Erfurt (Thüringen)

Erfurt ist die Landeshauptstadt des Freistaates Thüringen und mit derzeit ca. 205.000 Einwohnern die größte Stadt dieses Bundeslandes.

Bereits im 8./9.Jahrhundert sollen sich jüdische Kaufleute in Erfurt aufgehalten haben; Erfurt wurde 742 erstmals urkundlich erwähnt.

Erfurt - Anfang des 13.Jahrhunderts (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Das erste schriftliche Beleg für die Existenz von Juden in Erfurt stammt vom Ende des 12.Jahrhunderts, als der Erzbischof Konrad I. von Mainz den sog. „Erfurter Judeneid“ ausstellte.

„Des dich dirre sculdegit des bistur unschuldic. So dir got helfe. Der got der himel unde erdin gescuf. loub. blumen. unde gras. des da uore nine was. Unde ob du unrechte sveris. daz dich di erde uirslinde. di datan unde abiron uirslant. Unde ob du unrechte sveris. daz dich die muselsucht biste. di naamannen liz unde iezi bestunt. Unde ob du unrechte sweris. daz dich di e uirtilige di got moisy gab. in dem berge synay. Di got selbe screib mit sinen uingeren an der steinir tabelen. Unde ob du unrechte sweris. daz dich uellin alle di scrift. di gescriben sint an den uunf buchen moisy. Dit ist der iuden heit den di biscof Cuonrat dirre stat gegebin hat.“

In hochdeutscher Übertragung lautet der Eid wie folgt: „Dessen, wofür dieser Dir Schuld gibt, bist Du unschuldig, so Dir Gott helfe, der Gott, der Himmel und Erde erschuf, Laub, Blumen und Gras, das zuvor nicht war. Und wenn Du unrecht schwörst, dass Dich die Erde verschlinge, die Datan und Abiran verschlang. Und wenn Du unrecht schwörst, dass Dich der Aussatz befalle, der Maeman verließ und Gehasi befiel. Und wenn Du unrecht schwörst, dass Dich die Gesetze vertilgen, die Gott Moses gab auf dem Berge Sinai, die Gott selbst schrieb mit seinen Fingern auf die steinerne Tafel. Und wenn Du unrecht schwörst, dass Dich zu Fall bringen alle Schriften, die geschrieben sind in den fünf Büchern Moses. Das ist der Juden Eid, den Bischof Konrad dieser Stadt gegeben hat.“ Der „Erfurter Judeneid“ ist das älteste nachweisbare Dokument, welches von der Erfurter Kultusgemeinde zeugt und zugleich das älteste, in deutscher Sprache abgefasste Rechtsdokument dieser Art.

Bereits Anfang des 13.Jahrhunders kam es hier zu ersten schweren Ausschreitungen; 26 Erfurter Juden wurden erschlagen. Danach wurde das „Juden-Schutzgeld“ verdoppelt und zudem von jedem jüdischen Bewohner ein sog. „Goldener Opferpfennig“ in Höhe von einem Gulden gefordert. Auch in den folgenden Jahrzehnten wurden Judenhäuser und Synagoge geplündert.                                                              

Ende des 13.Jahrhunderts zählte die jüdische Gemeinde in Erfurt ca. 150 Angehörige; sie besaß bis 1349 eine Synagoge und einen eigenen Friedhof am Moritztor, an der heutigen Großen Ackerhofgasse. Vermutlich hat das Begräbnisgelände hier seit den Anfängen der Gemeinde bestanden; die ältesten der insgesamt ca. 70 noch heute erhaltenen Grabsteine stammen aus dem 13.Jahrhundert. Zahlreiche jüdische Gelehrte sollen damals in Erfurt gewirkt haben. Einer von ihnen war der Talmudist Alexander Süsskind ha-Kohen, der um 1265/1270 in Erfurt geboren wurde; er wirkte als Rabbiner in Worms, Köln und Frankfurt/M., ehe er zuletzt wieder in Erfurt lehrte. An der Spitze seiner Gemeinde starb er 1349 den Märtyrertod. Am 21.März 1349 wurde das Judenviertel gestürmt; den Juden wurde vorgeworfen, die Brunnen vergiftet zu haben. In einem Akt kollektiven Selbstmords zündeten die Juden ihre Häuser an und beendeten ihr Leben; etwa 100 Juden kamen damals zu Tode; die Überlebenden verließen die Stadt.

Die Hinterlassenschaften der jüdischen Familien und die ausstehenden Schulden fielen der Stadt zu, die Schulden von Bürgern, die diese bei den Juden hatten, wurden annulliert.

