Praschkau (Wartheland)

Karte von  Oberschlesien 1905 (Praschka im oberen Kartenbereich)

In Praschkau (poln. Praszka) – an der deutsch-polnischen Grenze, einige Kilometer nordöstlich von Kreuzburg gelegen – gab es bereits seit dem ausgehenden 17.Jahrhunderts wenige jüdische Bewohner, die 1713 wegen eines angeblichen Ritualmordes aus dem Ort vertrieben wurden; einige sollen hingerichtet worden sein.

Gegen Mitte des 18.Jahrhunderts setzte eine erneute Zuwanderung jüdischer Familien nach Praschkau ein; so soll um 1800 bereits mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung mosaischen Glaubens gewesen sein; ein halbes Jahrhundert später stellten die jüdischen Familien etwa die Hälfte der Gesamteinwohnerschaft.

Aus dem Jahre 1836 stammt ein ansehnlicher Synagogenbau, der ein älteres hölzernes Gebäude ersetzte.

Ein eigener Friedhof wurde in den 1820er Jahren angelegt.

Juden in Praschka:

--- um 1790 ....................... ca.    120 Juden,

--- um 1795 ....................... ca.    280   “  (ca. 35% d. Bevölk.),

--- 1800 .......................... ca.    250   “  (ca. 25% d. Bevölk.),

--- um 1857 ...........................    914   “  (ca. 50% d. Bevölk.),

--- um 1900 ....................... ca.  1.560   “  (ca. 45% d. Bevölk.),

--- 1921 .......................... ca.  1.600   “  (ca. 37% d. Bevölk.),

--- 1926 .......................... ca.  1.500   “  ,

--- 1938 ..............................  1.016   “  ,

--- 1939 .......................... ca.    900   “  (ca. 23% d. Bevölk.).

Angaben aus: Praszka, in: sztetl.org.pl  (Anm.: die demographischen Daten sind nicht eindeutig belegbar)

http://www.kolekcjonerski.com.pl/Public/foto/products/org_1742_1374645335.jpg Der Ring - Ortsmitte von Praszka/Praschka (hist. Postkarte)

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges lebten in der Stadt ca. 900 Personen jüdischen Glaubens.

Anfang 1941 errichteten die deutschen Besatzungsbehörden in der Stadt ein Ghetto, in dem die jüdische Bevölkerung der Stadt und des nahen Umlandes eingewiesen wurde; die Insassen mussten Zwangsarbeit leisten. Im Sommer 1942 wurde das Ghetto aufgelöst und deren Bewohner nach Lodz bzw. ins Vernichtungslager Chelmno deportiert. Bei der Liquidierung des Ghettos (12.8.1942) wurden 17 jüdische Bewohner auf dem Friedhof erschossen; sie wurden in einem Massengrab verscharrt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Synagoge teilzerstört; das Gebäude verfiel in der Folgezeit. In den 1960er Jahren wurde es renoviert und diente danach als kommunales Kulturzentrum.

  Ehem. Synagogengebäude in Praschkau (Aufn. Piotr, 2007, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 2.0)

Auf dem jüdischen Friedhof, der während des Krieges zerstört und dessen Grabsteine für Wegebau benutzt wurden, erinnert ein Gedenkstein an 17 erschossene ehemalige jüdische Ghettobewohner. Die mehrsprachige Inschrift auf dem Stein (in Englisch) lautet: "Here rest 17 people of Jewish nationality, murdered on the 12th August 1942 by the Nazis during the liquidation of ghetto in Praszka. May they be remembered. Members of ZBOWiD in Praszka”

Das ehemalige Begräbnisareal soll sich derzeit in einem bedauernswerten Zustand befinden (siehe Aufnahmen).

  (Aufn. A. Marzcewski, 2009, aus: sztetl.org.pl)

Weitere Informationen:

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), New York University Press, Washington Square, New York 2001, Vol 2, S. 1023

Praszka, in: sztetl.org.pl

K. Bielawski (Red.), Praszka, in: kirkuty.xip.pl