Frankfurt/Oder (Brandenburg)

Frankfurt/Oder ist eine im östlichen Brandenburg gelegene Stadt mit derzeit ca. 61.000 Einwohnern. Gegenüber am östlichen Flussufer liegt das mit einer Oderbrücke verbundene polnische Slubice.

Vermutlich waren bereits im 13.Jahrhundert zahlreiche Juden in Frankfurt/Oder ansässig, die in der damaligen, durch Handel aufblühenden Stadt ihren Lebensunterhalt verdienten. Die Juden Frankfurts - sie unterstanden anfänglich dem Rat der Stadt - wohnten ghettoartig in der Lebuser Mauerstraße; bei Einbruch der Dunkelheit wurde das Ghettotor geschlossen. Im sog. „Judenhof“ stand damals vermutlich ihre Synagoge, der ein eigener Begräbnisplatz angeschlossen war; zunächst wurden die Verstorbenen auf einem Privatgrundstück in der Dammvorstadt, bei der Siedlung Slivitz, beerdigt.

Eine erste urkundliche Erwähnung fand der außerhalb der Stadtbebauung liegende israelitische Friedhof der in der Oderstadt lebenden Juden zum ersten Mal im Jahre 1399; so hieß es „ … dass die Juden ihre Toten Juden weiterhin auf dem Judenberg gegenüber der Kuhburg gelegen begraben sollen…..“. So muss davon ausgegangen werden, dass das Begräbnisareal älteren Datums ist und vermutlich bereits im ausgehenden 13. bzw. beginnenden 14.Jahrhunderts angelegt wurde. Damit gehört der jüdische Friedhof Frankfurt/Oder mit zu den ältesten seiner Art in Mitteleuropa (das Areal gehört heute zum polnischen Slubice).

Dort begraben liegt u.a. Joseph ben Meir, genannt Theomim, seit 1781 Rabbiner der Frankfurter jüdischen Gemeinde; von ihm stammt das Werk „Per megadim“ ("Die süße Frucht"), in dem von ihm die koscheren Speiseregeln kommentiert werden. Das Buch wird bis heute in der orthodoxen Rabbiner-Ausbildung verwendet (besonders in den USA).

Stadtansicht von Frankfurt (Oder) – Sebastian Münster, um 1550 (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Ob die Juden Frankfurts von den Vertreibungen des 15. und des beginnenden 16.Jahrhunderts betroffen waren, kann nicht eindeutig belegt werden. Sicher aber ist, dass Mitte des 16.Jahrhunderts eine Vertreibungswelle auch den Großteil der in Frankfurt lebenden Juden betraf; nur wirtschaftlich „interessante“ jüdische Familien erhielten weiterhin vom Kurfürsten ein befristetes Bleiberecht. Die Stadtbürger waren den Juden nicht wohlgesonnen, weil sie in ihnen lästige Konkurrenten sahen; mit Verdächtigungen und Beschuldigungen versuchte man sie loszuwerden. Mit dem Tode des Kurfürsten Joachim II. verloren die Juden Frankfurts 1571 ihren „Beschützer“, und sie mussten die Stadt verlassen. Allerdings war es ihnen weiterhin erlaubt, ungehindert in Frankfurt Handel zu treiben.

Erst um 1700 kann wieder von einer dauerhaften jüdischen Ansässigkeit gesprochen werden; es waren vor allem jüdische Buchdrucker, die für die hiesige Universität arbeiteten und mit ihren Familien hier ihren Lebensunterhalt verdienten. So entstand hier 1697 - erstmals in Deutschland – der vollständige Druck des babylonischen Talmud; hebräische Drucke fanden als Handelswaren der Frankfurter Messen weite Verbreitung in Polen.

