Wittlich/Eifel (Rheinland-Pfalz)

Datei:Verbandsgemeinden in WIL.svg Die Stadt Wittlich mit derzeit ca. 18.000 Einwohnern ist die Kreisstadt des rheinland-pfälzischen Landkreises Bernkastel-Wittlich und Sitz der Verbandsgemeinde Wittlich-Land – ca. 35 Kilometer nordöstlich von Trier (Karte TUBS, 2010, in: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

1309 wird erstmals jüdisches Leben in Wittlich urkundlich dokumentiert; unter dem Schutz des Trierer Erzbischofs, der die Juden als Finanziers zu schätzen wusste, konnten diese sich bis zu den Pest-Verfolgungen 1349 im Orte halten. Geldleihe schien ihre einzige wirtschaftliche Betätigung gewesen zu sein; vor allem adlige Herren aus der Region nahmen die Dienste der Wittlicher Juden in Anspruch. Der Bankier Salman war einer der wenigen namentlich bekannten Angehörigen der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde von Wittlich; sein Einfluss reichte zeitweilig bis in höchste Adelskreise. Beleg dafür ist u.a. die Tatsache, dass ihm erlaubt wurde, ein Siegel zu führen.

Zur Zeit des Schwarzen Todes wurde auch die hiesige Judenschaft Opfer der Verfolgungen; ihr Schutzherr hielt sich an ihrem Hab und Gut schadlos. In den folgenden drei Jahrhunderten lebten vermutlich keine Juden in Wittlich. Im Laufe des 17.Jahrhunderts entstand eine zweite jüdische Gemeinde, deren Angehörige sich auch aus Böhmen vertriebenen Juden zusammensetzte. Nächste urkundliche Hinweise auf Ansässigkeit von Juden in Wittlich finden sich erst wieder in Katastern der 1820er Jahre. Durch Zuzug aus dem ländlichen Umland wuchs die Judenschaft Wittlichs nun relativ schnell an; anfänglich war eine Übersiedlung noch mit gewissen finanziellen Auflagen verbunden, die nur ‚zahlungsfähigen’ Personen eine Niederlassung erlaubten.

Um 1900 waren fast 7% der Kleinstadtbevölkerung jüdischen Glaubens. Während die länger hier lebenden Familien zumeist ihren Lebensunterhalt als Viehhändler und Metzger verdienten, übten die neu zugezogenen mehrheitlich den Kaufmannsberuf aus. Letztere wohnten meist im Stadtzentrum, die Viehhändler hatten am Stadtrand ihre Domizile.

Über ihre erste Synagoge - einen umgebauten christlichen Kultbau (Hospitalkirche St. Wendelin) - verfügten die Juden Wittlichs Anfang der 1830er Jahre in der Oberstraße; zuvor waren Gottesdienste in einem Privathause abgehalten worden. Streitigkeiten zwischen liberal-religiösen und orthodox eingestellten Juden aus Wittlich verzögerten jahrzehntelang die Bildung einer eigenen Synagogengemeinde; diese wurde erst 1890 realisiert. In mehr als 100 ins Detail gehenden Paragraphen gab sich die neue Synagogengemeinde Wittlich nun ein Statut.

                       Siegel des Vorstandes der Synagogengemeinde Wittlich    

In einem Artikel in der Zeitschrift "Der Israelit" vom 28. Juli 1899 wurde der Bau einer neuen Synagoge in Wittlich „angemahnt“ und dabei auf das „gute Beispiel“ der Osanner Kultusgemeinde verwiesen:

 

Ein neues Synagogengebäude wurde dann am 25.November 1910 unter reger Anteilnahme der Bevölkerung in der Himmeroder Straße eingeweiht; die Festrede hielt der katholische Pfarrer, Dechant Friedrich Stein, der das gute Verhältnis zwischen den Religionen ausdrücklich hervorhob. Die jährliche Vermietung der Plätze in der Synagoge besserte die Einnahmen der Gemeinde auf; die Männerplätze befanden sich im Untergeschoss, während die Frauen auf den beiderseitigen Emporen Platz fanden.