Doch wenige Jahre nach dem „großen Judenschlagen“ später siedelten sich erneut jüdische Familien an und zwar im gleichen, nicht abgeschlossenen Judenviertel. Damit wurde die zweite jüdische Gemeinde begründet, die dank der Zuwanderung zahlreicher Familien aus Böhmen, Mähren und Schlesien rasch an Größe gewann. Der Erfurter Magistrat unterstützte aus wirtschaftlichen Gründen deren Ansässigkeit. Allerdings mussten sich die Erfurter Juden der Anordnung des Rates beugen und eine „Kleiderordnung“ (von 1389) einhalten: sie durften nicht ohne Hüte und Stiefel in der Öffentlichkeit erscheinen, außerdem wurden sexuelle Kontakte zwischen Juden und Christen unter Todesstrafe gestellt. Gegen Ende des 14.Jahrhunderts mussten die jüdischen Männer Mäntel mit spitzen Kapuzen tragen.

Die jüdische Gemeinde Erfurts umfasste damals ca. 350 Mitglieder und erhielt - nach Zahlung einer hohen Geldsumme - kaiserlichen Schutz. Sie zählte wegen ihrer Größe, ihres Wohlstandes und ihrer Rabbiner zu den bedeutendsten Gemeinden des Reiches. 1357 hatte der Erfurter Rat den zurückgekehrten Juden eine Synagoge auf einem Grundstück „An der Stadtmünze“ errichten lassen; neben diesem Gebäude befand sich die erstmalig 1409 erwähnte Frauensynagoge. Zudem verfügte die Erfurter Gemeinde über Fleischbänke, ein Backhaus, ein Badehaus und sogar ein Tanzhaus; vermutlich existierte damals auch ein eigenes Hospital.

Mittelalterlichen Synagoge im Jahr 1357 (Stich aus Chronik des Ratsmeisters Friese)

Zwar wanderten Anfang der 1390er Jahre mehrere jüdische Familien aus Erfurt ab; Grund dafür war die von König Wenzel 1391 erlassene „Judenschuldentilgung“, die dem Thüringer Landgrafen und seinen Untertanen zu Gute kam, da ihnen Zinsen ganz oder teilweise erlassen wurden. Doch die Abwanderer wurden Zuzüge anderer, teils wohlhabender jüdischer Familien nach Erfurt ersetzt.

In der Mitte des 15.Jahrhunderts verschlechterte sich die Lage der Erfurter Juden zusehends; wirtschaftliche Krisen, aber auch hohe Steuerauflagen seitens des Reiches führten zu einer Verarmung und Abwanderung der jüdischen Familien. Ein Teil wandte sich gen Osteuropa, ein anderer Teil ließ sich in Dörfern der Rhön nieder. Der Rat der Stadt Erfurt erkaufte sich 1458 vom Mainzer Erzbischof - er besaß damals das Juden-Regal - das Recht, keine Juden mehr in der Stadt dulden zu müssen. Die eingezogenen jüdischen Wohnhäuser wurden veräußert, die Synagoge fortan als städtisches Zeughaus benutzt (bis 1736). Der mittelalterliche Friedhof am Moritztor wurde zerstört, eingeebnet und an dessem Standort eine städtische Scheune (Kornspeicher) errichtet. Die  Grabsteine des mittelalterlichen Friedhofs wurden im gesamten Stadtgebiet verbaut.

Anm. Wiederaufgefundene Grabsteine (etwa 100) werden heute im Kellergewölbe des sog. Steinhauses (Benediktstraße) aufbewahrt.

Der Grabstein wurde für den 1250 verstorbenen Daṿid, Sohn des Tsadoḳ, errichtet. Der Grabstein des Elazar, Sohn des Ḳalonimos, verst. 1288, befindet sich heute im Stadtmuseum. Der Grabstein wurde für die am 9. Januar 1288 versorbene Hanna, Tochter des Akśelrod, errichtet. Aufn. Stadtverwaltung Erfurt