                                               Frankfurter Talmudausgabe von 1697

Als eine der ersten deutschen Universitäten öffnete die Viadrina jüdischen Studenten ihre Pforten. Am 1. Juni 1678 wurden die ersten beiden jüdischen Studenten immatrikuliert, denen bis zur Aufhebung der Viadrina noch mindestens 142 weitere folgten; sie studierten hier überwiegend an der medizinischen Fakultät. 1721 erfolgte die erste Promotion eines Juden an der Viadrina.

Juden in Frankfurt/Oder:

        --- 1567 .......................    11 jüdische Familien,

    --- um 1600 ....................   keine,

    --- um 1675 ....................   wenige,

    --- 1688 .......................   43 jüdische Familien,

    --- um 1700 ....................   74     “       “    ,

    --- um 1785 ....................  623 Juden (ca. 6% d. Bevölk.),

    --- 1801 .......................  592   “  ,

    --- um 1807 ................ ca.  300   “  ,

    --- 1828 .......................  490   “   (2,4% d. Bevölk.),

    --- 1840 .......................  591   “  ,

    --- 1864 ................... ca.  800   “   (2,2% d. Bevölk.),

    --- 1871 .......................  767   “  ,

    --- 1895 .......................  777   “  ,

    --- 1910 .......................  625   “   (0,9% d. Bevölk.),

    --- 1925 .......................  669   “  ,

    --- 1933 ................... ca.  570   “  ,*   * Gemeinde ca. 800 Pers.

    --- 1944 .......................   62   “  ,

    --- 1945 .......................   keine.

Angaben aus: Klaus Arlt, Aufbau und Niedergang jüdischer Gemeinden in der Mark Brandenburg im ..., S. 331

und                 Irene Diekmann/Julius H. Schoeps (Hrg.), Wegweiser durch das jüdische Brandenburg

1812 erhielten fast alle in Frankfurt lebenden Juden das Bürgerrecht.

Als ihre alte, um 1720 errichtete Synagoge den Ansprüchen nicht mehr genügte, wurden Planungen angestoßen, auf ihrem Grundstück (Richtstraße/Tuchmacherstraße) einen Synagogenneubau zu errichten. Im September 1823 konnte - unmittelbar neben der jüdischen Gemeindeschule - der einstöckige, im Stile des Klassizismus gestaltete Bau eingeweiht werden. Zur Tuchmacherstraße wiesen vier Fenster (siehe Abb.); der Zugang zum Betraum erfolgte über das Vorderhaus in der Richtstraße. In einem später angebautem Haus wurde um 1880 ein Zugang zur Frauengalerie geschaffen.

    

Synagoge in Frankfurt/Oder (hist. Aufn.) und Modell des Synagogengebäudes

 

 Synagogeninnenraum (hist. Aufn.)

(Die historischen Aufnahmen stammen aus dem Bildarchiv von Bernhard Klemm, Frankfurt/O.)

 

Seit ca. 1820/1830 existierte eine jüdische Elementarschule. Die Frankfurter Juden zählten schon seit dem 19. Jahrhundert zu den gut etablierten bürgerlichen Familien, die Kultur und Bildung in der Stadt nachhaltig prägten. Neben der Frankfurter Buchdruckerfamilie Baswitz gehörten zu jenen bürgerlichen Familien die der Nehab, Neumark, Hirschberg, Gumpert, Aronheim, Glass, Naftaniel, Baruch, Wollmann, die Heilborn und andere.