                                         alte Synagoge in Wittlich             Am Tage der Einweihung der neuen Synagoge          neue Synagoge in Wittlich (Postkarte um 1930)

Seit 1860 verfügten die Wittlicher Juden über eine eigene Elementarschule in der Kirchstraße; die einklassig geführte Schule wurde zeitweilig auch von Kindern der Evang. Volksschule besucht.

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Stellenausschreibungen aus: "Allgemeine Zeitung des Judentums" vom 1.Febr. 1858 und "Der Israelit" vom 17.Mai 1882

Der jüdische Friedhof am Stäreberg ("Judenbüsch") wurde 1718 erstmals erwähnt, muss aber bereits Jahrzehnte zuvor angelegt worden sein; auch die Gemeinden in Bergweiler, Eisenschmitt, Landscheid, Niederöfflingen und Speicher begruben hier ihre Toten.

Juden in Wittlich:

        --- 1663 ...........................  14 Juden,

    --- 1808 ............................  68   “  ,

    --- 1824 ............................  90   “  ,

    --- 1848 ............................ 128   “  ,

    --- 1860 ............................ 148   “  ,

    --- 1895 ............................ 215   “   (ca. 6% d. Bevölk.),

    --- 1908 ............................ 230   “  ,

    --- 1925 ............................ 220   “  ,

    --- 1933 ............................ 205   “  ,*       * andere Angabe: ca. 270 Pers.

    --- 1935 ............................ 192   “  ,

    --- 1937 ............................ 154   “  ,

    --- 1938 (Okt.) .....................  75   “  ,

    --- 1939 ............................  77   “  ,

    --- 1940 ............................  34   “  ,

    --- 1942 ............................  15   “  ,

    --- 1943 ............................  keine.

Angaben aus: Maria Wein-Mehs, Juden in Wittlich 1808 - 1942, Beiträge zur Geschichte und Kultur, S. 22

Um 1900 waren vor allem die Kaufleute unter den Juden Wittlichs weitgehend in die kleinstädtische Gesellschaft integriert: Sie waren Mitglieder im Stadtrat, gehörten verschiedenen Vereinen an und machten sich um das Wohl der Stadt verdient. Schwerer taten sich dagegen die jüdischen Viehhändler und Handwerker, die ihre „jüdische Eigenart“ länger behielten und religiös-konservativer eingestellt waren.

Die meisten Juden Wittlichs arbeiteten im 19.Jahrhundert als Viehhändler; noch um 1930 lebten mehr als ein Drittel der Familien vom Viehhandel und beherrschte in dieser Branche den Markt; hier ist vor allem die weitverzweigte Familie Dublon zu nennen, deren geschäftliche Beziehungen weit in die Eifel reichten. Bis Anfang des 20.Jahrhunderts war die Kleinstadt Wittlich zentraler Marktort; so wurden auf dem Gelände des heutigen Schlossplatzes zweimal im Monat Viehmärkte und darüber hinaus auch Jahrmärkte abgehalten. Erst nach dem Ersten Weltkrieg verloren die Wittlicher Märkte an Bedeutung.

Lehrstellenangebote jüdischer Wittlicher Gewerbetreibender:

 http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20264/Wittlich%20Israelit%2008091898.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20264/Wittlich%20FrfIsrFambl%2017021905.jpg von 1898 und 1905

Neben den Viehhändlern und Kaufleuten gab es unter Wittlicher Juden Metzger und auch einige Tabakfabrikanten, z.B. die Zigarrenfabrik Fritz Hess. Ein anderes Wittlicher Unternehmen mit Weltgeltung war die Chemische Fabrik in der Kalkturmstraße, die unter anderem durch ihr Bohnerwachs und die Schuhcreme "Ermin" in ganz Europa bekannt war.

