Stein-Bockenheim (Rheinland-Pfalz)

Bildergebnis für stein-bockenheim karte postleitzahl Der derzeit ca. 700 Einwohner zählende Weinbauort Stein-Bockenheim gehört heute zur Verbandsgemeinde Wöllstein im Landkreis Alzey-Worms (Karte aus: suche-postleitzahl.org).

Die Anfänge einer jüdischen Gemeinde in Stein-Bockenheim, das den Grafen von Salm unterstand, liegen in der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts. Zur Kultusgemeinde, die um 1830 mit fast 100 Angehörigen ihren zahlenmäßigen Zenit erreichte, zählten ab der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts auch die jüdischen Bewohner aus Eckelsheim. Etwa ab 1750 soll in einem älteren Gebäude ein Betraum bestanden haben.

Eine nicht alltägliche Anzeige veröffentlichte die Zeitschrift "Der Israelit" in ihrer Ausgabe vom 29. August 1860, als vor dem in Stein-Bockenheim lebenden Thora-Schreiber gewarnt wurde:

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20190/Steinbockenheim%20Israelit%2029081860.jpg

In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts wurde neben dem christlichen Friedhof an der Mörsfelder Straße die jüdische Begräbnisstätte angelegt.

Juden in Stein-Bockenheim:

    --- 1804 ......................... 71 Juden,  

    --- 1824 ......................... 86   “  ,

    --- 1830 ......................... 97   “  ,

    --- 1861 ......................... 86   “  ,

    --- 1900/05 ...................... 33   “  ,

    --- 1925 ..................... ca. 15   “  ,

    --- 1931 ......................... 13   "  ,

    --- 1934 .........................  8   “  ,

    --- 1937 .........................  3   “  .

Angaben aus: Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Bd. 2, S. 294

Anfang der 1930er Jahre war die jüdische Gemeinde infolge Aus- und Abwanderung in Auflösung begriffen; sie löste sich 1937 offiziell auf; in diesem Zusammenhang wurde das Synagogengebäude, das bereits über Jahrzehnte hinweg gottesdienstlich unbenutzt geblieben war, meistbietend versteigert.

Die letzte in Stein-Bockenheim lebende jüdische Familie wurde im Herbst 1942 nach Theresienstadt deportiert. Mindestens sechs Juden aus Stein-Bockenheim fielen der Shoa zum Opfer.

Auf dem ca. 1.000 m² großen jüdischen Friedhofsgelände befinden sich ca. 50 Grabsteine auf; die letzte Beerdigung fand hier in den 1930er Jahren statt.

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2059/SteinBockenheim%20Friedhof%20016.jpg http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%2059/SteinBockenheim%20Friedhof%20011.jpg Grabsteine unterschiedlicher Erhaltung (Aufn. J. Hahn, 2005)

Das seit Ende der 1930er Jahre sich in Privathand befindende ehemalige Synagogengebäude wurde im Laufe der Jahrzehnte völlig umgebaut; es blieben nur einige Sandsteineinfassungen erhalten, u.a. über einem Tor eine noch teilweise lesbare Jahreszahl 17.. (?).

 Ehem. Synagogengebäude (Aufn. Rüdiger Benda, aus: alemannia-judaica.de)

An einer neben dem Rathaus befindlichen Mauer wurde 2011 eine Gedenktafel angebracht, die an die Deportation jüdischer Bewohner des Ortes erinnert.

Weitere Informationen:

Paul Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen. Anfang - Untergang - Neubeginn, Societäts-Verlag, Frankfurt/M. 1971, Bd. 2, S. 293 f.

Hannelore Künzl, Synagogenbauten in Rheinhessen, in: Alzeyer Geschichtsblätter 16/1981, S. 110

Stefan Fischbach/Ingrid Westerhoff (Bearb.), “ ... und dies ist die Pforte des Himmels ..”. Synagogen. Rheinland-Pfalz Saarland, Hrg. Landesamt für Denkmalpflege, Mainz 2005, S. 361

Stein-Bockenheim, in: alemannia-judaica.de

Michael Ohmsen, Video-Dokumentation des jüdischen Friedhofs Stein-Bockenheim, o.J.