Mit dem Zuzug zahlreicher jüdischer Familien wurde nach der Jahrhundertwende der Bau einer größeren Synagoge erforderlich; mit der Einweihung des repräsentativen, theaterähnlichen Gotteshauses wurden 1911 die Baupläne realisiert. Ein erheblicher Teil der Frankfurter Juden war erst unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg aus den Provinzen Posen und Westpreußen zugewandert; dies lag daran, dass sie - nach Abtretung der Gebiete an Polen - deutsche Staatsbürger bleiben wollten. Der andere Teil der zugezogenen Juden waren „Ostjuden“, die aus dem westlichen Russland und Ostpolen stammten; sie waren vor dortigen Pogromen geflüchtet. Ihre Situation war in Deutschland besonders schwierig, da sie nicht nur unter dem Antisemitismus deutscher Kreise zu leiden hatten, sondern auch weitgehend von den hiesigen assimilierten Juden abgelehnt wurden. Bis ins Jahr 1934 existierten in Frankfurt/Oder zwei jüdische Gemeinden: Neben der größeren reformierten Gemeinde, die in der Wollenweberstraße ihre „Orgel-Synagoge“ hatte, gab es noch die orthodoxe jüdische Gemeinde mit ihrem Betsaal in der Spornmachergasse. Die beiden Gemeinden umfassten 1933 ca. 800 Angehörige. Die meisten Juden Frankfurts verdienten um 1900 ihren Lebensunterhalt vor allem im Handel und Kleinhandel; doch gab es auch einige, die in Akademikerberufen tätig waren. Eine Statistik von 1935 gab die berufliche Struktur der Juden Frankfurts wie folgt wieder: 77 im Handel Tätige (davon 34 in Konfektion u. Bekleidung), elf Kleinhändler, 24 Akademiker (Ärzte, Zahnärzte, Rechtsanwälte, Apotheker), vier Fabrikbesitzer, neun Handwerker u.a.

Eine erste Auswanderungswelle Frankfurter Juden - es waren nicht nur Zionisten - erfolgte bereits nach den Boykottmaßnahmen des Jahres 1933. Unter dem Eindruck der beginnenden wirtschaftlichen Ausgrenzung schlossen sich jüdische Jugendliche aus Frankfurt den sog. „Werkleuten“ an, die unter Führung des Frankfurter Hermann Menachem Gerson sich für eine künftige landwirtschaftliche Tätigkeit in Palästina vorbereiteten. Zahlreiche Jugendliche arbeiteten halbtägig auf landwirtschaftlichen Gütern, z.B. auf dem Rittergut des jüdischen Verlegers Schocken in Winkel/b. Fürstenwalde oder Schniebinchen-Jessen/b. Sommerfeld, machten sich in Schulungskursen mit hebräischer Sprache vertraut und informierten sich über jüdische Geschichte und Religion. Neben dieser agrarisch ausgerichteten Berufsvorbereitung gab es in Frankfurt auch die städtische Einrichtung des „Beth Chaluz“; hier wurden Jungen meist in Handwerkerberufen, die Mädchen in hauswirtschaftlichen und pflegerischen Berufen ausgebildet, um für ihre Auswanderung nach Palästina gerüstet zu sein. In den Folgejahren wurden eine ganze Reihe jüdischer Kinder von ihren Eltern nach Großbritannien geschickt. In der Pogromnacht wurde auch die Frankfurter Synagoge in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte geplündert und zerstört sowie jüdische Männer verhaftet und ins KZ Sachsenhausen abtransportiert.

                      In einer kurzen Meldung in der „Frankfurter Oderzeitung” vom 9.11.1938 hieß es:

                                         Spontane judenfeindliche Kundgebungen                                                                        Frankfurt/Oder, 10.November.

Die Synagoge der Frankfurter jüdischen Gemeinde fiel heute nacht einem Brande zum Opfer, der die Inneneinrichtung vernichtete. In den jüdischen Geschäften wurden, ..., Fensterscheiben zertrümmert.

Die letzten noch in Frankfurt verbliebenen Juden wurden 1941/1942 ins „Generalgouvernement“ oder nach Theresienstadt deportiert. Am 22.Juli 1943 meldete die „Frankfurter Oder-Zeitung: „Der Regierungsbezirk ist judenfrei”. Ca. 110 jüdische Bewohner Frankfurts sollen Opfer der „Endlösung“ geworden sein.

