Nicolai (Oberschlesien)

 In Nicolai (auch Nikolai, poln. Mikolow) - ca. zehn Kilometer südwestlich von Kattowitz gelegen - gab es eine jüdische Gemeinde, deren Wurzeln bis ins Ende des 17.Jahrhunderts zurückreichen. Erste gemeindliche Einrichtung war ein Friedhof – nachweisbar seit 1726.

                     Synagoge von Nicolai (hist. Aufn., um 1920)

Eine aus dem Jahre 1816 stammende Synagoge bildete den Mittelpunkt der im 19.Jahrhundert stark angewachsenen Gemeinde; zu ihrer Blütezeit - gegen Mitte des 19.Jahrhunderts - soll sie immerhin fast ca. 800 Angehörige besessen haben.

Ein neues Begräbnisgelände war in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts angelegt worden und ersetzte damit das ältere,  vermutlich gegen Ende des 17.Jahrhunderts angelegte Areal.

Juden in Nicolai:

--- 1758 ..........................   6 Juden,

--- 1787 ..........................  84   "  ,

--- 1825 .......................... 272   "  ,

--- 1861 .......................... 504   “  (ca. 11% d. Bevölk.),

--- 1900 .......................... 192   “  ,

--- 1910 .......................... 175   “  ,

--- 1928 ..........................  74   “  ,

--- 1939 ...................... ca. 240   “  .

Angaben aus: Mikolow, in: sztetl.org.pl

  Gleiwitzer Straße in Nikolai (hist. Postkarte) http://static2.akpool.de/images/cards/71/712188.jpg

Zunehmende Abwanderung der jüdischen Bevölkerung ließ die Gemeinde immer kleiner werden; in den 1930er Jahren wurden ca. 250 Juden in Nikolai gezählt. Mit Kriegsbeginn kam das Ende der Gemeinde.

Der (jüngere) jüdische Friedhof, der während der Kriegsjahre kaum Beschädigungen verzeichnete, war in kommunistischer Zeit zusehends dem Verfall preisgegegeben. Trotzdem haben sich bis in die Gegenwart noch zahlreiche Grabsteine erhalten; der älteste stammt aus dem Jahre 1726 (vermutlich vom alten Friedhofsgelände, das während der NS-Zeit völlig zerstört worden war).

                             alter Grabstein (Aufn. aus: panoramio.com)

Auf dem Friedhofsgelände befindet sich auch ein Massengrab von KZ-Häftlingen aus Auschwitz, die auf einem Evakuierungsmarsch hier ihr Leben verloren.

Das Synagogengebäude wurde in den 1970er Jahren gesprengt und im Rahmen der 750-Jahrfeier der Stadt an gleicher Stelle eine Grünanlage angelegt.

Weitere Informationen:

A. Konieczny, Die Zwangsarbeit der Juden in Schlesien im Rahmen der "Organisation Schmelt", in: G.Aly (Hrg.), Sozialpolitik und Judenvernichtung, Hamburg 1991

Peter Maser/Adelheid Weiser, Juden in Oberschlesien, Teil I: Historischer Überblick, in: Schriften der Stiftung Haus Oberschlesien, Landeskundliche Reihe 3.1, Gebr. Mann Verlag, Berlin 1992,

Fr.-Carl Schultze-Rhonhof, Geschichte der Juden in Schlesien im 19. u. 20.Jahrhundert, in: Schlesische Kulturpflege - Schriftenreihe der Stiftung Schlesien, Band 5, Hannover 1995

Mikolow, in: sztetl.org.pl