Odenbach/Glan (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für odenbach glan karte postleitzahl Odenbach am Glan mit seinen derzeit ca. 900 Einwohnern zählt heute zur Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein im Landkreis Kusel – ca. 30 Kilometer südwestlich von Bad Kreuznach gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Im 19.Jahrhundert war in Odenbach die größte jüdische Gemeinde im damaligen Kreis Kusel beheimatet; hier lebte etwa ein Fünftel aller Juden des Kreises.

Ein erster urkundlicher Nachweis einer in Odenbach ansässigen jüdischen Familie stammt aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. In der Folgezeit haben stets nur wenige Juden im Dorfe gelebt; zu Beginn des 19.Jahrhunderts nahm ihre Zahl deutlich zu und erreichte um 1850/1860 mit fast 140 Personen ihren Höchststand.

In Odenbach richtete die hier und in der Umgebung lebende Judenschaft 1752 eine Betstube ein, die zunächst im privaten Eigentum einer jüdischen Familie (vom "Judenschultheiß Salomon Meyer") war und erst 50 Jahre später in den Besitz der Kultusgemeinde gelangte. Das äußerlich unauffällige Gebäude inmitten des alten Ortskerns in der Kirchhofstraße war im Inneren mit wertvollen Malereien ausgestattet. Während die Männer durch ein Portal den Gebetsraum betraten, führte eine Holztreppe zur Frauenempore, die wahrscheinlich 1835 im Zuge der Erweiterung angebaut worden war.

Eingangspforte (Aufn. Förderverein ehemalige Synagoge Odenbach e.V).

Über dem Eingang waren im Türsturz in hebräischer Schrift die folgenden Psalmworte eingemeißelt „Dies ist das Tor des Herrn, Gerechte gehen dort hinein“ sowie die Jahreszahl 5512 (=1752).

Die kleinflächige Begräbnisstätte der Odenbacher Juden - außerhalb der Ortschaft in Richtung Adenbach gelegen - stammt aus der Mitte des 19.Jahrhunderts; zuvor waren Verstorbene auf dem jüdischen Friedhof in Meisenheim beerdigt worden.

Zur jüdischen Gemeinde Odenbach gehörten auch die in Lauterecken lebenden jüdischen Personen.

Die Kultusgemeinde gehörte zum Bezirksrabbinat Kaiserslautern.

Juden in Odenbach:

       --- 1717 ..........................   4 jüdische Familien,

    --- 1752 ..........................  59 Juden,

    --- 1776 ..........................   9 jüdische Familien,

    --- 1808 ..........................  13     “        “   (ca. 60 Pers.),

    --- 1823 ..........................  74 Juden (ca. 8% d. Dorfbev.),

    --- 1835/37 ....................... 109   “  ,

    --- 1854 .......................... 139   “   (ca. 10% d. Dorfbev.),

    --- 1875 ..........................  70   “  ,

    --- 1883 ..........................  63   “  ,

    --- 1900 ..........................  56   “  ,

    --- 1920 ..........................  47   “  ,

    --- 1936 ..........................  34   “  ,

    --- 1938 ..........................  23   “  ,

    --- 1940 ..........................   2   “  .

Angaben aus: Dorothee Dittrich, Die alte Synagoge in Odenbach

und                 Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff, Synagogen. Rheinland-Pfalz und Saarland, S. 301

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20195/Odenbach%20Glan%20Israelit%2021031901.jpg gewerbliche Anzeige von 1901

Im Jahre der sog. "Machtübernahme" setzte sich die jüdische Gemeinde aus ca. 35 Personen zusammen.

In der „Kristallnacht“ vom November 1938 versuchten auswärtige SA-Angehörige, das Synagogengebäude in Brand zu setzen, wurden aber von Dorfbewohnern, die ein Übergreifen des Feuers auf die Nachbarhäuser befürchteten, davon abgehalten. Die Inneneinrichtung wurde vermutlich von hiesigen Schülern geplündert; so sollen fünf Thorarollen entwendet und anschließend öffentlich verbrannt worden sein.