Das 1938 in Brand gesetzte und im Innern stark beschädigte Synagogengebäude wurde in der Folgezeit als Lagerraum benutzt, nach 1945 dann abgerissen. Zum 50.Jahrestag der „Reichskristallnacht“ ließ die Stadtverwaltung am einstigen Standort der Synagoge einen Gedenkstein zur Erinnerung an die zerstörte Synagoge in der früheren Tuchmacherstraße aufstellen; zu dessen Einweihung war auch der letzte Rabbiner Frankfurts, Curt Cassel, anwesend. Der Stein trägt folgende Inschrift:

Hier stand die Frankfurter Synagoge, die im Jahre 1938 von den Faschisten zerstört wurde.

Wohl dem Menschen, der Einsicht gewinnt.

Nach dem Abriss des vor dem „Hotel Stadt Frankfurt“ befindlichen Gedenksteins wurde dieser an einem neuen Platz aufgestellt und 1994 im Beisein von Ignatz Bubis erneut eingeweiht; eine noch hinzugefügte Bronzetafel zeigt auf einem Stadtplan den historischen Standort des Synagogengebäudes.

Aufn. Christian Michelides, 2014, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0

Der sehr alte, auf der polnischen Seite der Oder gelegene jüdische Friedhof der Frankfurter Gemeinde in Slubice, der ehemaligen Dammvorstadt, wurde Mitte der 1970er Jahre fast vollständig abgeräumt und eingeebnet; Jahrhunderte alte Grabsteine wurden dabei umgeworfen, zerschlagen und auf einer naheliegenden Müllkippe entsorgt; auch die Trauerhalle wurde gänzlich zerstört. Auf dem Gelände entstand nun ein Hotelrestaurant; später wurde das Gebäude als Bordell genutzt. Seit einigen Jahren gibt es Bemühungen, den Friedhof zumindest als Gedenkstätte wiederherzurichten.

Slubice - Jüdischer Friedhof Aufn. Roland Totzauer, 2015 (aus: panoramio.com)

Auf dem Friedhof befanden sich ehemals Gräber bedeutender Juden, so z.B. des Rabbiners und Talmudisten Josef Teomin - auch bekannt unter dem Namen Peri Megadim -, der im 18.Jahrhundert hier wirkte und u.a. Kommentare zu den jüdischen Speiseregeln verfasste. Im Jahre 1999 - am 600.Jahrestag der Ersterwähnung des Slubicer Friedhofs - wurde eine Gedenktafel am Standort der ehemaligen Begräbnisstätte angebracht. 2004 fand die Weihe des rekonstruierten Grabes von Joseph Meir Theonim und zweier weiterer bedeutender Rabbiner statt.

Vier Jahre später wurden zudem noch einige historische Grabsteine wieder an ihren Originalplätzen aufgerichtet. Eine weitere Restaurierung des Friedhofs ist jedoch nicht geplant. 2014 wurde die historische Friedhofsanlage in die Denkmalsliste der Wojewodschaft Lubuskie aufgenommen.

  Alte Grabsteine (Aufn. O. Billerbeck)

Da der ehemalige jüdische Friedhof der Stadt auf der Slubicer Seite der Oder lag und schon längst nicht mehr als Begräbnisstätte genutzt wird, war 2010 mit der Anlage eines neuen Friedhofs für die Frankfurter jüdische Gemeinde begonnen worden. Ein Jahr später wurde der derzeit ca. 200 köpfigen Gemeinde das neue Begräbnisareal übergeben.

 In der St. Marienkirche stellt eines der bunten Glasfenster den „Anti-Christen“ dar; es soll aus der Zeit um 1350 stammen.

Auch die Stadt Frankfurt beteiligt sich an der sog. Aktion „Stolpersteine“; die ersten sieben wurden im Jahre 2006 verlegt, inzwischen sind es mehr als 175 Steine (Stand 2018), die jüdischen und nicht-jüdischen Opfern der NS-Gewaltherrschaft gewidmet sind. Auch die polnische Nachbarstadt Slubice nimmt an diesem Projekt teil.

sechs "Stolpersteine", verlegt in der Karl-Marx-Straße (Aufn. F. Hühner)

... und fünf weitere Steine Stolperstein für Dr. Iwan Jacob Grün.JPG Stolperstein für Johanna Kahne.JPG Stolperstein für Johanna Löschgold.JPG Stolperstein für Moses Mamroth.JPG Stolperstein für Heinrich Miedzwinski.JPG

Aufn. Chr. Michelides, 2016, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0

Die in Frankfurt/Oder beheimatete, noch junge jüdische Gemeinde umfasste 2013 ca. 200 Personen.

