Gerolstein/Eifel (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für Gerolstein karte postleitzahl Gerolstein an der Kyll – derzeit ca. 7.500 Einwohner - ist eine Kleinstadt in der Eifel im Landkreis Vulkaneifel und Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Im Zusammenhang mit den Pestpogromen von 1348/1349 wurden erstmals jüdische Bewohner in Gerolstein genannt. Ihre Anwesenheit schuldeten sie dem Stadtherrn (v. Blankenheim), dem 1336 von Ludwig d. Bayern das Judenregal (über insgesamt zwölf Familien) gewährt worden war. Erst in der frühen Neuzeit tauchen vereinzelt Belege über Juden wieder auf, ohne dass diese sich aber dauerhaft in Gerolstein angesiedelt hätten; zu Beginn des 18.Jahrhunderts, als der Ort Teil der Grafschaft Manderscheid-Blankenheim war, lebten zwei jüdische Familien in Gerolstein. In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts waren vermutlich keine Juden hier ansässig. Ab der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts bildete sich eine kleine jüdische Gemeinde, deren Angehörige aus Moselorten und der Südeifel zugezogen waren; im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung Gerolsteins belebte sich auch der Handel, der nun von jüdischen Kaufleuten mitgetragen wurde.

Gottesdienstliche Zusammenkünfte der Gerolsteiner Juden fanden stets in privaten Räumen statt; Anfang der 1930er Jahre gab es konkrete Planungen für einen Synagogenbau - ein Grundstück nahe der Raderstraße war bereits gekauft; doch der Bau wurde nicht realisiert.

                                                             Modell der geplanten Synagoge 

Zu besonderen Anlässen und hohen Festen kam der Trierer Rabbiner in den 1920/1930er Jahren nach Gerolstein.

Ein von sieben jüdischen Familien im Jahre 1892 angekauftes kleines Areal an der Straße „Am Auberg“ diente etwa 50 Jahre lang als Beerdigungsgelände für die junge jüdische Gemeinde von Gerolstein. Die Gerolsteiner Begräbnisstätte gehört zu den wenigen jüdischen Friedhöfen, die nicht völlig verwüstet wurden.

Die kleine jüdische Gemeinschaft, zu der zuletzt alle Juden im Kreis Daun gehörten, war dem Rabbinat in Trier unterstellt.

Juden in Gerolstein:

         --- um 1720 .......................   2 jüdische Familien,

    --- um 1805-1850 ..................  keine,

    --- 1868 ..........................  17 Juden,

    --- 1896 ..........................  23   “  ,

    --- 1911 ..........................  45   “  ,

    --- 1926 ..........................  64   “  ,

    --- 1933 ..........................  87   “  ,*    * im Kreis Daun

    --- 1938 ..........................  27   “  ,*

    --- 1943 (Herbst) .................  keine.

Angaben aus: Lutz Engelskirchen, Der jüdische Friedhof von Gerolstein und die Geschichte der jüdischen Gemeinde

Die Juden Gerolsteins waren weitestgehend in die kleinstädtische Gesellschaft integriert. Auch der durch die Nationalsozialisten reichsweit angeordnete Boykott jüdischer Geschäfte zeigte in Gerolstein zunächst nur wenig Wirkung. Erst in der Folgezeit führten Anweisungen der NSDAP-Kreispropagandaleitung in Daun-Wittlich, die Juden aus dem Wirtschaftsleben der Kleinstadt auszugrenzen, zum gewünschten Erfolg.

Während des Novemberpogroms waren auch in Gerolstein Gewalttätigkeiten zu verzeichnen; Geschäftsräume wurden demoliert und jüdische Bewohner bedroht. Wer nicht mehr emigrieren konnte, der musste den Weg in die Deportation antreten; die letzten Gerolsteiner Juden wurden im Sommer 1943 „evakuiert“. Mit der Deportation der Familie Mansbach Ende Februar 1943 endete die Geschichte der jüdischen Gemeinde Gerolsteins. Insgesamt 14 jüdische Bewohner Gerolsteins wurden Opfer der „Endlösung“.