                            Werbeanzeige aus den 1920er Jahren Ein Werbeplakat der Firma Ermin präsentiert die von Willi Schrot entwickelte neue Schuhcreme-Dose Fotos: Franz-Josef Schmit (Abb. aus: "Eifel-Zeitung" vom 27.1.2016)

Anfang der 1930er Jahre bestanden in Wittlich relativ starke rechts-nationale Gruppierungen; an der Spitze stand die mehrere hundert Personen umfassende NSDAP-Ortsgruppe. Im Gefolge der NS-Machtübernahme änderten sich auch die Verhältnisse in der Wittlicher Kommunalpolitik, die nunmehr von NSDAP-Stadträten bestimmt wurde. Der von der NSDAP reichsweit angeordnete Boykott jüdischer Geschäfte und Praxen wurde auch in Wittlich am 1. April 1933 durchgeführt. 

Um der Öffentlichkeit ihre Loyalität zu beweisen, ließ die Wittlicher Synagogengemeinde wenige Tage nach dem Boykott im „Wittlicher Tageblatt” eine Erklärung veröffentlichen:

Wittlich, 5.April.  Die Synagogengemeinde Wittlich hat folgende Erklärung der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht: “Die Synagogengemeinde Wittlich beklagt aufs tiefste, daß in ausländischen Zeitungen gegen das deutsche Volk und seine Regierung eine Greuelpropaganda entfesselt wurde. Wir weisen die Lügenpropaganda auf das energischste zurück. Wir sind davon durchdrungen, daß die deutschen Juden in ihrer geschichtlichen und gefühlsmäßigen Verbundenheit mit dem deutschen Volke gewillt und entschlossen sind, an dem Aufbau und Aufstieg des Vaterlandes mit allen Kräften mitzuarbeiten. ...

In den folgenden Wochen und Monaten engten gesetzliche Bestimmungen und gesellschaftliche Ausgrenzung das Leben der Wittlicher Juden weiter ein.

                   Aus dem „Wittlicher Tageblatt” vom 3.April 1933:

... In allen jüdischen Metzgereien der Stadt wurden die Schächtmesser beschlagnahmt und sichergestellt. Im städtischen Schlachthaus darf in Zukunft kein Vieh mehr geschächtet werden. ..”

Von nun an kam es in Wittlich wiederholt zu antisemitischen Angriffen, zumeist Schmierereien an Hauswänden; „arische“ Käufer in jüdischen Geschäften wurden als „Judenknechte“ öffentlich denunziert. Immer mehr Unternehmen in jüdischem Besitz gaben auf bzw. wurden „arisiert“, ihre Eigner verließen die Stadt und wanderten in zahlreichen Fällen aus.

             Zeitungsanzeige von 1935 

Der nachfolgende Zeitungsartikel im „Wittlicher Tageblatt” aus dem Jahre 1936 beschrieb die „Arisierung“ der Chemischen Fabrik der Gebr. Ermann:

Noch vor den Ereignissen des November 1938 hatten die meisten Juden Wittlich verlassen. In der Pogromnacht vom 9./10.November 1938 wurde die Inneneinrichtung der Wittlicher Synagoge verwüstet; Täter waren vermutlich aus Trier angereiste SS-Angehörige und wenige hiesige SA-Männer. Während der Kriegsjahre diente das äußerlich unversehrt gebliebene Gebäude als Unterkunft für französische Kriegsgefangene. Auch einige Wohnungen jüdischer Bewohner wurden während des Novemberpogroms demoliert; Geschäfte waren nicht betroffen, da bereits zu diesem Zeitpunkt die „Arisierung“ abgeschlossen war. Anfang 1939 musste die jüdische Kultusgemeinde alle gemeindeeigenen Gebäude und Grundstücke an die Wittlicher Kommune veräußern. Im Sommer 1942 wurde die Gemeinde offiziell aufgelöst. Die letzten in Wittlich verbliebenen Juden wurden ghettoartig in zwei „Judenhäusern“ in der Oberstraße 54/56 zusammengepfercht, wo sie bis zu ihrer Deportation verblieben. Im September 1941 wurden diese über ihre bevorstehende „Umsiedlung“ unterrichtet, Mitte Oktober 1941 bzw. im April 1942 - zusammen mit Juden aus Trier - „nach unbekannt“ deportiert.