1939 ging das Synagogengrundstück zunächst in Besitz einer ortsansässigen Familie über. Einige Jahre nach Kriegsende wurde es an die Jüdische Kultusgemeinde Rheinpfalz rückübertragen, die es ihrerseits erneut an einen Privatmann veräußerte; dieser nutzte das Gebäude als Lagerraum. Am 22.Oktober 1940 wurden ca. 40 Juden aus dem Kreis Kusel ins südfranzösische Gurs deportiert; zwei von ihnen stammten aus Odenbach.

Die ehemalige Synagoge Odenbach ist der älteste erhaltene Synagogenbau in der Pfalz. Nachdem 1985 zufällig spätbarocke Wand- und Deckenmalereien entdeckt worden waren, rückte das Gebäude in den Fokus der Öffentlichkeit; es steht inzwischen unter Denkmalschutz. Ende der 1980er Jahre wurde das Gebäude vom neu gegründeten „Förderverein ehemalige Synagoge Odenbach e.V.” angekauft und mit erheblichen öffentlichen Mitteln restauriert. 1995 waren diese Arbeiten abgeschlossen, so dass das Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte.

     

Ehem. Synagoge Odenbach vor und nach der Renovierung (Aufn. aus: odenbachamglan.de)

http://www.regionalgeschichte.net/fileadmin/_processed_/csm_odenbachpaint1_20db2e18e8.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20269/Odenbach%20Synagoge%20194.jpg Relikte von Malereien in der ehem. Synagoge (Aufn. M. Ohmsen) 

Die Gebeine der in Lauterecken beigesetzten Juden - hier gab es ein kleines vom Kommunalfriedhof abgegrenztes jüdisches Areal - wurden in den 1970er Jahren nach Odenbach umgebettet, da ein Straßenprojekt den ehemaligen Friedhof durchquerte. Etwa 70 Grabsteine finden sich heute auf dem Gelände des israelitischen Friedhofs von Odenbach.

jüdischer Friedhof (Aufn. Förderverein ehem. Synagoge Odenbach e.V.)

[vgl. Offenbach/Glan (Rheinland-Pfalz)]

Weitere Informationen:

Karl Fücks/Michael Jäger, Synagogen der Pfälzer Juden. Vom Untergang ihrer Gotteshäuser und Gemeinden, Eigenverlag 1988

Bernhard Kukatzki, Ein Kleinod im Kreis Kusel - die Odenbacher Synagoge, in: Westrich-Kalender, Kusel 1988, S. 79 f.

Alfred Wendel, Ein Beitrag zur Geschichte der Synagoge von Odenbach, in: Rainer J. Bender (Hrg.), Die pfälzischen Juden und ihre Kultuseinrichtungen, Mannheim 1988

Alfred Hans Kuby (Hrg.), Juden in der Provinz. Beiträge zur Geschichte der Juden in der Pfalz zwischen Emanzipation und Vernichtung, Verlag Pfälzische Post, Neustadt a.d.Weinstraße 1989, S. 217

Dorothee Dittrich, Die alte Synagoge in Odenbach, in: Westricher Heimatblätter - Heimatkundliche Mitteilungen aus dem Kreis Kusel, Hrg. Landkreis Kusel, März 1989, No.1, S. 54 f.

Hilde Dittrich, Handschriften aus der ehemaligen Synagoge Odenbach in London ausgestellt, in: SACHOR Ausgabe 1/1993, Heft 4, S. 58 - 60

Bernhard Kukatzki, Jüdische Volkskunst - Fundstücke aus der Odenbacher Synagoge, in: Westrich-Kalender 1993, S. 132 - 138

Hermann Arnold, Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde von Odenbach, in: Die Rheinpfalz/ Westricher Rundschau No. 55/1996 vom 5.3.1996

Odenbach/Glan, in: alemannia-judaica.de

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 301 - 304

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, Hrg. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz (Landau), Dahn 2005, S. 132

Alfred Wendel: Chronik Odenbach - Band III: Jüdisches Leben, hrg. vom Förderverein Ehemalige Synagoge Odenbach, 2008

Odenbach/Glan mit Lauterecken, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Bilddokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Förderverein ehemalige Synagoge Odenbach e.V. (online abrufbar unter: ehemalige-synagoge.odenbach.de)