Seit 2014 verfügt die Gemeinde über eine zweite Thorarolle, die ein jüdisches Ehepaar aus den USA zum Andenken an ihre ermordeten Familienmitglieder gestiftet hat. Die erste war 2008 als Geschenk von Chabad Lubawitsch nach Frankfurt/O. gelangt.

Im nordwestlich von Frankfurt/O. gelegenen Neuendorf im Sande gab es ein landwirtschaftliches Gut, auf dem jüdische Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene für ihre Auswanderung nach Palästina vorbereitet wurden. Zeitweise lebten zwischen 1940 bis 1943 dort etwa 200 Menschen.

                   Heute erinnert eine Tafel am ehemaligen Gutshaus wie folgt:

In diesem Gutsbereich Neuendorf existierte von 1940 - 1943 ein landwirtschaftliches Umschulungslager für Juden. Damit sollte für diese leidgeprüften Menschen die Emigration aus der faschistischen Schreckensherrschaft in aufnahmewillige Länder erleichtert werden. Tatsächlich aber erfolgten von hier ab Januar 1942 nach dem Beschluß der Faschisten zur “Endlösung der Judenfrage” die Deportationen in die Vernichtungslager. Mit dem letzten Transport aus dem Gut Neuendorf im April 1943 wurde auch eine Gruppe von Kindern mit der jüdischen Lehrerin Clara Grundwald zur Vernichtung in die Gaskammern nach Auschwitz deportiert.

In ehrendem Gedenken !

9.November 1988 -     50.Jahrestag der faschistischen Pogromnacht

Im ca. 20 Kilometer nordöstlich Frankfurts liegenden Ort Drossen (poln. Osno Lubuskie) gab es im 19.Jahrhundert eine kleine jüdische Gemeinde, die jemals kaum mehr als 100 Angehörige zählte. Ihre Wurzeln sollen im ausgehenden 17.Jahrhundert - anderen Angaben zufolge erst in den 1730er Jahren - liegen. Eine zeitweilige jüdische Anwesenheit ist bereits um 1430 dokumentiert. Neben einem Friedhof, der zu Beginn des 19.Jahrhunderts am nördlichen Ortsrand angelegt worden war, besaß die Gemeinde auch eine Synagoge; das erste Bethaus wurde 1800 erstellt und nach einem Brande (1829) zwei Jahrzehnte später durch einen Neubau ersetzt.

Ortsmitte Drossen, hist. Aufn., um 1900 (aus: wikipedia.org, CCO)

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten nur noch ca. 30 jüdische Bewohner in Drossen. Ihr weiteres Schicksal lässt sich nicht eindeutig verfolgen. - Das Synagogengebäude wurde noch in den 1930er Jahren verkauft und zu Wohnzwecken umgebaut. Während der „Kristallnacht“ wurden Wohnungen und die zwei noch bestehenden jüdischen Geschäfte demoliert; mehrere Männer wurden in Haft genommen. - Heute erinnern nur noch wenige, von Vegetation überdeckte Grabsteinrelikte an den hiesigen jüdischen Friedhof.

In Sternberg in der Neumark (poln. Torzym) - ca. 35 Kilometer östlich von Frankfurt/Oder – war im 19.Jahrhundert eine kleine jüdische Dorfgemeinde existent; sie besaß einen eigenen Friedhof, der nach 1850 angelegt worden war. Während des Zweiten Weltkrieges gab es in Sternberg ein Zwangsarbeiterlager, in dem auch Juden aus dem Ghetto Lodz waren. Der in Vergessenheit geratene jüdische Friedhof - er blieb in der NS-Zeit von Zerstörung verschont - ist von Vegetation völlig überwuchert; einige Grabsteine haben die Zeiten überdauert.