Das seit 1989 unter Denkmalschutz stehende jüdische Gräberfeld in Gerolstein weist 15 Grabstätten auf; eine Hecke grenzt das kleinflächige Areal vom kommunalen Friedhof (Sarrendorfer Straße) ab. 

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20166/Gerolstein%20Friedhof%20054.jpg Jüdisches Doppelgrabmal (Aufn. Hans-Peter Laqueur, 2008)

Eine Inschriftentafel am Alten Rathaus trägt - unter einer stilisierten Menora - die folgenden Worte:

Zum ehrenden Gedenken an die jüdischen Mitbürger Gerolsteins,

die bis zu ihrer Deportation und Ermordung durch die Nationalsozialisten

das Leben in unserer Stadt mitgeprägt haben.

2011 wurden die ersten vier sog. „Stolpersteine“ in Gerolstein verlegt; ein Jahr später wurden weitere neun Steine ins Gehwegpflaster eingelassen.

 

In Jünkerath – nördlich von Gerolstein gelegen – gab es seit Ende des 19.Jahrhunderts eine kleine jüdische Gemeinschaft - sie nannte sich „Betgesellschaft“ - , die aus nur wenigen Familien sich zusammensetzte. Auf dem Anwesen der Familie Hermann Rothschild - sie betrieb am Ort eine Großschlachterei - gab es einen Betraum. Anfang der 1930er Jahre lebten noch ca. 20 jüdische Personen in Jünkerath, 1937/1938 waren noch 12. Beim Novemberpogrom 1938 wurden die Wohnungen der beiden noch am Ort lebenden jüdischen Familien überfallen und verwüstet. 1942 wurden die letzten jüdischen Einwohner deportiert.

Weitere Informationen:

Pater Josef Böffgen, Unsere jüdischen Mitbürger von Gerolstein, Gerolstein 1978 (kurzes Maschinenmanuskript)

Christoph Stehr, Gerolstein und seine jüdischen Mitbürger bis 1945, in: Stadt Gerolstein (Hrg.), Stadtchronik Gerolstein, Gerolstein 1986

Peter Scheulen/Dietrich Wald, Das Schicksal der Jünkerather Juden, in: Chronik Jünkerath-Glaadt. Reihe: Schriftenreihe Ortschroniken Jünkerath-Glaadt Bd. 23/1989, S. 137-140

Josef Dreesen, Der Kreis Daum im Dritten Reich, Meckenheim 1990, S. 256 f.

Der Holocaust und das Schicksal der Gerolsteiner Juden. Ausstellung im Rathaus Gerolstein, Jan/Febr. 2001

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 166 und 196

Erwin Schöning, Jüdischer Friedhof in Gerolstein (Aufsatz), o.J.

Gerolstein, in: alemannia-judaica.de

Lutz Engelskirchen, Der jüdische Friedhof von Gerolstein und die Geschichte der jüdischen Gemeinde, in: Datenbank der Kulturgüter in der Region Trier, o.O. o.J.

Jünkerath mit Stadtkyll und Lissendorf, in: alemanna-judaica.de

Dieter Peters, Dokumentation des jüdischen Friedhofs in Gerolstein, Gerolstein 2007 (PDF-Datei online abrufbar)

Ralf Gier,  Norbert Rothschild. Ein jüdischer Kaufmann aus Jünkerath, in: Jahrbuch Vulkaneifel 2007

Karl-Heinz Böffgen, Gegen das Vergessen - Das Schicksal der Gerolsteiner Juden, 2006 (2. erg. Aufl. 2009)

Gabi Vogelsberg (Red.), Stadt sagt Ja zu Stolpersteinen, in: forum1welt.de (2010) 

Mario Hübner (Red.), Vier Stolpersteine für die Familie Levy, in: volksfreund.de vom 17.2.2011

Auflistung der in Gerolstein verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Gerolstein