Jungholz (Elsass)

Bildergebnis für gebweiler karte Die oberelsässische kleine Ortschaft Jungholz (frz. Jungholtz) mit derzeit ca. 900 Einwohnern ist nahe Gebweiler/Guebwiller gelegen (Jungholz ohne Karteneintrag)

Die Herren von Jungholtz, die über das kleine Dorf verfügten, hatten im Verlauf des 17.Jahrhunderts Juden unter ihren Schutz genommen. Die jüdischen Bewohner durften - gemäß der "Judenordnung" des Bischofs von Straßburg von 1623 - ihre kultischen Handlungen zunächst nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einem Privathause ausüben. Ab den 1720er Jahren verfügten die Juden von Jungholtz dann über eine Synagoge; allerdings gehörte das Gebäude dem Grundherrn, der dieses gegen Mietzahlung der jüdischen Gemeinschaft überließ.

  ‚Alte Judenschule’ in Jungholtz

Im Erdgeschoss befand sich u.a. die Wohnung des Lehrers; im Obergeschoss war der Betraum untergebracht. Aus einer Beschreibung: „ ... dass gedachte Sinagog vierzig werk schuh lang und dreissig derselben schuh breit, der untere Stock mit Mauren und der obere mit Holz und in dem untern stock eine Bewohnung mit sechs Gemach als eine kuch, Stuben, Stubenkammer, annoch eine Kammer, Keller und Stall für ein Schulmeister, und in dem oberen Stock die Sinagog ...”

Gegen Ende des 18.Jahrhunderts besaß Jungholtz eine ansehnliche jüdische Gemeinde, die sich aber innerhalb nur weniger Jahrzehnte enorm verkleinerte. Eine Talmudschule soll bereits gegen Mitte des 18.Jahrhunderts existiert haben; ihr Gründer war der aus Kalisch stammende „Samuel Elias, Judter Schuelmeister von Jungholtz“, der als einer der ersten Lehrer urkundlich nachgewiesen ist.

     Magen Davids, Schnitzerei aus Jungholtz (um 1770)

Der jüdische Friedhof von Jungholtz, der im Laufe seines Bestehens von zahlreichen Gemeinden der Region benutzt und mehrfach erweiteret wurde, stammt vermutlich aus dem frühen 17.Jahrhundert und dürfte damit einer der ältesten im Oberelsass sein.

Eine Beschreibung des Friedhofs in einem Artikel der Zeitschrift "Der Israelit" vom 18. Sept. 1890: "Jungholz (Elsaß), 20. August. Auf einer steilen Anhöhe, in der Nähe unseres Dorfes, liegt fern vom menschlichen Wogen und Treiben  der israelitische Friedhof, einer der ältesten unseres Landes. Zahlreiche Denksteine aus dem 15. und 16. Jahrhundert legen einen sprechenden Beweis ab. In den schweren Zeiten des Mittelalters hatten hier die aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßenen, von Mißgeschick arg verfolgten Juden eine Stätte gefunden, wo sie wenigstens ihren Todten ein sicheres Ruheplätzchen geben konnten. Deßhalb kamen sie auch aus allen Gauen des Elsaß mit den sterblichen Ueberresten nach dem Jungholzer Friedhofe, da sie dieselben dort vor dem grausamen Pöbel sicher glaubten. Selbst heute noch dient dieser alte Friedhof weitaus der größten Anzahl des israelitischen Gemeinden des Kreises Gebweiler zur Begräbnißstätte. Eine uralte Sitte besteht nun bei den Israeliten, während des Monats Elul an den Gräbern der Verstorbenen zu beten. Seit voriger Woche herrscht nun ein reges Leben auf diesem sonst so stillen Orte. Aus Nah und Fern kamen letzten Donnerstag unzählige Fremde hier an, um dieses Werk der Pietät auszuüben."       

Anm.: In diesem Artikel geht der Schreiber noch davon aus, dass der Friedhof bereits aus dem 15.Jahrhundert stammt!

hist. Ansicht der Friedhofs (Lithographie von 1905, Judaica du Musée Alsacien)

  Cimetière israélite de Jungholtz (25940747785).jpg

 Jüdischer Friedhof von Jungholtz (Aufn. aus: judaisme.sdv.fr und S., 2016, aus: commons.wikimedia.org, CC BY 2.0)

Juden in Jungholtz:

    --- 1784 .........................  43 jüdische Familien (ca. 215 Pers.),

    --- 1846 .........................  35 Juden,

    --- um 1860 ......................   keine,

    --- 1900 .........................   2   "  .

Angaben aus: Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, S. 54

Um die Mitte des 19.Jahrhunderts existierte in Jungholtz bereits keine jüdische Gemeinde mehr.

Zwischen 1940 und 1945 wurde der Friedhof verwüstet; dabei wurden etwa 400 Grabsteine zerstört. Zur Erinnerung an die aus der Region deportierten jüdischen Bewohner wurde wenige Jahre nach Kriegsende auf dem Friedhofsgelände ein Denkmal errichtet.

 

Weitere Informationen:

Moses Ginsburger, Der Israelitische Friedhof in Jungholz, in: Schriften der Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elsaß-Lothringen 1, Gebweiler 1904

Paul Assall, Juden im Elsaß, Bühl-Moos 1984

Michel Rothé/Max Warschawski, Les synagogues d’Alsace et lieur histoire, Jerusalem 1992

Denis Inghold, Die Synagoge und die jüdische Schule von Jungholtz (Manuskript), Mulhouse 2000

Jungholtz, in: alemannia-judaica.de (mit diversen Aufnahmen)

Günter Boll (Red.), Der älteste Grabstein des jüdischen Friedhofs in Jungholz, PDF-Datei von 2011