In Reppen (poln. Rzepin), einer kleinen Ortschaft ca. 15 Kilometer östlich von Frankfurt/O., sind jüdische Bewohner erstmals im 14.Jahrhundert erwähnt. Danach liegen fast keine weiteren Informationen vor. Eine autonome jüdische Gemeinde hat es hier nicht gegeben. In den 1920er Jahren lebten in Reppen ca. 30 – 40 Personen mosaischen Glauabens. Von dem winzigen Friedhof, der im beginnenden 19.Jahrhundert an der Straße nach Sternberg angelegt wurde, sind nur noch vereinzelte Relikte vorhanden.

Weitere Informationen:

Bernhard Brilling, Jüdische Buchdruckerfamilien in Frankfurt/Oder, in: Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. Jg. 13/1957, No. 7, S. 1537 – 1548

Germania Judaica, Band II/1, Tübingen 1968, S. 251 – 253 und Band III/1, Tübingen 1987, S. 393/394

Helmut Eschwege, Die Synagoge in der deutschen Geschichte - Eine Dokumentation, VEB Verlag der Kunst, Dresden 1980

Helmut Eschwege, Geschichte der Juden im Territorium der ehemaligen DDR, Dresden 1990, Band I, S. 453 f.

Zeugnisse jüdischer Kultur - Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, Tourist Verlag GmbH, Berlin 1992, S. 90/91

Klaus Arlt, Aufbau und Niedergang jüdischer Gemeinden in der Mark Brandenburg im 19. und beginnenden 20.Jahrhundert, in: MENORA - Jahrbuch für die deutsch-jüdische Geschichte 1993, Serie Piper, München/Zürich 1993, S. 315

M.Brocke/E.Ruthenberg/K.U.Schulenburg, Stein und Name. Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland (Neue Bundesländer/DDR und Berlin), in: Veröffentlichungen aus dem Institut Kirche und Judentum, Hrg. Peter v.d.Osten-Sacken, Band 22, Berlin 1994, S. 341 – 345

Brigitte Meier, Die jüdische Gemeinde in Frankfurt an der Oder auf dem Weg in die Moderne 1750 bis 1850. Eine sozialhistorische Mikrostudie, in: Jahrbuch für Brandenburgische Landesgeschichte 46/1995, S. 111 – 128

Brigitte Meier, Frankfurt/Oder, in: Irene Diekmann/Julius H.Schoeps (Hrg.), Wegweiser durch das jüdische Brandenburg, Edition Hentrich, Berlin 1995, S. 125 - 141

Friedrich Lotter, Entwurzelung und Selbstbehauptung - Schicksale der Frankfurter Juden unter der NS-Herrschaft und in der neuen Heimat (unveröffentlichtes Maschinenmanuskript)

Katrin Kühlow, Juden in Frankfurt an der Oder von der Mitte des 13.Jahrhunderts bis zum Tod Friedrichs II., unveröffentlichtes Manuskript, Berlin 1997

Friedrich Lotter, Herrmann (Menachem) Gerson (1908 – 1989) und der Bund deutsch-jüdischer Jugend „Werkleute“, in: Frankfurter Jahrbuch 1996/1997, S. 89 - 133

Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus - Eine Dokumentation II, Hrg. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1999, S. 268 - 270

Ralf-Rüdiger Targiel, Kurze Geschichte des jüdischen Friedhofes Frankfurt-Slubice, Zielona Góra 1999, S. 21 - 28

Andreas Hanslok, Die landesherrliche und kommunale Judenschutzpolitik während des späten Mittelalters im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Ein Vergleich der Entwicklung am Beispiel schlesischer, brandenburgischer und rheinischer Städte, Dissertation 2000 (zu Frankfurt/O. S. 157 - 170)

