Dargun (Mecklenburg-Vorpommern)

Bildergebnis für dargun plz karte Dargun ist heute eine amtsfreie Landstadt mit ca. 4.500 Einwohnern im Norden des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte - zwischen Greifswald (im NO) und Güstrow (im SW) gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Seit wann im unbedeutenden vorpommerschen Flecken Dargun Juden gelebt haben, kann man nicht eindeutig sagen; möglicherweise hielten sich hier bereits vor dem Pogrom in Sternberg und der Ausweisung der Juden aus Mecklenburg (1492) jüdische Bewohner auf.

Die Wurzeln einer neuzeitlichen kleinen Gemeinde reichen vermutlich bis in die Mitte des 18.Jahrhunderts zurück. So soll die seit 1720 im hiesigen Schloss residierende Prinzessin Augusta von Mecklenburg-Güstrow einen „Hofjuden“ (Seligmann Benjamin) in ihren Diensten gehabt haben. Nach 1750 wurden dann einige Schutzjuden mit ihren Familien in Dargun ansässig.

Schon gegen Mitte des 18.Jahrhunderts muss es in Dargun einen Betraum in einem Privathaus gegeben haben; denn seit ca. 1760 hielten die Juden Darguns regelmäßige Gottesdienste ab, an denen auch die Juden von Neukalen teilnahmen. Auch einen jüdischen Lehrer soll es bereits zu dieser Zeit gegeben haben.

Ab den 1820er Jahren nutzte die kleine jüdische Gemeinschaft für ihre gottesdienstlichen Zusammenkünfte ein Fachwerkgebäude in der Schlossstraße, das 1848 umgebaut und vergrößert wurde;

Seit ca. 1770 muss es ebenfalls einen jüdischen Friedhof gegeben haben, der sich auf dem Gelände einer alten wendischen Burganlage - etwa 2,5 Kilometer südwestlich Darguns - befand. Die letzte Beerdigung erfolgte hier Anfang der 1920er Jahre. 

Seit 1899 gehörten auch die jüdischen Familien der aufgelösten Kultusgemeinde von Neukalen offiziell zur Darguner Gemeinde.

Juden in Dargun:

     --- 1810 ......................... 45 Juden,

     --- 1828 ......................... 67   “  ,

     --- 1848 ......................... 63   “  ,

     --- um 1890 .................. ca. 25   “  ,

     --- 1913 .........................  9   “  ,

     --- 1930/33 ......................  6   “  ,

     --- 1937 .........................  3   “  ,

     --- 1942 (Jan.) ..................  2 Jüdinnen,

              (März) ..................  keine.

Angaben aus: Dirk Werner, Spuren sichern von dem, was noch da ist, in: Nordkurier - Teterow, 6.6. 2005

und                 Angaben des Stadtarchivs

Durch Abwanderung wurde die kleine Gemeinde immer mehr dezimiert, die sich schließlich in den 1920er Jahren ganz auflöste. Die letzten beiden jüdischen Bewohnerinnen Darguns wurden Mitte Februar 1942 deportiert.

Der jüdische Friedhof wurde während der NS-Zeit mehrfach geschändet. Bereits 1939 soll die Kommune Dargun eine Einebnung des Begräbnisgeländes beantragt haben; einige Jahre später wurden dann alle verwertbaren Materialien entfernt; außer einigen Grabeinfassungen und drei Grabsteinen blieb nichts zurück.

Das Gebäude der Synagoge war seit Ende der 1920er Jahren ungenutzt. Seit 1968 dient es der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde als Gotteshaus; einige wenige Spuren lassen noch dessen einstige Bestimmung erkennen.

Ehem. Synagogengebäude (Aufn. G. Gräfe, 2012)  -  Rundfenster mit Davidstern

In der Dauerausstellung zur jüdischen Geschichte der Region in Röbel ist ein Modell der Darguner Synagoge (Entwurf der Architektin Heidi Vormann) zu besichtigen.

Synagogenmodell (Aufn. Thomas Helms) https://image.jimcdn.com/app/cms/image/transf/dimension=390x10000:format=jpg/path/sd7793fbffc0c029c/image/id5b67df55fd98553/version/1279213073/image.jpg

Jüngst wurde am Gebäude eine Gedenktafel angebracht. Das während der NS-Zeit verwüstete und teilzerstörte Friedhofsgelände in einem unwegsamen Waldgebiet wurde 1963 zu einer Gedenkstätte umgewandelt. Auf dem Friedhof sind noch Grabumrandungen und Sockel von etwa zehn Gräbern erhalten sowie drei Grabsteine von 1917. Ein aus Grabsteinrelikten zusammengefügter Gedenkstein trägt die Inschrift:

Jüdischer Friedhof.

Geschändet 1933 - 1945   Zur Gedenkstätte errichtet 1963

Den Lebenden zur Mahnung.

Dargun-Jüd-Friedhof-080601-046.JPG 

Grabrelikte und Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof in Dargun (Aufn. Chron-Paul, 2008, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

Weitere Informationen:

Zeugnisse jüdischer Kultur - Erinnerungsstätten in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen, Tourist Verlag GmbH, Berlin 1992, S. 26 f.

M.Brocke/E.Ruthenberg/K.U.Schulenburg, Stein und Name. Die jüdischen Friedhöfe in Ostdeutschland (Neue Bundesländer/DDR und Berlin), in: Veröffentlichungen aus dem Institut Kirche und Judentum, Hrg. Peter v.d.Osten-Sacken, Band 22, Berlin 1994, S. 289

Gerald Gräfe, Wenig Wissen über Darguner Juden - Fotoausstellung im alten Bethaus eröffnet, in: Anzeigen-Kurier vom 24.1. 2002, S. 14

Dirk Werner, Spuren sichern von dem, was noch da ist, in: Nordkurier - Teterow, 6.6. 2005

Angaben des Stadtarchivs Dargun und des Kreisarchivs Malchin (Maschinenmanuskript)

Heidi Vormann, Synagogen in Mecklenburg – Eine baupflegerische Untersuchung, in: Schriftenreihe der Bet Tfila-Forschungsstelle für jüdische Architektur in Europa, Band 20, Braunschweig 2011

Heidi Vormann, Synagoge in Dargun – Dauerausstelluing in Röbel, online abrufbar unter: heidi-vormann-architektin.de

Monument enthüllt – Darguner erinnern an ihre jüdischen Mitbürger, in: lokales Anzeigenblatt (2014)

Jürgen Gramenz/Sylvia Ulmer, Ehemaliges jüdisches Leben in Dargun, in: Die Geschichte der Juden in Mecklenburg, Aufsatz vom 14.5.2016, in: http://www.juden-in-mecklenburg.de/Orte/Dargun