Hilchenbach/Siegerland (Nordrhein-Westfalen)

Bildergebnis für hilchenbach landkarte Hilchenbach ist eine Kleinstadt mit derzeit ca. 16.000 Einwohnern im Kreis Siegen-Wittgenstein - ca. 15 Kilometer nordöstlich von Siegen gelegen (Karte TUBS, 2008, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Jüdische Bewohner in Hilchenbach gab es erst relativ spät; so soll sich die erste Familie 1869 hier niedergelassen haben; in den folgenden Jahrzehnten lebte im Ort nur eine geringe Zahl jüdischer Bewohner. Trotzdem bildeten sie eine eigene Gemeinde und unterstanden nicht der Kultusgemeinde Siegen - vermutlich wegen der großen Entferung zur Siegener Synagoge. Gottesdienstliche Treffen fanden in privaten Räumlichkeiten statt, zuletzt im Hause des Kaufmanns Karl Schäfer in der Schützenstraße, der heutigen Gerbergasse; hier stand der winzigen Gemeinschaft im Obergeschoss ein Betraum für ca. 20 Personen zur Verfügung. An hohen Feiertagen suchten die Gemeindeangehörigen die Synagoge in Siegen auf.

Um 1890/1900 wurde ein kleines Grundstück an einem Steilhang an der Brachthäuser Chaussee erworben, auf dem nur wenige Begräbnisse vorgenommen wurden; vorher waren Verstorbene auf dem weit entfernten jüdischen Friedhof in Burgholdinghausen beerdigt worden.

Friedhof Burgholdinghausen (Aufn. 2006, aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Anmerkung: Der Friedhof am Burgberg in Burgholdinghausen (an der Landstraße Littfeld -Welschen-Ennest) war 1804 von Benjamin Moses angelegt worden, um dort seine Ehefrau zu beerdigen. Auf dem Friedhof befinden sich heute noch zwei Doppel- und vier Einzelgräber.

Juden in Hilchenbach:

        --- 1871 ........................  7 Juden,

    --- 1891 ........................ 23   “  (in fünf Haushalten),

    --- 1925 ........................ 25   “  ,

    --- 1933 ........................ 32   “  (in vier Familien),

    --- 1940 ........................ 11   "  ,

    --- 1943 (März) .................  keine.

Angaben aus: Walter Thiemann/u.a., Von den Juden im Siegerland

Anfang der 1930er Jahre setzte sich die jüdische Gemeinschaft in Hilchenbach aus ca. 30 Personen zusammen, die im wesentlichen vier Familien angehörten; ihren Lebensunterhalt verdienten sie zumeist im Vieh- und im Einzelhandel.

Nach dem Boykott vom 1.4.1933 und weiteren Ausgrenzungsmaßnahmen mussten die jüdischen Familien wegen ausbleibender Kunden ihre Geschäfte schließen.

Der reichsweite Pogrom im November 1938 hatte auch in Hilchenbach Folgen: so wurden die hiesigen Juden auf den Marktplatz geschleppt und dort misshandelt, einige Männer vorläufig festgenommen. Das Wohn- u. Geschäftshaus der Familie Schäfer – hier befand sich auch der Betraum – wurde demoliert.

Ende Februar 1943 wurde die letzte jüdische Familie deportiert; andere hatten vorher sich bereits in die Emigration retten können. Nachweislich wurden mindestens zwölf jüdische Bewohner aus Hilchenbach Opfer der Shoa.

An der Außenwand des Hauses, in dem sich zuletzt der Betraum befand, brachte die Kommune 1980 einen Hinweis auf die ehemalige kleine jüdische Gemeinschaft an. Das kleinflächige Friedhofsgelände erinnert mit seinen 13 Gräbern heute noch an einstige jüdische Ortsbewohner.

Seit 2008 erinnern sog. „Stolpersteine“ an die zwölf Holocaust-Opfer Hilchenbachs; allein sieben Steine sind Angehörigen der Familie Holländer gewidmet.