POPPEL(1852) p2.669 ERFURT.jpgErfurt um 1850 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Die „judenlose Zeit“ dauerte in Erfurt mehr als 300 Jahre an. Erst zu Beginn des 19.Jahrhunderts ist wieder eine kleine jüdische Ansiedlung in Erfurt nachweisbar. Der erste jüdische Einwohner Erfurts mit städtischem Bürgerrecht war David Salomon Unger aus Coswig (1754-1825), der 1806 nach Erfurt übergesiedelt war und hier ein Antiquitäten- und Juwelengeschäft betrieb. Da die offiziell erst 1853 anerkannte jüdische Gemeinde in Erfurt in den ersten Jahrzehnten des 19.Jahrhunderts immer mehr Mitglieder gewann, reichte der Platz des Betraums im Hause von David Salomon Unger nicht mehr aus. So beschloss man Anfang der 1820er Jahre einen größeren Betsaal einzurichten, zu dessen Finanzierung eigens ein Bauverein ins Leben gerufen wurde. Mit dem Erwerb des Hauses „Zur Weinkrause“ (hinter dem Rathaus) konnte man nun den geplanten größeren Synagogenraum realisieren; auch eine Mikwe war im Untergeschoss vorhanden. Doch bereits ein Jahrzehnt später musste das marode Gebäude abgebrochen werden; an der gleichen Stelle wurde ein Synagogengebäude an der Stadtmünze 5 (später „Kleine Synagoge“ genannt) errichtet, die im Juli 1840 durch den Rabbiner Ludwig Philippson eingeweiht wurde.

In der „Allgemeinen Zeitung des Judentums“ vom 25. Juli 1840 hieß es u.a.:

Erfurt, 14. Juli (Privatmitth.). Am 10ten d. M. fand für die hiesige Gemeinde eine sehr erhebende und bedeutungsvolle Feier statt, die Einweihung ihrer neuen Synagoge. ... Auf klassischem Boden, nämlich auf dem, wo vor der großen Mordverfolgung im Jahre 1347, die Hauptsynagoge der 6.000 Seelen fassenden Gemeinde stand, sich erhebend, in einfachem, aber sehr geschmack- und würdevollen Style, ward diese Synagoge der Gemeinde ein großes Opfer, welches allein den Bemühungen des Vorstehers, Herrn Engel, zu verdanken steht. Es war die Absicht, der Gemeinde durch eine recht würdevolle Feier die Einweihung zugleich zu einem Wendepunkte der Entwicklung der Gemeinde zu machen. Daher berief sie zu dem Acte den Dr. Philippson aus Magdeburg, und die Kantoren Königsberger aus Dessau. ... Der Feier in dem sinnig geschmückten Tempel wohnte die Generalität der Besatzung, der ganze löbliche Magistrat, eine Deputation der Herren Stadtverordneten, die höchsten Mitglieder der Gerichte usw. bei. ... Von der Geistlichkeit der Stadt war niemand erschienen, da der Superintendent sich veranlasst gefühlt, tags zuvor die Herren durch ein Zirkular darauf aufmerksam zu machen, daß kein christlicher Geistlicher nach einer königlichen Kabinettsorder vom Jahre 1821 eine Synagoge besuchen darf. Dagegen fanden sich die Herren Professoren des Gymnasiums ein. Von der Umgegend waren viele Israeliten zusammengeströmt. ... Diese ganze Feier wurde mit wahrhafter Erhebung und im stimmendsten Takte vollzogen, und die Gemeinde dadurch auch zu wesentlichen Schritten auf den Wegen der Fortbildung bestimmt. Auf die Aufforderung eines Buchhändlers allhier überließ der Dr. Philippson seine Predigt demselben zum Drucke.       

  

Synagoge an der Stadtmünze (links: Abb. Stadtarchiv - rechts: Aufn. M. Sander, 2009, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 4.0)

In dem zweigeschossigen Bau mit klassizistisch geprägter Fassade war im Kellergeschoss ein Frauenbad untergebracht.

Als dann in den folgenden Jahrzehnten die Zahl der Gemeindeangehörigen weiter anwuchs, wurde zunächst an eine Vergrößerung des bestehenden Baues gedacht. Von diesem Vorhaben nahm die Gemeinde aber alsbald Abstand und ließ einen Neubau errichten, für den der Frankfurter Architekt Siegfried Kusnitzki verantwortlich zeichnete. Das neue, mit einer Kuppel versehene, ca. 500 Plätze umfassende Synagogengebäude am Karthäuserring wurde - nach kaum zweijähriger Bauzeit - am 4.September 1884 durch die Rabbiner Dr. Theodor Kroner und Dr. Karo eingeweiht. Der Einweihung des im Innern mit farbigen Malereien versehenen Bauwerks waren heftige Auseinandersetzungen um den Einbau einer Orgel vorausgegangen, die dazu führten, dass ein Teil der bisherigen Gemeinde sich abspaltete und gesonderte Gottesdienste außerhalb der „Reformsynagoge“ abhielt.

Die „Kleine Synagoge“ wurde daraufhin aufgegeben, das Gebäude verkauft und als Lager- und Wohnhaus genutzt.