Mitte der 1970er Jahre erwarb die Stadt Wittlich von der Jüdischen Kultusgemeinde Trier das inzwischen stark verfallene Synagogengebäude in der Himmeroder Straße und begann anschließend mit einer grundlegenden Renovierung der Bausubstanz - mit dem Ziel, aus der ehemaligen Synagoge eine Kultur- und Tagungsstätte zu machen; ab 1977 konnte das Gebäude dann von der Öffentlichkeit genutzt werden.

     http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2073/Wittlich%20Synagoge%20108.jpg

Ehem. Synagoge (Aufn. Kulturamt Wittlich, um 2010)   -  Blick auf die Frauenempore (Aufn. J. Hahn, 2006)

              Eine hier angebrachte Gedenktafel in der einstigen Thora-Nische erinnert an die ehemalige Wittlicher jüdische Gemeinde:

Gedenke, Gott, der Seelen der Gerechten der Gemeinde Wittlich,

die ihr Leben opferten für die Heiligkeit Gottes.

(hebräisch)

Die Wittlicher Synagoge, errichtet im Jahre 1910, war das geistige Zentrum einer blühenden Jüdischen Gemeinde.

Den Opfern nationalsozialistischer Verfolgung aus Wittlich 1933 - 1945 zum Gedenken.

Den Lebenden zur Mahnung.

Seit dem 75. Jahrestag der Einweihung der Synagoge (Nov. 1985) beherbergt das Gebäude eine unter dem Titel „Bilder der deutsch-jüdischen Geschichte” erstellte Ausstellung. Alsbald gründete sich ein Arbeitskreis, der sich intensiv mit der jüdischen Geschichte der Stadt Jülich auseinander setzte. 

Zum 100. Jahrestag des Bestehens des Synagogengebäudes (Nov. 2010) erfolgte die Übergabe einer erst kürzlich in der Abtei Himmerod entdeckten Thorarolle an die Jüdische Kultusgemeinde Trier.

Das in Wittlich beheimatete Emil-Frank-Institut dient der Begegnung von Juden und Nichtjuden. In Forschung, Lehre und Weiterbildung fördert es das Wissen um die Geschichte des Judentums und ermöglicht Kontakte mit jüdischen Repräsentanten und Institutionen im In- und Ausland. Das Institut ist dem Andenken an Leben und Werk des langjährigen Vorstehers der jüdischen Gemeinde in Wittlich, Emil Frank (1878-1954), verpflichtet und arbeitet in Forschung und Lehre mit der Universität und der Theologischen Fakultät Trier auf den Gebieten der Wissenschaft des Judentums und korrespondierender Disziplinen zusammen.

 Emil Frank, der 1878 in Wittlich geboren wurde, übernahm das von seinem Vater gegründete Textilkaufhaus am Ort. Seit 1920 war er Vorsteher der hiesigen Kultusgemeinde. Er entging dem Holocaust, indem er 1941 über Spanien nach Kuba emigrierte. In den letzten Jahren seines Daseins schlug er sich mit bescheidenen Hausierergeschäften durchs Leben. 1954 verstarb Emil Frank in den USA.

  Joseph Feiner wurde 1863 als ältester Sohn eines jüdischen Metzgers in Wittlich geboren; nach seiner Ausbildung am jüdischen Lehrerseminar der „Marks-Haindorf-Stiftung“ in Münster arbeitete er als Volksschullehrer in Sonsbeck, Finsterwalde und Hamburg. Von 1908 bis 1922 war er Vorsitzender des „Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche“. Der liberale Jude gehörte der Hamburger Reformgemeinde an. Joseph Feiner veröffentlichte mehrere Monographien zu Vertretern des deutschen Reformjudentums. Im März 1938 schied Joseph Feiner in Hamburg aus dem Leben.

Die im Neubaugebiet (an der Kalkturmstraße) befindliche "Ermann-Straße" ist nach den beiden früheren Besitzern der "Chemischen Fabrik Wittlich, Ermann & Co." benannt.

In den 1970/1980er Jahren wurde der jüdische Friedhof mehrfach geschändet; dabei wurden die meisten der hier noch vorhandenen 160 Grabsteine umgeworfen.

