Lambsheim (Rheinland-Pfalz)

Lambsheim/Pfalz mit derzeit ca. 6.500 Einwohnern ist Teil der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim - etwa 15 Kilometer westlich von Mannheim gelegen.

Nachweislich siedelten sich schon im späten Mittelalter Juden in Lambsheim an; 1343 sollen hier lebende Juden wegen eines angeblichen Ritualmordbeschuldigung verbrannt worden sein. In den folgenden Jahrhunderten tauchen nur vereinzelt Belege von Juden in Lambsheim auf; die erste namentliche Nennung einer jüdischen Familie findet sich erst wieder im Jahre 1658.

File:Palatinatus Rheni (Merian) b 112 1.jpg

Ansicht von Lambsheim – Stich um 1645, M. Merian (Abb. aus: commons.wikimedia.org, gemeinfrei)

Zu Beginn des 18.Jahrhunderts sollen sechs jüdische Familien - gegen Entrichtung regelmäßiger Zahlungen an die kurfürstliche Herrschaft - in Lambsheim gelebt haben; allerdings waren sie strengen wirtschaftlichen Restriktionen unterworfen. Mit Beginn des 19.Jahrhunderts zogen vermehrt Juden in die Orte der Pfalz, so auch nach Lambsheim. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie vor allem im Kleinhandel; sechs Familien waren im Salzhandel engagiert.

Die Lambsheimer jüdische Kultusgemeinde wurde in den 1820er Jahren gegründet. Im Obergeschoss eines angekauften, alten Hause in der Vordergass, der jetzigen Hauptstraße, richtete diese ein Gemeindehaus mit Synagoge ein; die Bereiche für Männer und Frauen waren ursprünglich über getrennte Treppenaufgänge zu erreichen; eine Mikwe war im Keller untergebracht.

Synagoge 2.Haus links (hist. Postkarte, um 1915, Archiv Lambsheim)

Neben der Synagoge gab es am Ort im Hause der Familie Weill eine vermutlich um 1800 eingerichtete private Betstube.

Für die Besorgung religiös-ritueller Aufgaben hatte die Gemeinde einen Lehrer in Anstellung.

Seit 1842 stand den jüdischen Kindern eine Elementarschule zur Verfügung; die israelitische Schule existierte bis 1874; danach besuchten sie christliche Schulen, nur Religionsunterricht wurde separat erteilt.

       http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20101/Lambsheim%20Israelit%2025121878.jpg

  Stellenangebote aus der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 25.12.1878 und vom 17.10.1911

Ein eigenes Areal für einen Friedhof hatte die Kultusgemeinde kurz nach ihrer Gründung angekauft; hier wurden auch Verstorbene aus umliegenden Orten wie Eppstein, Flomersheim, Edigheim und Oppau begraben. 

Bis Ende der 1850er Jahre gehörten zur Lambsheimer Gemeinde auch die jüdischen Familien aus Eppstein und Flomersheim; 1900 kamen die Juden Weisenheims dazu.

Die Gemeinde gehörte zum Rabbinat Frankenthal.

Juden in Lambsheim-Maxdorf:

         --- um 1660 ................... eine jüdische Familie,

    --- 1722 ......................   6     “        “  n,

    --- 1743 ......................  34 Juden,

    --- 1803 ......................  81   “  (ca. 6% d. Bevölk.),

    --- 1826 ...................... 134   “ ,*           * mit Maxdorf

    --- 1848 ...................... 184   “  (in 36 Familien),

    --- 1875 ......................  95   “  ,

    --- 1900 ......................  65   “  ,

    --- 1910 ......................  54   “  ,

    --- 1933 ......................  31   “  ,

    --- 1936 ......................  24   “  ,

    --- 1938 ......................  17   “  ,

    --- 1940 (Nov.) ...............   3   “  .

Angaben aus: Kurt Kinkel, Die Juden in Lambsheim, Lambsheim 1981 (Maschinenmanuskript), S. 18

Nach 1850/1860 setzte eine Abwanderung in die Städte ein, die bessere sozial-ökonomische Perspektiven boten. Innerhalb von nur knapp zwei Jahrzehnten ging die Zahl der Lambsheimer Juden um die Hälfte zurück; nach 1900 setzte sich der Abwanderungstrend weiter fort.

          

                                                                  Eine etwas ungewöhnliche Anzeigen von 1878

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten in Lambsheim etwa 30 Juden. Die antijüdische NS-Propaganda fiel im Ort auf besonders fruchtbaren Boden; eine Großdemonstration der NSDAP Anfang August 1935 endete mit einer regelrechten Jagd auf einige hiesige Juden und „Judenknechte“; so sollen aus einer vielköpfigen Menschenmenge heraus etwa 100 aufgehetzte Jugendliche das Anwesen eines Bauern gestürmt und demoliert haben; dieser hatte weiterhin geschäftliche Beziehungen zu Juden unterhalten; der geschädigte Landwirt wurde von der Gendarmerie „in Schutzhaft“ genommen. Diese „Vorfälle“ nahm der Lambsheimer Gemeinderat zum Anlass, um eine antijüdische Verordnung zu erlassen, die bereitwillig von einer Initiative „arischer“ Lambsheimer Geschäftsleute umgesetzt wurde.

Während des Pogroms im November 1938 drangen hiesige SA-Männer und HJ-Angehörige ins jüdische Gemeindehaus, demolierten das Mobiliar im Synagogenraum und warfen die Ritualien auf die Straße. Anschließend wurde der Leichenwagen verbrannt und am Synagogengebäude Feuer gelegt, das aber Anwohner löschten. Auch Fenster von jüdischen Geschäften wurden eingeworfen.

