Treuburg (Ostpreußen)

 Die in Ostmasuren liegende ehemalige Kreisstadt Treuburg hieß bis in die 1920er Jahre Marggrabowa (Markgrafenstadt). Als sich die Bevölkerung in einer Abstimmung nach dem Ersten Weltkrieg klar für eine weitere Zugehörigkeit zum Deutschen Reich aussprach, erhielt die Stadt den neuen deutschen Namen ‘Treuburg’. Heute liegt die Stadt in Polen und heißt Olecko und besitzt ca. 16.000 Einwohner.

Erst in den 1830er Jahren ließen sich nachweisbar die ersten Juden in Treuburg nieder. Als zehn Jahre später mehrere jüdische Familien hier wohnten, bildete sich eine kleine Gemeinde, die nach 1840 eine Synagoge einrichtete; etwa zeitgleich wurde auch ein eigener Friedhof angelegt.

Juden in Treuburg:

    --- 1847 ...........................   71 Juden,

       --- 1880 ...........................  103   “  , 

--- 1890 ...........................   86   “  ,

       --- um 1930/33 ................. ca.   75   “  ,

       --- 1937 ...........................   57   "  ,

    --- 1939 (Mai) .....................   25   “  ,

    --- 1940 (Febr.) ...................   keine.

Angaben aus: The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 3), S. 1322

https://ermland-masuren-journal.de/wp-content/uploads/Marggrabowa.jpg Markt in Olecko/Marggrabowa (Aufn. von 1928)

Die am großen Marktplatz stehende Synagoge der Treuburger Judenschaft wurde in den Novembertagen 1938 eingeäschert.

Die wenigen noch hier lebenden Juden verließen bis Anfang 1940 die Stadt. Der kleine jüdische Friedhof wurde während der NS-Zeit zerstört; noch sichtbare Spuren wurden dann in der Nachkriegszeit vollkommen vernichtet; auf dem Gelände befindet sich heute ein Wohnblock.

http://photos.geni.com/p5/1189//5344483668405a62/Kurt1_large.jpgYehuda Kurt Blumenfeld (geb. 1884) war ein Sohn der Stadt, der als führender deutsch-jüdischer Zionist Bedeutung erlangte. Nach einem Jurastudium wurde er Sekretär der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ (ZVfD) und stand in den Jahren 1911 bis 1914 dem zionistischen Weltverband als Generalsekretär vor. Ab den 1920er Jahren war er Präsident der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland“. 1933 flüchtete Kurt Blumenfeld nach Palästina und engagierte sich hier in einer Organisation, die die Einwanderung unterstützte. Nach mehrjährigen Aufenthalten in den USA ließ er sich 1945 endgültig in Palästina nieder. Er verstarb 1963 in Jerusalem.

Weitere Informationen:

Kurt Blumenfeld/Hans Tramer, Erlebte Judenfrage. Ein Viertel-Jahrhundert deutschen Zionismus’, 1962

Geschichte von Marggrabowa bzw. Oletzko bzw. Treuburg, online abrufbar unter: ostpreussen.net/ostpreussen/orte.php?bericht=39

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 3), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 1322

Olecko, in: sztetl.org.pl