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 Eingangstor und Teilansicht des jüdischen Friedhofs in Wittlich (Aufn. J. Hahn, 2006)

Auf Initiative der Georg-Meistermann-Gesellschaft wurde 2014 mit der Realisierung des sog. „Stolperstein“-Projekts in Wittlich begonnen - zunächst nur für politische Gegner des NS-Regimes.

Aus Wittlich stammten die Gebrüder Sigmund und Emil Stulz, die gegen Ende des 19.Jahrhunderts in den USA einen Spirituosen-Großhandel eröffneten – die „Stulz Brothers Liquor Company“ in Kansas City. Das Unternehmen expandierte in den Folgejahren und soll angeblich das „größte Weinhandelshaus westlich von Chicago“ gewesen sein. Nach dem Tode von Emil S. (1917) führte dessen Bruder den Großhandel noch kurzzeitig weiter.

Die beiden älteren Schwestern Pauline Levy-Stulz und Rosa Archenhold-Stulz, die in Deutschland geblieben waren, verstarben 1941/42. Der jüngere Bruder Dr. Otto August S. war 1935 nach Palästina emigriert.

 

Im zwischen Wittlich und Zell/Mosel gelegenen Dorf Bengel war im 19.Jahrhundert eine bis zu zehn Familien zählende jüdische Gemeinde beheimatet, die über ein eigenes Beerdigungsgelände und eine um 1895 neu errichtete Synagoge in der Kondelstraße verfügte. Um 1925 zählte die Gemeinde noch 24 Mitglieder. Als gegen Ende der 1920er Jahre kein Minjan mehr zustande kam, suchten die jüdischen Dorfbewohner die Synagoge im nahen Bausendorf auf.

Das südlich der Ortschaft gelegene jüdische Friedhofsgelände („Im Auberg“) - angelegt um 1830 und belegt bis ca. 1920) – weist heute etwa 30 Grabsteine auf.

BengelMoselJuedFriedhofH2a.jpg 

Jüdischer Friedhof bei Bengel (Aufn. Helge Klaus Rieder, 1999, in: wikipedia.org, CCO)

 

Im östlich von Wittlich gelegenen Bausendorf sollen bereits im 18.Jahrhundert einige jüdische Familien gelebt haben; Ende des 19.Jahrhunderts erreichte die Zahl der Gemeindeangehörigen - einschließlich derjenigen aus Kinderbeuern und Hontheim - mit fast 50 Personen ihren Höchststand. Vermutlich um 1850 ließ die Bausendorfer Judenschaft einen kleinen Synagogenbau erstellen; zuvor waren Gottesdienste in Lösnich besucht worden. 

Anfang der 1930er Jahre lebten noch ca. 30 jüdische Bewohner in Bausendorf, die in den Folgejahren zumeist verzogen bzw. in die Emigration gingen.

Das Synagogengebäude wurde in den 1960er Jahren abgebrochen. Heute erinnert nur ein kleines Gräberfeld (mit ca. 15 Grabsteinen mit zumeist unleserlichen Inschriften), dessen Anlage vermutlich um 1880 erfolgte, an die frühere Existenz von Juden im Dorf.

vgl. Bausendorf (Rheinland-Pfalz)

 

Erste Hinweise auf Juden in Kröv/Mosel liegen aus dem 13.Jahrhundert vor; danach schweigen die Quellen. Im Ort lebte seit dem 19.Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinschaft, der aber jemals kaum mehr als 40 Personen angehörten. In einem Privathaus war vermutlich ein Betraum eingerichtet; seit den 1920er Jahren suchte man die Synagoge in Enkirch auf.

Die Kröver Juden besaßen ein eigenes Beerdigungsgelände; das ältere war bis gegen Ende des 19.Jahrhunderts in Nutzung; danach stand ein neues Areal zur Verfügung, der bis 1934 benutzt wurde.

     Anzeige von 1904

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten im Ort ca. 25 jüdische Personen; mehrheitlich sind sie verzogen bzw. emigriert. Nachweislich sind zehn gebürtige Kröver mosaischen Glaubens Opfer der Shoa geworden.