In den folgenden Monaten wurden die jüdischen Bewohner unter massiven Druck gesetzt, ihre Anwesen zu verkaufen. Im Mai 1939 ging das Synagogengrundstück an die hiesige Milchgenossenschaft über. Von 1933 bis 1940 emigrierten insgesamt 14 Lambsheimer Juden, zumeist in die USA; etwa zehn weitere zogen in größere deutsche Städte. Im Rahmen der sog. „Bürckel-Aktion“ am 22.Oktober 1940 wurden acht Lambsheimer Juden nach Gurs verschleppt; nur zwei „in Mischehe“ verheiratete Jüdinnen und ein Kind blieben zurück.

Einziges "bauliches" Relikt jüdischer Existenz in Lambsheim ist heute der israelitische Friedhof in der Gemarkung im „Großen Sandgewanne“. Auf dem ca. 1.500 m² großen Begräbnisgelände befinden sich derzeit noch nahezu 150 Grabsteine.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20168/Lambsheim%20Friedhof%20151.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20168/Lambsheim%20Friedhof%20150.jpg  http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20168/Lambsheim%20Friedhof%20171.jpg Eingangstor und Teilansicht des jüdischen Friedhofs (Aufn. J. Hahn, 2007)

Das ehemalige jüdische Gemeindehaus in der Hauptstraße wurde Mitte der 1950er Jahre abgerissen und an dessen Stelle ein Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Am Alten Rathaus ist seit 1993 eine Gedenktafel  angebracht.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20168/Lambsheim%20Synagoge%20150.jpg  (Aufn. J. Hahn, 2008)

Auf dem Platz des heutigen Anwesens No. 43 stand die Synagoge der

JÜDISCHEN KULTUSGEMEINDE

Das Gebäude, 1829 angekauft, wurde in der Nacht vom 9. - 10. Nov. 1938 aus Hass in Brand gesetzt !

Nach dem Verkauf im Jahre 1948 wurde es vollständig abgerissen.

1957 entstand an gleicher Stelle ein Wohn- und Geschäftshaus.

In Würdigung des Wirkens und der Verdienste der ehemaligen jüdischen Mitbürger

Gemeinde Lambsheim 1993

2014 wurden in Lambsheim die ersten fünf sog. "Stolpersteine" verlegt; diese findet man an zwei Stellen in der Hauptstraße.

 

In Weisenheim am Sand bestand im 19.Jahrhundert eine winzige Gemeinde, die kaum mehr als 30 Angehörige umfasste. In einem Privathaus war ein Betraum eingerichtet; Mitte der 1850er Jahre wurde am Ort eine neue Synagoge eingeweiht.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20359/Weisenheim%20am%20Sand%20Synagoge%201401.jpg Anzeige im „Dürkheimer Wochenblatt" vom 6. Mai 1855

Verstorbene wurden auf dem jüdischen Friedhof in Lambsheim beerdigt.

Um die Jahrhundertwende wurde die inzwischen baufällig gewordene Synagoge endgültig geschlossen und stand dann zum Verkauf (auf Abriss) zur Verfügung; die Gemeinde löste sich auf.

Kurznotiz im „Dürkheimer Anzeiger" vom 3.9.1900 http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20359/Weisenheim%20am%20Sand%20Synagoge%201403.jpg

Die wenigen hier noch lebenden jüdischen Dorfbewohner schlossen sich der Gemeinde Lambsheim an. Anfang der 1930er Jahre lebten im Dorf noch knapp 20 Bewohner mosaischen Glaubens. Nachweislich fanden in der NS-Zeit elf Weisenheimer Juden einen gewaltsamen Tod.

Weitere Informationen:

Kurt Kinkel, Die Juden in Lambsheim, Lambsheim 1981 (Maschinenmanuskript)

Kurt Kinkel, Die Juden in Lambsheim, in: Heimatjahrbuch des Landkreis Ludwigshafen 1/1985, S. 95 - 102

Kurt Kinkel, Lambsheim und seine Geschichte, Grünstadt 1987

Bernhard Kukatzki/Mario Jacoby, Der jüdische Friedhof in Lambsheim, Ludwigshafen 1994

Michael Schepua, Nationalsozialismus in der pfälzischen Provinz, Palatium Verlag, Mannheim 2000, S. 533 ff.

Karl-Heinz Krauß, Der jüdische Friedhof in Lambsheim, in: Heimatjahrbuch Landkreis Ludwigshafen 17/2001, S. 86 f.

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 225/226

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, Hrg. Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Pfalz (Landau), Dahn 2005, S. 107/108

Lambsheim mit Maxdorf, in: alemannia-judaica.de (mit Text- u. Bilddokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Weisenheim am Sand, in: alemannia-judaica.de

Rudolf H. Böttcher (Red.), 19 Jahre nach der Schändung abgerissen, in: „Die Rheinpfalz, Frankenthaler Zeitung“ vom 8.11. 2008

Martina Graf (Bearb.), Abraham Weill aus Lambsheim – Eine biografische Skizze, in: Heimatbuch Rheinland-Pfalz-Kreis 2013

Jochen Glatt, Stolpersteine in Lambsheim. Freya Lang, ein Lambsheimer Mädchen, hrg. vom Heimatfreunde Lambsheim - Verein für Geschichte und Kultur e.V., 2014 (als PDF-Datei abrufbar unter: lambsheimer-heimatfreunde.de)

Verlegung von Stolpersteinen, in: „Lambsheimer Amtsblatt“ vom 8.5.2014

Jochen Glatt, Vor 75 Jahren: Lambsheimer Juden und Internierungslager Gurs, hrg. vom Heimatfreunde Lambsheim - Verein für Geschichte und Kultur e.V., 2015 (als PDF-Datei online abrufbar unter: lambsheimer-heimatfreunde.de)