                                                     

Synagoge am Karthäuserring (links: Stadtarchiv Erfurt, aus: commons.wikimedia.org, CCO - rechts: Gemäldeausschnitt)

Eine jüdische Religionsschule existierte seit dem Jahre 1854; sechs Jahre später gab sie sich eine Schulordnung.

              Stempel der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde Erfurt

Stellenausschreibungen der jüdischen Gemeinde Erfurt:

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20182/Erfurt%20AZJ%2023021869.jpg  http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20182/Erfurt%20AZJ%2005101880.jpg

Stellenanzeigen aus: "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 23. Febr. 1869 und vom 5.Okt. 1880

Die Besetzung der Erfurter Rabbinerstelle, die seit Mitte des 19.Jahrhunderts bestand, hatte im Laufe ihres Bestehens – bis auf zwei Ausnahmen - eine recht hohe Frequenz zu verzeichnen. Hier amtierten die Rabbiner: Dr. Isaak Heilbronn (1859-1861), Dr. Adolf Jaraczewsky (1862-1878), Dr. Jecheskel Caro (geb. 1879-1882), Dr. Theodor Kroner (1883-1885), Dr. Siegmund Feßler (1886-1887, Annulierung seiner Wahl) Dr. Moritz Salzberger (geb. 1887-1924), Dr. Max Schüftan (1924-1936) und Rabbiner Dr. Peter Freund (1937/1938).

Auf diese Ausschreibung vom Okt. 1885 bewarb sich Dr. Siegmund Feßler, dessen Wahl jedoch wenig später annuliert wurde. Ihm folgte dann Dr. Moritz Salzberger, der dann mehr als 35 Jahre dieses Amt inne hatte.

Der zweite, 1811/1812 an der Cyriakstraße eingeweihte Friedhof vor dem Brühler Tor - hierher wurden auch ca. 70 im Stadtgebiet Erfurts aufgefundene mittelalterliche Grabsteine gebracht - erwies sich bald als zu klein. Da das Areal nicht erweitert werden durfte, wurde in den 1870er Jahren ein neues Gelände in der Nähe des Steigerwalds in Nutzung genommen. Auf diesem neuen Friedhofsgelände ließ die Gemeinde 1897 eine große Trauerhalle im orientalischen Baustil erbauen.

Juden in Erfurt:

         --- um 1295 ..................... ca.   150 Juden,

    --- um 1355 .........................     2 jüdische Familien,

    --- um 1365 .........................    16     “       “    ,

    --- um 1375/80 .................. ca.   350 Juden,

    --- 1853 ............................   191   “  ,

    --- 1860 ............................   479   “  ,

    --- 1900 ............................   782   “  ,

    --- 1925 ............................   819   “  ,

    --- 1931/32 ......................... 1.219   “  ,*    * gesamte Synagogengemeinde

                .........................   819   “  ,

    --- 1933 (Dez.) .....................   833   “  ,

    --- 1936 ............................   660   “  ,

    --- 1939 ............................   263   “  ,

    --- 1944 ............................   173   “  ,

             (Dez.) .....................   wenige,

    --- 1946 (Dez.) ................. ca.   170   “  .

Angaben aus: Helmut Eschwege, Geschichte der Juden im Territorium der ehemaligen DDR, Band II, S. 840 f.

Die sich nach 1840/1850 stark vergrößerte jüdische Gemeinde trug mit ihren Angehörigen wesentlich zum wirtschaftlichen Aufstieg Erfurts bei; Juden waren Geschäftsleute, Bankiers, Handwerker, Verleger u.a..

Im und nach dem Ersten Weltkrieg machte sich auch in Erfurt der Antisemitismus stärker bemerkbar. Er wurde u.a. von dem Deutschnationalen Jugendbund unter Leitung von Walter Corsep propagiert. 1924 wurde die Erfurter Synagoge erstmals mit NS-Parolen beschmiert. Diese Hetze setzte sich nach 1933 fort, als in Erfurt die antisemitische Hetzschrift „Weltdienst“ in drei Sprachen herausgegeben wurde; Herausgeber war Ulrich Fleischhauer, der den Erfurter Bodung-Verlag leitete und für zahlreiche antisemitische Bücher und Broschüren verantwortlich zeichnete.