Während vom alten jüdischen Friedhof heute keine Grabsteine mehr vorhanden sind, besitzt der neue – er befindet sich inmitten der Weinberge oberhalb von Kröv (Gemarkung „Kampel“) noch 17 Grabmale.

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Friedhofspforte und Blick über das jüdische Begräbnisgelände in Kröv (Aufn. Otmar Frühauf, 2009)

Weitere Informationen:

Germania Judaica, Band II/2, Tübingen 1968, S. 916 und Band III/2, Tübingen 1995, S. 1664/1665

Harold Hammer-Schenk, Synagogen in Deutschland - Geschichte einer Baugattung im 19. u. 20.Jahrhundert (1780-1933), Hamburg 1981, Teil 1, S. 474 und Teil 2, Abb. 420

Otto Boecher, Die Synagoge in Wittlich, in: Ärzteblatt Rheinland-Pfalz 12/1983, S. 886 f.

Wilfried Plohmann, Die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung der Juden in Wittlich von 1033 bis 1938, Wittlich 1983

Günter Böse, Die jüdische Gemeinde (Kröv), in: Dietmar Flach/Günther Böse, Traben-Trarbach - Geschichte einer Doppelstadt, Traben-Trarbach 1984 S. 306 - 313

Wilfried Plohmann, Die jüdische Gemeinde in Wittlich von 1933 bis 1938, in: Jahrbuch 1984 des Kreises Bernkastel-Wittlich

Reinhard Bohlen, Der jüdische Friedhof in Wittlich, in: Jahrbuch 1985 des Kreises Bernkastel-Wittlich, S. 262 f.

Stadt Wittlich (Hrg.), Bilder aus der deutsch-jüdischen Geschichte. Katalog zur Ausstellung in der Synagoge Wittlich 1985

Johannes Mußweiler, Die standesamtlichen Geburten der Wittlicher Juden von 1798 - 1900, in: ‘Der Säubrenner 1989’, Wittlich 1989

Johannes Mußweiler, Die standesamtlichen Heiraten der Wittlicher Juden von 1800 - 1925, in: ‘Der Säubrenner 1990’, Wittlich 1990

Wolfgang Bartels, Juden in Wittlich, in: Katz 13/1990

Stefan Ostermann, Jüdisches Leben in Wittlich in den 30er Jahren unseres Jahrhunderts, Examensarbeit an der Universität Köln, o.J.

M.Wein-Mehs/R.Bohlen, Die beiden Kultbauten der Juden in Wittlich. Die alte Synagoge und die neue Synagoge, in: Beiträge zur Geschichte und Kultur der Stadt Wittlich, Wittlich 1991

Angelika Schleindl, Jüdisches Leben in Wittlich - Ausstellungskatalog - Eine Ausstellung im Auftrag der Stadtverwaltung Wittlich, in: Beiträge zur Geschichte und Kultur der Stadt Wittlich Hrg. Stadtverwaltung Wittlich, Wittlich 1993

M.Wein-Mehs/R.Bohlen, Der jüdische Friedhof in Wittlich, in: Beiträge zur Geschichte und Kultur der Stadt Wittlich, Wittlich 1993

Peter Hirsch/Billie Ann Lopez, Reiseführer durch das jüdische Deutschland, Verlag Roman Kovar, München 1995, S. 102/103

Maria Wein-Mehs, Juden in Wittlich 1808 - 1942, in: Beiträge zur Geschichte und Kultur der Stadt Wittlich, Hrg. Stadt Wittlich, Wittlich 1996

Erwin Schaaf, Die ‘Nationale Erhebung’ im Jahre 1933 in den Kreisen Bernkastel und Wittlich, in: Jahrbuch des Kreises Wittlich 1996

Günter Heidt/Dirk S.Lennartz, Fast vergessene Zeugen - Juden in Freudenburg und im Saar-Mosel-Raum 1321 - 1943, Saarburg 2000, S. 33

Angelika Schleindl, Der Boykott jüdischer Geschäfte am 1.April 1933 am Beispiel der Stadt Wittlich, in: H.-G.Meyer/H.Berkessel (Hrg.), Die Zeit des Nationalsozialismus in Rheinland-Pfalz, Band 1: “Eine nationalsozialistische Revolution ist eine gründliche Angelegenheit !”, Verlag Hermann Schmidt, Mainz 2000, S. 253 f.