Stolperstein Hilchenbach Mühlenweg 25 Joseph Holländer Stolperstein Hilchenbach Mühlenweg 25 Julie Holländer Stolperstein Hilchenbach Mühlenweg 25 Artur Holländer Stolperstein Hilchenbach Mühlenweg 25 Willi Holländer Stolperstein Hilchenbach Mühlenweg 25 Elisabeth Holländer Stolperstein Hilchenbach Mühlenweg 25 Arno Alfred Holländer Stolperstein Hilchenbach Mühlenweg 25 Lothar Holländer "Stolpersteine" für die Familie Holländer, verlegt im Mühlenweg (Aufn. T., 2015, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Am Fuße der evangelischen Kirche erinnert seit 2013 ein mit einer Gedenktafel versehener Findling an die ehemaligen jüdischen Bewohner Hilchenbachs; unter einem eingemeißelten Davidstern stehen die Worte:

Zur Erinnerung an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger der Stadt Hilchenbach,

die Opfer der NS-Diktatur wurden.

 

In Littfeld – westlich von Hilchenbach gelegen, heute nördlicher Ortsteil der Kommune Kreuztal – lebten die meisten der in der NS-Zeit deportierten jüdischen Bewohner des Amtes Ferndorf. Die ersten Juden kamen vermutlich im ausgehenden 18./beginnenden 19.Jahrhundert in den Ort und betrieben hier – über mehrere Generationen hinweg - zwei Metzgereien. Die Judenschaft des Dorfes war zahlenmäßig stets gering, zählte im 19.Jahrhundert kaum 20 Personen. Ihre Betstube befand sich zunächst im Obergeschoss eines Hauses in der Altenberger Straße; um 1900 war diese dann in der Grubenstraße anzutreffen.

Verstorbene Juden Littfelds wurden in Burgholdinghausen begraben; dieses Gelände – heute findet man hier noch acht Grabsteine - war von 1804 bis 1927 belegt worden.

Im Jahre 1940 lebten in Littfeld zehn jüdische Bewohner; Im April 1942 wurden fünf Littfelder Juden ins Ghetto Zamosc deportiert und dort ermordet; vier weitere Personen wurden nach Theresienstadt (Juli 1942) bzw. nach Auschwitz (März 1943) verschleppt.

Seit 2013/2015 erinnern am Lindenweg, an der Hagener Straße und Grubenstraße in Littfeld/Kreuztal zwölf sog. „Stolpersteine“ an jüdische Opfer des Nationalsozialismus.

  verlegt in Kreuztal-Littfeld, Lindenweg (Aufn. Udo D., 2018, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

 

Weitere Informationen:

Walter Thiemann/u.a., Von den Juden im Siegerland, Siegen 1968, S. 47 - 50 (‘Von den Juden in Hilchenbach’)

Klaus Dietermann, Friedhof in Hilchenbach, in: R.Röcher/J.Morgenstern-Wulff/K.Dietermann (Hrg.), Die jüdischen Friedhöfe im Kreis Siegen-Wittgenstein, Siegen 1991, S. 46/47

Rainer S. Elkar (Hrg.), Menschen - Häuser - Schicksale. Hilchenbach zwischen Monarchie, Diktatur und Republik, Kreuztal 1992, S. 138 - 145

Klaus Dietermann, Familie Levi Holländer. Ein jüdisches Schicksal aus Hilchenbach, Hrg. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland e.V., Siegen 1998

Michael Brocke (Hrg.), Feuer an Dein Heiligtum gelegt. Zerstörte Synagogen 1938 Nordrhein-Westfalen, Ludwig Steinheim-Institut, Kamp Verlag, Bochum 1999, S. 244/245

Elfi Pracht-Jörns, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen - Regierungsbezirk Arnsberg, J.P.Bachem Verlag, Köln 2005, S. 495 – 498

Dieter Pfau, „Den Juden ist hier aber kein Leid zugefügt worden.“ Die Geschichte der Juden im Amt Ferndorf (1797 – 1943)., Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2012

Zwölf Stolpersteine erinnern an das Schicksal von Kreuztaler Juden (2013), in: littfeld.de

Auflistung der in Littfeld (Kreuztal) verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Kreuztal

Auflistung der in Hilchenbach verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Hilchenbach

Klaus Dietermann/Joachim Rüffer (Red.), Hilchenbach, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe – Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Arnsberg, Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Ardey-Verlag Münster 2016, S. 460 – 463

Joachim Rüffer (Red.), Kreuztal-Littfeld, in: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe – Die Ortschaften und Territorien im heutigen Regierungsbezirk Arnsberg, Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Ardey-Verlag Münster 2016, S. 498 – 502