Alsheim (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für Eich rheinland pfalz karte Alsheim ist mit seinen dezeit ca. 2.600 Einwohnern ein Ortsteil der Verbandsgemeinde Eich im Kreis Alzey-Worms (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Erste jüdische Besiedlungen in Alsheim lassen sich bis in die Zeit um 1530 nachweisen; allerdings lebten hier bis ins 18.Jahrhundert nicht mehr als fünf bis sechs Familien, die schließlich um 1750 eine Kultusgemeinde bildeten.

Anfang der 1840er Jahre ließ die Gemeinde in der Mittelgasse ein kleines Synagogengebäude mit ca. 70 Plätzen errichten, das auch eine Mikwe, eine Schule und eine Lehrerwohnung beherbergte. Zuvor hatte seit etwa 1740 ein Betraum in einem Privathaus für gottesdienstliche Treffen zur Verfügung gestanden. Zu den gemeindlichen Einrichtungen gehörte auch ein, allerdings erst im Jahr 1896 angelegter Friedhof, der auch von den Nachbarorten Gimbsheim und Mettenheim genutzt wurde. In den Jahrzehnten zuvor waren Alsheimer Juden in Osthofen beerdigt worden. Auch die anderen Alsheimer Kultuseinrichtungen wurden zeitweilig von Juden aus Mettenheim und Gimbsheim genutzt. 

Ein von der kleinen Gemeinde angestellter Lehrer fungierte - wie in kleinen Gemeinden allgemein üblich - zugleich auch als Vorbeter und Schochet. Prägend für das jüdische Gemeindeleben in Alsheim war in der gesamten zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Lehrer und Vorbeter Karl Marx (1824-1910); sein Synagogenchor war weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Marx spielte auch im Dorfleben jahrzehntelang eine größere Rolle; als Gründer des „Sängerbundes“ war er auch viele Jahre dessen Dirigent. In weiten Kreisen des Judentums und der jüdischen Lehrerschaft in Deutschland genoss Marx großes Ansehen.

         http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20136/Alsheim%20FrfIsrFambl%2022041910.jpg Zeitungsnotiz vom Aug. 1907

Die jüdische Gemeinde war dem Rabbinatsbezirk Worms zugeteilt.

Juden in Alsheim:

    --- um 1550 ........................  4 jüdische Familien,

    --- 1743 ...........................  6    "         "   ,

    --- 1799 ...........................  2    "         "   ,

    --- 1808 ........................... 14 Juden,

    --- 1824 ........................... 34   "  ,

    --- 1861 ........................... 73   “  ,*     * mit Hangen-Wahlheim

    --- 1871 ........................... 79   "  ,

    --- um 1880 .................... ca. 50   “  ,

    --- 1905 ........................... 43   “  ,

    --- 1933 ........................... 15   “  .**    ** andere Angabe: 33 Pers.

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 1, S. 32

und                 Alsheim, in: alemannia-judaica.de

Zu Beginn der 1930er Jahre lebten noch ca. zehn jüdische Familien in Alsheim. Haupterwerbszweige waren Landwirtschaft und Weinhandel. Bis Kriegsbeginn hatten die allermeisten jüdischen Bewohner Alsheim bereits verlassen.

Nach Angaben des Gedenkbuches des Bundesarchivs wurden 13 gebürtige bzw. länger im Dorf wohnhaft gewesene Juden/Jüdinnen Opfer der Shoa.

Einziger sichtbarer Hinweis auf die ehemalige jüdische Gemeinde ist heute der Friedhof, der eine Fläche von ca. 650 m² besitzt und noch relativ gut erhaltene Grabmale aufweist.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2059/Alsheim%20Friedhof%20101.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20359/Alsheim%20Friedhof%20BK14012.jpg

Jüdischer Friedhof in Alsheim (Aufn. J. Hahn, 2005 bzw. B. Kukatzki, 2013)

Das Gebäude der ehemaligen Synagoge wurde Anfang der 1970er Jahre zu Wohnzwecken umgebaut.                                                       

 

Nur wenige Kilometer südlich von Alsheim liegt das Dorf Mettenheim, das in den 1820er Jahren eine der größten jüdischen Landgemeinden der Region mit ca. 75 Mitgliedern beherbergte. Die Kinder besuchten die jüdische Schule in Alsheim. Infolge von Abwanderungen in die Städte verringerte sich ihre Zahl jedoch und lag 1861 bei nur mehr 20 Personen. Anfang der 1930er Jahre lebten keine jüdischen Bewohner mehr im Dorf.

[vgl. Eich (Rheinland-Pfalz)]

Weitere Informationen:

W. Jost, Geschichte des Dorfes Mettenheim - Festschrift zur Einweihung der wiederhergestellten evang. Pfarrkirche, 1907 (Reprint Worms 1990)

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag Frankfurt/M., 1971, Bd. 1, S. 32/33

Hannelore Künzl, Synagogenbauten in Rheinhessen, in: Alzeyer Geschichtsblätter 16/1981, S. 114

Gunter Mahlerwein, Alsheim - HALASEMIA. Geschichte eines rheinhessischen Dorfes, Band 1: Von den Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, Alsheim 1996

Gunter Mahlerwein, Alsheim - HALASEMIA. Geschichte eines rheinhessischen Dorfes, Band 2: Von der französischen Revolution bis heute, Alsheim 2004

S. Fischbach/I.Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 72 und S. 271

Klaus Mümpfer (Red.), Christen in der jüdischen Volksschule, in: „Wormser Zeitung“ vom 28.8.2006

Alsheim, in: alemannia-judaica.de (mit zahlreichen Textdokumenten zur jüdischen Ortshistorie, bes. zum jüdischen Lehrer K. Marx)