Bedburg (Nordrhein-Westfalen)

Datei:Bedburg in BM.svg Bedburg ist eine Stadt mit derzeit ca. 25.000 Einwohnern im nordrhein-westfälischen Rhein-Erft-Kreis (Regierungsbezirk Köln) - ca. 35 Kilometer westlich von Köln gelegen (Karte TUBS, 2008, aus: commons.wikimedia.org, CC BY-SA 3.0).

Bedbur (Merian).jpg Bedburg nach dem 30jährigen Krieg (Abb. aus: wikipedia.org, gemeinfrei)

Jüdische Bewohner in Bedburg hat es nachweislich seit dem 18.Jahrhundert gegeben, doch erst im 19.Jahrhundert kann von einer nennenswerten Anzahl ausgegangen werden. Dabei handelte es sich bei den jüdischen Zuwanderern auch um solche Familien, die für die ökonomische Entwicklung des Ortes eine sehr große Rolle spielten: Eine der einflussreichsten und wohlhabendsten Familien des Rheinlandes war die in Bedburg ansässige Familie Silverberg, die eines der größten Bergbauunternehmen besaß.

Ein erster Betraum bestand bereits um 1800; er wurde 1825 ersetzt, als Bedburgs Judenschaft einen Gebäudekomplex in der Graf-Salm-Straße erwarb, der im Vorderhaus die Religionsschule und im Hinterhof die Synagoge beherbergte; in der kleinen Hinterhofsynagoge mit Frauenempore sollen etwa 70 Personen Platz gefunden haben.

Vor 1832 begrub die hiesige Judenschaft ihre Verstorbenen auf einem Areal „In den Gärten“, danach diente ein neu angelegtes Friedhofsgelände „Im Kamp an der Landgrube“ als letzte Ruhestätte.

Zur Spezial-Synagogengemeinde Bedburg, die seit 1866 zur Synagogengemeinde des Kreises Bergheim zählte, gehörten auch die wenigen jüdischen Familien aus Königshoven, Kaster und Kirchherten.

Juden in Bedburg:

    --- 1830 .......................... 69 Juden,

    --- 1860 .......................... 38   “  ,

    --- 1872 .......................... 33   “  ,

    --- 1901 .......................... 72   “  ,

    --- 1911 .......................... 73   “  ,

    --- 1933 .......................... 52   “  ,

    --- 1942 (Juli) ................... keine.

Angaben aus: Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Reg.bezirk Köln, S. 162

Zu Beginn der NS-Zeit lebten in Bedburg etwa 50 Bürger jüdischen Glaubens. In den Novembertragen des Jahres 1938 mussten die Juden Demütigungen, Misshandlungen und die Zerstörung ihrer Wohnungen über sich ergehen lassen. Besonders heftig traf es das Haus der Kaufmanns Franken; hier hatte der Mob die Fensterscheiben eingeschlagen, die Eingangstür aus den Angeln gehoben und auf die Straße geworfen, anschließend wütete die Menge im Haus.

Auch die Inneneinrichtung des Synagogenraumes wurde von NS-Anhängern vernichtet. Aus einem Bericht des Bürgermeisters vom 16.11.1938: ... Antijüdische Aktionen fanden in Bedburg am Donnerstag, den 10.11.1938 abends zwischen 18 u. 18.30 Uhr statt. Die Demonstranten drangen zunächst in die in der Salmstraße gelegene Synagoge ein und zertrümmerten dort die Inneneinrichtung vollständig. Die jüdischen Kultgegenstände wurden zum Adolf-Hitler-Platz gebracht und dort verbrannt.” 

Anm.: Das Synagogengrundstück ging kurz danach in „arische“ Hände über; das Gebäude selbst wurde 1943 während eines Bombenangriffs stark beschädigt. Nach Kriegsende diente das instandgesetzte Gebäude gewerblichen Zwecken, und Mitte der 1950er Jahre wurde es abgerissen.

Sechs jüdische Männer aus Bedburg wurden inhaftiert und Tage später ins KZ Dachau abtransportiert. Die wenigen noch in Bedburg lebenden Juden wurden unmittelbar vor ihrer Deportation in den beiden „Judenhäusern“ in der Lindenstraße und der Hundsgasse zusammengefasst und Mitte Juni 1942 „in den Osten umgesiedelt“. Mindestens 20 Juden Bedburgs wurden Opfer der Shoa.

Auf dem (neuen) jüdischen Friedhof an der Kölner Straße – er wurde bis 1939 belegt - findet man heute noch ca. 65 Grabsteine. Das Gelände des Vorgängerfriedhofs ist schon seit langem überbaut.

Jüdischerfriedhofbedburg00.JPG Jüdischerfriedhofbedburg03.JPG

Jüdischer Friedhof in Bedburg (Aufn. P., 2011, aus: wikipedia.org, CCO)

Seit 1998 erinnert im Innenhof der Adler-Apotheke eine Gedenkplatte an den Standort der ehemaligen Synagoge der Bedburger Juden.