                  Hetzplakat vor einer Erfurter Apotheke

Ein Jahr vor der NS-Machtübernahme gehörten der jüdischen Gemeinde Erfurts mehr als 1.200 Angehörige an; bereits Ende 1933 hatte sich ihre Zahl um ein Drittel auf nur noch 831 Personen reduziert. In den Folgejahren verließen weitere ca. 250 Erfurter Juden ihre Heimatstadt; die meisten gingen nach Übersee. Trotzdem bestanden 1937 in der Stadt noch zahlreiche jüdische Geschäfte bzw. Unternehmen, so 39 Bekleidungswaren-, 13 Schuh- und Lederwarengeschäfte, zehn Viehhandlungen und 20 Textil-/Webwarenhandlungen; daneben praktizierten noch 13 Ärzte und sechs Rechtsanwälte. Doch mit zunehmendem Druck wurden immer mehr Geschäfte/Unternehmen aufgegeben.

jüdisches Geschäft Johannesstraße (Aufn. O. Brauner)

                           Geschäftsanzeige des "arisierten" Kaufhauses Römischer Kaiser 

Noch vor der Reichspogromnacht wurden etwa 100 Juden Erfurts mit ausländischer Staatsbürgerschaft nach Polen abgeschoben; einige kehrten kurz darauf wieder an ihren alten Wohnort zurück.

In der Nacht vom 9./10.November plünderten Nationalsozialisten die Synagoge am Karthäuserring; anschließend wurde das Gebäude in Brand gesetzt. Fast 200 jüdische Männer wurden aus ihren Wohnungen geholt und in der Turnhalle der Humboldt-Schule verhört und misshandelt. Die Kosten in Höhe von 6.900 RM für den Abbruch der Synagogenruine und die Einzäunung des Grundstückes wurden der Gemeinde in Rechnung gestellt. Die Stadt Erfurt erwarb 1939 das Gelände und errichtete hier eine Lagerhalle.

Im gleichen Jahre wurde die Erlaubnis zur Einrichtung einer privaten jüdischen Volksschule erteilt, deren Leiter Leopold Stein war.

  

ausgebrannte Erfurter Synagoge (Aufn. Nov.1938, Stadtarchiv Erfurt)

Kurz vor Kriegsbeginn lebten in Erfurt nur noch etwa 260 Bewohner mosaischen Glaubens. Im Mai 1942 begannen die Deportationen; bis Mitte 1944 verringerte sich die Zahl der jüdischen Einwohner auf ca. 170 Personen; die meisten von ihnen wurden in die Vernichtungslager im besetzten Osteuropa verfrachtet. Nur wenige „in Mischehe“ lebende Juden überstanden das NS-Regime in Erfurt.

Nach Kriegsende kehrten nur 15 Juden nach Erfurt zurück. Auf Grund des Zuzugs, vor allem aus Polen, erreichte die Jüdische Gemeinde Erfurts Ende der 1940er Jahre dann wieder mehrere hundert Mitglieder. Zusammen mit anderen kleinen Gemeinden in Mühlhausen, Eisenach, Gera u. Jena gründete sich 1951 der Landesverband der jüdischen Gemeinden in Thüringen mit seinem Sitz in Erfurt. Die kleinen Gemeinden hatten sich aufgelöst, da ihre Mitglieder auf Grund der antisemitischen Tendenzen 1952/53 die DDR verlassen hatten. Im Sommer 1952 wurde - mit staatlichen Mitteln - die wiederaufgebaute Synagoge am Karthäuserring, dem heutigen Juri-Gagarin-Ring, eingeweiht.

Zwischen den DDR-Neubauten sollte die ­Synagoge, die 1952 in Erfurt erbaut wurde, nicht durch eine  Kuppel auffallen.  Ohne Kompromisse  mit den damaligen Machthabern wäre  der Bau nicht möglich gewesen. So entstand ein schlichtes Gebäude, das nur durch den ­Davidsstern und die hebräischen Schriftzeichen als  Synagoge zu erkennen ist. Es ist der einzige Neubau einer Synagoge in der DDR. Foto: Markus Wetterauer neue Synagoge in Erfurt (Aufn. Markus Wetterauer)

In der Vorhalle erinnert seitdem eine Gedenktafel mit folgender Inschrift:

An dieser Stätte ist die Synagoge am 9. November 1938 zerstört worden.

Am 31.August 1952 - 10. Ellul 5712 - wurde sie auf geheiligter Erde neu erbaut und wieder zur Ehre des ewigen Gottes geweiht.

Fast gleichzeitig wanderten jüdische Bürger vermehrt auch aus Thüringen aus, sodass die Jüdische Landesgemeinde sich stark verkleinerte; 1989 zählte sie schließlich nur noch 28 Mitglieder. Mit der politischen Wende in Osteuropa kamen nun vermehrt jüdische Zuwanderer aus den GUS-Staaten in die Bundesrepublik; die Jüdische Landesgemeinde Thüringen zählte 2016 ca. 800 Mitglieder, davon leben ca. 550 in Erfurt; allerdings handelt es sich bei den Immigranten meist um solche, die bislang wenig Zugang zur jüdischen Religion hatten. Seit November 2010 amtierte der gebürtige Moskauer Konstantin Pal als erster Rabbiner der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges; er ist ein Absolvent des Abraham-Geiger-Kollegs in Berlin.

