Gau-Bickelheim (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für Gau-Bickelheim karte postleitzahl Gau-Bickelheim ist heute ein Ortsteil der Verbandsgemeinde Wöllstein im Landkreis Alzey-Worms (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

In Gau-Bickelheim – es gehörte als „Gau-Böckelheim“ jahrhundertelang zu Kurmainz - ist erstmals 1429 eine jüdische Familie nachweisbar, die einen zeitlich befristeten Schutzbrief besaß. Ab Ende des 17.Jahrhunderts lassen sich weitere Familien nachweisen, die unter dem Schutz des Erzbischofs von Mainz standen; sie bildeten im Dorf eine Gemeinde, die jedoch stets klein blieb; sie zählte maximal 45 Personen.

Um 1855 richtete man in einem Scheunengebäude in der Stühlhockersgasse einen Betraum ein.

Zeitweilig hatte die kleine Gemeinde auch einen Lehrer angestellt, der für die religiös-rituellen Verrichtungen zuständig war.

                                    Anzeige in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 12.Jan. 1870

Vor der „Oberen Pforte“ soll sich bereits im 18.Jahrhundert ein jüdischer Begräbnisplatz befunden haben; Mitte der 1830er Jahre legte die Gemeinde an der Wallertheimer Straße – unmittelbar neben dem christlichen Friedhof – ihre neue Begräbnisstätte an.

  Jüdische Gräber, zweite Hälfte 19.Jahrhundert (Aufn. J. Hahn, 2005)

Juden in Gau-Bickelheim:

--- um 1680 ......................  4 jüdische Familien,

--- 1723 .........................  5     “        “   ,

--- 1804 ......................... 15 Juden,

--- 1819 ......................... 31   “  ,

--- 1830 ......................... 30   “  ,

--- 1861 ......................... 36   “  ,

--- 1900 ......................... 36   “  (in 7 Familien),

--- 1905 ......................... 28   “  ,

--- 1931 ......................... 11   “  ,

--- 1933 .........................  3 jüdische Familien.

Angaben aus: Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “, S. 161

Als Anfang des 20.Jahrhunderts die jüdischen Familien abwanderten, löste sich die Gemeinde auf; die wenigen verbliebenen schlossen sich der Kultusgemeinde Wallertheim an. Das Synagogengebäude in der Stühlhockergasse wurde um 1920 verkauft.

Nachweislich sind in der NS-Zeit sechs gebürtige bzw. länger am Ort lebende Juden gewaltsam ums Leben gekommen.

Auf dem ca. 600 m² großen jüdischen Friedhof in Gau-Bickelheim - er befand sich in unmittelbarer Nähe des inzwischen aufgelassenen christlichen Friedhofs - stehen heute noch 23 Grabsteine.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2059/GauBickelheim%20Friedhof%20106.jpg neuer jüdischer Friedhof (Aufn. J. Hahn, 2005)

Seit 2007 erinnern zwei sog. „Stolpersteine“ an die jüdischen Geschwister Oppenheimer, die 1942 nach Theresienstadt deportiert und ermordet wurden.

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 2, S. 341/342

Dieter Hoffmann, “ ... wir sind doch Deutsche” . Zu Geschichte und Schicksal der Landjuden in Rheinhessen, Hrg. Stadt Alzey, Alzey 1992, S. 263/264

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 161

Gau-Bickelsheim, in: alemannia-judaica.de

Michael Eppelmann, Jüdischer Friedhof in Wöllstein fast in Vergessenheit geraten, in: "Allgemeine Zeitung. Rhein-Main-Presse" vom 17.1.2013

Auflistung der verlegten Stolpersteine in Gau-Bickelsheim, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Gau-Bickelheim