Auf einstimmigen Beschluss des Stadtrates (2015) war die Verlegung von sog. "Stolpersteinen" in der Altstadt Bedburgs angestoßen worden. Bereits 2010 waren im Stadtteil Kirchherten (in der Zaunstraße) sieben Steine für die Angehörigen der jüdischen Familie Stern verlegt worden. Im Februar 2017 wurden dann die ersten drei Steine ins Gehwegpflaster der Lindenstraße eingelassen; zwölf weitere Steine folgten im darauffolgenden Jahr an zwei Standorten (Hundsgasse u. Lindenstraße).

Außerdem soll künftig eine Gedenktafel am Gebäude der ehemaligen Synagoge in der Innenstadt an das jüdische Leben in Bedburg erinnern.

 Auf Initiative des Geschichtsvereines trägt das Bedburger Gymnasium den Namen von Adolf Silverberg. Der Namensgeber (geb. 1845) gründete 1887 die “Bedburger Wollspinnerei Commandit Gesellschaft A. Silverberg & Cie“, die Jahre später mit der „Bedburger Wollindustrie AG“ fusionierte und ein Unternehmen mit mehr als 1.000 Arbeitskräften besaß. Zudem erwarb der Unternehmer vier Braunkohlegruben. Aus dem bis dahin kleinen Landstädtchen wurde durch das Wirken des Großindustriellen der zu jener Zeit bedeutendste Industriestandort in der gesamten Erftregion. Sein Sohn Paul Silverberg führte die Geschäfte nach dem Tode des Vaters und entwickelte sie weiter; er galt Ende der 1920er/Anfang der 1930er Jahre als einer der einflussreichsten Unternehmer des Rheinlandes und Unterstützer der NSDAP (!).

Die ökonomische Bedeutung der Familie Silverberg für die Entwicklung Bedburgs einschließlich der Region und ihr soziales Engagement veranlassten 1998 den Rat der Stadt Bedburg, das Städtische Gymnasium in Silverberg-Gymnasium umzubenennen. Auch eine Straße Bedburgs trägt heute den Namen von Adolf Silberberg.

Von dem bei Kaster (heute Ortsteil von Bedburg) im 19.Jahrhundert genutzten jüdischen Friedhof sind heute keinerlei Spuren mehr zu finden. Das Begräbnisgelände musste in den 1970er Jahren dem fortschreitenden Braunkohlentagebau weichen.

Weitere Informationen:

Hermann Kellenbenz, Paul Silverberg, in: Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiographien 9, Münster 1967, S. 103 ff.

Klaus H.S. Schulte, Dokumentation zur Geschichte der Juden am linken Niederrhein seit dem 17.Jahrhundert, in: Veröffentlichungen des Historischen Vereins für den Niederrhein ..., Band 12, Verlag L.Schwann Düsseldorf 1972, S. 23 - 25

Hans-Georg Kirchhoff/Heinz Braschoss, Geschichte der Stadt Bedburg, Bedburg 1992

Elfi Pracht, Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen: Teil I: Regierungsbezirk Köln, J.P.Bachem Verlag, Köln 1997, S. 162 – 167

Gerd Friedt (Bearb.), Judenfriedhöfe in Bedburg/Erft, hrg. vom Verein für Geschichte und Heimatkunde Bedburg e.V., 1998

Gerd Friedt, Beitrag zur rheinischen Wirtschaftsgeschichte. Die Familie Kommerzienrat Adolf Silverberg in Bedburg, Bedburg 1998

Gerd Friedt/u.a., Juden in Bedburg an der Erft - Spurenfragmente einer Minderheit, hrg. vom Verein für Geschichte und Heimatkunde Bedburg e.V., München 1998

Ariane Heller (Red.), Ein Taumel aus Haß und Gewalt, in: „Kölnische Rundschau“ vom 9.11.2006

Boris Gehlen (Red.) Paul Silverberg (1876--1959). Ein Unternehmer, in: “Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte", Beiheft 194/2007, Stuttgart 2007

Werner Rügemer (Red.), Zugesehen – mitgemacht – profitiert? Jüdische Unternehmer für Hitler: Paul Silverberg, in: „Neue Rheinische Zeitung“ - Online Flyer No. 136 vom 5.3.2008

Marcus Clemens (Red.), Vor 70 Jahren: Das erste Opfer des Rassenwahns, in: „Kölner Stadt Anzeiger“ vom 8.7.2008

Stadt Bedburg, Verlegung von zwölf weiteren „Stolpersteinen“, online abrufbar unter: bedburg.de/Aktuelles/Verlegung-von-zwoelf-weiteren-Stolpersteinen.html

Dennis Vlaminck (Red.), Erinnerung an NS-Verbrechen. Drei Stolpersteine in der Bedburger Lindenstraße verlegt, in: „Kölnische Rundschau“ bzw. „Kölner Stadtanzeiger“ vom 2.2.2017

Stadtverwaltung Bedburg (Red.), Verlegung von zwölf Stolpersteinen, Sept. 2018