Der Landesrabbiner Konstantin Pal (Aufn. J. König, Archiv „Thüringer Allgemeine“) 

2014 gab Konstantin Pal sein Amt als Thüringer Landesrabbiner auf.

Im Stadtzentrum wurde im November 1983 am Gebäude der heutigen Humboldtschule eine Gedenktafel mit folgendem Inhalt enthüllt:

In der Nacht vom 9. zum 10.November 1938 wurden 200 jüdische Mitbürger Erfurts in den Turnhallen dieser Schule

von den Faschisten zusammengetrieben und grausam mißhandelt.

Von hier aus begann ihr qualvoller Weg in furchtbares Elend und in den Tod !

Nie wieder Faschismus !

Gedenkstein mit Davidstern und Inschrift Gedenkstein (Aufn. aus: juedisches-leben.erfurt.de)

Auf dem Areal des einstigen alten jüdischen Friedhof in der Cyriakstraße - dieser wurde 1944 eingeebnet - erinnert seit 1996 ein aus weißem Marmor gefertigter Gedenkstein an Erfurter Juden:

Der alte Friedhof der jüdischen Gemeinde Erfurt

bestand an dieser Stelle bis 1952.

Hier ruhen zahlreiche, bedeutende Erfurter Juden.

Wir erinnern

                                                                              Freistaat Thüringen                    Landeshauptstadt Erfurt                                                                                                                                                                           Jüdische Landesgemeinde Thüringen

Nach Abschluss der Restaurierung des Begräbnisgeländes (2009) fanden die ca. 25 verbliebenen Grabsteine – sie waren zwischenzeitlich auf dem neuen Friedhof verbracht worden - hier wieder ihren angestammten Platz. Der neue jüdische Friedhof in der Werner-Seelenbinder-Straße - mit ca. 500 Grabstätten der größte im Freistaat Thüringen - ist bis heute in Nutzung; die während des Novemberpogroms im Innern verwüstete Trauerhalle wurde 1993 in ihrer ursprünglichen Form (im orientalischen Stile) wiederhergestellt.

 Neuer jüdischer Friedhof Erfurt 3.JPG

(Neuer) jüdischer Friedhof in Erfurt (Aufn. BrThomas, 2010 und G., 2014, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

 Trauerhalle auf dem neuen Friedhof (Aufn. Spangenberg & Braun, 2012)

Seit November 1998 ist die „Kleine Synagoge“ an der Stadtmünze - nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten - als Begegnungsstätte der Öffentlichkeit zugänglich. Im Kellerraum - hier war bei den Renovierungsarbeiten eine Mikwe aufgefunden worden - wird eine Dauerausstellung präsentiert, die über die Historie der Juden in Erfurt Auskunft gibt.

Begegnungsstätte Kleine Synagoge (Aufn. Stadtverwaltung Erfurt) 

1998 wurde zufällig in einem Hause in der Erfurter Michaelisstraße ein Gold- u. Silberschatz entdeckt, der vermutlich kurz vor dem Pogrom von 1349 von seinem jüdischen Besitzer dort versteckt worden war; unter den wertvollen Gegenständen - mehreren tausend Münzen, Silberbarren und Goldschmiedearbeiten - befand sich auch ein goldener Hochzeitsring.

                            Erfurter Hochzeitsring (Aufn. aus: juedisches-leben.erfurt.de) Reich verzierter, goldener Ring.

Anm.: Im gleichen Hause soll sich die berühmte „Bibliotheca Amploniana“, eine Handschriftensammlung eines spätmittelalterlichen Gelehrten, befunden haben.

Das aus dem späten 11.Jahrhundert stammende jüdische Gotteshaus - im Spätmittelalter zunächst zu einem Lagerhaus umgebaut, später dann als Ballsaal genutzt - blieb bis Mitte der 1990er Jahre „unerkannt“; erst bei der Sanierung der Altstadt wurde dessen einstige Bestimmung wieder klar; damit ist es eines der ältesten erhaltenen mittelalterlichen Synagogenbauwerke Europas. Nach umfangreicher kostenintensiver Sanierung ist das Gebäude in der Waagegasse seit November 2009 mit einer Dauerausstellung von Zeugnissen der Kultur und Geschichte der jüdischen Gemeinde Erfurts im Mittelalter für die Öffentlichkeit zugänglich.

