Freienwalde (Hinterpommern)

 Freienwalde, eine Kleinstadt im ehem. Kreis Saatzig, ist das heutige polnische Chociwel.

Juden ließen sich im hinterpommerschen Freienwalde erstmals nach 1705 nieder; die ersten namentlich bekannten jüdischen Bewohner waren Arndt und Hirsch Salomon, die 1720 in einem Magistratsbericht Erwähnung fanden und recht begütert gewesen sein sollen. Allerdings waren es dann immer nur sehr wenige Familien, die das Privileg besaßen, hier zu leben. Zu Beginn des 19.Jahrhunderts wurden in Freienwalde 17 jüdische Haushalte verzeichnet. Eine der einflussreichsten Familien war die von Marcus Dobrin. 

Die jüdische Gemeinde verfügte über kein eigenes Synagogengebäude, sondern besaß nur einen Betraum in der Stargarder Straße. Zu den gemeindlichen Einrichtungen gehörte ein Friedhof, der in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts angelegt worden war (am Südrande der Stadt gelegen).

Die wenigen jüdischen Familien aus Marienfließ (poln. Marianów) und Uchtenhagen (poln. Krzywnica) gehörten der Freienwalder Gemeinde an.

Juden in Freienwalde:

        --- 1728 .........................   3 jüdische Familien,

    --- um 1765 ......................   8     “       “    ,*  *andere Angabe: 8 Familien

    --- 1812 .........................  17     “       “    ,

    --- 1849 .........................  54 Juden,

    --- 1871 .........................  49   “  ,

    --- 1880 .........................  60   “  ,

    --- um 1890 .................. ca. 110   “  ,**             ** gesamte Synagogengemeinde

    --- um 1905 .................. ca.  12 jüdische Familien,

    --- 1925 .........................  42 Juden,

    --- 1932 .........................  34   “  ,

--- 1942 .........................  keine.

Angaben aus: M.Heitmann/J.H.Schoeps (Hrg.), “Halte fern dem ganzen Land jedes Verderben ...”, S. 46

http://static1.akpool.de/images/cards/67/674948.jpg Ortszentrum von Freienwalde (hist. Postkarte, um 1920)

Die wenigen jüdischen Bewohner wurden nach 1920 von der Kultusgemeinde Stargard betreut.

Im Jahre 1935 gab es in Freienwalde noch neun Gewerbebetriebe jüdischer Eigentümer, die in den Folgejahren verkauft bzw. aufgegeben wurden. Die allermeisten der zu Beginn der 1930er Jahre hier lebenden Juden konnten sich durch Emigration in Sicherheit bringen; die wenigen verbliebenen wurden bis 1942 „in den Osten“ deportiert.

Vom südlich des Großen Staritzsees gelegenen jüdischen Friedhofs sind heute keinerlei Spuren mehr vorhanden.

[vgl. Stargard (Hinterpommern)]

Hinweis: Im gleichnamigen Bad Freienwalde/Oder (Brandenburg) war auch eine kleine israelitische Gemeinde existent.  vgl. dazu: Bad Freienwalde (Brandenburg).

Weitere Informationen:

M.Heitmann/J.H.Schoeps (Hrg.), “Halte fern dem ganzen Land jedes Verderben ...” Geschichte und Kultur der Juden in Pommern, Georg Olms Verlag, Hildesheim/Zürich 1995, S. 46

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 1), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 402

Wolfgang Wilhelmus, Geschichte der Juden in Pommern, Ingo Koch Verlag, Rostock 2004

Gerhard Salinger, Die einstigen jüdischen Gemeinden Pommerns. Zur Erinnerung und zum Gedenken, Teilband 2, Teil III, New York 2006, S. 407 – 414

Chociwel, in: sztetl.org.pl