Angekommen und fast schon daheim. Die wiedergegründete Jüdische Gemeinde zu Frankfurt (Oder), Frankfurt/O. 2000

Friedrich Lotter, Lebenswege ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus Frankfurt/Oder, in: Frankfurter Jahrbuch 2001

The Encyclopedia of Jewish Life before and during the Holocaust (Vol. 1), New York University Press, Washington Square, New York 2001, S. 335

Harald Riebe, Michael von Derenburg: ein Hofjude in Frankfurt an der Oder, in: Frankfurter Jahrbuch 2003/2004

Eckard Reiß, Der jüdische Friedhof im Frankfurter Stadtteil Dammvorstadt, heute Slubice, in: Mitteilungen Historischer Vereine zu Frankfurt (Oder) e.V. 1/2005, S. 9 – 33

Stadtarchiv Frankfurt/Oder (Hrg.), Frankfurt so wie es war - Die neue Synagoge, online abrufbar unter: stadtarchiv-ffo.de/bes_ang/ffo/

Helga Grune, Juden in Frankfurt (Oder), in: Transodra Online, 2007

Brigitte Meier, Frankfurt/Oder, in: Irene A. Diekmann (Hrg.), Jüdisches Brandenburg. Geschichte und Gegenwart, Beiträge zur Geschichte und Kultur der Juden in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, Band 5, Berlin 2008, S. 113 - 153

Ralf-Rüdiger Targiel, Mit kurfürstlicher Genehmigung immatrikuliert in Frankfurt – Jüdische Studenten der Viadrina, in: Irene A. Diekmann (Hrg.), Jüdisches Brandenburg. Geschichte und Gegenwart, Beiträge zur Geschichte und Kultur der Juden in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, Band 5, Berlin 2008, S. 409 – 416

Ralf-Rüdiger Targiel, Gedruckt mit den Typen von Amsterdam – Hebräischer Buchdruck in Frankfurt an der Oder, in: Irene A. Diekmann (Hrg.), Jüdisches Brandenburg. Geschichte und Gegenwart, Beiträge zur Geschichte und Kultur der Juden in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, Band 5, Berlin 2008, S. 450 – 481

Jüdische Geschichte vor Ort – Ein virtueller Stadtspaziergang durch Frankfurt/Oder und Slubice, hrg. vom Institut für angewandte Geschichte (online abrufbar unter: juedischesfrankfurtvirtuell.de)

Christine Körner (Red.), Jüdische Geschichte vor Ort: Jüdischer Friedhof, online abrufbar unter: .juedischesfrankfurtvirtuell.de

Henning Kraudzun (Red.), Jüdischer Friedhof in Frankfurt (Oder) eröffnet, in: „Märkische Oderzeitung“ vom 27.6.2010

Eckhard Reiß/Magdalena Abraham-Diefenbach (Hrg.), Makom tov? Der gute Ort – Jüdischer Friedhof Frankfurt (Oder) / Slubice, 2012

Roland Semik (Red.), Jüdischer Friedhof in Słubice (Frankfurt/Oder-Dammstadt) eingetragen in das Denkmalregister, in: sztetl.org.pl

Małgorzata Płoszaj (Red.), Jüdischer Friedhof in Torzym (Sternberg i.d.Neumark), in: kirkuty.xip.pl

Jüdischer Friedhof in Torzym (Sternberg i.d.Neumark), in: sztetl.org.pl

Robert Iwanetz, Heiliger Ort mit Nachtclub, in: „Märkische Oderzeitung“ vom 13.10. 2015

Thomas Gutke (Red.), Gedenken im Gehweg, in: „Märkische Oderzeitung“ vom 10.1.2017

Auflistung der in Frankfurt/Lubice verlegten Stolpersteine, online abrufbar unter: wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Frankfurt_(Oder)

N.N. (Red.), Gedenken an Theomim, in: Märkische Oderzeitung“ vom 29.4.2018