    Erfurt, Waagegasse 8, Alte Synagoge-002.jpg

Alte Synagoge, Westfassade (Aufn. 2009, Stadtverwaltung Erfurt u. Tilmann, 2014, aus: commons.wikimedia.org, CC BY SA 4.0)

(Anm.: Nach den Spuren der zweiten, 1357 errichteten mittelalterlichen Synagoge Erfurts - wird z.Zt. noch gesucht. Nach Aufkündigung des „Judenschutzes“ war sie städtisches Zeughaus, bis sie 1736 bei einem großen Stadtbrand zerstört wurde. Über das äußere Erscheinungsbild dieses Gebäudes liegt ein Stich in der Chronik des Ratsmeisters Friese vor.)

Das Landesamt für Archäologie präsentiert in den Kellergewölben u.a. den aufgefundenen „jüdischen Silberschatz“ mit dem inzwischen weltbekannten Hochzeitsring; dieser wurde bereits in den letzten Jahren in Museen im Ausland gezeigt. Im Obergeschoss ist u.a. der „Erfurter Judeneid“, das älteste Dokument mit Erwähnung der jüdischen Gemeinde, ausgestellt; ein weiteres Exponat ist die 1343 fertiggestellte zweibändige pergamentene Bibelhandschrift in hebräischer Sprache, deren jeder Band fast 50 kg wiegt.

Archäologen sind sicher, dass es mitten in der Altstadt Erfurt noch eine zweite mittelalterliche Synagoge gegeben hat; denn bei Tiefbauarbeiten auf einem Gelände nahe des Rathauses wurde im Jahre 2012 wurde ein sog. "Schlussstein" einer Synagoge aufgefunden. Für die kostenintensiven Ausgrabungen standen aber bislang keine finanziellen Mittel zur Verfügung.

Bei Grabungsarbeiten im Frühjahr 2007 wurden am Fuße der Erfurter Krämerbrücke Relikte einer Mikwe entdeckt; dabei handelt es sich um einen zweistöckigen Kellerbau mit einem Tonnengewölbe. Erstmals wurde an einem jüdischen Ritualbau figürlicher Schmuck nachgewiesen - eine Plastik, die König David aus dem Alten Testament darstellt. Nach Einschätzung von Kunsthistorikern könnte der Bau bereits um 1100 erstellt worden sein; doch gehen Archäologen davon aus, dass die Mikwe aus dem 13.Jahrhundert stammt. Nach Abschluss der Grabungen wurde das Ritualbad durch eine Überbauung gesichert. 

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20268/Erfurt%20Mikwe%20825.jpg 

mittelalterliche Mikwe während der Ausgrabungsphase (Aufn. Stadtverwaltung Erfurt) und danach (Aufn. Peter Seidel, 2011)

Abrissarbeiten in der Erfurter Altstadt förderten 2012 mittelalterliche Grabsteine, die für den Hausbau zweckentfremdet worden waren, zu Tage; unter den ca. 20 aufgefundenen Steinen stammt der älteste aus dem Jahre 1259. Mit diesen jüngsten Entdeckungen verfügt Erfurt nun insgesamt über 58 jüdische Grabsteine und Fragmente aus dem Mittelalter. In einem Kellergewölbe des Hauses am Benediktsplatz 1 sind fortan diese mittelalterlichen Grabsteine und – relikte zu sehen.

Mit ihrem jüdischen Erbe möchte die Thüringer Landeshauptstadt auf die "UNESCO-Kulturerbeliste" gesetzt werden. Der Erfurter Stadtrat hat mit seinem 2008 gefassten Beschluss entschieden, den Titel „UNESCO-Weltkulturerbe“ anzustreben. Eine künftige Bewerbung soll sich dabei auf die einmaligen baulichen Zeugnisse der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde stützen: die Alte Synagoge und die Mikwe.

Allerdings soll die offizielle Bewerbung um den Titel „Erfurt – UNESCO-Weltkulturerbe“ erst 2021 gestellt werden!

Zu den besonders genannten Gebäuden zählt auch das mittelalterliche „Steinerne Haus“ - zwischen Benediktsplatz und Rathaus gelegen.

