Venningen (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für venningen karte postleitzahl Venningen mit seinen derzeit kaum 1.000 Einwohnern ist heute ein Ortsteil der Verbandsgemeinde Edenkoben im Landkreis Südliche Weinstraße – ca. 15 Kilometer nördlich von Landau/Pfalz gelegen (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Zur Bildung einer jüdischen Gemeinde im Dorfe Venningen kam es im Laufe des 18.Jahrhunderts; der erste Jude ist 1707 nachweisbar, als die Fürstbischöfe von Speyer diesem das Wohnrecht in Venningen zusprachen. Die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder blieb aber stets überschaubar und erreichte kaum 80 Personen. Anfang des 19.Jahrhunderts gehörten die jüdischen Bewohner Venningens der Kultusgemeinde Kirrweiler, zeitweise auch der Kultusgemeinde von Altdorf an; später wurde eine autonome Gemeinde in Venningen gebildet. 1847 weihte die hiesige Judenschaft ihre Synagoge in einem angekauften Gebäude in der Schafsgasse ein. Während sich im Erdgeschoss die Lehrerwohnung befand, nutzte man das Obergeschoss als Bet- und Unterrichtsraum. Männer und Frauen waren durch einen Vorhang voneinander getrennt. Im Hofe des Grundstücks erstellte man ein rituelles Bad.

 

Stellenanzeigen in der Zeitschrift „Der Israelit" vom 20.Sept. 1892 und vom 29.Aug. 1898

Ein eigenes Beerdigungsgelände stand ab den 1880er Jahren neben dem christlichen Friedhof in der Kirrweiler Straße zur Verfügung.

Die jüdische Gemeinde Venningen gehörte dem Bezirksrabbinat Landau an.

Nach Auflösung der Gemeinden in Altdorf um 1895 und in Kirrweiler um 1915 schlossen sich die dort noch verbliebenen Juden der Venninger Kultusgemeinde an.

Juden in Venningen:

    --- 1820 ............................  4 jüdische Familien,             

    --- um 1850 ......................... 55 Juden (in 12 Familien),

    --- 1875 ............................ 78   “  ,

    --- 1890 ............................ 17 jüdische Familien,

    --- 1900 ............................ 59 Juden,

    --- 1936 ............................ 38   “  ,

    --- 1938 ............................ 27   “  ,

    --- 1940 ............................  2   “  .

Angaben aus: Alfred Hans Kuby (Hrg.), Pfälzisches Judentum gestern und heute

und                 Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff, Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, S. 374

Die Juden Venningens verdienten ihren Lebensunterhalt im Handel, aber auch in der Landwirtschaft. Mit der nach 1880 einsetzenden Abwanderung reduzierte sich die ohnehin schon kleine Zahl der Gemeindemitglieder weiter. Zu Beginn der 1930er Jahre lebten nur noch wenige Familien im Ort. Sie mussten miterleben, wie während des Novemberpogroms von 1938 die Synagoge geschändet wurde; eine Brandlegung unterblieb wegen der dichten Bebauung. Nach den Novembertagen von 1938 verließen fast alle noch in Venningen lebenden jüdischen Bewohner ihren Heimatort. Im Oktober 1940 wurden die letzten beiden jüdischen Bewohner nach Gurs deportiert.

[vgl. Edenkoben (Rheinland-Pfalz)]

Das einstige Synagogengebäude dient heute als Wohnhaus; an die Zeit der Synagogennutzung erinnert heute noch die Portalinschrift und seit 1990 auch eine schlichte Gedenktafel.

 

Ehemaliges Synagogengebäude und Eingangsbeschriftung* (Aufn. aus: christen-und-juden.de)

* Die Inschrift lautet: "Gesegnet seist Du in Deinem Kommen und Deinem Gehen."

Das Gebäude der früheren Mikwe wurde zwar Anfang der 1950er-Jahre beseitigt, doch ist der Brunnen, der die Mikwe speiste, noch erhalten. 

Auf dem ca. 850 m² großen Begräbnisgelände am nördlichen Ortsrand stehen heute noch ca. 20 Grabsteine.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2047/Venningen%20Friedhof%20108.jpg  

Jüdisches Begräbnisgelände in Venningen (Aufn. J. Hahn, 2004 und R. Wild, 2016, aus: wikipedia.org, CC BY-SA 4.0)

 

Im östlich von Edenkoben an der südlichen Weinstraße gelegenen Altdorf gab es auch eine jüdische Landgemeinde, deren Wurzeln im ausgehenden 18.Jahrhundert lagen und die in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts immerhin ca. 100 Angehörige zählte und damit mehr als 15% der Einwohnerschaft ausmachte. Innerhalb weniger Jahrzehnte ging ihre Anzahl allerdings stark zurück; 1875 lebten hier nur noch 23 Juden. Anfang der 1890er Jahre löste sich die Kultusgemeinde Altdorf auf; die übriggebliebenen Gemeindemitglieder schlossen sich der Gemeinde Venningen an. 1940 lebten noch drei jüdische Bewohner im Dorf. vgl. Altdorf (Rheinland-Pfalz)

 

Weitere Informationen:

Albert Teutsch, Geschichte der Juden der Gemeinde Venningen, Karlsruhe 1936

Bernhard Kukatzki, Ein Schriftzug über dem Portal (Synagoge Venningen), in: Die Rheinpfalz (Ausgabe Landau) vom 1.8.1986

Karl Fücks/Michael Jäger, Synagogen der Pfälzer Juden. Vom Untergang ihrer Gotteshäuser und Gemeinden, Hrg. Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz, Neustadt/Weinstraße 1988

Alfred Hans Kuby (Hrg.), Pfälzisches Judentum gestern und heute. Beiträge zur Regionalgeschichte des 19./20.Jahrhunderts, Verlag Pfälzische Post, Neustadt a.d. Weinstraße 1992

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels “. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 374/375

Otmar Weber, Die Synagogen in der Pfalz von 1800 bis heute. Unter besonderer Berücksichtigung der Synagogen in der Südwestpfalz, Hrg. Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit Pfalz (Landau), Dahn 2005, S. 155

Venningen, in: alemannia-judaica.de (mit Dokumenten zur jüdischen Ortshistorie)

Altdorf/Pfalz, in: alemannia-judaica.de