M.Brocke/Chr. Müller, Haus des Lebens - Jüdische Friedhöfe in Deutschland, Reclam Verlag, Leipzig 2001, S. 148/149

Marie-Luise Conen/Hilde Weirich, Jüdische Familien an der Mittelmosel. Lebensverläufe von 1714 bis zur Gegenwart, in: Schriften des Emil-Frank-Instituts Band 11, Paulinus-Verlag, Trier

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 98, S. 103 und S. 390 – 395

Stefan Willers-Inselmann, Zur Erinnerung an Josef Feiner, in: Stolpersteine in Blankenese, hrg. vom Verein zur Erforschung der Geschichte der Juden in Blankenese, Hamburg 2005

Anja Klasen, Der jüdische Alltag im Alftal, in: Das Alftal in Gegenwart und Geschichte, o.J.

Wittlich/Eifel, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Bausendorf, in: alemannia-judaica.de

Kröv, in: alemannia-judaica.de

Rene Richtscheid (Bearb.), „Wisse, vor wem du stehst!“ - 100 Jahre Synagoge Wittlich“, in: Machbarot: Heft No. 1, hrg. vom Emil-Frank-Institut, Wittlich 2010

Reinhold Bohlen/René Richtscheid, 100 Jahre Synagoge Wittlich. Festschrift, in: Schriften des Emil-Frank-Instituts Band 12, Paulinus-Verlag, Trier 2010

Franz-Josef Schmit, Joseph Feiner - Ein jüdischer Lehrer aus Wittlich. Stationen eines bewegten Lehrerlebens, in: Schriften des Emil-Frank-Instituts Band 13, Paulinus-Verlag, Trier 2011

Willi Körtels, Die jüdische Schule in der Region Trier, hrg. vom Förderverein Synagoge Könen e.V., 2011, S. 228 – 241

Franz-Josef Schmit, Novemberpogrom in Wittlich 1938. Ablauf - Hintergründe - offene Fragen - juristische Aufarbeitung, Trier verlag, Wittlich 2013

Reinhold Bohlen, Ein Gang über den jüdischen Friedhof zu Wittlich, in: Machbarot. Hefte des Emil-Frank-Instituts, Heft 3, Paulinus Verlag Trier 2014 

Franz-Josef Schmit (Red.), Engagierter Arzt mit großer Kompetenz, in: volksfreund.de vom 9.10.2015 (betr. den jüdischen Arzt Dr. Otto Stulz)

Franz-Josef Schmit, Angehöriger des Arbeitskreises "Jüdische Gemeinde Wittlich", hat zahlreiche Beiträge zur jüdischen Geschichte Wittlichs veröffentlicht (erscihienen in der „Wittlicher Volkszeitung“ und im „Trierer Volksfreund“ in den Jahren 2010 – 2014, online abrufbar)

Franz-Josef Schmit, Vertriebene sind wir, Verbannte - Porträts fünf deutsch-jüdischer Juristen aus Wittlich, in: Schriftenreihe des Emil-Frank-Instituts, Band 17,. Paulinus Verlag Trier

Marianne Bühler, Letzte Jahre. Das Schicksal der deportierten Juden aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich in der Zeit von 1933-1945, in: Schriftenreihe des Emil-Frank-Instituts, Band 18, Paulinus-Verlag Trier 2016, S. 94 ff.

Auflistung der in Wittlich verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Wittlich

Franz-Josef Schmidt (Red.), Nach dem Pogrom 1938: Das Ende jüdischen Lebens in Wittlich, in: volksfreund.de vom 29.11.2018

Markus Philipps (Red.), Von Wittlich nach Kansas City, in: volksfreund.de vom 30.1.2019 (betr. Gebrüder Stulz)

Christian Thome (Red.) Der Tag, der Wittlich veränderte, in: volksfreund.de vom 8.2.2019