Neuenburg (Westpreußen)

http://www.preussenweb.de/provinz/westpreussen.jpg  Die westpreußische Kleinstadt Neuenburg/Weichsel (poln. Nowe nad Wisla) liegt nur wenige Kilometer weichselabwärts von Graudenz; sie hat derzeit ca. 6.000 Einwohner.

In Neuenburg bildete sich in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts eine jüdische Gemeinde. Hingegen waren erste Niederlassungen von Familien wohl bereits in den letzten beiden Jahrzehnten des 18.Jahrhunderts erfolgt – allerdings zunächst vor der Stadtgrenze. Ab 1800 setzte dann ein größerer Zuzug ein.

Neben einem eigenen Friedhof besaß die Gemeinde seit Ende der 1840er Jahre auch eine Synagoge.

                       Synagoge im Vordergrund Bildmitte (hist. Aufn.)

Juden in Neuenburg:

--- 1812 ..........................  48 jüdische Haushalte,

--- 1831 .......................... 293 Juden (ca. 12% d. Bevölk.),

--- 1849 .......................... 313   “  ,

--- 1868 .......................... 470   "   (ca. 10% d. Bevölk.),

--- 1885 .......................... 270   “   (ca. 6% d. Bevölk.),

--- 1890 .......................... 243   “   (ca. 5% d. Bevölk.),

--- 1895 .......................... 213   “   (ca. 4% d. Bevölk.),

--- 1905 .......................... 162   "  ,

--- 1910 .......................... 141   “  ,

--- 1921 ...................... ca.  30   “  ,

--- 1934 ...................... ca.  80   "  .

Angaben aus: Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, Band 3, S. 670

und                  Nowe nad Wisla, in: sztetl.org.pl

Neuenburg/Weichsel um 1850 - Lithographie (Abb. aus: wikipedia.org, PD-alt-100)

Im letzten Viertel des 19.Jahrhunderts setzte eine deutliche Abwanderung jüdischer Familien aus Neuenburg ein; nach Ende des Ersten Weltkrieges verließen die meisten der noch ansässigen Juden die Stadt in Richtung Deutschland, so dass die Gemeinde sich aufzulösen begann. Spätere Zuzüge aus dem westlichen Russland ließ die Zahl der jüdischen Familien wieder etwas anwachsen. Dies führte jedoch zu gewissen Dissonanzen zwischen den wenigen alteingesessenen Familien mit den osteuropäischen Zuwanderern.

Anfang der 1930er Jahre wurde die Gemeinde offiziell aufgelöst; hier verbliebene Juden schlossen sich der jüdischen Gemeinde von Schwetz an.

Bei Kriegsbeginn gelang es noch einigen Familien, die Stadt zu verlassen.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde das marode und inzwischen aufgegebene Synagogengebäude von den Nationalsozialisten zerstört, das Abbruchmaterial zum Straßenbau benutzt. Auch der Friedhof wurde damals teilzerstört; heute erinnern nur einige Grabsteinrelikte an dessen vormalige Existenz.

Weitere Informationen:

Max Aschkewitz, Der Anteil der Juden am wirtschaftlichen Leben Westpreußens um die Mitte des 19.Jahrhunderts, in: Zeitschrift für Ostforschung 11/1962, S. 482 ff.

Max Aschkewitz, Zur Geschichte der Juden in Westpreußen, in: Wissenschaftliche Beiträge zur Geschichte und Landeskunde Ost-Mitteleuropas, hrg. vom Johann Gottfried Herder-Institut No. 81, Marburg 1967

Gerhard Salinger, Zur Erinnerung und zum Gedenken. Die einstigen jüdischen Gemeinden Westpreußens, New York 2009, Teilband 3, S. 668 - 672

Nowe nad Wisla, in: sztetl.org.pl