Löwen (Schlesien)

http://www.hennek-homepage.de/schlesien/um1919.jpg  In der kleinen Ortschaft Löwen (poln. Lewin Brzeski) – an der Grenze zwischen Ober- und Niederschlesien, ca. 20 Kilometer nordwestlich von Oppeln entfernt – sind einzelne jüdische Familien seit ca. 1815/1820 erstmals urkundlich nachweisbar; deren Anzahl war im gesamten 19.Jahrhundert stets überschaubar: Um 1880 und dann wieder um 1910 erreichte die Zahl der Gemeindeangehörigen mit ca. 80 Personen ihren höchsten Stand (ca. 3% d. Bevölkerung).

Um 1850 (andere Angabe: 1883) wurde in Löwen offiziell eine Synagogengemeinde gegründet - zu einer Zeit, als sieben jüdische Familien hier lebten.

Gottesdienstliche Zusammenkünfte fanden zunächst in angemieteten Räumlichkeiten statt, ehe dann nach der Jahrhundertwende in der Bahnhofstraße ein mit zwei Zwiebeltürmen versehenes Synagogengebäude errichtet und im Jahre 1907 vom damaligen Oppelner Rabbiner Leo Baeck eingeweiht wurde.

    

               Synagoge im Bild halbrechts, z.T. verdeckt (hist. Postkarte)                      Synagoge von Löwen (hist. Aufn. um 1920)

Zu den gemeindlichen Einrichtungen gehörte auch ein um 1880 angelegter Friedhof.

Juden in Löwen:

--- 1845 ........................ 20 Juden,

--- 1851 ........................  7 jüdische Familien,

--- 1871 ........................ 44 Juden (ca. 2% d. Bevölk.),

--- 1880 ........................ 80   “   (3,5% d. Bevölk.),

--- 1907 .................... ca. 80   “  ,

--- 1913 ........................ 74   "  ,

--- 1925 .................... ca. 60   “  ,

--- 1933 ........................ 36   “  ,

      --- 1937 ........................ 30   “  .

Angaben aus: Lewin Brzeski, in: sztetl.org.pl

http://fotopolska.eu/foto/55/55763.jpg Ortszentrum von Löwen (hist. Postkarte, um 1925, aus: fotopolska.eu)

Die meisten jüdischen Familien wohnten rund um den Marktplatz. Infolge Abwanderung verkleinerte sich die Gemeinde nach dem Ersten Weltkrieg deutlich; 1937 lebten nur noch ca. 30 Juden im Ort. Während des Novemberpogroms wurde die Synagoge in Brand gesetzt (alsbald abgerissen), drei jüdische Geschäfte und einige Wohnungen zerstört bzw. geplündert. Die noch in Löwen lebenden Juden wurden nach Kriegsausbruch deportiert, die meisten ins Ghetto Lodz; dort verlieren sich ihre Spuren.

Am Ort findet man heute keinerlei bauliche Spuren jüdischer Ansässigkeit. Der jüdische Friedhof war während des Zweiten Weltkrieges komplett verwüstet worden; das Areal wurde anschließend landwirtschaftlich genutzt.

Weitere Informationen:

Bernhard Brilling, Die jüdischen Gemeinden Mittelschlesiens. Entstehung und Geschichte, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1972

Fr.-Carl Schultze-Rhonhof, Geschichte der Juden in Schlesien im 19. u. 20.Jahrhundert, in: Schlesische Kulturpflege - Schriftenreihe der Stiftung Schlesien, Band 5, Hannover 1995

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 2), New York University Press, Washington Square, New York 2001, Vol. 2, S. 745

Joanna Banik/Jerzy Kochler, Lewin Brzeski – monografia miasta (Löwen - Stadtgeschichte), Lewin Brzeski 2005 

Lewin Brzeski (Red.), in: sztetl.org.pl