Meudt/Westerwald (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für meudt karte postleitzahl Meudt ist mit seinen derzeit ca. 1.800 Einwohnern heute Teil der Verbandsgemeinde Wallmerod im Westerwaldkreis - ca. zehn Kilometer nordöstlich von Montabaur gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Erstmals wurde ein Jude in Meudt im Jahre 1694 erwähnt. Umfangreicheres Quellenmaterial über in Meudt ansässige Juden liegt erst ab dem 18.Jahrhundert vor; es entstammt den Kirchenbüchern. Aus vier gegen Ende des 18.Jahrhunderts in Meudt lebenden „Stammfamilien“, die damals alle als Viehhändler ihren Lebenserwerb bestritten, lassen sich angeblich für die folgenden beiden Jahrhunderte etwa 800 (!) Nachfahren namentlich bestimmen.

1879 fiel ein seit den 1830er Jahren genutzter Betsaal einem Brand zum Opfer; darauf errichtete die jüdische Gemeinde 1880/1881 ihre neue Synagoge, einen Backsteinbau, auf einem neu erworbenen Grundstück. Während das Mittelportal den Männern vorbehalten war, dienten die beiden Seitenportale in den Ecktürmen als Zugänge zu den Frauenemporen.

                  Synagoge in Meudt (hist. Aufn., Landesamt für Denkmalpflege)

   http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20135/Meudt%20Israelit%2025081904.jpg

 Drei Stellenangebote der jüdischen Gemeinde Meudt von 1879 - 1900 - 1904

Ende des 18.Jahrhunderts muss auch der jüdische Friedhof am Laufgarten in Meudt angelegt worden sein, denn der dort älteste Grabstein datiert aus dem Jahre 1795. 

Die Meudter Gemeinde gehörte nach 1843 zunächst zum Rabbinatsbezirk Diez, seit 1860 zu dem von Weilburg (ab 1924/1925 zu Bad Ems - Weilburg).  

Juden in Meudt:

         --- um 1800 .......................   6 jüdische Familien,

    --- 1843 ..........................  47 Juden,

    --- 1871 ..........................  70   “   (ca. 9% d. Bevölk.),

    --- 1895 .......................... 105   “  ,

    --- 1905 .......................... 105   “   (ca. 13% d. Bevölk.),

    --- 1924 ..........................  57   "  ,

    --- 1933 ..........................  45   “  ,

    --- 1942 ..........................  23   “  ,

    --- 1943 ..........................  keine.

Angaben aus: Joachim Jösch/Uli Jungbluth/u.a. (Hrg.), Juden im Westerwald , S. 31

Zu Beginn des 20.Jahrhunderts war die jüdische Gemeinde in Meudt mit etwas mehr als 100 Angehörigen die größte jüdische Gemeinde im Gebiet des heutigen Westerwald-Kreises.

Die Meudter Synagoge wurde am 10. November 1938 von ortsfremden Nationalsozialisten zerstört und in Brand gesetzt; nur die Umfassungsmauern blieben stehen.

Synagoge in Meudt nach ihrer Zerstörung (hist. Aufn., Landesamt f. Denkmalpflege)

Auf Anweisung des Landrates wurde der Meudter Bürgermeister angewiesen, die Ruine anzukaufen und diese anschließend abzureißen. Die Synagoge kann aus bautechnischen Gründen nicht mehr an ihrem jetzigen Standort stehen bleiben. Sie ist zweckmäßig nach Ankauf abzubrechen. Das Material kann zum Bau eines Spritzenhauses oder sonst zu einem geeigneten Zwecke verwandt werden. Zum Preis von 95,- RM (!) ging das Synagogengebäude schließlich in den Besitz der Kommune über. Acht jüdische Männer wurden von Meudt aus ins KZ Buchenwald eingeliefert, wo sie bis Jahresende inhaftiert blieben. Im September 1942 wurden die letzten 14 jüdischen Bewohner Meudts nach Theresienstadt „abgestellt”; danach war die Region des Westerwaldes „judenrein”. Nur ein einziger der Deportierten hat überlebt.

             Mahnmal in Meudt (Aufn. Hans Jürgen Thorwarth, 2009)

Am Standort der ehemaligen Synagoge wurde aus Anlass des 50.Jahrestages der „Reichskristallnacht“ ein Mahnmal errichtet, dessen mittlerer Teil ein Relief mit der Frontansicht der einstigen Synagoge zeigt.

Zur Erinnerung

an die im Jahre 1880/81 erbaute Synagoge der Jüdischen Kultusgemeinde Meudt.

Sie wurde am 9.11.1938 von auswärtigen Anhängern der damaligen Machthaber zerstört.

Meudt am 9.11.1988

                                      Sie steckten in Brand dein Heiligtum, entweihten zu Boden die Wohnung deines Namens.   Ps. 74,7

Auf dem ca. 1.800 m² großen jüdischen Friedhofsgelände in Meudt (am Laufgarten) stehen heute noch ca. 60 Grabsteine; der älteste datiert aus dem Jahre 1768.

  Meudt, Jüdischer Friedhof (2).JPG

Jüdischer Friedhof in Meudt (beide Aufn. Kasten Ratzke, 2015, aus: wikipedia.org, CCO)

Bereits in den 1960er Jahren wurde auf dem Gelände des ehemaligen jüdischen Friedhofs auf Initiative eines ehemaligen jüdischen Bürgers der Gemeinde Meudt ein Mahnmal mit folgender Inschrift aufgestellt:

Zum bleibenden Gedenken

an die in den Jahren 1942 - 1945 in Vernichtungslagern umgekommenen jüdischen Bürger unserer Gemeinde Meudt.

Daneben sind an beiden Seiten die Namen der jüdischen NS-Opfer verzeichnet.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/2d/Meudt,_J%C3%BCdischer_Friedhof,_KZ_Gedenkst%C3%A4tte.JPG/1280px-Meudt,_J%C3%BCdischer_Friedhof,_KZ_Gedenkst%C3%A4tte.JPG Aufn. Karsten Ratzke, aus: wikipedia.org, CCO

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 2, S. 74 - 76

Stefan Aßmann, Versöhnung über Gräber hinweg. Zur Geschichte der Juden von Meuth. Ludwig Falkenstein erinnert sich, in: Wäller Heimat - Jahrbuch des Westerwaldkreises, Montabaur 1989, S. 99 - 104

Uli Jungbluth, Nationalsozialistische Judenverfolgung im Westerwald, Verlag Dietmar Fölbach, 2.Aufl., Koblenz/Föllbach 1994

Stefan Aßmann, Zur Geschichte der Meudter jüdischen Gemeinde, in: “900 Jahre Meudt 1097 - 1997” - Eine Festschrift zum Dorfjubiläum, Hrg. Gemeindeverwaltung Meudt, Meudt 1997, S. 397 - 579

Joachim Jösch/Uli Jungbluth/u.a. (Hrg.), Juden im Westerwald - Leben, Leiden und Gedenken, Montabaur 1998, S. 30 f., 68 f., 138 f. und 196 f.

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 271/272

Meudt, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)