Das mittelalterliche „Steinerne Haus“, zwischen Benediktsplatz und Rathaus gelegen, zählt zum jüdischen Erbe Erfurts und ist Teil der Bewerbung Foto: Martin Moll Steinernes Haus“ (Aufn. Martin Moll)

Während in zahlreichen Städten sog. „Stolpersteine“ das Gedenken an ehemalige jüdische Bewohner wach halten, hat der Arbeitskreis „Erfurter GeDenken 1933 – 1945“ mit überdimensionalen „DenkNadeln“ eine andere, eigene Form des Gedenken gewählt; dabei weisen die symbolischen „Nadelstiche“ auf Einzelschicksale an ihren Lebens- oder Wirkungsstätten hin oder markieren solche Orte, die exemplarisch für Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung von Jüdinnen/Juden Erfurts stehen. Die ersten vier „DenkNadeln“ wurden anlässlich des 71.Jahrestages des Novemberpogrom aufgestellt. Eine 5. wurde direkt vor der Neuen Synagoge platziert; gleichzeitig erhielt der davor liegende Platz einen eigenen Namen: "Max-Cars-Platz".  Anm.: Max Cars war von 1945 bis 1961 der erste Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde: er hatte in den 1950er Jahren dafür gesorgt, dass genau am Standort der im November 1938 zerstörten Synagoge ein neues jüdisches Gotteshaus gebaut wurde.

Inschrift DenkNadel Lutherstr. 5 Erfurt.jpg Am 9. November 2013 wurde für Herta Simon in der Lutherstraße die neunte und vorerst letzte "DenkNadel" aufgerichtet; sie soll an das Schicksal dieser jungen Frau erinnern, die im Mai 1942 ins Ghetto Belzyce deportiert worden war.

Im Stadtbild von Erfurt erinnert von heute an eine sechste DenkNadel an das Schicksal von jüdischen Einwohnern, die von den Nazis zwangsausgesiedelt, deportiert und umgebracht wurden. Sie wird auf dem Schulhof des Evangelischen Ratsgymnasiums für die Schülerin Naemi Rosenblüth errichtet. Die siebente DenkNadel soll im Januar in der Johannesstraße ihren Platz finden und an die Familie Kohn erinnern. Unser Bild zeigt ein Standortmodell der DenkNadel. Foto: Archiv/Anette Elsner sog. "DenkNadel" (Aufn. Anette Elsner)

Der im Jahre 1999 an der Universität Erfurt begründete religionswissenschaftliche Lehrstuhl für Judaistik ist die erste und einzige Institution für Forschung und Lehre im Bereich der jüdischen Geschichte und Kultur im Freistaat Thüringen. Der Aufbau einer eigenen Fakultät für jüdische Studien ist im Gespräch.

 

In Sömmerda – etwa 25 Kilometer nördlich von Erfurt gelegen – hat es zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde gegeben. Erst seit Mitte des 19.Jahrhunderts waren hier einzelne Familien ansässig.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20360/Soemmerda%20AZJ%2012111861.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20286/Soemmerda%20AZJ%2022121863.jpg Geschäftsanzeigen von 1861 bzw. 1863

Namentlich sind zwei in Sömmerda gebürtige Jüdinnen bekannt, die Opfer der "Endlösung" geworden sind.

 

Auch in Buttstädt (Kreis Sömmerda) haben nur einzelne jüdische Familien gelebt; zu Beginn der 1930er Jahre waren es etwa zehn Personen. Während einigen die Emigration gelang, sind drei der NS-Verfolgung zum Opfer gefallen. Zur Erinnerung an das Ehepaar Friedmann - es hatte im Ort ein Textilgeschäft betrieben - wurden 2013 zwei sog. "Stolpersteine" in der Bahnhofstraße verlegt. Bereits zwei Jahre zuvor waren drei Gedenktäfelchen in die Gehwegpflasterung eingefügt worden.

Weitere Informationen:

Adolph Jaraczewsky, Die Geschichte der Juden in Erfurt, Erfurt 1868

Karl Heilbrunn, Aus der Geschichte der Juden in Erfurt, in: Nachrichtenblatt der Jüdischen Gemeinde Berlin und des Verbandes der Jüdischen Gemeinden in der DDR, Dez. 1978, S. 7 - 9

Theodor Kroner, Die Erfurter hebräischen Grabinschriften, in: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums 33/1884, S. 349 ff.

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Gekommen, um zu bleiben? Die zweite jüdische Gemeinde in Erfurt 1354 - 1454“ - Sonderausstellung in der Alten Synagoge 2017/2018

Esther Goldberg (Red.), Zweite Synagoge liegt unter der Erde hinter dem Erfurter Rathaus, in: „Thüringer Allgemeine“ vom 9.1.2018

Lydia Werner (Red.), Steinerne Zeugen sind Bausteine auf dem Weg zum Welterbe-Status, in: "Thüringer Allgemeine" vom 25.5.2018