Abhaltung des Gottesdienstes ernstlich gefährdet war. Die Querelen hatten auch Auswirkung auf die hiesigen Schulverhältnisse; in den 1830er Jahren konnten sich die Coppenbrügger Juden nicht einmal auf einen gemeinsamen Lehrer einigen. Erst nach 1850 kam es zu einem Vergleich. Eine Folge war die Einrichtung einer jüdischen Elementarschule; allerdings konnte die Lehrerstelle nicht dauerhaft besetzt werden, sodass bis ins ausgehende 19.Jahrhundert die Kinder nicht kontinuierlich unterrichtet werden konnten.

Ein Begräbnisgelände für Juden soll es in Coppenbrügge bereits im 18.Jahrhundert gegeben haben; doch im Besitz der Gemeinde war der Friedhof an der Chaussee Hameln – Hildesheim vermutlich erst nach 1840/1842. Zu den gemeindlichen Einrichtungen gehörte auch ein um 1860 erwähntes Frauenbad.

Die kleine Kultusgemeinde gehörte zum Landrabbinat Hannover.

Juden in Coppenbrügge:

        --- um 1715 ....................  3 jüdische Familien,

    --- um 1740 ....................  5   “         “    ,

    --- 1781 ....................... 42 Juden (in 5 Familien),

    --- um 1820 .................... 45   “  ,

    --- 1864 ....................... 52   “  ,

    --- 1871 ....................... 44   “  ,

    --- 1885 ....................... 35   “  ,

    --- 1898 ....................... 17   “  ,

    --- 1925 ....................... 12   “  ,

    --- 1933 .......................  5   “  ,

    --- 1938/39 ....................  eine Familie.

Angaben aus: Bernhard Gelderblom (red.), in: Coppenbrügge, in: H. Obenaus (Hrg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen ..., Bd. 1, S. 429

Anfang der 1880er Jahre soll es in Coppenbrügge zu antisemitischen Ausschreitungen gekommen sein.

Um 1900 lebten in Coppenbrügge nur noch sehr wenige jüdische Familien. Auf Grund des Rückgangs konnten nun keine eigenen Gottesdienste mehr abgehalten werden; die Coppenbrügger Juden suchten nach 1905 fortan die Synagoge in Salzhemmendorf, später die in Hameln auf. Das eigene Synagogengebäude wurde verkauft und Mitte der 1920er Jahre abgerissen. Zu Beginn der NS-Zeit wohnten nur noch zwei jüdische Familien in Coppenbrügge. Ihre beiden Textilgeschäfte (von David Adler und Oskar Levy) wurden im „Stürmerkasten“ öffentlich angeprangert und hatten bald keine Kundschaft mehr; sie mussten die Geschäfte auf Grund wirtschaftlicher Schwierigkeiten bald aufgeben.

1937 wurde der jüdische Friedhof geschlossen, ein Jahr später das Areal eingeebnet; 1943 wurde die Fläche verkauft. - Der letzte männliche Jude in Coppenbrügge, Oskar Levi, war in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 von der Gestapo verhaftet und über Hannover ins KZ Buchenwald verbracht worden.  Am 21. Dezember 1938 konnte der Coppenbrügger Bürgermeister dem Landrat melden, dass in der Stadt nun keine jüdischen Familien mehr wohnten. Sieben gebürtige jüdische Einwohner Coppenbrügges wurden Opfer des Holocaust.

Am 9. November 1998 gab die Gemeinde Coppenbrügge den alten Friedhof wieder in jüdische Hände zurück. Im Zuge der Rückerstattung wurden auch die alten Torpfosten aus dem Jahre 1842 wieder auf das Grundstück zurückgebracht.

Jüd. Friedhof Coppenbrügge (Aufn. A. Hindemith, 2015, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 3.0)

Zudem informiert nun eine Informationstafel über den Friedhof und seine Geschichte wie folgt:

Der Jüdische Friedhof von Coppenbrügge

Auf diesem Friedhof haben die Juden aus Coppenbrügge, Brünnighausen und Hohnsen seit 1787 ihre Toten bestattet. 1937 wurde mit Meir Adler der letzte Jude beigesetzt.

In der Zeit des Nationalsozialismus – im Mai 1938 – hat die Gemeinde Coppenbrügge den Friedhof mit seinen über 60 Grabsteinen einebnen lassen. Die letzten vier Grabsteine, die damals stehen geblieben waren, haben SA-Männer aus Coppenbrügge am 9. November 1938 zerschlagen, dem Tag, als in Deutschland die Synagogen brannten. Das Grundstück wurde dann von einem Privatmann gekauft und als Wiese genutzt. 1977 erwarb die Gemeinde Coppenbrügge den Friedhof.

Es dauerte 60 Jahre, bis 1998 der Friedhof in verkleinerter Gestalt durch die Gemeinde Coppenbrügge wieder in jüdische Hände zurückgegeben wurde.

Nach jüdischen religiösen Gesetzen sind Gräber Ruhestätten für alle Zeiten. Ein Friedhof ist Stätte der Ewigkeit, „Haus des Lebens“.

Im Gedenken an jene Bürger von Coppenbrügge, die als Deutsche jüdischen Glaubens hier nicht begraben werden konnten, sondern in der Zeit des Nationalsozialismus verschleppt und ermordet wurden:

                                                                              nun folgen sechs Namen (mit biografischen Daten)

Weitere Informationen:

Irmgard Netter, Kleine Chronik von Coppenbrügge, Lindenbrunn 1965

Friedrich Beckmann, Chronik, unveröffentlichtes Manuskript, o.O. o.J.

Bernhard Gelderblom (Red.), Coppenbrügge, in: Herbert Obenaus (Hrg.), Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen, Wallstein-Verlag, Göttingen 2005, Band 1, S. 429 - 435

Bernhard Gelderblom, Die jüdische Gemeinde Coppenbrügge, in: Zur Geschichte der Juden in Hameln und in der Umgebung, Hameln 2007 (online abrufbar unter: gelderblom-hameln.de)